Immerhin im "Standard" wird die geplante Online-Observierung auch kritisch bedacht. Auszug aus einem
Gespräch mit ARGE Daten-Chef Hans Zeger:
WebStandard: Sie meinen man wird durch den Bundestrojaner keinen Kriminellen erwischen?
Zeger: Kleinkriminelle, Personen, die gewisse Daten auf dem Computer haben oder Wichtigtuer werden sicherlich aufgespürt werden können. Aber im Unterschied zur Telefonüberwachung ist es bei der Computer- und Internetüberwachung sehr einfach sich zu schützen. Wenn man eine geordnete IT hat, und ich gehe davon aus, dass professionelle und organisierte Kriminelle das Geld haben um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, dann sind diese Maßnahmen wirkungslos.
WebStandard: Aber wieso dann der "Bundestrojaner?
Zeger: Es ist ein Signal an die Bevölkerung. Wir tun etwas und kümmern uns um die Probleme. Und wenn ihr was macht, dann erwischen wir euch. Grundsätzlich handelt es sich hier nur um eine Erweiterung bereits bestehender Möglichkeiten und Befugnisse.
WebStandard: Wie soll der Bundestrojaner überhaupt funktionieren?
Zeger: Sie können sich schön jetzt entsprechende Software aus dem Internet laden, diese wird zu Preisen zwischen 100 und 1000 Euro zum Kauf angeboten. Je nach den Möglichkeiten, können dann der E-Mailverkehr oder auch die Tastenanschläge mitgeschnitten und ausspioniert werden."
WebStandard: Das bedeutet eine einfache Firewall würde ausreichen, um das Ausspionieren zu verhindern?
Zeger: Ja. Eine gute konfigurierte Firewall sollte diese Trojaner erkennen.
WebStandard: Denken Sie, dass sich der Innenminister Platter mit dieser Entscheidung und dem Thema Vorratsdatenspeicherung zum heißen Kandidaten für die Big Brother Awards gemacht hat?
Zeger: Ich bin nicht im Komitee für die Big Brothers Awards und kann daher dazu nur sagen, dass die Polizei immer ein heißer Kandidat für eine "Auszeichnung" im Bereich Verletzung der Privatsphäre ist. Wir leben schon heute in einem Stasi-ähnlichen Überwachungssystem. Die Vorratsdatenspeicherung ist dabei jedoch der wesentlich tief gehendere Einschnitt in die Privatsphäre als dies die Online-Überwachung ist. Der Online-Trojaner ist nur ein wesentlich spektakuläreres System. Viel mehr Gefahr ergibt sich aus der allgegenwärtigen Überwachungsmentalität und den Eingriffen durch die Vorratsdatenspeicherung.