Freitag, 5. Dezember 2008
Der Ort und/oder die Frau

Die Wanderausstellung "Hinter der Fassade" macht bis 10. Dezember Station im Freihaus der TU Wien. Sie bietet anhand einer nachgebauten Familienwohnung die Möglichkeit, sich an jenen Ort zu begeben, wo viele Gewalttaten ausgeübt werden, und sich mit den verschieden Formen, Ursachen und Auswirkungen von familiärer Gewalt zu befassen. Darüber hinaus werden Wege aus der Gewalt aufgezeigt und Informationen über Hilfseinrichtungen angeboten. Heuer werden die Ausstellungstexte und die Informationsbroschüre auch erstmals in den Sprachen Türkisch und Serbokratisch angeboten.
Puppe oder anderer Mensch, aber doch kein Sessel
Durch die Manipulation der Sinneswahrnehmung sei es nicht nur möglich, die Selbstwahrnehmung vom eigenen Körper zu trennen, sondern auch in andere Körper hineinzuschlüpfen.
Ich, die Menschenpuppe
In einem Experiment wurden zwei Kameras auf dem Kopf einer Testpuppe montiert. Sie waren verbunden mit zwei kleinen Bildschirmen vor den Augen einer Versuchsperson, die somit sah, was die Puppe "sah". "Beugten sich beide vor, sah die Testperson den Körper der Testpuppe statt des eigenen Körpers", erklärte das Institut.
Die Illusion eines Körpertausches wurde erzielt, indem ein Wissenschafter die Bäuche der beiden mit zwei Stäben berührte. Die Versuchsperson habe gesehen, dass der Bauch der Puppe berührt wurde, während sie eine Berührung am eigenen Bauch fühlte, aber nicht sehen konnte. Die Versuchsperson habe daraufhin "ein starkes Gefühl entwickelt, dass der Körper der Testpuppe ihr eigener ist".
Ich, der andere Mensch
In einem weiteren Experiment wurden die Kameras auf dem Kopf eines zweiten Menschen befestigt. Die Testperson wiederum sah durch die Brille, was die Kameras aufnahmen. Als sich beide Menschen die Hände schüttelten, nahm die Testperson den Körper des anderen als den eigenen wahr. Die Täuschung gelang dem Institut zufolge sogar, als sich Mann und Frau gegenübersaßen. Der Testperson vorzutäuschen, sie sei ein Sessel, sei aber nicht gelungen.
Erkenntnisse für Roboter nutzbar
Die Erkenntnisse können dem Institut zufolge für Robotertechnik und Bereiche der Virtuellen Realität, aber auch für Bildung und Medizin von Nutzen sein. Laut Henrik Ehrsson, Leiter des Forschungsprojekts, können sie auch bei Fragen nach der Selbstwahrnehmung und Gruppenzugehörigkeit Hilfestellungen leisten. "Vielleicht können wir damit auch Vorurteile bekämpfen", schloss Ehrsson.
Montag, 1. Dezember 2008
Sonntag, 30. November 2008
Heiliger, höherer Blödsinn
Übergänge des Lebens sind auch Krisenzeiten: der Übergang von einem Leben im Mutterleib zu einem selbständigen Leben (Ritual = Taufe), der Übergang vom Kindsein zum Erwachsenen (Ritual = Konfirmation), der Übergang vom Allein-Leben zur Zweisamkeit (Ritual = Trauung), der Übergang von der Jugend zum Alter und zum Sterben (Ritual = Begräbnis) und viele, viele kleine Übergänge, die uns das Leben zumutet.
Der Übergang zwingt den Menschen, Veränderung auf sich zu nehmen. Aber: Veränderungen verunsichern. Denn der Mensch ist ein "antiquiertes Wesen" (Günter Anders), ihm machen Veränderungen Angst und bedrohen das seelische, soziale und gesundheitliche Gleichgewicht. Krisenzeiten bringen auch die Gefahr mit sich, in der Zeit des Rückzugs zu vereinsamen.
Das wussten die Menschen "schon immer". Deshalb sind Rituale menschheitsgeschichtlich sehr alt. Sie sind "Übergangshilfen", "Bezugsbrücken" zwischen dem Einzelnen und der Umwelt. Rituale können eine heilsame Wirkung entfalten, wenn sie nicht sinnentleert zelebriert werden, sondern mit neuem Leben und Ideen gefüllt werden.
In der Geschichte sind Rituale oft missbraucht worden für Ideologien (z.B. die ritualisierten Aufmärsche, die die NS-Ideologie "erhöhten").
Durch die Veränderungen der Gesellschaft sind viele Rituale, die die Dorfgemeinschaft konsolidiert hat, in Vergessenheit geraten. Umso wichtiger ist es heute wieder, in der Stadt/ in der Gemeinde Rituale zu entwickeln und bestehende kirchliche Rituale lebendig zu feiern.
Rituale schaffen Erinnerung und deshalb sind sie für die Verarbeitung der Trauer unverzichtbar. Je mehr die Erinnerung an den Verlust lebendig gehalten wird und der Schmerz nicht verdrängt wird, desto eher kann Heilung stattfinden.
Zu lesen auf der Homepage der Wiener Superintendentur www.evang-wien.at
Aufgrund vielfacher Kritik soll diese Seite demnächst überarbeitet werden.
Denn wir leben immer auch in Beziehungen...
Dietrich Bonhoeffer