Samstag, 20. Oktober 2007

Universal



Wien bietet mir alles, Weinberge und Industriekultur, Schönes und Hässliches liegen oft so nah beieinander. Es gibt Eindrücke, die mich direkt an meine Heimat im Ruhrgebiet erinnern, und andere gemahnen an meine Jugend im schönen Stuttgart. So wird Wien mir zur Stadt der beglückenden coincidentia oppositorum...

Der Tag geht

Wehmütig...

Abschied für immer

Ist's ein Wunder, daß dich alle lieben,
Die nach meinem Scheiden sich dir nahen,
Meine Seufzer sind bei dir geblieben
Und als Luftgeist sehnlich dich umfahren,
Wer zu athmen wagt an deinem Munde
Zieht sie unbewußt zu seinem Herzen,
Diese Seufzer mancher trüben Stunden,
Diese Geister, mir entflohn in Schmerzen.

Zu lebendig war des Herzens Hoffen,
Es vergeht nicht mit den Schmerzenstagen,
Ja es liegt die Welt jetzt vor mir offen,
Meine Liebe fühl' ich drinnen schlagen;
Leb' ich nun in Andern, die dich lieben,
Mag ich wohl der armen Mutter gleichen,
Die ihr Kind von ihrer Brust vertrieben,
Ihre Brust dem fremden Kind zu reichen.

Hoffnungsgeister, die mit schönen Bildern
Mich getäuschet wie die Jugendzeiten,
Meiner Nächte Einsamkeit zu mildern,
Ich entlaß euch in die blauen Weiten,
Einen Händedruck gebt noch zum Scheiden,
Sei's die Jugend, die ich heut entlassen,
Was auch komme, nichts will ich vermeiden,
Was vorbei, das läßt sich nicht mehr fassen.

Achim von Arnim (1781-1831)

Freitag, 19. Oktober 2007

Ein kühler Morgen in Hernals



Immerhin...

Immerhin im "Standard" wird die geplante Online-Observierung auch kritisch bedacht. Auszug aus einem Gespräch mit ARGE Daten-Chef Hans Zeger:

WebStandard: Sie meinen man wird durch den Bundestrojaner keinen Kriminellen erwischen?

Zeger: Kleinkriminelle, Personen, die gewisse Daten auf dem Computer haben oder Wichtigtuer werden sicherlich aufgespürt werden können. Aber im Unterschied zur Telefonüberwachung ist es bei der Computer- und Internetüberwachung sehr einfach sich zu schützen. Wenn man eine geordnete IT hat, und ich gehe davon aus, dass professionelle und organisierte Kriminelle das Geld haben um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, dann sind diese Maßnahmen wirkungslos.

WebStandard: Aber wieso dann der "Bundestrojaner?

Zeger: Es ist ein Signal an die Bevölkerung. Wir tun etwas und kümmern uns um die Probleme. Und wenn ihr was macht, dann erwischen wir euch. Grundsätzlich handelt es sich hier nur um eine Erweiterung bereits bestehender Möglichkeiten und Befugnisse.

WebStandard: Wie soll der Bundestrojaner überhaupt funktionieren?

Zeger: Sie können sich schön jetzt entsprechende Software aus dem Internet laden, diese wird zu Preisen zwischen 100 und 1000 Euro zum Kauf angeboten. Je nach den Möglichkeiten, können dann der E-Mailverkehr oder auch die Tastenanschläge mitgeschnitten und ausspioniert werden."

WebStandard: Das bedeutet eine einfache Firewall würde ausreichen, um das Ausspionieren zu verhindern?

Zeger: Ja. Eine gute konfigurierte Firewall sollte diese Trojaner erkennen.

WebStandard: Denken Sie, dass sich der Innenminister Platter mit dieser Entscheidung und dem Thema Vorratsdatenspeicherung zum heißen Kandidaten für die Big Brother Awards gemacht hat?

Zeger: Ich bin nicht im Komitee für die Big Brothers Awards und kann daher dazu nur sagen, dass die Polizei immer ein heißer Kandidat für eine "Auszeichnung" im Bereich Verletzung der Privatsphäre ist. Wir leben schon heute in einem Stasi-ähnlichen Überwachungssystem. Die Vorratsdatenspeicherung ist dabei jedoch der wesentlich tief gehendere Einschnitt in die Privatsphäre als dies die Online-Überwachung ist. Der Online-Trojaner ist nur ein wesentlich spektakuläreres System. Viel mehr Gefahr ergibt sich aus der allgegenwärtigen Überwachungsmentalität und den Eingriffen durch die Vorratsdatenspeicherung.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Lachnummer

Wer hätte das gedacht? Eine Idee, die wahrhaft die Welt bewegt, das Angesicht der Erde verändert, unzählige Menschen beflügelt und Millionen in Unglück und Leid gestürzt hat - heute nur noch eine Lachnummer, ein Werbegag einer Billigfluglinie...

Martinstraße, Spätnachmittag



Mittwoch, 17. Oktober 2007

Kinderfreies Restaurant in Deutschland

„Es ist schon ein wenig seltsam. Da versucht unsere Familienministerin mehr Krippenplätze zu schaffen, da wird wochenlang über das Elterngeld debattiert, Eva Hermann plädiert wieder einmal für ein kinderfreundliches Deutschland. Und was muss man dann in der Zeitung lesen? - 'Kinder müssen draußen bleiben!'
Ein Wirt aus Kraiburg hatte genug von den quengelnden Quälgeistern und verhängte kurzerhand ein Lokalverbot für Jungen und Mädchen unter 12 Jahren. Viele Gäste bewundern den Mut von Dieter Hein. Schließlich ist der 52-jährige der erste bayrische Gastwirt, der sein Restaurant zur kinderfreien Zone erklärt. Er sei nicht dafür da, andere Kinder zu erziehen, begründete der vierfache Vater seine Entscheidung. Aber das verlangt ja auch niemand von ihm, für die Erziehung sind immer noch Vater und Mutter zuständig. Na gut, und die Lehrer Seine Horror-Szenarien von Chaos am Büfett, lautem Geschrei, Dreckschuhen auf der Couch oder Filzstiften auf der Tischdecke scheinen mir allerdings ein wenig übertrieben zu sein. Die Kinder sitzen schließlich nicht allein am Tisch, sondern mit ihren Eltern.
(…)
Der eigentliche Grund scheint ein ganz anderer – das liebe Geld. Denn nach Meinung von Herrn Hein schaden Kinder dem Geschäft. „Viele Eltern wollen dann nicht mal den vollen Preis zahlen. Da verdiene ich nur 15 Euro an einem Tisch“, so der Wirt. Vielleicht sollte Herr Hain mal über halbe Portionen für Kinder nachdenken?
Wie dem auch sei: Seit dem Kinderverbot steigen die Umsätze. Das Restaurant sei besser besucht als vorher: „Es kommen mehr Gäste, sie bleiben länger und konsumieren mehr“, freut sich Hein. Ein Ergebnis, von dem er sich in seiner Entscheidung bestätigt fühlen wird. Aber was wollen wir eigentlich? Wir reden ständig davon, dass uns der Nachwuchs fehlt und wir in Deutschland mehr Angebote für Kinder brauchen. Doch das nützt alles nichts, wenn Familien mit Kindern in unserer Gesellschaft nicht anerkannt werden, sondern schiefe Blicke ernten, wenn das Kind beim Einkaufen einen Wutanfall bekommt. (...)"

Michaela Warnke: Familienfeindlich?!: Im Lokal »Hacienda« müssen Kinder ab sofort draußen bleiben, auf jesus.de

An der U 6




Online-Fahndung

"Justizministerin Maria Berger (SPÖ) und Innenminister Günther Platter (ÖVP) haben sich auf die Online-Durchsuchung privater Computer geeinigt. Vor allem der Innenminister verspricht sich von dieser Maßnahme besondere Fahndungserfolge bei der Terrorfahndung. Zuerst soll allerdings eine Expertengruppe alle technischen und gesetzlichen Details klären. Spätestens im Herbst 2008 soll dann die Online-Durchsuchung erstmals in Österreich möglich sein.
Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: Die Polizei darf die Online-Durchsuchung nur beim Verdacht schwerer bzw. terroristischer Verbrechen einsetzen, erklärte Platter im Ö1-'Morgenjournal'. Dazu gehört auch der Verdacht auf Unterstützung terroristischer Vereinigungen. Konkret muss es sich um Taten handeln, auf die mindestens 10 Jahre Haft drohen." (Die Presse, 17.10.2007) In Deutschland haben ähnliche Überlegungen und Ankündigungen große öffentliche Diskussionen ausgelöst, in Österreich nimmt man das alles anscheinend viel gelassener. "Oesterreich" überschreibt die entsprechende Meldung mit "Online-Fahndung kommt fix", ohne sie zunächst weiter zu kommentieren. Es steht zu vermuten, dass der Beschluss eher als eine Erfolg der großen Koalition bewertet wird. Die Angst vor Terror und Kriminalität ist hierzulande stärker als die Sorgen um den Datenschutz und die Wahrung der Intimsphäre gegenüber staatlichen Organen, so scheint es.