Sonntag, 31. Januar 2010

Katholische Neuerungen bei der Bestattungsfeier

Beerdigungen zweiter Klasse?

Bei rund 6500 Katholiken habe ich im Jahr mehr als 100 Beerdigungen. Wie die Exequien gefeiert werden, ist daher von großer Bedeutung, vor allem da sich bei solchen Anlässen – zumindest im dörflichen und kleinstädtischen Milieu – viele Menschen in der Kirche einfinden, die sonst nicht kommen.

Seit Beginn des neuen Kirchenjahres ist nun in der katholischen Kirche ein neues liturgisches Buch (Rituale) für die kirchliche Bestattung in Kraft getreten. Positiv fällt auf, daß der Begriff der Seele wieder auftaucht, der im Vorgänger-Buch fehlte, was der irrtümlichen Auffassung einer Auferstehung im Tode Vorschub leistete. Nach christlichem Glauben muß aber die vom Leib getrennte Seele bis zum jüngsten Tag warten, um mit dem Auferstehungsleib wieder vereinigt zu werden.

Grundsätzlich trägt das Buch der Tatsache Rechnung, daß es heute unterschiedliche Formen von Beerdigungen gibt. Es geht auf viele Spezialfälle ein, erfreulicherweise auch auf die Totgeburt, womit die christliche Auffassung unterstrichen wird, daß auch dem ungeborenen Kind personale Würde zukommt. Da die Zahl der Urnenbeisetzungen stark zunimmt und in städtischen Gebieten sogar die der Erdbestattungen übersteigt, ist auch hierfür ein eigenes Kapitel vorhanden.

Bestattung durch Laien befördert Verweltlichung der Kirche

Wer jedoch das Bestattungsrituale etwas genauer liest, dem fällt auf, daß fast durchgängig vom „Leiter der Feier“ die Rede ist. Zwischen den Zeilen wird damit auch der beauftragte Laie für einen Dienst legitimiert, der bisher dem geweihten Priester oder Diakon vorbehalten war. Die kirchliche Bestattung durch Laien verdunkelt aber nicht nur das kirchliche Amtsverständnis, sondern leistet in der Praxis auch einer Verweltlichung der Kirche Vorschub, die nach rein irdischen Maßstäben Menschen in unterschiedliche Klassen einteilt.

Man darf annehmen, daß bei angesehenen Personen des öffentlichen Lebens nach wie vor der Priester die Feier hält; für den Normalbürger scheint ein Laie zu genügen.

Wird hier die Beerdigung zweiter Klasse wieder eingeführt? Immerhin kommt doch allen Menschen die gleiche Würde zu. Vor dem Angesicht Gottes zählt allein der in Werken bezeugte Glaube, nicht aber die gesellschaftliche Stellung.

Widerspruch in sich

Völlig kurios mutet nun der Anhang an. Für Menschen, denen wegen Kirchenaustritt oder aus sonstigem Grund, eine kirchliche Bestattung verwehrt werden muß, wird ein Ritus angeboten, bei dem der Priester oder Diakon mitwirkt, aber sein Amt hierbei nicht ausüben darf. Also eine nichtliturgische Liturgie – ein Widerspruch in sich!

Während das ganze Buch im gesamten deutschen Sprachraum Gültigkeit hat, ist dieser Anhang nicht zugelassen für das Erzbistum Vaduz (Liechtenstein). Der konservative Erzbischof Wolfgang Haas konnte eine solche Praxis offensichtlich nicht verantworten und hat sich mutig gegen den Rest des deutschsprachigen Episkopats gestellt.

Kolumne des Priesters Georg Alois Oblinger in der "Jungen Freiheit" (31.01.2010)

Madonna erotica

Graffito am Währinger Gürtel.

Samstag, 30. Januar 2010

Colored?

When I born, I black
When I grow up, I black
When I go in Sun, I black
When I scared, I black
When I sick, I black
And when I die, I still black

And you white fellow
When you born, you pink
When you grow up, you white
When you go in sun, you red
When you cold, you blue
When you scared, you yellow
When you sick, you green
And when you die, you gray

And you calling me colored?

[Anonym]

Streikende Auslage

Gesehen in der Martinstraße in Währing.

Modern, geradezu zukunftsweisend...

Pfarrer Grzegorz Sowa von Greiffenberg in Südpolen hat für seine Kirche ein Lesegerät von Fingerabdrücken besorgt. Das berichtete die Zeitung ‘Gazeta Wyborcza’. Kandidaten für die Firmung können mit dem Scanner ihren Meßbesuch dokumentieren. Jeder Firmling, der in drei Jahren zweihundert Mal in der Kirche war, braucht keine Prüfung mehr abzulegen. Die Anwesenheit gilt für Sonntage, Feiertage, an jedem ersten Freitag im Monat, bei Rosenkranz-Andachten und an allen Adventstagen. Die Eltern haben dem Einsatz des Lesegeräts zugestimmt.

Samstag, 23. Januar 2010

Am AIDS-Hilfe-Haus (Mariahilfer Gürtel)


Safer Abi

Ein Deutschabitur ist kein Zuckerschlecken. Hier rollen die Köpfe gleich reihenweise, so dass als übergeordnetes Lernziel festzuhalten wäre: Das Leben ist eher ein Schlachthaus als ein Ponyhof, und für das Leben, nicht für die Schule lernen wir ja bekanntlich. Büchners Danton – Rübe ab. Fausts Gretchen – wegen Mord ihres unehelichen Kindes zum Schafott verurteilt. Michael Kohlhaas kommt aufs Rad, Josef K. wird am Ende „wie ein Hund“ erstochen, Gregor Samsa stirbt in einem eklatanten Fall von domestic violence an unterlassener Hilfeleistung. Amalia in Schillers „Räubern“ will exklusiv von ihrem geliebten Karl getötet werden, was der dann auch tut; Effi Briest geht an gebrochenem Herzen zugrunde, ihr früherer Liebhaber allerdings zuvor an einer Kugel im Duell.

Und dann die diversen Selbstmörder: Nathanael in E. T. A. Hoffmanns „Sandmann“ stürzt sich im Wahnsinn vom Kirchturm; Georg aus Kafkas „Urteil“ springt auf dringenden Wunsch des Vaters in den Fluss; Schnitzlers Fräulein Else nimmt eine Überdosis Schlafmittel (bei Redaktionsschluss war noch nicht geklärt, ob sie durchkommt). Wie können wir unsere Jugendlichen vor solchen Gewaltexzessen schützen, die man heutzutage in jeder Buchhandlung einfach aus dem Regal herunterziehen und für ein paar Euro mit nach Hause nehmen kann?

Angst vor dem letzten Konsequenz

Rat weiß der Reclam-Verlag, dessen preiswerte Bücher schon viele Schülergenerationen erfreuten. Sein neues Programm verheißt „Rettungs-Tüten“ für das Abitur, die zu jedem der obengenannten Killer-Bücher „zum Sonderpreis“ und in praktischer Folienverpackung auch noch einen „Lektüreschlüssel“ sowie „Erläuterungen und Dokumente“ bieten. Darin werden die fatalen Ereignisse nach gängiger Interpretenart motivgeschichtlich entschärft und allegorisch aufgehoben, so dass am Ende nichts als jugendgerechte Psychoanalyse und Tragödientheorie ohne Altersbeschränkung übrig bleiben.

Zwei Dinge aber irritieren: Da wäre einmal das immerhin für die Zielgruppe Deutsch-LK entworfene Motto „Safer Abi“. Und dazu die grafische Gestaltung des „Dreier-Packs“ mit einem grünen, gelben und blauen Ring, die ebenfalls an Anti-Aids-Kampagnen erinnert. Kondome schützen offenbar nicht nur vor Sturm und Drang, sondern auch vor zu viel Realismus. Vielleicht denkt Reclam an die Praxis von Dantes Leseratten Francesca und Paolo, die irgendwann die Bücher Bücher sein ließen: „An jenem Tage lasen wir nicht weiter“? Doch schreckte die pfiffige Marketingabteilung vor der letzten Konsequenz zurück. Warum nicht gleich den Büchern Kondome – vulgo Lümmeltüten – beilegen? Das mit Gretchen und Faust wäre dann immerhin nicht passiert.

Richard Kämmerlings: Reclams Lümmel, FAZ 23.01.2010

Damals wie heute

George Grosz: Ecce Homo - Ach, knallige Welt, du seliges Anormitätenkabinett (1916)

Genug

Genug, die Worte sind alle.
Hat der Fluss das Meer erreicht?
Oder ist das Meer eine Wüste,
schon gut, zu schlecht, es reicht!

Funny van Dannen

Angst vor dem Tod?