Samstag, 23. August 2008

Vorräte














Bedrohlicher Frosch

Ein gekreuzigter Frosch beschäftigt seit Monaten die Südtiroler Politik. Das Werk mit dem Titel Zuerst die Füße von Martin Kippenberger sorgt seit der der Eröffnung des Bozener Museums für Moderne Kunst (Museion) für Aufregung. Nun protestiert ein Landtagsabgeordneter mit einem Hungerstreik gegen die "Pervertierung des christlichen Kreuzes".

Während in Wien Kippenberger im Rahmen der Ausstellung Bad Painters gewürdigt wird, erregt ein Werk des 1997 verstorbenen Künstlers Die Politiker Südtirols. Der gekreuzigte Frosch mit heraushängender Zunge und einem Bierkrug in der rechten Hand regte schon bei der Eröffnung des Museums den Bozner Bürgermeister Luigi Spagnolli auf. "Ich weiß natürlich, dass Kunst provozieren muss, aber das geht meiner Meinung nach doch zu weit. Die Religion und der Respekt vor ihr sollten wichtiger sein als die Kunst", stellte der Politiker fest.

Dem Landtagsabgeordneten Franz Pahl von der SVP waren Worte nicht genug. Er hat sich vor dem Museum postiert und ist in den Hungerstreik getreten, um gegen das Werk zu protestieren. Kippenbergers gekreuzigten Frosch bezeichnet er als "Persiflage einer zentralen Aussage des Christentums", die die christliche Gemeinschaft Südtirols beleidige. Mit den Landtagswahlen im Herbst habe seine Aktion nichts zu tun, sagte Pahl.

Eben das bezweifelt sein Kollege Andreas Pöder (Union für Südtirol). Er bezeichnete Pahls Hungerstreik als "scheinheilig". Noch vor zwei Monaten habe Pahl wörtlich gesagt, dass ihn der Frosch überhaupt nicht störe. Jetzt mache er damit Wahlkampf.

Die Union für Südtirol kritisiert die Präsentation des Kunstwerks ebenso wie Landeshauptmann Luis Durnwalder, die Südtiroler Freiheitlichen und Vertreter der Kirche.

Zu den wenigen Verteidigern des Frosches gehören die Südtiroler Grünen sowie der Leiter der Landeskulturabteilung, Armin Gatterer, der gegenüber der Zeitung Dolomiten erklärte: "Er wirft nur Fragen auf, und es hängt nur von der Standfestigkeit eines politischen Systems und kirchlicher Befindlichkeit ab, ob sie Platz haben für ein solches Kunstwerk oder sich davon bedroht fühlen".

Gerald Jatzek: Hungerstreik gegen gekreuzigten Frosch, Wiener Zeitung online 23.08.2008

Freitag, 22. August 2008

Herein!

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Erstaunlich

"Die christlich-fundamentalistische Religionsgruppe der Amish in den USA expandiert rapide. Die Zahl der Amish habe sich in den vergangenen 16 Jahren fast verdoppelt, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Elizabethtowen College in Pennsylvania. Die Gemeinschaft zähle inzwischen etwa 231.000 Mitglieder. Am bekanntesten sind die Amish dafür, dass sie die meisten Aspekte modernen Lebens ablehnen: Sie leben ohne Elektrizität und bewegen sich allenfalls auf Pferdewagen fort. Viele sprechen noch einen Dialekt, der seinen Ursprung im Deutschen hat. Der Studie zufolge konnte die Religionsgemeinschaft ihr Siedlungsgebiet in den USA, das zunächst auf Pennsylvania, Ohio und Indiana begrenzt war, inzwischen auf 28 Bundesstaaten ausweiten. In Virginia etwa habe sich ihre Anzahl seit 1992 vervierfacht, in Kentucky habe sie sich verdoppelt. Studienautor Donald Kraybill führte die Expansion vor allem auf die großen Familien zurück. Im Durchschnitt habe eine Amish-Familie fünf Kinder.
Zudem gelinge es der Gemeinschaft, die meisten jungen Leute an sich zu binden, heißt es in der Studie. Nur ein Fünftel der Kinder mache von der Möglichkeit Gebrauch, im Alter von 18 Jahren aus der Gemeinschaft auszuscheiden."

Gefunden auf focus.de

Ist das möglich - oder ein Statistikfehler? Haben die Amish früher etwa weniger Kinder gehabt? Oder ist die Kindersterblichkeit so rapide zurückgegangen? Und haben die jungen Leute sich mit 18 früher häufiger von ihrer Gemeinschaft getrennt?

Wie auch immer: Fruchtbarkeit ist sicher ein wesentlicher Faktor bei der Erhaltung einer Gemeinschaft - und genau daran mangelt es bekanntlich bei den Evangelischen - in Österreich nicht anders als in Deutschland.

Westwärts geschaut

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Nichts für Klaustrophobe

Gehe in dich, das ist leicht gesagt. Doch es zu tun, ist schon deshalb schwerer, weil da wenig Auslauf ist.

Ernst Bloch

Handelskai

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O, wie gehässig

So quer wie Andrea Kdolsky in die Politik eingestiegen ist, so quer steigt sie auch aus – allerdings unfreiwillig: Nach ihrem Fettnäpfchen-Marathon muss die erfolglose Gesundheitsministerin den Hut nehmen. Dass sie kürzlich vollmundig ankündigte, als Ministerin weiterarbeiten zu wollen, hat ihren Abgang deutlich beschleunigt.

Andrea Kdolsky wird der Öffentlichkeit noch lange in Erinnerung bleiben – allerdings mit Auftritten jenseits jeder politischen Ernsthaftigkeit. Immerhin konnte Kdolsky in den knapp eineinhalb Jahren ihrer Amtszeit ein Schweinsbraten-Buch schreiben, fröhlich Czardas tanzen, den Zwergerlgarten und eine begehbare Prostata eröffnen sowie sich öffentlich von ihrem Lebensgefährten trennen und neu verlieben. Doch das war zu wenig – den Parteifreunden reicht es. Kdolsky zog daraus die Konsequenzen, verlässt die Politik – und hinterlässt jede Menge Baustellen.

Zu lesen in der kostenlosen Tageszeitung "Heute" am 22.08.2008

Es rollen die Köpfe, schon vor der Wahl melden sich viele der jetzigen Minister ab. Zugleich ist der kleine Text ein Beispiel für den ausgesprochen gehässigen Ton des österreichischen Boulevard-Journalismus.

Abriss




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Donnerstag, 21. August 2008

Schwerwiegende Pflichtverletzung

Ein kirchliches Pflegeheim darf eine Mitarbeiterin entlassen, wenn sie aus der Kirche austritt. Das rheinland-pfälzische Landesarbeitsgericht wies die Berufung einer Altenpflegerin aus der Pfalz gegen ihre Kündigung zurück, sagte ein Gerichtssprecher dem epd am Donnerstag. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.
(AZ: 7 Sa 250/08)

Die Klägerin arbeitete seit Ende 2001 als Pflegekraft in einer Einrichtung des Caritas-Verbandes. Im September 2007 trat sie aus der Kirche aus, worauf ihr das Pflegeheim kündigte. In ihrer Klage hatte sich die Mutter dreier Kinder auf das Grundrecht der Religionsfreiheit berufen und geltend gemacht, dass sie keine pastorale oder leitende Tätigkeit ausgeführt habe. Auch habe sie die Kirche nicht aktiv bekämpft.

Die Mainzer Richter bestätigten indes das Urteil das Arbeitsgerichts Kaiserslautern. Demnach wiegt das kirchliche Selbstbestimmungsrecht in dem vorliegenden Fall schwerer als das Recht auf freie Religionsausübung. «Der Kirchenaustritt gehört nach Kirchenrecht zu den schwersten Vergehen gegen den Glauben und die Einheit der Kirche», heißt es in dem Urteil. Die Kirche habe das Recht, von ihren Mitarbeitern ein loyales Verhalten zu fordern. Der Austritt sei somit als schwerwiegende Pflichtverletzung zu werten.

epd 21.02.2008

Wer bei der Kirche beschäftigt ist, verzichtet also auf ein bestimmtes Grundrecht, nämlich ausgerechnet das der Religionsfreiheit. Zudem zahlt die Kirche auch noch schlechter.