Samstag, 24. November 2007

Begrüßenswert - und doch rätselhaft

Die zum REWE-Konzern gehörende österreichische Supermarktkette "Billa" (Werbespruch: "Billa ... sagt der Hausverstand") hat bekannt gegeben, ihre Geschäfte am Samstag, dem 8. Dezember geschlossen zu halten. Der Tag "Mariä Empfängnis" ist in Österreich zwar schulfrei (das betrifft heuer nicht mehr so viele Schüler, weil er auf einen Samstag fällt), gilt aber nicht als offizieller Feiertag.

Das Wetteifern im Lebensmittelhandel erreicht eine neue Dimension. An einem der wichtigsten Einkaufstage des Landes, dem 8. Dezember, schließt Billa heuer die Ladentüren. ‚Wir stellen diesen Tag den Mitarbeitern zur freien Verfügung’, sagt Volker Hornsteiner, Vorstandssprecher von Billa. Denn gerade die Vorweihnachtszeit sei ohnehin sehr stressig für Handelsbeschäftigte.

‚Das ist ein Paukenschlag’, urteilt Handelsexperte Peter Schnedlitz von der Wiener Wirtschaftsuniversität. Als Belohnung für die Beschäftigten sieht er die Schließung aber nicht. ‚Der eine oder andere Mitarbeiter hätte bei dem ohnehin kärglichen Lohn sicher lieber die 200 Prozent Zuschlag als einen Ruhetag.’ Lob für Billa kam hingegen von Kardinal Christoph Schönborn („Es gibt immer wieder Zeichen, die Hoffnung machen.“), der Gewerkschaft und der Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Christine Marek (ÖVP).

Laut KMU Forschung Austria haben rund 70 Prozent der Geschäfte am 8. Dezember offen. Weil heuer der Feiertag auf einen Samstag fällt, rechnet Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria mit noch mehr offenen Geschäften als sonst. Dass andere dem Beispiel von Billa folgen, glauben Experten nicht. Spar hat bereits angekündigt, am 8. Dezember offen zu halten. Man habe gegenüber Kunden eine Verpflichtung, die betroffenen Mitarbeiter würden freiwillig und gern arbeiten, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Und sogar andere Marken des Rewe-Konzerns wie Merkur und Penny öffnen am Marienfeiertag.“ (Die Presse 24.11.2007)

Ein wenig rätselhaft erscheint die Sache schon: Handelt es sich um eine Werbeaktion, um sich bei kirchennahen Käuferschichten ein positiveres Image zu verschaffen - oder geht es nur um Einsparungen?

Bitte nur mit den Augen schauen...


Gesehen auf dem Christkindlmarkt am Wiener Rathaus...

Freitag, 23. November 2007

Was sich die "Grüne Jugend" in Deutschland so denkt

„Der Grundpfeiler einer freien und toleranten Gesellschaft ist eine freie und tolerante Familie. Familie ist die kleinste Einheit in einer Vielzahl an Individuen und Gemeinschaftsformen. Der Begriff „Familie“ wird bei uns in erneuerter Definition verwendet: Wir verstehen darunter sowohl das klassische Vater-Mutter-Kind-Bild, als auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit oder ohne Kind, polygame Lebensgemeinschaften, Patchworkfamilien, Alleinerziehende aber auch Wohngemeinschaften wie Studierenden-, Mehrgenerationen-, und Senioren-Gemeinschaften oder ganz einfach der engste Freundeskreis. Im Mittelpunkt der Definition steht die Solidarität untereinander, das Füreinanderdasein. Dies wollen wir rechtlich mit einem Familienvertrag absichern und damit die Ehe ersetzen.

(…)

Frei von Religion und Leitkultur

Viel zu häufig wird übersehen, dass unsere Gesellschaft und die westeuropäischen Staaten mit ihrer Gesetzgebung nicht nur das Resultat von Aufklärung, Industrialisierung und moderner Wissenschaft sind, sondern auch einer nicht zu verleugnenden christlichen Prägung. Doch damit stehen wir nicht am Ende der Entwicklung. Migration und Globalisierung entfalten ihre Wirkung in der Gesellschaft und müssen daher auch ihren Niederschlag in Staat und Gesetzgebung finden. Das passiert bislang viel zu wenig! Natürlich darf Politik nicht den anmaßenden Versuch unternehmen, in einer Welt des Pluralismus das politische Leben nach den Prinzipien einer bestimmten Religion gestalten zu wollen. Politik und der Staat müssen verschiedene Religionen bzw. Religiosität als Element einer pluralistischen Gesellschaft wahrnehmen, akzeptieren und schützen.

Die Freiheit der Religionsausübung ist ein Menschen- und Grundrecht, für das wir uns überall einsetzen. Wir fordern gleiches Baurecht für alle Religionsgemeinschaften und die Ausbildung von religiösen Geistlichen an deutschen Hochschulen. Religionsfreiheit heißt aber nicht, dass religiöse Werte über die Menschenwürde und anderer persönlicher Freiheitsrechte gestellt werden können. Dies gilt für alle Religionen gleichermaßen. So verlangt die GRÜNE JUGEND von allen MuslimInnen im Umgang mit Frauen, Homosexualität, der Trennung von "Staat und Kirche" und Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung das Gleiche ab wie von anderen Religionsgemeinschaften. Eine Stigmatisierung jedweder Religion, welche sich verfassungskonform verhält, lehnen wir ab.

Die GRÜNE JUGEND steht für die Freiheit des Denkens und Handelns für alle Menschen. Nur durch diese Vielfalt können eine offene und tolerante Gesellschaft und eine demokratische Meinungsbildung entstehen. Wir richten uns aber klar gegen diejenigen, die sehenden Auges die Erfahrungen und Erkenntnisse unserer Geschichte revidieren wollen oder gar künstliche Wahrheiten verbreiten, um eigene Interessen durchzusetzen. Unsere Gesellschaft baut ausdrücklich auf einem humanistischen Weltbild auf.

Der Religionsunterricht gehört deshalb aus der Verfassung gestrichen – jede Form von Schöpfungstheorie raus aus dem Unterricht. Stattdessen fordern wir einen gemeinsamen Weltanschauungsunterricht, der alle Konfessionen - auch den Islam – berücksichtigt. Ebenso wenig wie in Politik und Schule, gehören religiöse Regeln in die Gerichtssäle. Wir sind gegen eine soziokulturelle Rechtfertigung von Straftatbeständen. Beim Tragen von religiösen Symbolen in öffentlichen Einrichtungen muss eine konsequente Gleichbehandlung stattfinden.“

Aus dem Leitantrag "Gemeinsam frei leben" auf dem 29. Bundeskongress der Grünen Jugend in Würzburg (2.-4. 11. 2007)

Da wird es einem Pfarrer schon etwas mulmig. Eine Gesellschaft, wie sie diese jungen politischen Träumer sich ersinnen - wie sähe die wohl aus?

Fernwärme Spittelau

Wie wahr...

"Memento mori – Alt werden auch die Jungen"

Workshop beim 29. Bundeskongress der Grünen Jugend in Würzburg (2.-4. 11. 2007) unter dem Leitthema "gemeinsam frei leben".

Am Abend fast überall tot...



Wien ist eine Lerche. Das Leben pulsiert vom Morgen an, aber am Abend sind die äußeren Bezirke wie ausgestorben.

Das AKH von der U-Bahn Michelbeuern aus

Besser als das Original - Vom richtigen Leben im Falschen

"Fast perfekte Fälschungen zeigt das Picasso-Museum in Münster: Bilder, denen nur Experten ansehen, dass sie nicht von Magritte, Dali oder Chagall sind. Allerdings zweifeln auch Experten oft: die Kunstwelt streitet zur Zeit, wie viele Michelangelo zugeschriebene Zeichnungen tatsächlich von ihm sind. Aber ist das überhaupt so wichtig? Wozu brauchen wir Originale, wenn die Fälschungen genau so schön sind und ihren Zweck genau so gut erfüllen oder sogar viel besser. Wir sind umstellt von Plagiaten, Fälschungen und Fiktionen in der Kunst, in der Wissenschaft und den Medien. Einige davon ärgern uns, andere finden wir amüsant, andere brauchen wir sogar, um die Welt zu verstehen. An die Originale kommen wir sowieso meistens nicht heran, also müssen wir lernen, mit den Fälschungen zu leben."

Ankündigungstext für die gestrige Folge von "Der Tag" auf hr2, einer der intelligentesten Reihen in der gesamten ARD.

Warum sprang mir das so in die Augen? Vielleicht weil ich es in Wien so stark empfinde, in einer Welt des schönen Scheins zu leben...

Montag, 19. November 2007

Blick vom Stephansdom

Immer wieder überraschend schön: Die Fotoserien auf derstandard.at, die ungewohnte Blicke eröffnen... ("Wien von oben")

Rätselhaftes Wien

"Wien ist voller Widersprüche: einerseits eine stetig wachsende Metropole mit hoher Lebensqualität, andererseits ein von veränderungsscheuen Menschen bewohntes überdimensionales Freiluftmuseum. Dieser Stadt kommt selbst der eingefleischte Wiener nur schwer auf die Spur." (Der Standard 17.11.2007)