Mittwoch, 30. Januar 2008
Beerdigungstourismus in Indonesien
Die Beerdigung ist in einer Woche. Dann müssen die Zuschauertribünen für die bis zu 2000 erwarteten Gäste fertig sein. Die Frau aus dem Dorf starb bereits 2005 im Alter von 65 Jahren. "Sie ruht bis zu den viertägigen Feierlichkeiten einbalsamiert im Haus des Witwers", erläutert Muhammad Haris, Reiseführer einer Agentur, die auch deutsche Veranstaltergäste betreut. Die Familie sei wohlhabend. Es würden daher etwa 30 Wasserbüffel und 200 Schweine geopfert, schätzt Haris. Je mehr Tiere mit dem Beerdigten "in den Himmel fahren" und je mehr Touristen bei der Zeremonie zuschauen, desto größer die Ehre für Hinterbliebenen und Seelenheil des Toten.
Ein paar Ältere probieren bereits den frischen Palmwein, über Holzkohle wird ein schwarzes Schwein gedreht. Eine Frauengruppe bereitet Fisch und Gemüse vor. Schwein im Bambusrohr mit Paranüssen geröstet mundet den Christen hier im Toraja-Hochland. Die Muslime bevorzugen Fisch mit vielen Gewürzen in Bambus. Das Fleisch, das die Trauergemeinde nicht verspeist, erhalten Bedürftige.
Beerdigungszeremonie und Totenkult der Toraja locken schon seit Jahrzehnten Touristen aus aller Welt. Auch wegen der Entlegenheit ihrer Bergregion hat sich das Volk alte Sitten bewahrt, auch wenn die meisten Menschen hier heute offiziell Christen sind. Sichtbar wird der Ahnenkult auch an den geschmückten Gräbern in Höhlen, Felskammern und Haus-Mausoleen.
Tau-Tau-Puppen tragen Seelen der Toten
Die Bergwelt bietet schroffe Kalksteinfelsen und fruchtbare Ebenen. Senkrecht fällt eine graue Felswand ins Tal, wo Brotfrucht, Yucca, Kakao, Paranüsse und Süßkartoffeln wachsen - ein Kunststück, wie die Toraja hier Totenkammern in den Fels gemeißelt haben. Vor den Gräbern stehen geschnitzte Tau-Tau-Puppen, die die Seele des Verstorbenen tragen. Hier bei den Felsgräbern von Lemo nahe des Städtchens Rantepao stehen auch alte Tongkonan-Häuser. Ein paar Souvenirshops verkaufen traditionelle Kleidung und Tau-Tau-Puppen. "Vor zehn Jahren hatten wir mehr Touristen", sagt Saul Angi, der Chef des im traditionellen Stil in den Bergen gebauten Ferienhotels "Toraja Heritage". Höchstens ein Viertel der 120 Zimmer ist belegt.
Aus dem Artikel "Python in Scheiben" von Bernd Kubisch (dpa) in Spiegel-onlineSamstag, 26. Januar 2008
Verständlich...
"Es ist nur verständlich, dass die Wölfe die Abrüstung der Schafe verlangen, denn deren Wolle setzt dem Biss einen gewissen Widerstand entgegen."
Gilbert Keith Chesterton
Freitag, 25. Januar 2008
Rasch gesagt
Atheismus heute
Richard Dawkins wurde weltweit nicht als Atheist, sondern als Evolutionsbiologe bekannt. Auch deshalb wurde sein 560-seitiges Buch 'The God Delusion' ('Der Gotteswahn') beachtet. Aus dem Wissenschaftler ist inzwischen jedoch ein aggressiver Missionar des Atheismus geworden, der aus Gläubigen Atheisten machen möchte – und dies mithilfe seines Buches. Neben Dawkins sind weitere Autoren zu nennen, u. a. Christopher Hitchens, dessen Buch ('Der Herr ist kein Hirte') auch ins Deutsche übersetzt und vielfältig rezipiert wurde. Dawkins Werk liegt seit Wochen in jeder Bahnhofsbuchhandlung aus. Es wird gekauft, gelesen und diskutiert, obgleich der Autor auch mit geschickter Rhetorik seine fehlenden Kenntnisse in Sachen Theologie, Philosophie und Geschichte der Religionen kaum verbergen kann. Bei ihm findet sich ein vermeintlich naturwissenschaftlich orientierter Generalangriff auf die Religionen, die allesamt auf die Anklagebank gesetzt und als Wahnvorstellung pathologisiert werden. Naturwissenschaftliche Welterkenntnis führe weg vom Glauben und hin zum Atheismus. Das wird von ihm behauptet und suggeriert.
Nun ist die Religionskritik so alt wie die Religion selbst. In historischer Perspektive ist der Atheismus der nachgeborene Stiefbruder des Gottesglaubens. Er lebt vom Protest und vom Widerspruch. Selbstverständlich gibt es krankmachende Religiosität und den Missbrauch der Religion. Aber es gibt auch krankmachende Religionslosigkeit und einen 'evolutionären Humanismus', der die Würde des Menschen nicht achtet und seine Freiheit und Verantwortlichkeit leugnet. Auch der Atheismus kann intolerant werden, vor allem, wenn er sich mit dem Mantel der Wissenschaftlichkeit umgibt. Bemerkenswert ist schon, wie sehr manche Atheisten darum bemüht sind, ihre vermeintlich wissenschaftliche Weltdeutung politisch zu verallgemeinern.
Eine solche Tendenz zeigt sich nicht nur in den genannten aktuellen Publikationen, sondern auch in atheistischen Verbänden. Obwohl ihre Mitgliederzahlen äußerst begrenzt sind, beanspruchen sie dennoch für sich einen exklusivistischen Gestaltungsauftrag und erheben im Namen der Wissenschaft eine naturalistische und atheistische Weltanschauung zur Norm. Dagegen muss sehr deutlich gesagt werden: Von den 'Folgelasten der Toleranz' (Jürgen Habermas) kann auch das ungläubige Bewusstsein nicht entlastet werden. In einer pluralistischen, liberalen politischen Kultur wird nicht nur den Gläubigen zugemutet mit Nichtglaubenden in Respekt zusammen zu leben. Diese Zumutung gilt auch umgekehrt. Manche Atheisten tun sich damit ausgesprochen schwer. Der selbstreflexive Umgang mit den Grenzen der Vernunft und der Wissenschaft hat sich keineswegs schon überall herumgesprochen. Der Lernprozess, sich damit abzufinden, dass es in einer liberalen Demokratie auch gläubige Bürger dauerhaft geben wird, die ihr Leben und Handeln vor Gott verantworten wollen, steht manchen Propagandisten eines Atheismus und evolutionären Humanismus noch bevor."
Reinhard Hempelmann: Intolranter Atheismus, in: EZW-Materialdienst 1/2008
Mittwoch, 23. Januar 2008
Extremes Land in der Mitte
Und doch stimmt es auch für Friedewald: Hessen ist politisch sexy, Hessen ist spannend, Hessen rockt. Hessen ist nicht lauwarm, Hessen ist heiß oder kalt, links wie die SPD in Hessen Süd oder richtig rechts wie die CDU in Fulda. In Hessen war die SPD nie Neue Mitte und wird die CDU nie Merkels Moderne. In Hessen kämpfen die Stahlhelmer der CDU gegen die sozialistischen Umverteiler der SPD. Immer schon und weiterhin.
In Hessen vollzieht sich der archaische Kampf der Lager.
Vor allem aber, und das wissen sie genau im fernen Kanzleramt in Berlin und in der CDU-Zentrale: in Hessen geht es los. Hessen swingt. In Hessen weht der neue Wind oft zuerst."
Christoph Schwennicke: Warum Hessen rockt, spiegel-online 23.01.2008
Schicksalswahl, Richtungswahl in Hessen? Vielleicht kann man es so sehen. Zu wünschen wäre dem Land der Wechsel allemal. Aber selbst dann käme am Ende wohl wieder nur eine Große Koalition heraus...









