Freitag, 4. Juli 2008

U-Bahn Alser Straße


Mails

Arme urlaubende Menschheit: Früher war es der Stau am Rückweg, der das Vergnügen zunichte machte, heute ist es die Erwartung einer überfüllten Mailbox am ersten Arbeitstag

Natürlich hat jede und jeder seine Mittelchen (oder wenn ich mich im Kollegen- und Freundeskreis umhöre: ist so gut wie hilflos), um mit E-Mail-Overload umzugehen. Aber die naheliegendste Abhilfe gegen den Mailschock am ersten Posturlaubsarbeitstag scheint kaum jemand zu praktizieren, darum diese Empfehlung: einfach alles wegschmeißen. Was wichtig ist (und wer wichtig ist), meldet sich ohnedies nochmals. Denn das ist umgekehrt das Schöne an überfüllten Mailboxen: Wer per Mail keine Antwort erhält, vermutet selten böse Absicht, sondern nimmt an, im Heuhaufen einfach untergegangen zu sein und schickt seine Mail nochmals oder greift möglich gar altmodisch zum Telefon.

Aus einem Standard-Artikel (
Helmut Spudich: E-mail macht Urlaub, DER STANDARD Printausgabe vom 3.7.2008)

Ein Anmachversuch

Diese Beiden diskutieren eben über die Länge seines Schwanzes. Ich hab es selbst gehört.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Dann können Sie nichts tun

"Wenn die Laminiertasche bereits vollständig in das Gerät eingezogen wurde und weder vorne noch hinten herausragt, können Sie nichts tun."

Warnhinweis in der Betriebsanleitung unseres Laminiergeräts

Blick in die Blumengasse

Die Blumengasse ist die nächste Quergasse der Martinstraße nach Süden hin. Die Grenze zwischen dem 17. und dem 18. Bezirk verläuft in der Straßenmitte. Rechts vorne das evangelische Wohnheim für Theologen und Pädagogen. Von dort zur direkt benachbarten Gemeinde der Lutherkirche gab es nie irgendwelche Beziehungen, aber ein wenig Änderung ist in den letzten Monaten bereits eingetreten, da ist sicher noch viel mehr möglich.

Keine Außenspiegel: Freispruch

Mann wurde zwei Kilometer von Bim mitgeschleift: Fahrer freigesprochen

Straßenbahngarnitur hatte außen keine Rückspiegel - Urteil noch nicht rechtskräftig

Es war kein "Ulf". Keine der modernen Niederflur-Straßenbahnen, sondern eine alte Bim der Serie E1. Das wurde dem 54-jährigen Georg L. am 20. Dezember des Vorjahres bei der Linie N zum Verhängnis. L. hatte des Abends schwer betrunken bei der hintersten Türe des Triebwagens versucht einzusteigen. Die Tür ging zu, sein Arm wurde eingeklemmt, der Zug fuhr los und L. stürzte zwischen Trieb- und Beiwagen. Erst nach zwei Kilometern und vier Stationen wurde die Leiche L.'s bei den hinteren Rädern entdeckt.

Ob das fahrlässige Tötung durch den Straßenbahnfahrer war, musste Donnerstag im Bezirksgericht Leopoldstadt geklärt werden. Das Urteil: Ein - noch nicht rechtskräftiger - Freispruch. Der Sachverständige Fritz Huber stellte fest, dass der Fahrer keine Chance gehabt habe, den Mann zu sehen. Denn: Die Garnituren der E1-Serie haben außen keine Rückspiegel - noch dazu befindet sich die hintere Türe an jener Stelle, wo sich die Karosserie bereits verjüngt.

Die Wiener Linien hatten lange Zeit behauptet, ein derartiger Vorfall sei wegen der Lichtschranke und der Fühler an der Türkante gar nicht möglich. Zeugen hatten aber vor Gericht genau das bestätigt: Der Arm des Mannes wurde von der Türe eingeklemmt und sie fuhr los. Eine Zeugin hatte dann noch einen Polizisten an der Kreuzung informiert - doch der habe nur "schleicht's euch" gesagt. Richterin Manuela Turcsanyi: "Hoffentlich bringen die Wiener Linien bald überall den Ulf in Gang."

Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Juni 2008

Das vorige Jahre brachte in Wien ungewöhnlich viele Unfälle mit der Bim, dieser war der tragischste.

An der Tramhaltestelle Gersthof

Grundlose Selbstzerfleischung?

FPÖ und SPÖ ging in der Koalition die Luft aus – aber das lag an Selbstzerfleischung, nicht an den Themen.

Wer sich mit der ÖVP ins Koalitionsbett legt, ist am nächsten Morgen halb tot. Das ist ein viel gehätschelter Mythos, den zuerst die Freiheitlichen und dann die Sozialdemokraten pflegten. Die ÖVP ziehe jedermann über den Tisch, sage zu allem nein und lasse dem Partner keine Luft zum Atmen, sagen die Freiheitlichen nach dem schwarz-blauen Abenteuer noch heute. Die Sozialdemokraten tönen jetzt kaum anders. Ein kleiner Reality-Check über die Themen der Großen Koalition zeigt hingegen, dass die SPÖ einfach viele Gelegenheiten ausließ, wo sie strahlende Triumphe feiern hätte können – wie seinerzeit die FPÖ. Beispiele gefällig?

Während derzeit alle fragen, wie lange diese Koalition noch hält und wie schnell der Kanzler ausgewechselt wird, gibt es nicht nur einen Beschäftigungsrekord, den sich die SPÖ unter normalen Umständen auf ihre Fahnen geschrieben hätte. Es tritt auch gerade einiges in Kraft, das für die SPÖ-Klientel durchaus Bedeutung hat: Ab 1. Juli ist die Pendlerpauschale um 15 Prozent erhöht, und das Kilometergeld steigt auf 42 Cent. Gleichzeitig ist eine Beitragssenkung zur Arbeitslosenversicherung in Kraft getreten, und zwar für Niedrigverdiener. Außerdem wird die Pensionsanpassung 2009 um zwei Monate, auf 1. November, vorgezogen: Das alles ist ein Nachhall der Inflationsabgeltung, wie sie die SPÖ vor einigen Monaten ultimativ gefordert hat, Stichwort „Gusi-Hunderter“.

Hätte der neue SPÖ-Chef Werner Faymann auch nicht plötzlich beschlossen, das ohnehin schon recht klapprige Koalitionsauto auf Schleuderkurs zu bringen und sein „soziales Profil“ zu schärfen, hätte er ganz schnell den ersten Sieg seiner Parteiführerschaft heimtragen können: die weitere Verlängerung der Hacklerregelung, was gegen den ausdrücklichen Willen etlicher Schwarzer, vor allem von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, geschehen wäre, aber ein Herzenswunsch der SPÖ (sowie – zugegeben – auch des schwarzen Arbeitnehmerbunds) ist. Im Abtausch dafür hätte die SPÖ freilich die „Pensionsautomatik“ schlucken müssen, ein anderswo – etwa im Wohlfahrtsstaat Schweden – völlig normaler Prozess, der künftige Sozialminister vor populistischen Entscheidungen bewahrt und erst in der nächsten Legislaturperiode in Kraft tritt. Die ÖVP kroch am 20. Juni sogar zu Kreuze und stimmte der von der SPÖ geforderten Einbindung des Parlaments zu. Doch die SPÖ beharrte auf ihrem Nein. Klarerweise liegt nun auch die Hacklerregelung auf Eis.

Beim Kinderbetreuungsgeld ist im Waffengeklirr der Koalition ein Erfolg der Nicht-mehr-Frauenministerin Doris Bures untergegangen: Das Kinderbetreuungsgeld, das der SPÖ immer ein Dorn im Auge war, weil es ihrer Meinung nach die Frauen zu lange vom Job fernhielt, ist seit 1. Jänner flexibilisiert. Es kann nun kürzer, dafür mit höherem Monatsentgelt in Anspruch genommen werden, die Zuverdienstgrenze ist gestiegen. Das nutzen übrigens auch immer mehr Väter. Wenn das kein Fortschritt ist! Überraschend schnell in die Knie gegangen ist die ÖVP beim SPÖ-Wunsch nach Wählen mit 16. Das ist ab der nächsten Nationalratswahl möglich. Und auch wenn es dann viel Krach um die heurige Pensionserhöhung gab: Sie fiel für „kleine Pensionisten“ (ohne Zusatzeinkommen) überdurchschnittlich hoch aus.

(...)

In Wahrheit haben sowohl FPÖ als auch SPÖ Kompromisse ausgehandelt, die am Wählermarkt gut „verkäuflich“ gewesen wären, aber im Selbstzerfleischungsprozess der Partei verschwanden. Bei dieser Gelegenheit verliert man leicht den Blick aufs Ganze und wird ein wenig selbstmitleidig. Statt professioneller zu werden, setzten FPÖ wie SPÖ auf ein „schärferes Profil“ gegenüber dem Partner/Gegner – und erzeugten letztlich nur Koalitionskrach. Eine kurzsichtige Taktik, die beide Koalitionsparteien in Misskredit bringt. Nicht gerade eine günstige Ausgangsposition für Wahlen.

Light arising

Eine Dichterin aus sprachlichem Grenzland

Vokalintermezzo

die wolke vögel flirrt und klirrt
ein schwarm alarm vibriert meine kehle spitzt
den schnabel laute schweben zwischen deine
lippenöffnung entläßt töne heißen stimme
im mundkanal der einzige unterschied die schlünder
der vögel sind enger ihre schreie spitzer
wenn die sprachen sich angleichen meine
in der deinen ein und aufgeht ah! wie
sich da umlaut und vorsilbe mischen keine
einsilbigkeit aufkommt wie das wabbelt
und brabbelt katscht und quatscht
schmatzt und schwatzt tuschelt zischelt
und schwadroniert


Róža Domašcyna

"Die poetische Suchbewegung der Gedichte entzündet sich vorwiegend an vokabulären Reizen und bizarren Wörter-Funden, die das Nomadisieren zwischen den Sprachwelten befeuern. Poesie wird zur lyrischen Schöpfungsgeschichte: Etymologisch verwandte Wörter aus dem Deutschen und dem Sorbischen werden in spielerischer Manier durchbuchstabiert." (DLF)