Samstag, 9. Mai 2009

U-Bahn Station Alser Straße

Topografisches

"Einen Tag nach seinem Besuch in Ägypten wird der US-Präsident in Dresden erwartet, wo er die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besichtigen will."

DLF-Nachrichten, 9. Mai 2009, 12 Uhr

So richtig sicher mit der Geografie ist man sich auch in den Nachrichtenredaktionen nicht mehr. Oder ist es die amerikanische Perspektive? Über den Ozean geschaut, mag Weimar ja wie ein Vorort von Dresden erscheinen...

Und ich ...

... werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Ps. 23,6

Freitag, 8. Mai 2009

Mittwoch, 6. Mai 2009

Deutschland: Keine Namensketten

Die in Cottbus erscheinende LAUSITZER RUNDSCHAU kommentiert die Entscheidung der Karlsruher Richter, wonach Eheleute weiterhin keine Ketten aus drei oder mehr Nachnamen bilden dürfen:
"Das Bundesverfassungsgericht hat seinem Ruf als Hort der Vernunft mal wieder alle Ehre gemacht. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte das Gericht die Bildung von unbegrenzten Namensketten gebilligt. Herr Müller-Lüdenscheid gibt Frau Schulze-Piepenbrink das Jawort, und schon wäre etwa Familie Müller-Lüdenscheid-Schulze-
Piepenbrink auf dem Klingelschild zu lesen gewesen. Eine schöne Bescherung. Aber so kommt es zum Glück nicht", schreibt die LAUSITZER RUNDSCHAU.

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Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG begrüßt das Urteil:
"Das Verbot von Namensketten ist kein Ausdruck staatlicher Schikane, sondern soll einen Namens-Wirrwarr verhindern, der sich über die Generationen immer weiter auszuwachsen droht. So verlöre der Name schlussendlich seine zentrale Funktion, den Träger zu identifizieren und familiär zuzuordnen. Von den Problemen mit sperrigen Namensgirlanden im Alltag ganz zu schweigen", so die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

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Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz sieht es ähnlich:
"Persönlichkeitsrechte sind ein hohes Gut. Und es gilt, wann immer möglich, sie zu schützen. Aber die Selbstverwirklichung einiger weniger darf eben nicht so weit gehen, dass ein großer Teil der Allgemeinheit darunter leidet. Das hat Karlsruhe mit seinem Urteil klargemacht. Und das Gericht hat durch das Nein zu verwirrenden Kombinationen verhindert, dass Probleme in der praktischen Handhabung von Namen für Behörden oder andere Menschen entstehen", konstatiert die RHEIN-ZEITUNG.

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Und der MANNHEIMER MORGEN gibt zu bedenken:
"Die Eltern mögen beim Wunsch nach einer Namenskette noch so hehre Absichten hegen: Ausbaden müssten es die Kinder. Zungenbrecherische Namensungetüme bieten nicht nur Anlass zum Spott, sie sind schlicht und einfach unpraktisch."

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Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht es so:
"Dass ein Paar mit einer solchen Lappalie das Bundesverfassungsgericht belästigt, ist erstaunlich. Schuld daran hat natürlich Helmut Kohl, in dessen Kanzlerschaft die gesetzliche Untersagung der Namens-Triole fiel. Was eine Bundesregierung – und auch die amtierende ist da hartleibig – so alles glaubt regeln zu müssen, darüber darf man sich mindestens genauso wundern. Der Staat möge Kinder davor bewahren, dass ihre Eltern ihnen idiotische Vornamen geben. Aber ob Erwachsene abstruse Operationen an ihren Nachnamen vornehmen, kann der Bundesrepublik Deutschland doch völlig schnuppe sein. Wer siebenmal heiratet und keine Ehe und den dazugehörigen Namen missen möchte, der soll sich halt größere Visitenkarten drucken lassen", bemerkt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

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Auch die SÄCHSISCHE ZEITUNG hält das Urteil für falsch:
"In der Tat geben so manche Namensketten Anlass zum Spott. Das rechtfertigt allerdings kein Verbot. Wenn Geschmack ein zulässiges Kriterium wäre, müssten die Standesämter auch so manchen exotischen Vornamen streichen. Die Welt gerät nicht aus den Fugen, wenn die Klägerin den Namen Kunz-Hallstein-Thalheim auf ihr Klingelschild schreiben möchte", argumentiert die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden.

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"Das Verbot von Vielfachnamen bestätigt einen verheerenden Trend", hält das FLENSBURGER TAGEBLATT fest.
"Der Staat mischt sich immer stärker in immer mehr Lebensbereiche der Bürger ein. Wollen wir das wirklich? Sollen wir erwachsenen Menschen künftig etwa verbieten, sich die Haare knallgrün zu färben? Oder ein zitronengelbes Auto zu fahren? All das muss man nicht mögen. Aber man muss es tolerieren können."


Aus der Presseschau des Deutschlandfunks vom 6. Mai 2009 

Abwärts

ImTurm der Schlosskirche zu Wittenberg

Wider die Diskriminierung von Buben und Burschen

Die EU sagt jeder Diskriminierung den Kampf an. Soeben haben sich 360 von 785 Abgeordneten gegen die Benachteiligung von Menschen ausgesprochen, die alt, krank, behindert, homo- oder transsexuell sind oder einer bestimmten Religion angehören. Kommt es zur Diskriminierung, kann man zu Gericht gehen und Schadenersatz fordern. Dieser Vorstoß ist löblich. Er bringt das Licht der Aufklärung in einen Bereich, in dem es noch zu viele Schatten gibt. Auch in Österreich werden Menschen diskriminiert, und zwar mit größter Selbstverständlichkeit. Eine große Bevölkerungsgruppe sogar: die der Buben und jungen Männer.

Die Fakten sind eindeutig: Buben sind in der Schule benachteiligt. Sie erhalten für gleiche Leistungen schlechtere Noten. Sie werden überproportional häufig in Sondereinrichtungen abgeschoben. Sie maturieren seit Jahren signifikant weniger häufig, als es ihrer Geschlechterquote entspräche. All das geschieht unter staatlicher Aufsicht in einem Schulalltag, der von Frauen dominiert wird. Und als ob die Buben nicht schon genug zurückgesetzt wären, werden sie nach der Matura noch zum Bundesheer oder Zivildienst eingezogen, während die gleichaltrigen Mädchen sofort zu studieren beginnen. Das hat zur Folge, dass in allen 46 Staaten (einzige Ausnahme: Türkei), die sich zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bekannt haben, die Mehrheit der Studienanfänger weiblich ist. An all das hat man sich in Europa gewöhnt. In ganz Europa? Nein.

In Norwegen, seit Ibsens Tagen ein Vorreiterland für Frauenfragen, denkt man anders. Dort werden per Gesetz die Aufsichtsratssitze der börsennotierten Unternehmen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt. Umgekehrt aber, wird auch eine geschlechtsneutrale Militärdienstpflicht gefordert. Ab nächstem Jahr soll die Musterung für beide Geschlechter obligatorisch sein.

Wer glaubt, dass diese Gesetzesinitiative von einem „Male Chauvinist“ oder einem „testosterongesteuerten Phallokraten“ stammt, irrt. Es ist eine Dame, die diesen Vorstoß gewagt hat. Diese Dame ist norwegische Verteidigungsministerin. Sozialdemokratin ist sie auch noch. Käme hierzulande jemand auf die tollkühne Idee, sie zu einem Parteitag einzuladen, könnte sie erzählen, dass in ihrem Land 62% der Männer und 55% der Frauen die geschlechtsneutrale Wehrpflicht favorisieren und bei den unter 25-Jährigen gar 72% dafür sind. In Norwegen.

In Österreich ist die Geschlechterdiskussion stecken geblieben: Man bekämpft Männerbastionen, und zwar völlig zu Recht, aber die Männerbastionen Militär und Zivildienst sollen bleiben. Und statt über die Benachteiligung der Buben in der Schule und beim Studieneintritt zu reden, diskutieren wir über das Binnen-I. „Das ist das Verdammte an den kleinen Verhältnissen“, schreibt Ibsen einmal, „dass sie die Seele klein machen.“ Österreich kann er damit nicht gemeint haben.

Kommentar von Kurt Scholz (langjähriger Wiener Stadtschulratspräsident) in der Presse vom 5. Mai 2009