Freitag, 21. März 2008

Wir, die Sünder

Alte Fotografien

Was ist unser je eigenes Antlitz anderes denn ein Kurzkapitel
in Gottes Schöpfungsschrift? Wir lesen es wie hinter
einem Spiegel, von wo das Erinnern zurückdriftet
zum Moment des Ersten Sündenfalls...

In der Rundung des Apfels, im Bausch der Meereswelle
küßt uns Gott mit seinem Windhauch,
mit Lichtgarben fährt er über unsere faltige Haut.
Jedes Gesicht kann nur in eigener Prägung

den freudigen, traurigen Augenblick erkennen,
wie sich über der Stirn schwere Schatten zusammenbrauen
und Gottes Schrift unleserlich wird.

Ist es das, was den Menschen so selbstvergessen macht? In den anderen
sieht er den eigenen Anteil an der allgemeinen Schuld
und liest zugleich alles, was überhöht dahintersteht.

Hadžem Hajdarević

Dienstag, 18. März 2008

Osterbusen

"Der Handel berichtet uns, dass die österliche Zeit bereits zum zweitwichtigsten Umsatzmotor gleich nach Weihnachten geworden ist. Gut, die Süßwarenerzeuger und die Legehennen waren seit jeher im Produktionsstress. Die Osterhasen sowieso. Aber dass jetzt auch Juweliere, Uhrenhändler, Antiquitätenläden, Reiseanbieter, Flachbildschirmproduzenten und Handyerzeuger jubeln – will das jemandem in den Sinn? Die selbstgebackene Osterpinze, das handbemalte Osterei – mein Gott, wie einfältig! Wie gestrig!
Wie immer in diesen Dingen ersinnen die Reichen (oder jene, die halt nicht aufs Geld schauen) besonders aparte Geschenkideen. So hat der Fußballer Lothar M. seiner 20-jährigen Freundin einen neuen Busen geschenkt. Und Herr Worseg im Evangelischen Krankenhaus hat nicht lang gefackelt und nachgefragt. So haben alle was davon: Der Schönheitschirurg sowieso, der alternde Kicker im Johannistrieb evtl. Und das Mädel? Da können wir nur hoffen, dass die Freud' Ostern überdauern möge."

Die Presse 18.03.2008

Lutherhof (Martinstraße 25)


Stadt der Gegensätze

Woran merkt man in Wien, dass es Frühling wird? Im Aufgang zu den Stationen der U6 (die alte Stadtbahnstrecke, eine Hochbahn) sitzen wieder die Bettlerinnen.

Wien ist eine Stadt extremer sozialer Gegensätze, die Armut vieler Menschen schreit einen geradezu an. Von dreiundzwanzig Bezirken gelten nur zwei oder drei als wirklich "gute" Bezirke, in denen "man wohnen kann", und auch die bei näherem Nachfragen nur zum Teil.

Auffällig auch die deutliche Spaltung der Gesellschaft in politischer Hinsicht. Ob einer "rot" oder "schwarz" gesinnt ist, hängt anscheinend sehr von der Familientradition ab, und eine solche Prägung wirkt unverrückbar. "Gemeindebau" ist für einen Teil der Wiener so etwas wie ein anderes Wort für die Vorhölle, ein ÖVP-Wähler sieht sich überall umzingelt von "Wiener Proleten".

Hoffentlich kann es nun bald beginnen...




Eigentlich ist nun alles vorgedacht und vorbereitet, die Gemeinde hat die nötigen Beschlüsse gefasst, die Renovierung der Lutherkirche könnte nun endlich beginnen. Was nur noch fehlt, ist die Genehmigung der kirchenleitenden Stellen.

Sonntag, 16. März 2008

Ostern und die Frühlingsgefühle

Wenn es schon so in den Zeitschriften steht...
Oft denke ich, dass es auf der Südhalbkugel leichter sein muss, den religiösen Gehalt des Osterfestes wirklich zu erfassen, wenn man nicht so abgelenkt ist durch Natur und Hormone.