Montag, 4. August 2008

Sommergastspiel

Tand, Tand...














Allerliebste Liebesgedichte (1)

Lied

Wenn der Tod nun einmal käme,
Wenn er mich dann von dir nähme
Und ich ließe dich allein -
Deine Worte möcht ich wissen.
Würdest du mich sehr vermissen?
Ach, wie wirst du dann wohl sein.

Ich, denn ich würd mich nicht schämen,
Wenn er käme, dich zu nehmen,
Nein zu rufen: Nur zu Zwein!
Würd dich halten, bis er's ließe
Oder mich auch mitgehn hieße.
Denn was soll ich hier allein.

Willst du mich nicht einmal nehmen,
Daß ichs weiß, und dich nicht schämen,
Einmal heut schon so zu sein?
Einmal heut mich schon umfassen
So als wollt ich dich verlassen?
Denn ich laß dich nicht allein.

Hans Erich Nossack

Samstag, 2. August 2008

Normaler Mietgebrauch...

"Wer seine amourösen Abenteuer allzu ungeniert auf dem Balkon auslebt, dem droht eine Abmahnung durch den Vermieter und schlimmstenfalls die Kündigung. Das Bonner Amtsgericht wertete den Akt im Freien als eine Störung des Hausfriedens (AG Bonn, Az. 8 C 209/05). Auch in der Wohnung sollte ein Liebespaar mit Rücksicht auf andere Hausbewohner die Contenance wahren. Durchdringendes „Stöhnen beim Sex und dabei ausgestoßene Jippie-Rufe“ sah etwa ein Warendorfer Amtsrichter als unzumutbare Belästigung an. Der Geschlechtsverkehr, befand ferner sein Kollege in Rendsburg, zähle nicht mehr zum „normalen Mietgebrauch“. (AG Rendsburg, Az. 18 (11) C 766, AG Warendorf, Az. 5 C 414/97)"

focus.de (= Druckausgabe vom 21. Juli 2008, S. 47)
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Geschlechtsverkehr zählt nicht zum "normalen Mietgebrauch" - wo bitte ist er denn dann nach Meinung dieses Richters legitim? Im Park etwa?

Freitag, 1. August 2008

Buddha im Trainingscamp

Dekan Michael Wehrwein protestiert gegen Buddha-Statuen im Trainingszentrum vom FC Bayern München.

L o h r / M ü n c h e n (idea) – Gegen die Aufstellung von Buddha-Stauen im Trainingszentrum des deutschen Fußballmeisters FC Bayern München hat der fränkische Dekan Michael Wehrwein (Lohr am Main) protestiert. Er sandte Trainer Jürgen Klinsmann ein Kreuz mit der Bitte, diesem christlichen Symbol ebenfalls einen Platz einzuräumen.

In einem Brief an den Bayern-Trainer erklärte der evangelische Theologe, die Presseberichte über die Aufstellung der Buddha-Statuen hätten ihn als Fußballfan „irritiert und verwundert“. Zwar sei es ein legitimes Anliegen, jeden Fußballprofi auch menschlich weiterzuentwickeln, er finde es aber merkwürdig, „dass einerseits allenthalben christliches Gedankengut und christliche Symbole lächerlich gemacht und aus der Öffentlichkeit verbannt werden, andererseits der Buddhismus als vermeintlich friedliebende Religion hofiert und propagiert wird“. Wehwein erinnert daran, dass es Fußballern, die sich zu ihrem Christsein bekennen, untersagt ist, beim Torjubel ein T-Shirt mit Jesus-Aufschrift zu zeigen. Andererseits würden beim FC Bayern Profis, die Christen sind oder anderen Religionen und Weltanschauungen anhängen, gezwungen, sich mit Buddha-Statuen und asiatischem Gedankengut auseinanderzusetzen. Man sollte die Einstellung aller Profis respektieren und auch deren Symbole öffentlich sichtbar machen, so Wehrwein. Gerade das Kreuz könne als Sinnbild für Sieg und Niederlage zumindest Christen auf dem Weg der Weiterentwicklung helfen.

„Schlag ins Gesicht“

Wehrwein wendet sich in einem Brief auch an Bayern-Manager Uli Hoeneß. Darin schreibt er, die Aufstellung der Buddha-Statuen müsse für christliche Spieler und Verantwortliche ein „Schlag ins Gesicht“ sein. Ähnlich würden es viele Anhänger des FC Bayern München sehen, die mehrheitlich Kirchen angehören. Es wäre nur fair, wenn auch das Kreuz einen Platz fände, meint der Dekan. Wehrwein: „Man kann nicht über den Werteverfall in unserer Gesellschaft klagen und andererseits die christlich-humanistischen Wurzeln unserer abendländischen Kultur zugunsten asiatischer Religiosität ausblenden.“ Der Dekan hat nach eigenen Angaben noch keine Antwort auf die beiden Schreiben vom 15. Juli erhalten.

idea.de

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Schon seltsam - gibt es denn Buddhisten unter den Spielern von Bayern München? Was hat Buddha mit Sport zu tun? Oder paßt die Botschaft "Alles ist Leiden" einfach so gut in ein Trainingslager für Fußballer?

Stiegenhaus

Donnerstag, 31. Juli 2008

Sehnsüchte eines guten Europäers

„(…) Bolz argumentiert anthropologisch, indem er behauptet, dass sich der Absolutheitshunger durch den Säkularisierungsprozess nicht stillen lasse, schon gar nicht durch eine naturwissenschaftliche Entzauberung der Welt. Das den Religionen eigene Transzendenzbewusstsein ist für den Autor eine Konstante, eine "notwendige Illusion". Gnädiger Gott, gerechte Gesellschaft, heile Natur, wahres Selbst sind verschiedene Namen für dieselbe Tatsache: den Versuch des Menschen, sich über sein faktisches Selbst hinaus zu schwingen. Gerade der moderne Mensch sucht in der Religion Ganzheit und einen Ausweg aus der Einsamkeit des absoluten Ichs, das in einer kontingenten, zunehmend differenzierten Welt transzendental obdachlos geworden ist. Die "fundamentale Trostbedürftigkeit" verlangt nach einer neuen religio, einer höheren Bindung.

Bolz' Analysen gegenwärtiger religiöser Praktiken sind bestechend und aufschlussreich. So veranschaulicht er, dass der liebe Gott des heutigen diffus humanistischen Christentums und der absolute Gott der dogmatischen Fundamentalisten Komplementärphänomene sind. Diese auf den ersten Blick verblüffende These wird damit gerechtfertigt, dass der "neutrale Kult des Menschlichen" des heutigen Christentums es nicht vermöge, Halt und Orientierung zu geben. Die durch den Wegfall der vormals religiös oder weltanschaulich gesicherten Ordnung aufgerissene Lücke könne leicht durch Fundamentalismen gefüllt werden. Insbesondere der Absolutheitsanspruch universalistischer Religionen führe dabei zu erhöhter Gewaltbereitschaft. Dies sei zumindest für lebendige Religionen zutreffend.

Lebendigkeit will Bolz dem zur Zivilreligion verkommenen Christentum freilich nicht mehr zubilligen. Anders sieht es mit dem Islam aus. Letzterer sei "nicht eine Religion unter anderen, sondern die weltweit dynamischste und selbstbewussteste". Die gegenwärtige Schwäche des Christentums führe aber nicht etwa nur negative Konsequenzen mit sich. Die dialektische Pointe, die Bolz aus der humanistischen Entkernung des Christentums zieht, ist, dass nur schwache Kirchen überleben, da starke religiöse Motivationen zur Sektenbildung tendiere. Zudem hätten es die letzten Päpste meisterhaft verstanden, den Kampf um die knappe Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für sich zu entscheiden. Durch Riten und den Unfehlbarkeitsanspruch wissen sie sich als Fels in der Brandung in der Figur des Katechon, des Aufhalters teuflischer Kräfte, medienwirksam zu inszenieren.

Bolz bricht Tabus und wehrt sich gegen jedwede politische Korrektheit. Das Resultat ist nicht selten ein pauschalisierendes Urteil wie etwa: "Der islamistische Terror verdeckt nämlich das eigentliche Problem: den Islam." Ziel solle nicht etwa eine Diskussion mit dem vom Autor zum Kollektivsingular reduzierten Islam sein, sondern eine Diskussion über die Rolle dieser "fanatischen" Religion in Europa und der Welt. Da der Islam, wie das Christentum vor der Aufklärung, keine Trennung von Politik und Religion vorsehe, so Bolz, sehen wir uns bis auf weiteres mit einem "kalte(n) Krieg zwischen Europa und dem Islam" konfrontiert. Da sich der Islam - im Gegensatz zum Christentum - noch ernst nehme und höchst lebendig sei, versuche er die durch einen privilegierten Zugang zur Wahrheit gewonnenen Erkenntnisse gewaltsam gegen den "ungläubigen" Westen durchzusetzen. Deutlich wird aus solchen Kassandrarufen allerdings nicht, wie die bevorzugte Alternative zu einem Kalten Krieg der Religionen aussehen könnte. Ohne die vom Autor geleugnete Möglichkeit interreligiöser Verständigung käme da wohl nur ein offener Konflikt in Frage.

In solchen Urteilen zeigt sich, dass Bolz als "guter Europäer" mit Schützenhilfe von Carl Schmitt aufwartet. Den hat er neben anderen Extremisten zwischen den Kriegen schon in seiner Habilitationsschrift "Auszug aus der entzauberten Welt" behandelt und knüpft daran an: "Feindvergessenheit ist der Sieg des Teufels. Deshalb muss der Kampf gegen den Teufel mit der Bestimmung des Feindes beginnen." Das belanglose Gespräch von gutgläubigen Akademikern und politisch korrekten Politikern über Toleranz zwischen den Religionen funktioniere nur, so lange es nicht um Fragen der Macht und der Entscheidung gehe. Daher sei der Gedanke der Weltreligion nichts als "Esperanto der Theologen".

Statt einer theoretischen Totgeburt zu Zwecken der Völkerverständigung scheint sich der religiös unmusikalische Autor nach einer dogmatischen Aufrüstung des Christentums zu sehnen: "Dass Gott kein netter Papa ist und Jesus nicht sozial war, wagt die Kirche heute kaum mehr auszusprechen." Bolz hat es offensichtlich nicht mit Seelsorge und Diakonie, sondern trauert "großen Themen" wie Kreuz, Erlösung, Gnade, Teufel und Apokalypse nach. Auch die Ökologiebewegung und die im Nachkriegsdeutschland perfektionierte Kultur der Betroffenheit und des Gutmenschentums entlarvt er als Religionsersatz. (…)“

Aus Mario Wennings Rezension von Norbert Bolz: Das Wissen der Religion. Betrachtungen eines religiös Unmusikalischen. Wilhelm Fink Verlag, München 2008 auf literaturkritik.de

... welche kräftig sein können

"Am Donnerstag ist es im Nordosten sonnig und trocken. In den anderen Landesteilen wechseln sich Sonne und Wolken ab und im Tagesverlauf bilden sich örtlich Schauer und Gewitter, welche kräftig sein können."

Aus der heutigen Tagesschau-Wettervorhersage für Deutschland. Ziemlich gestelzt formuliert...

Verkümmerung des Geistes

Die Menschen sind heute audiovisuell bestimmt und haben "Schwierigkeiten mit dem logischen Denken und bei Willensentscheidungen in existenziellen Fragen". Dies sagte der katholische Erzbischof von Budapest, Kardinal Peter Erdö der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Kirche müsse die veränderte Lebenssituation der Menschen stärker wahrnehmen. Audiovisuelle Effekte seien in der katholischen Kirche durch Bilder, Symbole, Schauspiel und Musik "von jeher zu Hause". Ein audiovisuell bestimmter Mensch könne stärker emotional bewegt werden, sei aber auch leichter manipulierbar, so der Kardinal. In der Tendenz zur Visualisierung sieht Erdö aber auch eine Gefahr für die Demokratie, da zu deren Voraussetzungen gehöre, dass Menschen "politische Programme lesen und verstehen können und dann nach ihren Interessen und Wertvorstellungen entscheiden".

Gefunden auf jesus.ch