Mittwoch, 2. April 2008
Jesus im Talmud
Schäfer ist Direktor für jüdische Studien an der berühmten US-Universität Princeton. Sein Buch ist jetzt auch auf Deutsch erschienen.
Die Zustimmung, die er fast unisono von seinen jüdischen Kollegen und Rezensenten erfahren hat, macht die Wende deutlich, welche der christlich-jüdische Dialog in jüngster Zeit genommen hat.
Dieser neue Dialog beruht auf Ehrlichkeit und nicht auf der einfältigen Rede von „unseren älteren Brüdern“, der „gemeinsamen Herkunft aus abrahamitischem Stamme“ oder „dem gegenseitigen Respekt“ und der zu übenden „Toleranz“, welche die Wahrheitsfrage ausklammert und keine der unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen noch ernst nimmt.
Echte Talmud-Juden haben ohnehin für solche, meist von christlicher Seite ausgehenden Anbiederungsversuche nur Hohn und Spott übrig.
Wo sich selbst vatikanische Autoritäten bemühen, die Juden vom Mord an Christus freizusprechen, klopfen die ihres Glaubens sicheren Rabbiner sich selbstbewußt an die Brust, Jesus – diesen Gotteslästerer und Götzendiener – seiner gerechten Strafe zugeführt zu haben.
Sie beharren darauf, daß der Schauprozeß gegen Jesus nicht vor einem römischen Gericht, sondern vor dem Sanhedrin, dem Obergericht der Juden, stattgefunden hat und es Kaiphas war, der seine Kleider zerriß, als er das Todesurteil über den Zimmermann aussprach, der sich mit Gott gleichsetzte:
„Ja“, so die Rabbiner im Talmud: „Wir übernehmen die Verantwortung und es gibt keinen Grund sich deswegen zu schämen, denn wir haben einen Gotteslästerer und Götzendiener rechtmäßig verurteilt. Jesus hat seinen Tod verdient, und er hat nur bekommen, was er verdient hat“ (Seite 18).
Es gibt keinerlei Rechtfertigung für „die christliche Sekte, die unverschämt behauptet, der neue Bund zu sein und die dabei ist, sich als eine neue Religion – und nicht zuletzt als eine Kirche mit politischer Macht – zu etablieren“ (Seite 19).
Vor dieser eminenten Gefahr, die sich nach der konstantinischen Wende und dem Aufstieg der Christlichen zur Staatsreligion für das Judentum abzeichnet, lassen die Rabbiner, die im persischen Reich Zuflucht gefunden haben, ihrer Phantasie freien Lauf, um den christlichen Glauben zu schwächen.
Persien befindet sich in einem Dauerkrieg mit den byzantinischen Kaisern und unterstützt schon aus diesem Grunde die christenfeindlichen Juden bei der Ausarbeitung des Babylonischen Talmuds, der zur wichtigsten Quelle für das Jesusbild wird, welches das Judentum bis in unsere Tage weiterträgt.
Die Jesusstellen im babylonischen – und abgeschwächt auch im palästinensischen – Talmud sollten, so Schäfer, als „Gegenerzählung zum Evangelium“ gelesen und begriffen werden.
Durch sie stärkt das um seine Selbstbehauptung ringende Judentum sein Selbstbewußtsein. Es erfüllt sich mit unbändigem Stolz, der selbst noch im Humor und in der Lust zur Parodie Ausdruck findet, mit welcher der Christusglaube abgetan wird."
http://www.kreuz.net/?article=6952&id=766
Der so genannte jüdisch-christliche Dialog findet im Judentum nach meinen Erfahrungen und Eindrücken mehrheitlich keine Resonanz. Unvergesslich der Leiter einer jüdischen Gemeinde in Deutschland, der zwar der Einladung der örtlichen christlich-jüdischen Gesellschaft gefolgt war (diesen Vereinen gehören in der Regel ausschließlich philosemitisch orientierte Christen an), viel von seinem Glauben erzählte - und nachher lächelnd bekannte, er habe noch nie eine Zeile des Neuen Testaments gelesen.
Montag, 31. März 2008
Große Worte kleiner Leute
Freitag, 28. März 2008
Virtuelle Welten - gefährden sie die religiöse Empfänglichkeit?
Der Wunsch des Menschen, aus dem Hier und Jetzt zu fliehen, sei daher im Grunde "ein Aussteigen aus der Dimension des Göttlichen", so Spaemann. "Virtuelle Welten sind auch eine Konkurrenz für die Frömmigkeit." Unter Frömmigkeit versteht er dabei eine "Aufmerksamkeit der Gegenwart". Wer den Fernseher einschalte, sei woanders, "nicht mehr in meiner eigenen Gegenwart. Und ich muss mir anschauen, was andere sich ausdenken."
Fernsehen und Internet lassen Wahrnehmung für unsichtbare Welt verkümmern
Dass dies schlimme Auswirkungen habe, könne man etwa bei Kindern sehen. Kinder, die regelmäßig fernsehen, malten Bilder, "die klein und kümmerlich sind, weil sie nur ein Viertel des Raumes auf dem Zeichenblatt ausnutzen. Kinder hingegen, die wenig oder gar nicht fernsehen, malen kraftvolle, großflächige Bilder. Im Grunde haben uns das Fernsehen und andere virtuelle Medien in eine atheistische Atmosphäre geführt, die tendenziell die menschlichen Organe für die unsichtbare Welt zum Absterben bringt."
Spaemann warnt: "Wenn wir keine Heiligkeit mehr kennen, sind wir den Gegebenheiten, dem Grau-in-Grau des Alltäglichen, ausgeliefert." Als "himmlische Rechenkunst", die den Menschen mehr und mehr verloren gehe, bezeichnet Spaemann die Fähigkeit, "unsere gewohnten Sichtweisen zu verrücken" und "Nachteile als Vorteile zu sehen: "Demütigung als Ehre, Verlust als Gewinn, (...) den eigenen Komfort als einen Überfluss, der in Wirklichkeit den Armen gehört". Er selbst bringe "den Alltag ins Gebet" und mache ihn "durchsichtig für das Einmalige unseres Daseins".
Aus einer Zusammenfassung eines Gespräches des populärwissenschaftlichen Magazins P.M. mit dem Philosophen Robert Spaemann (Ausgabe April 2008) im Medienmagazin "pro".
Gefährliches Terrain
Wer sich der Worte bedient,
begibt sich in Gefahr.
Der Wortschatz ist vermint,
wie er seit je es war.
Er wird so überdauern.
Nur so bleibt er ein Schatz,
so lange in Worten lauern,
als ihrem rechten Platz
Gefahren, wie sie nur hier
bestehn: am geeigneten Ort,
auf beliebigem Papier -
die wartende Mine: Wort.
Karl Krolow
Vorgeschmack der Auferstehung, drastisch...
Helga Wehrmann kam am Dienstag entrüstet in die Bergerkirche und fragte Pfarrer Thorsten Nolting: „Ist die Kirche jetzt total durchgeknallt?“ Nolting hatte zum Probeliegen im frisch aufgebuddelten Grab geladen. Die Auferstehungsübung in der Altstadt lief unter dem Motto: „Raus hier. Jedes Grab ist zu eng“.
Mit so viel Aufregung bei Kirchengängern und der Presse hatte Pfarrer Nolting im Vorfeld der geistlichen Übung nicht gerechnet: „Das war auch gar nicht meine Absicht. Einige, die sich gerne ins Grab gelegt hätten, wollten warten, bis die TV-Teams und Fotoreporter weg sind.“ Der Presse-Rummel und das kalte Winterwetter führten jedoch dazu, dass sich bis eine Stunde vor Ende der Aktion nur sechs Personen ins Grab legten. Thorsten Nolting wollte warten, bis alle Reporter weg sind und sich dann selbst in das über ein Meter tiefe Loch legen.
Eine symbolische Auferstehung samt „Wandlung“ durfte der evangelische Pfarrer bei Helga Wehrmann erleben. Erst polterte die Gerresheimerin empört gegen das Probe-Liegen und erklärte sichtlich aufgebracht: „Ich kann auf mein richtiges Grab warten. Dort hinabzusteigen würde mich sehr beängstigen und ein Leben lang verfolgen.“ Nachdem sie jedoch ein Flugblatt mit Informationen zu dieser ungewöhnlichen Aktion durchgelesen hatte und den symbolischen Zusammenhang des Probe-Begräbnisses mit der Auferstehung Christi sah, kam sie ins grübeln.
Das bekam auch ihre Freundin Brigitte Lenk mit, und als beide auf das offene Grab schauten, sagte sie zu Helga Wehrmann: „Steig da rein. Das wird dir sonst keine Ruhe lassen.“ Und dann passierte das, womit Thorsten Nolting und alle Anwesenden nie und nimmer gerechnet hätten: Helga Wehrmann legte sich tatsächlich ins Grab: „Ich habe mich da unten wohl behütet gefühlt. Vielleicht hätte ich noch etwas länger liegen bleiben sollen. Allerdings bekam ich auch ein Gefühl der Enge und von oben bröckelte Erde auf mich hinab.“ So wartete Helga Wehrmann keine Minute bis sie rief: „Ich will auferstehen. Lasst mich raus!“
Wer anderen eine Grube gräbt...
Ganze sieben Minuten lag Peter Laux im Grab. Der 47-Jährige aus Haan hatte Samstag von der Aktion erfahren und sich über Ostern seelisch drauf vorbereitet. Schon über die Feiertage machte sich Laux Gedanken über den Sinn des Lebens und seine Lebensaufgaben. Nach sieben Minuten wurde ihm dann klar: „Junge, du gehörst hier nicht hin“, was ihm dazu veranlasste, aus dem Grab zu klettern. Selbst 20 Minuten nach der „Auferstehung“ fühlte sich Laux wie auf einer Wolke, hatte zittrige Beine und erklärte: „Ich habe mein Herz noch nie so laut pochen hören, wie da unten. Jetzt fühle ich mich richtig befreit.“
Vassilios Katsogridakis: Lebendig begraben, Rheinische Post, 25.03.2008Evangelischen Pfarrern fällt doch immer noch etwas Neues ein, aber ob das nun sein musste?












