Samstag, 15. August 2009

Methodendilemma

Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.

Bertha von Suttner

Wolken über Währing

Ironisch gebrochene Sentimentalität

Sonnenblumen

Am Abend zwischen Traum und Wachen,
Ich dachte nicht grad an heilige Sachen,
Vor mir der Nazarener stand.
Die schönen Gottesaugen lagen
Auf mir wie zwei freundliche Fragen.
Hielt eine Blume in der Hand,
Hochstengelig ein goldner Stern
Lehnt an der Schulter unserm Herrn,
Wie frommer Maler Engelsgestalten
Ihre Friedenspalmen halten:
Eine Sonnenblume, voll erschlossen,
Von einem lieblichen Licht umflossen,
Hob sich von seinem blauen Kleid
Als ein glänzendes Geschmeid.
So schwebte wie ein Nebel zart,
Vor mir die göttliche Gegenwart,
Darauf ich holden Schreckens geblickt,
Bis ich darüber eingenickt.

Am Morgen, nach gesundem Schlaf,
Stand mir der Sinn ins Feld hinaus,
Wo ich auf eine Hütte traf,
Ein leicht gezimmert hölzern Haus.
Drum ragten als Schirm und Zaun,
Als ein golden Gegitter anzuschaun,
Hochsäulig aufgereiht beisammen,
Sonnenblumen, zehn helle Flammen.

Das war ein dichterischer Platz,
Wie nur am Wege hold versteckt
Ein Sonntagskind ihn einmal entdeckt.
Ein Wässerlein lief mit süßem Geschwatz
Durch eine schattige Wiese hin,
Sonst war die Stille hier Königin;
Ihr König, der Frieden, saß auf der Bank
Und putzte seine Krone blank.

So oft ich dem Häuslein vorübergeh,
Ein blau Gewand ich vor mir seh.
Geht nicht, steht nicht, schwebt vielmehr
In einiger Höh vor mir her.
Schöne Gottesaugen schlagen
Sich nach mir auf mit freundlichen Fragen,
Und von der Schulter unserm Herrn
Nickt schwankend der goldne Blätterstern,
Die Sonnenblume voll erblüht,
Von einem himmlischen Leuchten umglüht.

War nie diesen Blumen recht gut gewesen.
Schalt sie bäuerisch und gemein,
Kamen mir vor wie Küchenbesen,
Die gerne wollten Prinzessinnen sein.
Aber so lässt, was wir verachtet,
Eh’s drüber getagt nur oder genachtet,
Oft plötzlich die schlichte Hülle sinken
Und uns seine heimliche Schönheit trinken.
Besonders Poeten kommen oft
Zu solchen Gnaden unverhofft.

Gustav Falke (1853 - 1916)

Im Gerüst

Die Arbeiten an unserer Kirche schreiten sehr gut voran, nun ist auch die Westseite ganz eingerüstet.

Freitag, 14. August 2009

Konstante des Lebensgefühls

Wochenkalender

Montag erst. - Entsetzlich! Freudelos
Neu beginnen, wo die Woche schloss.

Dienstag erst. - Entsetzlich! Ohne Sinn
Spinnen fort des Lebens grau Gespinn.

Mittwoch erst. - Entsetzlich! Ohne Ziel
Neu durchspielen das durchspielte Spiel.

Donnerstag.- Entsetzlich! Ohne Gnad
Neu durchmessen den durchmessnen Pfad.

Freitag schon. - Entsetzlich! Wirrer Tand
Neu durchwaten den durchwatnen Sand.

Samstag schon. - Entsetzlich! Ohne Gruß
Ewig wandern um des Hügels Fuß.

Sonntag heut. - Entsetzlich! Wieder neu
Segeln an dem Leuchtturm hier vorbei.

Christian Wagner (1835-1918)

Ex oriente spes

Auslegungskunst

137. Frage: Wie lautet das siebente Gebot?
Antwort: Das siebente Gebot lautet: Du sollst nicht ehebrechen.

138. Frage: Welches sind die Pflichten, die im siebenten Gebot gefordert werden?
Antwort: Die Pflichten, die im siebenten Gebot gefordert werden, sind: Keuschheit an Leib, Geist, Gemütsbewegungen, Worten und Benehmen, sowie ihre Bewahrung in uns selbst und ändern, Wachsamkeit über die Augen und alle Sinne, Mäßigkeit, keuscher Umgang, Schicklichkeit im Anzug, eheliches Leben bei denen, die nicht die Gabe der Enthaltsamkeit haben, eheliche Liebe und Beiwohnung, fleißige Arbeit in unsern Berufen, Meidung aller Gelegenheiten zur Unreinheit und Widerstand gegen die darauf gerichteten Versuchungen.

139. Frage: Welches sind die Sünden, die im siebenten Gebot verboten werden?
Antwort: Die Sünden, die im siebenten Gebot verboten werden, sind, abgesehen von der Vernachlässigung der geforderten Pflichten, Ehebruch, Hurerei, Entführung, Blutschande, Sodomie und alle widernatürlichen Lüste, alle unreinen Vorstellungen, Gedanken, Vorsätze und Gemütsbewegungen, alle verderbten oder unanständigen Unterhaltungen oder deren Anhören, lüsterne Blicke, schamloses oder leichtfertiges Benehmen, unschicklicher Anzug, Verhinderung rechtmäßiger und Erlaubnis unrechtmäßiger Ehen, das Erlauben, Dulden, Halten von Hurenhäusern und deren Besuch, das Verstricken in Gelübde eines ehelosen Lebens, ungebührlicher Aufschub der Ehe, das gleichzeitige Haben von mehr als einem Weib oder einem Ehemann, ungerechte Ehescheidung oder Verlassung, Müßiggang, Schlemmerei, Trunkenheit, unkeuscher Umgang, schlüpfrige Gesänge, Bücher, Bilder, Tänze, Schauspiele, und alle ändern Anreizungen zur Unreinheit und alle Handlungen dieser Art entweder in uns oder in ändern.

Aus dem großen Westminster-Katechismus

Wer hätte das gedacht: Auch Bücher fallen nach dieser Auslegung per se unter das Keuschheitsgebot...

Apokryph

Aus der Ausstellung "Christus an Rhein und Ruhr" in Bonn

Irrtum


Die Idee ist zwar witzig, aber doch schräg: Gottesdienste sind gewiss nicht nur Garagen oder Werkstätten. Es müsste doch wohl heißen: Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er Kirchensteuer/Kirchenbeitrag bezahlt, der irrt sich...

Meistens

Gebäude sollten aufrecht stehen. Und das tun sie meistens auch.

Aus der Dokumentation „Tödliche Architektur“ auf n-tv.