Freitag, 20. Juni 2008

Denkbild

Fußball und interreligiöses Beten

Die Katholische, die Evangelische und die Muslimische Jugend laden am kommenden Sonntag in Wien zu einem Fußballturnier der besonderen Art: Unter dem Motto "kick'n'pray" werden Jugendliche verschiedener Religionen in gemischten Mannschaften miteinander Fußball spielen.

Durch das Turnier sollen die Jugendlichen "beim gemeinsamen 'Sporteln', Beten und Feiern einander kennen lernen und so Vorurteile abbauen", heißt es von den Veranstaltern. Anpfiff zu dem interreligiösen Fußballturnier ist am 22. Juni um 14.30 Uhr auf dem Sportplatz in der Kriehubergasse 18 in Wien-Margareten. Die Final-Begegnungen des Turniers finden ab 19 Uhr statt. ORF-Sportkommentatorin Ulrike Schwarz wird die Spiele live kommentieren.

Aus allen Jugendlichen wird auch eine Mannschaft gelost, die um 18.45 Uhr gegen ein interreligiös zusammengesetztes "Promi-Team" antritt. Zugesagt haben dafür bereits der Wiener Weihbischof Franz Scharl, Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, der Wiener evangelische Superintendent Hansjörg Lein und der 10-fache österreichische Nationalspieler Muhammet Akagündüz, der derzeit beim Bundesligaklub SV Ried spielt.

Nach dem Finale treffen sich die Turnier-Teilnehmer um 19.45 Uhr vor der Jugendkirche Wien (Wiedner Hauptstraße 97, 1050 Wien) zu einem multireligiösen Gebet. Im Anschluss können sich Sieger wie Verlierer bei einem Fest unterhalten, die Rockband "SO:JA" sorgt für den musikalischen Rahmen. Für alle Fußballfans wird ab 20.45 Uhr natürlich auch das letzte Viertelfinalspiel der Europameisterschaft zwischen Spanien und Italien im Pfarrsaal der Pfarre St. Florian gezeigt.

Meldung des Evangelischen Pressedienstes für Österreich vom 19.06.2008

Hoffentlich gibt es beim Abschlussspiel nicht zu viele Verletzte unter den Geistlichen...

Dass tatsächlich ein interreligiöses Gebet stattfinden soll, erstaunt mich. Erst gestern hörte ich aus einer integrativen Schule, dass dort die Katholische Kirche eine solche für den Herbst geplante Feier unbedingt zu verhindern trachtet. Während der EURO gelten anscheinend andere Regeln.

Arbeitszimmer

Vertrag von Lissabon auf Eis?

Das gescheiterte Referendum in Irland lähmt die EU: Die Staats- und Regierungschefs verzichten vorerst auf ein neues Zieldatum für die Ratifizierung des Lissabon-Vertrags. Frankreichs Präsident Sarkozy richtete warnende Worte an die Mitgliedsstaaten.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs verzichten auf ein Zieldatum für die Ratifizierung des Reformvertrags. Das geht aus dem Entwurf der Schlussfolgerungen hervor, den der EU-Gipfel in Brüssel am Freitag verabschieden soll. Nötig sei mehr Zeit, um die Lage zu analysieren. In dem Papier heißt es zum weiteren Ablauf: "Der Europäische Rat war sich einig, dass mehr Zeit zur Analyse der Situation benötigt wird." Ein Datum wird nicht genannt.

Ursprünglich sollte der Vertrag zum Jahresbeginn 2009 in Kraft treten. Das Nein der Iren bei der Volksabstimmung vor einer Woche hat dieses Datum äußerst unwahrscheinlich gemacht.

Financial Times Deutschland online, 20.06.2008, 08.00 Uhr

Verwundet



















Mit dem vorläufig erst teilweise erneuerten Schutznetz schaut unsere Kirche aus wie ein Verwundeter mit Kopfverband. So ganz abwegig ist diese Assoziation ja auch nicht...

Klassengesellschaft

In den AHS-Zeugnissen (bis hin zur Matura) werden Prädikate verliehen und z.B. bei der Überreichung der Maturazeugnisse auch öffentlich genannt: Mit ausgezeichnetem Erfolg (Notenschnittvon maximal 1,5 und nur Teilnoten von Sehr gut bis Befriedigend) und Mit gutem Erfolg (Notenschnitt von maximal 2,0 undTeilnoten nur von Sehr gut bis Befriedigend). Bei allen anderen Maturanten (den Underdogs) heißt es dann nur lapidar "Bestanden".

Die Summe der ausgezeichneten und guten Erfolge bei der Matura scheint als Messzahl für die Qualität der Schule zu gelten und wird stolz veröffentlicht, wobei mir nicht klar ist, ob eine Quote von fast 60% Prädikatsabschlüssen nicht eher dafür spricht, dass es eine Schule ihren Schülern zu leicht macht...

Hernals





























Am Weg zur Straßenbahnhaltestelle Palffygasse.

Maturafeier

An der AHS Maroltingergasse erlebte ich eine beeindruckende österreichische Maturafeier mit Fahnen und Bundeshymne. Vergleichbares ist in Deutschland wohl undenkbar: Dass ganz am Ende der Feier, nach Zeugnisübergabe und Danksagungen, sich alle Anwesenden erheben und die Nationalhymne singen, noch dazu im Angesicht von Landes- und Bundesflagge...

Höfe


Ein Finanzsenator über das Geld

1. Welches ist Ihr größtes Kapital?
Die Tatsache, dass ich ein innengeleiteter Mensch bin.

2. Was hat für Sie keinen Wert?
Vergangene Sportereignisse.

3. Wie viel Bargeld haben Sie regelmäßig durchschnittlich dabei?
Etwa 50 bis 80 Euro.

4. Wie hoch war Ihr erstes Taschengeld?
Im Alter von 16 Jahren erhielt ich fünf D-Mark pro Monat.

5. Was würden Sie einem 16-Jährigen heute als Taschengeld geben?
20 Euro pro Monat.

6. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit dem Mähen des elterlichen Rasens von Hand inklusive Harken. Für 800 Quadratmeter habe ich 1,70 DMark erhalten.

7. Wofür haben Sie Ihr erstes eigenes Geld ausgegeben?
Für ein Rororo-Taschenbuch zum Ladenpreis von 1,70 D-Mark. Es war „Der weiße Süden“ von Hammond Innes.

8. Welches ist Ihr persönlicher Mindestlohn (in Euro pro Stunde)?
Für fünf Euro würde ich jederzeit arbeiten gehen. Das wären 40 Euro pro Tag.

9. Welche Arbeit ist für Sie unbezahlbar?
Keine Leistung, die ein Mensch erbringen kann, ist nicht auch käuflich.

10. Wir schenken Ihnen 10000 Euro: Was kaufen Sie?
Vielleicht einen neuen Computer, der, den ich benötige, kostet allerdings nur 500 Euro. Eine Rasen-Bewässerungsanlage könnte ich auch gebrauchen.

11. Welchen völlig überflüssigen Luxus werden Sie sich demnächst leisten?
Wenn ich etwas kaufe, ist es zweckmäßig und damit kein Luxus. Vielleicht werde ich mir jedoch eine LeicaM8 kaufen.

12. Welches war Ihr größter Verlust?
Meine Irrtümer am Aktienmarkt im Jahr 2000.

13. Welches war Ihr kapitalster Fehler?
Einer, den man öffentlich um keinen Preis wiedergibt.

14. Was war Ihre beste Investition?
Unser ehemaliges Haus in der Bonner Südstadt: Als wir es nach einigen Jahren verkauft haben, erzielten wir das Doppelte unseres ursprünglichen Kaufpreises.

15. Wo ist Geld sicher?
Als Krüger-Rand im Bank-Safe. Wobei die Auswahl der Bank entscheidend ist.

16. Was ist Ihre Maxime im Umgang mit Geld?
Geld ist Instrument, nicht Ziel.

17. Hätte Ihr letztes Hemd doch Taschen, was nähmen Sie mit?
Einen guten Roman, den ich immer schon zum zweiten Mal lesen wollte. Vielleicht "Krieg und Frieden", in der Ewigkeit ist ja viel Zeit.

Fragen des Magazins Cicero an den Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin