Dienstag, 14. April 2009

Ob im Knieen, Stehen oder Sitzen...

... der Kern christlicher Gottesdienst-Feier ist doch das Abendmahl. Am Brotbrechen erkannten die Emmausjünger den Herrn. Ich bin sehr froh, dass ich in einer Gemeinde tätig sein darf, die eine sehr lebendige Abendmahlspraxis kennt.

Vor dem Urknall

SZ: Sie haben in die Zeit vor dem Urknall geblickt. Was haben Sie gesehen?

Bojowald: Wir können jetzt zum ersten Mal mathematische Gleichungen befragen, um zu erfahren, was vor dem Urknall gewesen sein könnte. Wir sehen zumindest, dass es auch vorher ein Universum gab und dass es schrumpfte. Es zog sich auf engsten Raum zusammen, kam dann in eine heiße und dichte Phase, bis die Raumzeit wieder anfing zu wachsen. Das Entscheidende ist, dass man überhaupt Gleichungen benutzen kann, um etwas vor dem Urknall auszurechnen. In der Allgemeinen Relativitätstheorie funktionierte das bislang überhaupt nicht. Wenn wir dort rückwärts durch die Zeit blickten, schrumpfte das Universum am Zeitpunkt Null zu einem einzelnen Punkt. Mathematisch gesprochen nennt man das eine Singularität. Hier brachen die Gleichungen zusammen, und die Physik ergab keinen Sinn mehr.

SZ: Es gab also gar keinen Urknall?

Bojowald: Der Urknall war zumindest nicht der Anfang des Universums, es existierte davor schon etwas. Im Übergang vom "Davor" zum "Jetzt" gab es eine Phase, in der die Materie stark konzentriert war. Die Eigenschaften dieser Phase kann man noch am Aufbau des Universums, an der Hintergrundstrahlung, den Sternen und Galaxien ablesen. Das Universum war aber nie in einem Punkt mit - physikalisch sinnloser - unendlich hoher Dichte konzentriert, wie die konventionelle Vorstellung vom Urknall besagt.

SZ: Das heißt, wer vom Urknall spricht, hat eine mathematische Fiktion als physikalische Realität fehlgedeutet?

Bojowald: Wenn man den Urknall als den Anfang des Universums ansieht, dann ist es eine Fehldeutung.

SZ: Was setzen Sie an die Stelle des schönen Bildes vom Urknall?

Bojowald: Die Theorie der Quantenschleifen-Gravitation, die wir schon seit einiger Zeit entwickeln, versucht die Allgemeine Relativitätstheorie mit Eigenschaften der Quantentheorie zu kombinieren. Dabei ist die Raumzeit nicht mehr eine gleichmäßige, lückenlose Folie, sondern sie ist quantisiert, sie hat auf sehr kleinen Längenskalen eine gestückelte Struktur. Raum und Zeit bestehen also aus winzigen Bausteinen, sozusagen aus Raumzeit-Atomen. Deren Größe ist weit geringer als alles, was mit modernen Teilchenbeschleunigern untersucht werden kann. Diese Gitterstruktur spielte in der Phase eine entscheidende Rolle, als das gesamte Universum selbst extrem klein und dicht war, wie es während des Urknalls gewesen sein muss. Die Gitterstruktur bewirkt, dass die Raumzeit nicht beliebig schrumpfen kann. Wenn es eng wird, wirkt die Gravitation nicht mehr nur anziehend, sondern kann auch abstoßend wirken. So können wir die mathematische Schwierigkeit eines unendlich dichten Universums vermeiden.

SZ: Inwieweit kann man Ihre mathematische Lösung als physikalische Realität betrachten?

Bojowald: Das neue Bild aus der Quantenschleifen-Gravitation ist auf jeden Fall besser als die Singularität des Urknalls, weil alle Größen, die man ausrechnen kann, endlich sind und physikalisch sinnvoll. Trotzdem ist Ihre Frage berechtigt. Es ist alles nur Mathematik, und wir versuchen das zu interpretieren und auf das Universum anzuwenden. Ob das wirkliche Universum und die Natur dem entsprechen, ist eine andere Frage. Theorien können immer falsch sein.

SZ: Wie könnte man Ihre Theorie experimentell beweisen?

Bojowald: Wir möchten in Aufnahmen vom frühen Universum indirekte Hinweise auf die Quantelung der Raumzeit suchen. Wir versuchen darum schon seit einiger Zeit auszurechnen, was sich in den Satelliten-Bildern zeigen müsste, wenn es dieses feine Raster im Universum gibt. Im Alltag würden wir davon wenig merken, es hat ja auch sehr lange gedauert, bis Physiker nachgewiesen haben, dass die Materie aus Atomen besteht. 

(...)

SZ: Was bedeutet es für ein Gebiet wie Ihres, dass nur noch wenige Spezialisten die Theorien überhaupt verstehen?

Bojowald: Es sind ja auch in einem kleinen Feld wie meinem immerhin noch rund 100 Leute, die die Details verstehen und überprüfen könnten. Das ist ein gute Zahl - da braucht man sich keine Sorgen zu machen.

SZ: Hat der Verstand der meisten Menschen deshalb Probleme mit der Relativitätstheorie oder Quantentheorie, weil sie erst in Größenordnungen ihre Kraft entfalten, die unserer Wahrnehmung unzugänglich sind?

Bojowald: Wenn ein Physiker ausgebildet wird, hat er ja zunächst einmal die gleichen Probleme. Die Sinne genügen nicht mehr, darum werden die Phänomene mathematisch erschlossen. Irgendwann gewöhnt man sich an die komplizierten und unanschaulichen Sachverhalte - so ähnlich wie man sich ja auch keine Gedanken mehr darüber macht, wie man sieht. Auf ähnliche Weise muss es auch für Nicht-Physiker geschehen. Je mehr Darstellungen von unterschiedlichen Blickwinkeln es gibt, die allgemein verständlich sind, umso mehr sollte sich auch die Allgemeinheit daran gewöhnen.

(...)

SZ: Sie sind jetzt so weit, dass Sie über den Urknall hinaus rechnen können. Gibt es noch Grenzen der Erkenntnis?

Bojowald: Was war denn nun wirklich der Anfang des Universums? Das ist, denke ich, eine Frage, die man in der Kosmologie nicht wird beantworten können. Es war nicht der Urknall, aber dadurch verschieben wir den Anfang sozusagen zurück. Wann und wie er war, das ist derzeit nicht absehbar - vielleicht noch nicht einmal vorstellbar.

Aus einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Physiker Martin Bojowald

Unser Verstand würde sich nie mit dem Urknall zufrieden geben, das wusste ich schon immer. Er ist so strukturiert, dass er immer die Frage stellen kann: "Was war vorher?" Für Gott bleibt sehr viel Raum, daran werdem auch die Fortschritte der Astrophysik und Kosmologie nichts ändern.

St. Anna


Am Samstagabend vor dem ersten Sonntag eines Monats (man muss richtig nachdenken, um diese Regel zu verstehen) hält unsere Gemeinde um 18 Uhr einen Gottesdienst in der katholischen St. Anna-Kapelle in Dornbach. Diese kleine Kirche ist heute umgeben von der Endschleife der Straßenbahnlinie 43. Sie wird in diesem Jahr 100 Jahre alt und ist nicht heizbar. Darum ist der Besuch des Gottesdienstes in St. Anna etwas für Menschen, denen Kälte nichts ausmacht. In den Wintermonaten beträgt die Raumtemeperaur manchmal nur 1 Grad, beim Sprechen und Singen treten massive Wolken aus des Pfarrers Mund. Trotz alledem gibt es eine kleine, treue Gemeinde. Ein wenig abenteuerlich ist es schon immer, auch das Harmonium, an dem mehrere Tasten hängen, kann nur unser Organist Thomas Reuter wirklich spielen. Aber die Gottesdienste sind ein ganz besonderes Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

Träume in Technicolor?

Regisseur Joseph L. Mankiewicz hatte für die vers- und werkgetreue Verfilmung des Shakespeare-Dramas "Julius Caesar" von MGM nur ein Budget von zwei Millionen Dollar zur Verfügung gestellt bekommen und war gezwungen, Restbestände an Bauten und Kostümen der "Quo Vadis"-Produktion von 1951 zu nutzen. Aber Mankiewicz setzte sich in einem Punkt gegen das Studio durch. Er inszenierte in Schwarzweiß, weil er noch nie ein gutes, ernsthaftes Kinodrama in Farbe gesehen habe. "'Julius Caesar ist ein Film über Gefühle, Gewalt, über Menschen - ihre Ambitionen, ihre Träume. Menschen träumen in Schwarzweiß, nicht in Technicolor". Seine Ausstatter setzten seine Idee dermaßen gut um, dass der Film 1954 den Oscar für das beste Szenenbild in Schwarzweiß erhielt.

Aus der Filmbeschreribung zum Film "Julius Cäsar" (USA 1953) auf tvtv.de

Die längste Zeit meines Lebens habe ich in Schwarzweiß geträumt, nur wenige Farbjahre waren dazwischen. Derweil bin ich wieder bei Schwarzweiß angekommen. Gibt es eigentlich Statistiken darüber, wie viele Menschen in Farbe und wwie viele in Schwarzweiß traumen?

Aus dem Vaterunser

Montag, 13. April 2009

Der Glaube der Österreicher

Gemäss einer am Karfreitag in Linz veröffentlichten Meinungsumfrage zum Thema "Ostern zwischen Brauchtum und Gläubigkeit" glaubt knapp die Hälfte der Österreicher an die Existenz Gottes. Ostern wird hingegen mehr als Brauchtum und weniger als religiöses Fest gesehen. Trotz Kirchenkritik und Evolutionstheorie blieben die christlichen Glaubenssätze in den vergangenen Jahren fast unberührt.

Wie das Linzer Institut für Markt- Sozialanalysen (IMAS) mitteilte, bekannten sich 47 Prozent der 1.000 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung befragten Personen zum Glauben an Gott. 42 Prozent beziehungsweise 34 Prozent sind überzeugt, dass es Wunder und ein Leben nach dem Tod gibt. Für jeweils 28 Prozent ist es glaubhaft, dass Jesus als Gottessohn geboren wurde, dass es Engel gibt und dass Jesus von den Toten auferstanden ist. 23 Prozent sind der Meinung, dass es einen Himmel gibt, in den man kommen kann.

22 Prozent der Österreicher glauben laut IMAS an Geisterscheinungen, 16 Prozent jeweils an eine Wiedergeburt, bei der man als eine andere Person neu auf die Welt kommt und, dass die Astrologie über das Schicksal von Menschen Auskunft geben kann. Die IMAS-Unfrage ergab ferner, dass jeweils 15 Prozent von der Existenz des Teufels sowie der Hölle überzeugt sind. Für 14 Prozent ist es plausibel, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde. Für elf Prozent existieren UFOs. Dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, beziehungsweise daran, dass es Hexen gibt, glauben jeweils neun Prozent. Die IMAS-Umfrage weist auch auf den interessanten Aspekt hin, dass die Urknall-Theorie von 30 Prozent der Österreicher als Ausgangspunkt der Entwicklungsgeschichte akzeptiert wird, ohne dass der Gottesglaube dadurch rückläufig wurde.


jesus.de (epd)

Eine konfessionelle Spezifizierung ist anscheinend nicht vorgenommen worden. 

Auf der Stiege


Sehnsucht nach Verewigung

All die vielen Blogs und Twitter-Meldungen sind Flaschen-Post-Würfe. Rund um den Globus werden Milliarden Protokolle einsamster Herzen ausgestreut in der irrealen Hoffnung auf … ja auf was? Auf ewiges Leben à la Hypertext-Transfer-Protokoll? Dann endlich leben! Davon träumte Jesus Christus aus Nazareth. Er war nur einer von den Flaschenpost-Ausstreuern. Sie ist nur die best dokumentierte, von Homer und Odysseus an wird protokolliert ohne Ende. Jedes will, ja MUSS seine Summe notieren, damit http und Wikipedia nur ja alles ins „ewige Leben“ einbringen, damit nur ja kein einziger Funken Idee verkommt. Und dann die Mamas alle aus dem Zigaretten-Automat rauspurzeln und verkünden können: „I bin’s, dei Mama!“ Damit nur ja alle Lebewesen, die je existierten, in die Ewigkeit schlüpften, ob von der Fauna oder Flora ... oder den Pilzen, doch die gehören wahrscheinlich eher zur Welt der Flora, die Pilze. – Es ist alles parat, und die kybernetische http-Ewigkeitsarbeit kann begonnen werden, Duhsub! Damit alles in Erinnerung bleibt!

Aus Phettbergs Predigtdienst Nr. 836: Der Flaschenpost-Ausstreuer aus Nazareth

Sunset? Sunrise?

Atemberaubende Zahlen

Die Vermittlung von religiösen Werten in der Erziehung hat in Deutschland stark abgenommen. Das geht aus der aktuellen Studie "Generationen-Barometer 2009" des "Forum Familie stark machen" hervor, die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Berlin vorstellte.

Nur rund 32 Prozent der deutschen Bevölkerung legen Wert auf die religiöse Erziehung von Kindern, für 48 Prozent hingegen ist diese unwichtig. Die Studie, die sich mit den Themen Familie und Erziehung beschäftigt, zeigt zudem, dass 57 Prozent der 16- bis 29-Jährigen nicht viel von religiöser Erziehung halten. Nur 15 Prozent der Befragten empfindet sie als wichtig. Auch etwa die Hälfte der 30- bis 59-Jährigen erachtet religiöse Werte bei der Kindererziehung als unbedeutend, rund 30 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Lediglich bei Menschen ab 60 Jahren ist es umgekehrt. Dort stimmen rund 47 Prozent der religiösen Erziehung zu, 39 Prozent halten sie für unwichtig.

Schon bei Kindern dominiert der Computer

In Rahmen der Studie wurde auch der Medienzugang von Kindern befragt. Zwei von drei 14-Jährigen besitzen bereits einen eigenen Fernseher. Unter den 3- bis 5-Jährigen haben etwa 4 Prozent einen eigenen Fernseher. Auch die Nutzung von Computern liegt bei den 6- bis 9-Jährigen schon bei 43 Prozent. Bei den 14- bis 17-Jährigen gibt es nur 8 Prozent, die vom Computer gar keinen Gebrauch machen. In dieser Altersgruppe nutzen 85 Prozent der Jugendlichen das Internet, bei den 10- bis 13-Jährigen etwa die Hälfte.

Mit dem "Generationen-Barometer" will das "Forum Familie stark machen", der Auftraggeber der Studie, öffentliche und private Auseinandersetzungen mit der Veränderung der Generationenbeziehungen durch regelmäßige Studie begleiten. Der Verein bezeichnet sich selbst als überparteilich und überkonfessionell. Das Institut Demoskopie für Allensbach führte sowohl die erste Studie im Jahr 2006 als auch die aktuelle Studie durch. Vorsitzender von "Forum Familie stark machen" ist der Theologe Hubertus Brantzen. 



Ich lese diese Zahlen, fasse mich an den Kopf - und weiß zugleich, dass sie die Realität widerspegeln. 4 % der 3 - 5.Jährigen haben einen eigenen Fernseher? Ja, so ist das wohl. Und nicht einmal die Hälfte der älteren Menschen (über 60 Jahren) hält religiöse Erziehung für wichtig. Von den jüngeren Leuten ganz zu schweigen. Zudem wird zwischen "für wichtig halten" und eigener Praxis klar zu unterscheiden sein. Der schleichende Übergang in eine mehrheitlich religionslose Gesellschaft scheint unaufhaltsam.