Mittwoch, 18. Februar 2009
Im Gespräch mit einem verstorbenen Freund
ich aber lebe.
Warum?
Ich lebe,
wer hat mich gefragt,
ob ich das wollte?
Keiner hat sich
sein Leben und sich selber ausgesucht.
Du bist gestorben,
ich aber lebe,
mit schlechtem Gewissen.
Kann das Überleben eine Schuld sein?
Stark ist das Leben,
Leben will Leben,
es ist da, ich kann es nicht leugnen,
es ist da, neben aller Trauer und allem Schmerz,
es macht sich breit in mir,
ich will das nicht,
ich will bei dir sein
und wenn ich das nicht kann,
will ich gar nichts mehr.
In einer dunklen Höhle
einfach aufhören zu sein,
das Leben einstellen,
nicht mehr atmen,
abwarten - aber nicht leben.
Jeder Morgen, jeder Sonnenstrahl
ein Schlag ins Gesicht meiner Trauer.
Ich habe ein schlechtes Gewissen,
weil ich noch lebe,
leben soll, leben darf, ich - aber du nicht.
Was würdest du sagen dazu?
Würdest du mich verstehen?
Natürlich, du würdest verstehen.
Aber du würdest auch sagen:
Geh leben, mein Engel.
Es ist so schwer,
es zerreißt mich,
ich will leben und auch nicht,
ich möchte die Schuldgefühle loslassen können.
Noch einmal anfangen,
vielleicht,
nicht dieselbe Rolle noch einmal,
das geht ohnehin nicht,
mit wem denn und für wen,
das Stück ist abgesetzt.
Neubesetzung, anderes Leben,
Nachleben, vielleicht.
Mit den Proben noch einmal beginnen,
langsam, vorsichtig, nicht überstürzt.
Aber es wäre schön,
wenn ich mich
für die glücklichen Momente
nicht mehr schämen müßte,
wenn ich mich für mein Lachen
nicht manchmal hernach genierte vor mir selbst,
wenn ich das Leben noch einmal
neu und anders lernen könnte,
ohne den schrecklichen Beigeschmack
und ohne schlechtes Gewissen.
Ja, ich liebe diese Stadt.
Unorthodoxe Vorschläge
Vor kurzem habe ich einen Pater der Pius-Bruderschaft getroffen, einen – ich gebe es zu – überraschend netten Vertreter seiner Gemeinde. Er hatte es nicht leicht, sich von den Äußerungen von Bischof Richard Williamson zu distanzieren, ohne der ganzen Bruderschaft in den Rücken zu fallen. Was Williamson über den Holocaust gesagt habe, sei dumm und unsäglich gewesen, aber die Medien hätten den Fall auch hochgespielt, um Papst Benedikt zu schaden. Am Rande der Unterhaltung ging es auch um die „tridentinische Messe“, bei der für das Wohl der Juden gebetet wird – sie mögen endlich umkehren und sich zu Jesus bekennen.Nun habe ich persönlich nichts dagegen, dass Menschen, die ich nicht kenne, sich um mein Wohl sorgen. Es ist sicher gut gemeint. Ich glaube nicht, dass es etwas nutzen wird, aber schaden kann es auch nicht. Es ist sozusagen ein Nullsummenspiel, das vor allem jenen gut tut, die es veranstalten.
Was mich ein wenig irritiert, ist etwas anderes: Warum beten die frommen Christen nicht für das Wohl der Muslime, sie mögen endlich Allah abschwören und sich zu Jesus bekennen? Es gibt immerhin weit über eine Milliarde Moslems auf der Welt und nur etwa 14 Millionen Juden. Der moslemische Markt ist also viel größer. Würden 10 Prozent aller Juden dem Appell folgen, wären das gerade 1,4 Millionen Bekehrte. Bei den Moslems wären es über 100 Millionen. Da würde sich eine Fürbitte echt lohnen.
Freilich: Wie die Reaktionen auf die Regensburger Rede des Papstes gezeigt haben, wäre das ein riskantes Unternehmen. Einige Moslems könnten sich wieder beleidigt fühlen und zu Protesten aufrufen, in deren Verlauf nicht nur Papst-Puppen, sondern auch Kirchen angezündet werden könnten. Bei den jüdischen Brüdern und Schwestern dagegen kann man davon ausgehen, dass allenfalls der Zentralrat der Juden in Deutschland den Abbruch der Beziehungen zur Deutschen Bischofskonferenz verkünden wird, um nach zwei oder drei Wochen die erste Gelegenheit zu nutzen, wieder „in das Gespräch“ einzutreten. Statt zu schmollen und zu grollen, könnten die Juden ein wenig offensiver auftreten. Nichts spricht dagegen, dass sie in die Freitagabend-Gebete eine Fürbitte für die Christen aufnehmen: Sie mögen sich besinnen und endlich zu dem Glauben zurück kehren, aus dem das Christentum entstanden ist.
Die Fürbitte könnte auch sehr profane Elemente enthalten, etwa eine Schilderung der Freuden, die den enthaltsamen Priestern versagt bleiben. Auch sonst hätte das Judentum einiges zu bieten: Miss-Wahlen am Strand von Nahariya, Gay-Parties in den Bars von Tel Aviv, Sexualaufklärung mit Sarah Silverman. Wir beten zurück!
Im Gegensatz zu den Moslems aber wollen die Juden keinen Streit mit der katholischen Kirche, denn tief im Unterbewusstsein steckt die Erinnerung an die Kreuzzüge, die mit Pogromen im Rheintal begannen. Ein Volk, das sich jedes Jahr an den Auszug aus Ägypten erinnert, hat Worms und Speyer nicht vergessen.
Stellen wir uns nur einmal vor, irgendein durchgeknallter Rabbiner, von denen es etliche gibt, würde sich das Gegenteil zur „Holocaustlüge“ a la Williamson einfallen lassen und behaupten, es habe keine Kreuzigung gegeben, Jesus sei bei einer Akupunktur-Behandlung versehentlich ums Leben gekommen. Weder die Römer noch die Juden seien am Tode des Heilands schuld, sondern ein bekiffter Heilpraktiker. Was dann wohl los wäre! Vor allem, wenn der Rabbiner nachlegen und erklären würde, er müsse sich noch kundig machen und brauche etwa drei Wochen, um ein Buch zu diesem Thema zu lesen.
Der Vatikan würde die Schweizer Garde mobilisieren und selbst freundliche und liberale Christen wie Bischof Lehmann und Bischof Zollitsch würden sich überlegen, ob sie jemals wieder einem Juden die Hand geben könnten. Das christlich-jüdische Gespräch käme zum Stillstand, die Arbeitsgruppe „Christen und Juden“ beim Katholischen Kirchentag hätte ausgedient.
"Wildtiermanagement" auf dem Friedhof
BINGEN. In Dietersheim sind die Kaninchen los. Sie wühlen und graben sich durch den Friedhof und scheren sich nicht um Pietät und Totenruhe. Das ärgert etliche Anwohner. Sie fordern, dass etwas gegen die Kaninchenplage getan wird.
Stiefmütterchen scheinen die Tiere besonders zu lieben. Überall dort, wo die Pflänzchen blühten, ist nun von der bunten Pracht nichts mehr zu sehen. "Alles abgefressen", zeigt Ruth Gagelmann auf eine Gräberreihe. "Es ist eine Schande, die Gräber sind total zerwühlt", macht sie ihrem Ärger Luft. Mindestens ein Jahr lang gehe das so, das kann auch Erika Lill bestätigen: "Die Kaninchen durchwühlen die Grabstellen, als hätten sie Spaß daran."
Nicht nur in Dietersheim scheinen sich die Tiere wohl zu fühlen, auch auf dem Büdesheimer Friedhof wüten sie. Darum machte Anfang des Jahres der dortige Jagdpächter Jagd auf die in Büdesheim lebende Kaninchenpopulation, nachdem auch in diesem Stadtteil massive Klagen an die Friedhofsverwaltung herangetragen worden waren.
Das war aber nur möglich dank einer Ausnahmegenehmigung, die die Kreisverwaltung als Untere Jagdbehörde ausgestellt hat. Denn: "Die Jagd ruht auf befriedeten Bezirken, so auch auf dem Friedhof", erklärt Hegeringleiter Hans Henrich. Auf dem Friedhof Kaninchen abzuschießen, stelle ein hohes Sicherheitsrisiko dar. "Es ist problematisch, einen Friedhof sicher zu sperren, und wir wollen niemals jemanden gefährden."
In Büdesheim etwa sind Schilder aufgestellt worden: "Vorsicht Jagd" war darauf zu lesen. Allerdings hatten Jagd-Gegner diese Schilder zum Teil entfernt und im Gestrüpp versteckt. Auch Hochsitze seien im Stadtteil zerstört worden, spricht Henrich von einer Behinderung der Jagd. "Das wird von uns zur Anzeige gebracht und verfolgt", stellt der Hegeringleiter klar, dass es sich dabei um kein Kavaliersdelikt, sondern um eine Straftat handelt. Und weil etwa in Büdesheim Kaninchen "in fast nicht mehr zählbaren Mengen" aufträten, sei deren Jagd zur Sicherung der Wege, Weinberge und des Friedhofs unabdingbar. Auch für die Population der Kaninchen sei die Jagd wichtig: Denn viele steckten sich mit der Krankheit Myxomatose an und sterben rund 14 Tage später. "Wildtiermanagement" nennt Henrich die gezielte Bejagung. "Dass wir einfach draußen herumballern, ist völliger Unsinn. Wir wollen in der Natur etwas für die Natur tun."
In Dietersheim jedoch ist die Sache nicht einfach: "Der Friedhof ist ein Ort des Friedens und der Ruhe", hält Jagdpächter Robert Schwantzer fest. Seit November habe er schon rund 20 Kaninchen außerhalb des Friedhofs erlegt, die Population sei also reduziert. Warum die Tiere der Friedhof lockt? "Ringsherum sind nur Roggenfelder, unter den Grababdeckungen ist es meist trocken und warm und sie wollen nicht jeden Tag das gleiche fressen", spekuliert der Jäger.
Mit rund sieben Meter langen Kunstbauten will er den Tieren Herr werden. Die gelben Plastikschläuche werden etwa einen halben Meter unter der Erde verlegt, damit die Kaninchen sich im künstlichen Bau niederlassen. Dann lässt Schwantzer Frettchen in die Schläuche, die die Kaninchen aufscheuchen, die dann in Fangkörbe laufen. So könnten sie woanders freigelassen werden, wo sie keine Schäden mehr verursachten. "Ich hoffe, dass es bald keine Probleme mit Kaninchen mehr geben wird", sagt Schwantzer.
Lena Fleischer: Kaninchen wüten auf den Friedhöfen, www.main-rheiner.de 17.02.2009
Dienstag, 17. Februar 2009
Montag
Der Montag ist der Tag der schlechten Laune. Man muss umschalten, vom Leerlauf des Feiertags in den großen Gang der Arbeit.
Das ist sein Verhängnis: dass er so nahe am Sonntag liegt. Zu Ende sind Freiheit, Sport, Lesen, Kathi, Geld. Das Sechstagerennen hat wieder begonnen, eine lästige Unterbrechung der Sonntagsruhe. Montag ist der Tag der Reue. Man hat eine Art von sanftem Katzenjammer: zu viel Geld ausgegeben, zu lange am Stammtisch gehockt, man hätte besser – Montag ist der Tag des Hättens. Montag beschließt man, ein anderer Mensch zu werden. Jeden Montag tut man das. Man macht sich klar, dass die Arbeit das Schönste auf Erden ist. Wenigstens das Zweitschönste. Diese hohe Moral hält exakt bis Dienstag. Am Mittwoch regen sich Zweifel. Ab Donnerstag schielt man aufs Wochenende. Freitags macht man Pläne. Und am Samstag – muss man zum Großeinkauf. Ein Rhythmus, der unser Leben zusammenhält. Am siebten Tage sollst du ruhen, dekretierte ER vor urdenklichen Zeiten. Immerhin haben wir IHM seit damals schon einen zweiten Tag abgeluchst.
Karnevaleskes
Ebenso schrill: In einem anderen Sketch erobert ein aalglatter Typ vom Schlage eines Versicherungsvertreters die Bühne, der einem Ehepaar die passende Religion zu dessen Lifestyle verkauft: «Mit Hinduismus wären Sie in Laurensberg ganz exklusiv.»
Aus einem Bericht der Aachener Zeitung über die "18. Aachener Strunxsitzung"
