Dienstag, 1. Juli 2008

Hinab!

Krise auch in der ÖVP?

"Erwin Pröll hat es geschafft. Mit seiner unverhohlenen Kritik an ÖVP-Bundeschef Wilhelm Molterer in „seinem“ ORF-Landesstudio lenkt der niederösterreichische Landeshauptmann den Blick auf die Volkspartei. In den vergangenen Wochen und Monaten ging es ausschließlich um den inneren Zustand der SPÖ, um die Ausrutscher von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, zuletzt um die eigenartige Konstruktion, dass in der Bundesregierung Minister Werner Faymann dem Bundeskanzler unterstellt ist (dieser kann seinen Minister zur Entlassung vorschlagen), in der Partei hingegen Gusenbauer bald einfaches Mitglied, Faymann aber der große Vorsitzende sein wird.

Die ÖVP konnte sich da bequem zurücklehnen und die innere Selbstzerfleischung des roten Koalitionspartners genüsslich kommentieren. Sie konnte sich zugleich als konstruktive staatstragende Regierungspartei präsentieren, auf die noch Verlass ist. Die Umfragen sahen und sehen die ÖVP immer noch beständig vor den Sozialdemokraten.

Erwin Pröll hat plötzlich den ÖVP-Vizekanzler und den schwarzen Teil der Regierungsmannschaft im Visier. Wenn nach seiner Analyse Molterer der Mut zu einer Umbildung seines Teams fehlt, so kann das nur heißen, dass es derzeit Schwachstellen in der ÖVP-Ministerriege gibt. Mehr sagt Pröll schon nicht mehr – und damit ist weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet. „Der angebliche Hort der Stabilität“, so der grüne Bundeschef Van der Bellen ironisch, „ist zu einem Hort des inneren Streits geworden.“ Aus den anderen Parteien verlauten ähnliche Kommentare.

Nun sind zwei Schlüsse möglich: Pröll deckt einen innerparteilichen Zwist auf und eröffnet vielleicht schon die Hatz auf den Bundesparteiobmann; oder er hat mit seinem Befund Recht. (...)"

Erich Witzmann: Das plötzliche Ende des "Horts der Stabilität", Die Presse 1. Juli 2008

Wie sagte vor kurzem mein einziger an Politik wirklich interessierter Schüler zu mir? "Politik in Österreich" ist wie ein Sandkastenspiel im Narrenhaus."

Colores caloris

Nach orientalischer Art gedichtet

Ghasel

Er ist nicht in Saigon und nicht im Hadramaut gewesen
noch wo man Opium raucht und wo man Betel kaut gewesen

Umsteiger war er meist wär lieber gradeaus gefahren
und was er sonst erfuhr ist nicht auf seiner Haut zu lesen

Er war korrekt rasiert trug Ober- und auch Unterhemden
Er zischte Bier doch gab beim Fußball keinen Laut am Tresen

Er las die Zeitung doch er hätte gern die Zeit gelesen
Er hat es nie gelernt in dem was man verdaut zu lesen

Er trank und speiste gern auch Bilder waren seine Speise
In Licht und Wasser schien gelöst und auferbaut: das Wesen

Er kommt mir oft im Traum als wolle er bald Abschied nehmen
Er schaut mich lange an als wär ich ihm vertraut gewesen

Harald Hartung (aus: Aktennotiz meines Engels. Gedichte 1957-2004. Wallstein Verlag, Göttingen 2005)

Die arabisch-persische Gedichtform des Ghasels wurde im 19. Jahrhundert durch Dichter wie Platen und Rückert in die deutsche Lyrik eingeführt. Neben einer festen Zeilen-Zahl (bis zu 18) gehört die Wiederholung des Auslautes der ersten Zeile im Auslaut der folgenden Verse zu den Eigentümlichkeiten dieser Gedichtform.

Aufblick

Die Arbeiten haben am Turm begonnen, es wird von oben nach unten gearbeitet, damit das Gerüst dann nach und nach abgebaut werden kann.

Ein 142er-Fest

Wenn es keinen Anlass zum Feiern gibt, kreiert man eben einen: Einladung eines befreundeten Paares aus Deutschland, fand sich dieser Tage in meinem Briefkasten.

Wohnzimmerblicke





















Politik in Österreich

Gebet an den Herrn

Lieber Gott, lass sie sich zerfleischen, damit wir die Unterdrücker der 2. Republik endlich los werden. Schau, lieber Gott, die Ossis haben auch die Mauer überwunden, warum soll es in Österreich nicht die Mauern von SPÖVP zu sprengen? Wie schön könnte unser Land sein, wenn nicht bis zur kleinsten Siedlung, bis zur unbedeutendsten Stelle, bis in jedes Klassenzimmer ein Blockwart der Altparteien sitzen würde. Gut, lieber Gott, ich gebe zu, mit Strache ist kein Staat zu machen. Aber er ist doch nur eine Zwischenlösung. Erlöse uns von diesem Übel und der Pein. Ich danke Dir.

Kommentar von Gast "Rumpelstilzchen" am 30.06.2008 um 19:58 zum Presse-Artikel: Der Streit in der Koalition geht in die nächste Runde

Während in Deutschland Politikverdrossenheit und Desinteresse (generell) dominieren, blüht in Österreich die politische Kultur, - jedenfalls, wenn man Leserbriefspalten und Internetforen als Gradmesser nimmt. Österreich ist ein in sich völlig zerfallenes Land auf der Suche nach der eigenen Identität auf der Bühne der Welt und insbesondere in Europa. Käme es zu einer Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft, würde das Land sicher aus der Gemeinschaft ausscheiden. Beiden großen alten Volksparteien tut die Große Koalition nicht gut, wahrscheinlich würden von Neuwahlen nur die beiden Parteien rechts der ÖVP profitieren. Das Ergebnis der vermutlich kommenden Neuwahlen wird eine neue, andere Große Kolaition unter der Führung der Schwarzen sein.

Montag, 30. Juni 2008

Lutherhof (Rückseite)


Ein fröhliches Völkchen

daquer der Breite nach, breitlings

Kommentare:

Jetzt weiß ich endlich, [ von Brezi am 2007-05-26 04:09:42 ]
woher "Daquerrotypie" kommt. Eine Aufnahme en profil also!

@breznsoiza [ von klaser am 2007-06-11 21:47:00 ]
Der arme Dagueree hat Probleme, im Grab zu rotieren, weil er so viel lachen mus...

@klaser: Ach was! [ von Brezi am 2007-06-11 23:55:39 ]
Der gute alte Daguerre hat in Bry-sur-Marne, wo er glaub ich begraben ist, genug Platz zum Rotieren und vertrüge noch ein, zwei Schmähs mehr - wenn er überhaupt lacht. Aber du hast gelacht und das freut mich.

Aus dem österreichischen Wörterbuch ostarrichi.org