Donnerstag, 13. November 2008

Ein letzter Schritt

Gertraud Knoll wegen Haider-Lob aus Kirche ausgetreten

Ehemalige Superintendentin und SPÖ-Abgeordnete protestierte gegen Nachruf in Kärntner Hirtenbrief - Bischof Bünker kritisiert den Ausstieg

Wien - Die langjährige burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll ist aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Wie die Zeitschrift "News" am Donnerstag berichtete, reagiert Knoll damit auf einen Hirtenbrief, in dem der Kärntner Superintendent Manfred Sauer den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider gelobt hatte. Nachdem eine Reaktion der Kirchenführung ausgeblieben war, habe sie "als Ausdruck meiner protestantischen Identität" ihr Austritt erklärt, so Knoll. Kritik an ihrem Schritt kam vom evangelischen Bischof Michael Bünker.

"Missbrauch" des Hirtenbriefs

Der Kärntner Superintendent Sauer (das Amt entspricht dem eines katholischen Bischofs, Anm.) hat Haider demnach als "charismatischen und leidenschaftlichen Politiker mit Leib und Seele" bezeichnet, "der wie kein anderer das politische Geschehen der Zweiten Republik mitgeprägt und gestaltet hat. (...) ein äußerst zuvorkommender, herzlicher und einfühlsamer Mensch (...) Er hat oft sehr spontan und unbürokratisch geholfen."

Ein Hirtenbrief muss am Sonntag in jedem Gottesdienst verlesen werden. Knoll spricht von einem "Missbrauch" dieses Instruments durch Sauer. Sie war bis zur Nationalratswahl SPÖ-Abgeordnete, hat nun aber kein Mandat mehr.

Die evangelisch-lutherische Kirchenleitung hat den Austritt Knolls "zur Kenntnis genommen". Es sei "immer schade, wenn ein Mensch sich entscheidet, seine Kirche zu verlassen", sagte Bischof Michael Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Persönlich bedaure er diesen Austritt wie jeden anderen. Die persönliche Entscheidung der früheren Superintendentin und nunmehrigen SPÖ-Politikerin kann Bünker "nicht nachvollziehen". "Sachliche Kontroversen lösen wir in unserer demokratischen Kirche nicht mit Austreten, sondern mit Auftreten", so der Bischof. (APA)

Der Standard 13.11.2008

Die damalige Superintendentin hatte vor einigen Jahren erfolglos bei der Bundespräsidentenwahl kandidiert, seither hat sie keine kirchlichen Ämter mehr inne.

Lyrik

lyrik besteht aus ohnmächtigen befremdlichen einfällen
und wenn sie auch glücklich und strahlend erscheint
zwängt sich eine ohnmächtige formulierung
aus der
verzweiflung des schlammlochs

Per Kirkeby

Dienstag, 11. November 2008

Fast vergessen


Gestern war Luthers 525. Geburtstag. Über all dem Gedenken um den 9. November ist das fast untergegangen, in den Medien sowieso, aber auch bei mir privat. Zu viel anderes...

Mittwoch, 5. November 2008

Fernwärme

Schule

In hundert Jahren wird man vermutlich über das heutige Schulwesen lächeln und es kaum noch verstehen können, wie man einmal auf die Idee kommen konnte, hunderte oder gar tausend Jugendliche in ein Gebäude zu stecken, um ihnen den Tag über jede Stunde etwas anderes beizubringen.

Montag, 3. November 2008

Jugend und Evangelium

"Wir erleben eine Renaissance der materialistischen Werte", brachte es der Wiener Jugendforscher Manfred Zentner auf den Punkt. Mit der Zeit, in der Jugendliche Auen besetzten oder sich für sozial Ausgegrenzte engagierten und den Wunsch nach Selbstverwirklichung ganz an vorderster Stelle ihrer Prioritäten reihten, ist es vorbei.

"Der heutigen Jugend ist Sicherheit wichtig", sagte Zentner. Materialistische Werte wie Einkommen, Leistung, Karriere und eine gute Ausbildung sind die zentralen Werte der jungen Generation.

Ideale der Eltern-Generation werden von Österreichs Jugendlichen abgelehnt, stattdessen leben die Werte aus der Zeit der Großeltern wieder auf. "Wir leben heute in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit. Dadurch ist ein sicherer Job sehr hoch bewertet", erklärte Zentner. "Der Werteverfall ist jetzt der, dass man sagt, die heutige Jugend hat keine Ideale mehr."

Sozialutopien, wie sie die Jugend der 70er oder 80er Jahre prägten, spielen im Alltag der heutigen Jugendgeneration fast keine Rolle mehr, hieß es in einem Vortrag von Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier. Die Jugend will Geld verdienen und steht zum Leistungsprinzip. Daraus resultiert aber auch, dass der geforderte Leistungseinsatz immer größer und die Möglichkeit des Versagens immer wahrscheinlicher wird.

Der Ausbildungs- oder Berufsalltag von jungen Menschen ist nicht mehr von Selbstverwirklichung geprägt, sondern von Versagensängsten und Gefühlen der Überforderung. Laut Heinzelmaier fühlen sich bereits 60 Prozent der Jugendlichen in Arbeit, Schule oder Studium stark unter Druck, jedem zweiten elf- bis 14-Jährigen macht die Schule wegen des großen Leistungsdrucks keinen Spaß mehr. (APA)

Religionspädagogik, Jugendarbeit und Konfirmandenunterricht müssen sich umstellen. Tatsächlich ist die Selbstbezogenheit heutiger Jugendlicher stark ausgeprägt, Neugier oder soziales Interesse hingegen sind schwer zu wecken. Eigentlich müsste das die Stunde der reformatorischen Botschaft sein: Rechtfertigung als die Befreiung aus Zwängen und Abhängigkeiten, evangelische Freiheit anstatt des Verkrümmtseins in sich selber - das wären wahrhaft befreiende Botschaften, wenn es uns denn gelingt, sie so zu übersetzen, dass sie auch verstanden werden.

Sonntag, 2. November 2008

So weitet sich meine Seele...


Wenn ich das Wunder eines Sonnenuntergangs oder die Schönheit des Mondes bewundere, so weitet sich meine Seele in Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Mahatma Gandhi