Donnerstag, 7. Februar 2008

Immer wieder der Tatort...

„ARD verschiebt ‚Tatort’ wegen Brands in Ludwigshafen

Diese Fiktion ist derzeit zu nah an der Realität: Wegen des Wohungsbrands mit neun Toten in Ludwigshafen hat die ARD die Ausstrahlung eines in der Stadt spielenden Tatort-Krimis aus dem deutsch-türkischen Milieu verschoben.

‚Mit dieser Entscheidung nehmen wir Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle wir nicht verletzen wollen’, sagte SWR-Intendant Peter Boudgoust am Donnerstag. Die Folge ‚Schatten der Angst’ solle nun erst am 6. April gezeigt werden. Am kommenden Sonntag wiederholt die ARD stattdessen eine frühere Folge.

Boudgoust sprach von einer schwierigen Entscheidung. ‚Schatten der Angst’ mit der Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts sei eine stimmig inszenierte, spannende Liebesgeschichte. Der Fernsehfilm spiele zwar im deutsch-türkischen Umfeld, habe aber mit der Diskussion über die Hintergründe des Feuers in Ludwigshafen nichts zu tun. ‚In dieser Situation hätte die Gefahr bestanden, dass eine herausragende Tatort-Produktion völlig falsch verstanden wird’, sagte Boudgoust.

Bei dem Wohnhausbrand waren am Sonntag neun Türken ums Leben gekommen. Am Donnerstagnachmittag besuchte der türkische türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Unglücksort. Er wurde bei dem Rundgang um die Brandruine vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, begleitet. Erdogan hatte zuvor in Ankara vor einem ‚neuen Solingen’ gewarnt.“

Financial Times Deutschland (dpa-Meldung), 07.02.2008, 17:22 Uhr

War da nicht erst kürzlich eine Tatort-Folge, die die Gemeinschaft der Aleviten so sehr erzürnt hat? Die Krimis der Tatort-Reihe sind ja bekannt für ihren Realismus. Aber in manchen Fällen wird der offenbar schon brenzlig.

Skurriles am Wege


Vorbei

Einst galt der Mensch der Theologie und dem Volksmund als "Krone der Schöpfung". Aber die Zeit der Monarchien und der Kronen ist vorbei.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Pfarrkirche Grinzing

Das schöne Geschlecht mit den besseren Noten

"Die Frage um die Benachteiligung von Frauen beim Eignungstest ist ja in dieser Schülerumfrage (http://derstandard.at/?url=/?id=2936780) schon beantwortet worden: 'Beide Geschlechter sagen, dass die Mädchen im Unterricht bevorzugt werden.' Ist es wirklich so eine große Überraschung, dass eine Personengruppe, die jahrelang einem geringeren Leistungsdruck als eine andere ausgesetzt ist, vergleichsweise schlechter abschneidet, wenn der Leistungsdruck auf einmal für beide Gruppen gleich hoch ist?"

Aus einem Forumbeitrag zum Medizineignungstest im Standard. Bei diesem Test schneiden Mädchen signifikant schlechter ab als Burschen.


Ein früherer Schulkollege aus Deutschland fällt mir ein, dem (wohl sehr zu Recht) nachgesagt wurde, dass er Mädchen nahezu ausschließlich nach Attraktivität benotete. Das Phänomen gibt es mithin nicht nur in Österreich.

Dienstag, 5. Februar 2008

Martinstraße nach Süden zu

Marillenrepublik

Korruption meint nicht nur Bestechlichkeit und Bestechung, sondern beschreibt überhaupt einen Zustand, in dem Beziehungen mehr zählen als Kompetenz. In diesem Sinn ist Österreich wahrscheinlich noch viel korrupter als Deutschland. Hinzu kommen hier Eigentümlichkeiten des politischen Systems, etwa die schwache Stellung des Bundesrates gegenüber dem Nationalrat: Ablehnende Beschlüsse der Ländervertretung haben im Gesetzgebungsverfahren nur eine aufschiebende Wirkung. Im Rahmen der Überlegungen zu einer Verfassungsreform wird hier über mögliche Änderungen nachgedacht, aber bislang werden in Österreich Gesetze mitunter im Handstreich eingeführt, Rechtsverhältnisse im Schnellverfahren geändert, so dass zu einer öffentlichen Debatte im Vorfeld oft kaum Zeit bleibt. Das deutsche Gesetzgebungsverfahren erscheint im Vergleich mit dem österreichischen wie ein behäbiger Dinosaurier neben einer munteren Springmaus. Das Wort "Bananenrepublik" ist ja für andere (und viel bedenklichere) politische Verhältnisse geprägt worden, für Österreich passt vielleicht eher "Marillenrepublik".

Montag, 4. Februar 2008

Seitenblick

Bildungsfragen

"Warum ist das Turbo-Gymnasium ein Thema, das die Wahlkämpfe überdauert? Warum ist die Art, wie in Deutschland die Gymnasialzeit von neun auf acht Schuljahre (vulgo: G8) zusammengestrichen wird, das große gesellschaftliche Thema, das alle, nahezu alle bewegt (...)? Das heißt neben den betroffenen Kindern eben auch alle Erwachsenen – jene, die schulpflichtige Kinder haben, wie jene, die ihre eigenen Schulerfahrungen am Pisa-Sog von heute messen möchten.

Ein Unterschied sticht jedem gleich ins Auge: Früher wurde, wenn man sich nicht auf den Hosenboden setzte, mit Hausarrest gedroht. Heute wird der Sechstklässlerin mit den Chinesen gedroht, die ihr einmal den Arbeitsplatz wegnehmen werden, wenn sie nicht endlich auf ihre Reitstunden und Tanzkurse verzichtet, um spätnachmittags nachzuholen, was ihr vormittags in der Schule wegen Zeitmangels und Stofffülle nicht annähernd erklärt wurde. Gib dir Mühe, heißt es, die Finnen können es doch auch! Ganz in diesem Sinne schrieb mir neulich der Kollege einer Wirtschaftsredaktion: 'Ein späterer Arbeitgeber wird nicht fragen, wie viele Reitstunden oder Tanzkurse jemand hatte, sondern wird wissen wollen, ob er den Strömungswiderstand berechnen kann. Und das kann der chinesische Mitbewerber dann wahrscheinlich besser.'"

Christian Geyer: Hände weg von unserer Kindheit, Frankfurter Sonntagszeitung 03.02.2008

Wie berechnet man einen Strömungswiderstand? Ich glaube, das haben wir auch in neun Jahren Gymnasium nie lernen müssen...

Österreich kommt - wie viele Länder Europas und auch die frühere DDR - seit jeher mit zwölf Schuljahren aus. Es kommt auf dies eine Jahr offenbar auch nicht mehr an, wenn man die Stoffverteilung entsprechend vornimmt.

"Bildung" spielt in dieser Diskussion im Bildungsland Deutschland schon gar keine Rolle mehr, es geht nur noch um Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt sicherstellen sollen. Für alles andere, was man im Leben braucht, gibt es ja schließlich Volkshochschulkurse und gedruckte Ratgeber...

Freitag, 1. Februar 2008

Opernball

Wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen - in Wien tritt das Unmögliche ein, am Donnerstag vor Faschingsende, beim Wiener Opernball. Vier Stunden Übertragung im ORF (und im Bayerischen Fernsehen und in 3SAT), war das früher auch schon so? Ich gestehe, dass ich es nicht weiß und dass es mich auch nicht gereizt hätte. Aber heute würde ich sagen: Diese Fernsehübertragung sollte ein Pflichtprogramm für jeden sein, der sich mit dem Gedanken trägt, in die österreichische Bundeshauptstadt oder vielleicht überhaupt in dieses Land zu übersiedeln. Pflichtprogramm für die Politiker, die Selbstinszenierung eines Landes in Schönheit und Wohlklang. Angeblich sollen zwei Millionen Zuseher die Fernsehübertragungen anschauen, Wochen vorher und sicher noch Tage danach ist der Opernball das große Thema in Zeitungen und Fernsehen: Wer mit wem auf wessen Kosten in welcher Loge saß oder auch nicht, dieser Fauxpas und jenes verrutschte Ballkleid... Selbst die "Qualitätszeitungen" berichten ausführlich und präsentieren im Internet umfangreiche Bildergalerien...

Die erwarteten (und angekündigten) gewaltsamen Proteste gegen das Fest der Schönen und Reichen blieben übrigens aus. Für die 700 bewaffneten Ordnungshüter, die die Wiener Polizei aufgeboten hatte, war es ein ruhiger Abend.