Mittwoch, 25. März 2009

Heute in der Früh

Christoph Schlingensiefs "Mea Culpa"

Ein Kulturererignis ersten Ranges. Und ein Erlebnis. Sechs Aufführungen nur im Burgtheater, man wünscht dieser Ready-made-Oper noch viele weitere Inszenierungen. Und man kann nur auf eine DVD hoffen, die vielleicht erscheint, um die Tiefe und den Witz dieses Werkes überhaupt angemessen würdigen zu können.

Natürlich ist die persönliche Perspektive irritierend. Es geht um C.S. und seine Krebserkrankung und seinen Versuch, damit umzugehen. Der Autor hat in Wien Regie geführt und wirkt auch höchstpersönlich mit, das gibt dem Ganzen eine private Note einerseits. Andererseits bemüht C.S. ja das halbe Abendland mit seinen Traditionen, dadurch gewinnt das Werk an Allgemeingültigkeit, vor allem aber durch seine Thematik: Die Fragen von Schuld, Tod und Erlösung bilden einfach eine cantus firmus aller unserer Traditionen.

Dabei ist Schlingensiefs Werk alles andere als Mysterientheater oder ein Erlösungsdrama. In einem Interview mit der "Presse" hat der Autor gesagt: "Nein, ich will diese angelernte Erlösung nicht haben, ich brauche die nicht. Für mich ist das überhaupt kein Begriff, keine Suche. Ich will einfach die Situation des Hier-Lebens, des Bestimmens, die will ich haben." (Die Presse 19.03.2009

Schlingensief spielt mit den Traditionen, aber auch die Kunstreligion des Grünen Hügels bleibt eine scheiternde Möglichkeit.  

Einige Zuschauer sind zur Pause gegangen, nicht viele. Am Ende ist der Beifall langanhaltend, fast niemand verlässt seinen Platz, bevor nicht das ganze Ensemble (incl. Orchester und Chor) seine drei Vorhänge gehabt hat. Der Beifall ist hart, laut, intensiv. Beim Hinausgehen herrscht eine ganz ungewöhnliche Stimmung, der übliche Schmäh ist nicht zu hören, es ist eher wie beim Verlassen eines Gottesdienstes. Erst in der Garderobe werden die Handys wieder eingeschaltet, Erleichterung macht sich leicht über die Botschaft, mit der auch das Stück endet: Noch leben wir. Ein kathartischer Theaterabend, der sehr gekonnt die Ängste und Fragen der Zuschauer auf die Bühne bringt. Keine Antworten, aber Fragen. Nicht die Antworten machen uns zu Menschen, sondern die Fragen.

Wegen des großen Erfolgs hat das Burgtheater für Juni eine zweite Serie von Aufführungen angekündigt, sehe ich gerade.

Am Weg in die Stadt

Dienstag, 24. März 2009

Bitte keine Zukunft!

Drei Schülerinnenäußerungen von heute (aus drei verschiedenen Stunden):

"Bald geht ja doch die Welt unter. Ich werde es nicht mehr erleben, aber es kann nicht mehr lange dauern. Und alles Unheil haben wir Menschen angerichtet." (Kommentar einer Mitschülerin: "Ja, aber das ist mir egal, und ändern kann man sowieso nichts. Ich will nur mein Leben genießen. Und Schluss. Was nach mir kommt, interessiert mich nicht.")

"Ich hasse Kinder."

"Mit 69 Jahren gebe ich dann den Führerschein ab - und dann hat das Leben keinen Sinn mehr."

Sie haben nicht nur keine Lust auf Schule, sie haben keine Lust auf das Leben, unsere heutigen Jugendlichen. Sie sehen keine Perspektive, aber nicht einmal das ist ihnen Anlass zur Revolte.

Montag, 23. März 2009

Baumzier im Garten des Lutherhofes





Erstaunlich, wie die Bälle, die irgendwann einmal im Geäst gelandet sind, allen Wiener Stürmen widerstehen...

Damals und noch heute...

Die Gemeinde Fambach bei Schmalkalden gilt als einer der historisch am besten erforschten Orte in Deutschland. Mit dazu beigetragen hat das Kirchenbuch der evangelischen Kirchengemeinde, dass das älteste, noch erhaltene Kirchenbuch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist. Darin haben die Pfarrer der Kirchengemeinde im Zeitraum von 1559 bis 1703 alles eingetragen, was ihnen im Gemeindeleben  wichtig erschien. Und dazu gehören nicht nur Hochzeiten, Geburten oder Todesfälle, sondern auch Berichte über Krankheiten und Seuchen, das Wetter und die damalige Lebensweise der Menschen.

Wie das Leben im 16. und 17. Jahrhundert in Fambach ausgesehen hat, können jetzt Interessierte in einem Buch des Fambacher Historikers Dr. Kai Lehmann nachlesen. Lehmann hat anhand des Kirchbuches und anderer  historischer Quellen eine kurzweilige Kulturgeschichte des Thüringer Ortes zusammengestellt, in der man manch Kurioses finden kann. So erfährt der Leser, dass der Februar des Jahres 1638 so warm war, dass man Schwimmen gehen konnte oder dass die Schulpflicht für Mädchen in Fambach schon 1604 eingeführt worden war. Außerdem wurden die Fambacher von einem Massenmörder in Angst und Schrecken versetzt und konnten schon vor dem 30jährigen Krieg Lotto spielen.

Menschen, die durch Alkohol zu Tode gekommen waren, durften laut Friedhofsordnung, nicht in geweihter Erde bestattet werden. Und trotzdem bestattet der Pfarrer eine Frau, die im Vollrausch die Treppe hinuntergestürzt und zu Tode gekommen war, auf dem Friedhof. Der Alkoholmissbrauch der damaligen Zeit sei daran schuld gewesen, dass es heute nur zwei Feiertage zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten gibt. Den jeweiligen dritten Feiertag schaffte Landgraf Carl von Hessen-Cassel im Jahr 1701 ab, da diese Tage «von dem gemeinen Volk fast zu anders nicht als Saufen, Schwelgen und anderer Üppigkeit missbrauchet worden» seien, zitiert Lehmann den Landgrafen in seinem Buch.

Gefunden auf ekkw.de

Der Alkoholmissbrauch ist in der Tat kein Problem unserer Tage, das ist bekannt. Aber er ist ein Problem der christlichen Kultur. Hätte man je Ähnliches aus jüdischem, muslimischem oder buddhistischem Kontext gelesen? Das Judentum verbietet den Alkohol auch nicht, aber unter den großen Religionen hat allein das Christentum seinen zentralen Kultakt (Eucharistie / Abendmahl) mit dem Alkohol verbunden.  

An der Kirche bauen...

Umkehr aus dem Murren

Als das Volk in der Wüste gesündigt hatte (vgl. Num 21,5 ff.) befahl Mose der Prophet den Israeliten, eine Schlange an einer Kreuzesstange aufzurichten, das heißt die Sünde hinzurichten... Eine Schlange musste man ansehen, denn durch Schlangen wurden die Israeliten als Strafe geschlagen. Warum durch Schlangen? Weil sie das Verhalten unserer Stammeltern erneuert hatten. Adam und Eva hatten beide gesündigt, indem sie die Frucht des Baums aßen; die Israeliten hatten über die Nahrung gemurrt. Sich mit Worten beklagen, weil einem Gemüse fehlt, das ist wirklich die höchste Stufe des Murrens. Und das sagt der Psalm dazu: „Sie trotzten in der Wüste dem Höchsten.“ (Ps 77,17). Aber auch im Paradies war die Schlange Ursprung des Murrens...
Die Kinder Israels mussten auch lernen, dass dieselbe Schlange, die Adam den Tod gebracht hatte, ebenfalls ihnen den Tod brachte. Mose hat sie also am Holz aufgehängt, damit sie bei ihrem Anblick durch die Ähnlichkeit dahin gebracht würden, sich des Baumes zu erinnern. Jene nämlich, die zu ihr aufblickten, waren gerettet, nicht durch die Schlange, sondern durch ihre Umkehr. Sie blickten zur Schlange und erinnerten sich ihrer Sünden. Weil sie gebissen worden waren, bereuten sie, und waren einmal mehr gerettet worden. Ihre Umkehr wandelte die Wüste in die Wohnung Gottes. Das sündige Volk wurde durch die Buße zur einer kirchlichen Versammlung, und besser noch: Es betete das Kreuz an, wider besseres Wissen. 

Aus einer Ephräm dem Syrer zugeschriebenen Predigt "Über die Buße"

Sonntag, 22. März 2009

Technik am Wege

Alle Jahre wieder

Straftaten der letzten Jahre, bei denen Kinder ihre Eltern in Hessen verletzt oder getötet haben 

März 2009: Ein wahrscheinlich alkoholisierter 17-jähriger tötet in Linden bei Gießen mit zahlreichen Axthieben seine schlafende (geschiedene) Mutter von hinten. 

November 2007: Ein Elfjähriger schießt im Osthessischen Hosenfeld absichtlich mit einer Pistole auf seinen Stiefvater und verletzt den 49-Jährigen. Die Tatwaffe gehörte dem Opfer. 

März 2007: Ein 21-Jähriger verletzt seine 87 Jahre alte Großmutter im Streit schwer. Der Mann, der in Taunusstein im selben Haus wie seine Oma wohnte, soll diese schon zuvor mehrfach angegriffen haben. 

Juli 2006: Ein 19-Jähriger erschlägt im Wetterau-Ort Petterweil seine Mutter mit einem Hammer. In dem Streit ging es um Geld. 

Januar 2005: Eine 26 Jahre alte Frau verletzt den Freund ihrer Mutter während eines Familienstreits in Frankfurt mit einem Brotmesser lebensgefährlich. 

November 2004: Ein 33-Jähriger sticht nach einem Streit mit seiner Mutter seinen zwei Jahre jüngeren Bruder im mittelhessischen Stadtallendorf nieder. Der Jüngere hatte die Mutter in dem Streit unterstützt. 

Januar 2004: Eine 15-Jährige sticht ihre Mutter im nordhessischen Witzenhausen mit einem Steakmesser nieder und verletzt sie schwer. Der Tat war ein handgreiflicher Streit vorausgegangen. 

Oktober 2003: Ein 17-Jähriger tötet in Frankfurt seine Mutter, eine 46 Jahre alte Antiquitätenhändlerin, mit mehreren Messerstichen in Hals und Kopf. Der Jugendliche, der älteste von drei Söhnen, gibt familiäre Probleme als Grund an. 

Mai 2002: Ein 20-Jähriger ersticht im osthessischen Heringen seine Mutter mit einem Butterflymesser im Streit. Es geht um den Drogenkonsum des Heranwachsenden. 

Februar 2002: Ein 16-Jähriger ersticht seine Stiefmutter mit einem Fleischermesser im Streit.

hr-online, ergänzt von mir