Dienstag, 19. August 2008
Metro- und meterosexuell
Ein Satz in einem Artikel in der Presse ließ mich stutzen, dort wurde das Wort "meterosexuell" gebraucht: "'Milan ist mehr ein David-Beckham-Typ und meterosexuell, oder wie man das nennt', so beschreibt Jamal (dargestellt von Ermeas Shema Kaza) einen seiner Freunde in der Miniserie 'Tschuschenpower'." (Diese kleine Serie soll die Lebenswirklichkeit von Jugtendlichen mit Migrantenhintergrund in Wien thematisieren.)
Von Metrosexualität hatte ich ja schon gehört. Was das ist? Ein Blick ins Internet macht schlau, eine hübsche Erklärung ist die folgende in einem Blog: "Unter metrosexuell versteht man jeMannden der heterosexuell ist, jedoch viele Wesensarten eines Homosexuellen an sich hat. Wir sprechen vom kultivert nagellackierten, brustrasierten und sich mit den Kumpels besaufenden Waschbrettbauchträger. Berühmtestes Beipiel aus dieser Kategorie ist David Beckham. Ein Metrosexueller ist also nichts anderes als ein emanzipierter Mann. Nach außen modern und weltoffen im innersten nach wie vor ein richtiger Kerl. Halleluja, ein neuer Typ Elite-Lover ist geboren. Hetero-Frauen, jetzt habt ihr endlich jemanden mit dem ihr euch die neusten Schminktipps austauschen und poppen lassen könnt. 2in1 Fuck'n'Go. Amen."
Immer wieder kommt man bei diesem Begriff auf die genannte Person zurück, man wird den Verdacht nicht los, es handele sich im Grunde um ein Konzept zur Förderung der Bekanntheit des prominenten britischen Fußballspielers David Beckham.
Aber dann geht die Wort-Geschichte weiter, vorangetrieben vermutlich durch einen schlichten Schreibfehler: Aus "metrosexuell" wird also "meterosexuell", da lässt sich auch ohne Griechischkenntnisse besser merken, es klingt ja schon so ähnlich wie "heterosexuell", nur eben mit anderem Anfangsbuchstaben. Ein neues Wort ist geboren, so geht das.
Von Metrosexualität hatte ich ja schon gehört. Was das ist? Ein Blick ins Internet macht schlau, eine hübsche Erklärung ist die folgende in einem Blog: "Unter metrosexuell versteht man jeMannden der heterosexuell ist, jedoch viele Wesensarten eines Homosexuellen an sich hat. Wir sprechen vom kultivert nagellackierten, brustrasierten und sich mit den Kumpels besaufenden Waschbrettbauchträger. Berühmtestes Beipiel aus dieser Kategorie ist David Beckham. Ein Metrosexueller ist also nichts anderes als ein emanzipierter Mann. Nach außen modern und weltoffen im innersten nach wie vor ein richtiger Kerl. Halleluja, ein neuer Typ Elite-Lover ist geboren. Hetero-Frauen, jetzt habt ihr endlich jemanden mit dem ihr euch die neusten Schminktipps austauschen und poppen lassen könnt. 2in1 Fuck'n'Go. Amen."
Immer wieder kommt man bei diesem Begriff auf die genannte Person zurück, man wird den Verdacht nicht los, es handele sich im Grunde um ein Konzept zur Förderung der Bekanntheit des prominenten britischen Fußballspielers David Beckham.
Aber dann geht die Wort-Geschichte weiter, vorangetrieben vermutlich durch einen schlichten Schreibfehler: Aus "metrosexuell" wird also "meterosexuell", da lässt sich auch ohne Griechischkenntnisse besser merken, es klingt ja schon so ähnlich wie "heterosexuell", nur eben mit anderem Anfangsbuchstaben. Ein neues Wort ist geboren, so geht das.
Montag, 18. August 2008
Großes Lob
Aufgrund des schlechten Wetters erlitten Hunderte Fans Unterkühlungen, Sturzverletzungen und Kreislaufkollapse. Das Rote Kreuz zählte 1500 Einsätze, von der Polizei kam großes Lob an die Fans: „Ein bewundernswertes Publikum.“ Aus einem Bericht der kostenlosen "U-Bahnzeitung" Heute (18.08.2008) über das Festival "Frequency 2008"
Die Wiener und ihr Schnitzel
"Die Mitzi, die Fritzi und die Leopoldin
san fesche und lustige Madeln,
hab'n Guckerln und Wuckerln wie a jede in Wien
und Handerln und Zahnderln und Wadeln.
Sie werden dem riesigsten Schnitzel gerecht
und tanzen noch Walzer dabei
und singen so hoch, wie die Callas gern möcht,
und ihr Herz ist für jedermann frei."
(Georg Kreisler: Der Tod, das muß ein Wiener sein)
Wien ist einerseits berühmt für seine Feinbäckerei, andererseits für seine Schnitzel. Beides ist, was den Konsum betrifft, mehr oder weniger austauschbar. Wiener können ihr Schnitzel, sei es vom Schwein, von der Pute der vom Huhn, auch zum Frühstück essen oder am frühen Nachmittag. Die einschlägigen Etablissements ("Schnitzelhaus", "Hühnerparadies" oder wie sie heißen mögen) öffnen am Vormittag spätestens um 10 Uhr, haben bis tief in die Nacht geöffnet und sind untertags recht gleichmäßig frequentiert.
Es ist schon irritierend, nachmittags in einem Schanigarten zu sitzen - und da essen die Leute zur besten Kaffeezeit, etwa um halb vier, mit größter Selbstverständlichkeit ihr Schnitzel.
In Wien wird das Schnitzel übrigens meist in der Fritteuse gegart, kaum je in der Pfanne. Im vorigen Winter, beim "Weihnachtsessen" der Pfarrkanzlei in einem Lokal in Schwechat, bestellte ich mir - in der Hoffnung auf eine Abwechslung - einmal Wild, aber es schmeckte genau wie ein Schnitzel, war ebenso paniert und kam vermutlich aus derselben Fritteuse...
san fesche und lustige Madeln,
hab'n Guckerln und Wuckerln wie a jede in Wien
und Handerln und Zahnderln und Wadeln.
Sie werden dem riesigsten Schnitzel gerecht
und tanzen noch Walzer dabei
und singen so hoch, wie die Callas gern möcht,
und ihr Herz ist für jedermann frei."
(Georg Kreisler: Der Tod, das muß ein Wiener sein)
Wien ist einerseits berühmt für seine Feinbäckerei, andererseits für seine Schnitzel. Beides ist, was den Konsum betrifft, mehr oder weniger austauschbar. Wiener können ihr Schnitzel, sei es vom Schwein, von der Pute der vom Huhn, auch zum Frühstück essen oder am frühen Nachmittag. Die einschlägigen Etablissements ("Schnitzelhaus", "Hühnerparadies" oder wie sie heißen mögen) öffnen am Vormittag spätestens um 10 Uhr, haben bis tief in die Nacht geöffnet und sind untertags recht gleichmäßig frequentiert.
Es ist schon irritierend, nachmittags in einem Schanigarten zu sitzen - und da essen die Leute zur besten Kaffeezeit, etwa um halb vier, mit größter Selbstverständlichkeit ihr Schnitzel.
In Wien wird das Schnitzel übrigens meist in der Fritteuse gegart, kaum je in der Pfanne. Im vorigen Winter, beim "Weihnachtsessen" der Pfarrkanzlei in einem Lokal in Schwechat, bestellte ich mir - in der Hoffnung auf eine Abwechslung - einmal Wild, aber es schmeckte genau wie ein Schnitzel, war ebenso paniert und kam vermutlich aus derselben Fritteuse...
Die im Dunkeln sieht man nicht
"Willkommen zu einer Führung", sagt Lothar S., "durch ein anderes Ludwigshafen, als sie es sonst kennen". Eines, in dem Menschen mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hätten: "Alkohol, psychische und finanzielle Probleme", weiß der freundliche Mann mit den grauen Haaren, der an diesem Abend als "Guide" fungieren wird.
Wohnungslosigkeit: Lothar S. hat dieses Schicksal selbst erlebt. Er lebt seit August vergangenen Jahres im Haus St. Martin, absolviert hier eine Resozialisierung. Seine Bitte an die Teilnehmer seiner Gruppe: "Bringen Sie den Leuten Respekt entgegen. Es ist für sie nicht einfach, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren". Und dennoch haben sie den Mut aufgebracht, sich an einem außergewöhnlichen Projekt zu beteiligen: Der "Langen Nacht der Wohnungslosigkeit".
"Zukunft nicht planbar"
Fast ein Jahr lang haben 14 Studierende der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen zusammen mit Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe an diesem Projekt gearbeitet, bei dem die Teilnehmer "keine Sightseeing-Tour" erleben, wie FH-Professorin Andrea Lutz-Kluge betont, die zusammen mit Theaterregisseurin Maike Lex die Kultursommer-Veranstaltung leitet - sondern die sie vielmehr durch Begegnungen, Gespräche und Performances auf eindrucksvolle und bewegende Weise dem Leben und der Geschichte der Betroffenen näher bringt, Verständnis schafft.
Regen perlt auf die Haltestelle Heinrich-Pesch-Haus - von hier aus starten die vier Gruppen mit jeweils 15 Teilnehmern zeitversetzt, treten eine Reise an, die sie zu Orten führt, die von Wohnungslosen aufgesucht werden, in denen sie sich treffen, Unterkunft oder Unterstützung finden.
Mietschulden hätten sie hierher gebracht, erzählt eine Mutter, die mit ihren Kindern im städtischen Obdach in der Bayreuther Straße untergekommen ist. Zwar fühle sie sich hier wohl, gleichwohl werde "abgestempelt", wer hier lebe: Als sie etwa ein Konto für ihre Tochter habe eröffnen wollen, sei dies abgelehnt worden, nachdem sie ihre Anschrift genannt habe. "Die Zukunft für mich und meine Kinder ist nicht planbar", berichtet sie beim Gespräch in den Räumen des Straßensozialarbeiters. Vor dem Gebäude der benachbarten Ludwigshafener "Tafel" präsentiert Lothar S. einen spärlich gefüllten Korb - Lebensmittel für "4,13 Euro" - soviel stehe einem Hartz IV-Empfänger pro Tag für Nahrungsmittel zur Verfügung, erzählt er.
Insgesamt werden rund ein Dutzend Stationen angesteuert. Bei einer Busfahrt singt FH-Rektor Jürgen Mangold Bert Brechts "Ballade vom angenehmen Leben", in der Teestube in der Rohrlachstraße sowie im "SleepInn" werden Foto-Ausstellungen präsentiert. Vor der Dreifaltigkeitskirche musizieren Besucher der Suppenküche, und tragen zusammen mit Studierenden anrührende Texte vor, die sich mit dem Leben ohne Obdach auseinandersetzen. Treffpunkt der Führungen ist im Haus St. Martin, wo Filme gezeigt werden und "Point of No Return"- eine Musikband aus Bewohnern der Bayreuther Straße - spielen.
Dirk Grund: Dem Leben Obadachloser auf der Spur, Mannheimer Morgen 14. Juli 2008
Wohnungslosigkeit: Lothar S. hat dieses Schicksal selbst erlebt. Er lebt seit August vergangenen Jahres im Haus St. Martin, absolviert hier eine Resozialisierung. Seine Bitte an die Teilnehmer seiner Gruppe: "Bringen Sie den Leuten Respekt entgegen. Es ist für sie nicht einfach, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren". Und dennoch haben sie den Mut aufgebracht, sich an einem außergewöhnlichen Projekt zu beteiligen: Der "Langen Nacht der Wohnungslosigkeit".
"Zukunft nicht planbar"
Fast ein Jahr lang haben 14 Studierende der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen zusammen mit Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe an diesem Projekt gearbeitet, bei dem die Teilnehmer "keine Sightseeing-Tour" erleben, wie FH-Professorin Andrea Lutz-Kluge betont, die zusammen mit Theaterregisseurin Maike Lex die Kultursommer-Veranstaltung leitet - sondern die sie vielmehr durch Begegnungen, Gespräche und Performances auf eindrucksvolle und bewegende Weise dem Leben und der Geschichte der Betroffenen näher bringt, Verständnis schafft.
Regen perlt auf die Haltestelle Heinrich-Pesch-Haus - von hier aus starten die vier Gruppen mit jeweils 15 Teilnehmern zeitversetzt, treten eine Reise an, die sie zu Orten führt, die von Wohnungslosen aufgesucht werden, in denen sie sich treffen, Unterkunft oder Unterstützung finden.
Mietschulden hätten sie hierher gebracht, erzählt eine Mutter, die mit ihren Kindern im städtischen Obdach in der Bayreuther Straße untergekommen ist. Zwar fühle sie sich hier wohl, gleichwohl werde "abgestempelt", wer hier lebe: Als sie etwa ein Konto für ihre Tochter habe eröffnen wollen, sei dies abgelehnt worden, nachdem sie ihre Anschrift genannt habe. "Die Zukunft für mich und meine Kinder ist nicht planbar", berichtet sie beim Gespräch in den Räumen des Straßensozialarbeiters. Vor dem Gebäude der benachbarten Ludwigshafener "Tafel" präsentiert Lothar S. einen spärlich gefüllten Korb - Lebensmittel für "4,13 Euro" - soviel stehe einem Hartz IV-Empfänger pro Tag für Nahrungsmittel zur Verfügung, erzählt er.
Insgesamt werden rund ein Dutzend Stationen angesteuert. Bei einer Busfahrt singt FH-Rektor Jürgen Mangold Bert Brechts "Ballade vom angenehmen Leben", in der Teestube in der Rohrlachstraße sowie im "SleepInn" werden Foto-Ausstellungen präsentiert. Vor der Dreifaltigkeitskirche musizieren Besucher der Suppenküche, und tragen zusammen mit Studierenden anrührende Texte vor, die sich mit dem Leben ohne Obdach auseinandersetzen. Treffpunkt der Führungen ist im Haus St. Martin, wo Filme gezeigt werden und "Point of No Return"- eine Musikband aus Bewohnern der Bayreuther Straße - spielen.
Dirk Grund: Dem Leben Obadachloser auf der Spur, Mannheimer Morgen 14. Juli 2008



