Freitag, 12. Juni 2009

Ehrfurcht!

Es ist ebenso wichtig, dass die versammelte Gemeinde Ehrfurcht zeigt. Das kann sich zeigen durch rechtzeitiges kommen zur Messe, damit sie bereit sind, wenn die Heilige Messe beginnt: in ihrem Singen; im gemeinsam Stehen oder Sitzen wo es angebracht ist und in den wichtigen Momenten im stillen Gebet. Es ist so traurig, wenn man Leute sieht, wie sie spät kommen, wie sie während der Messe Zeitungen lesen, wenn sie beginnen miteinander in der Kirche zu reden, sobald der Schlusssegen gegeben wurde und wenn sie dann hinausgehen, als ob sie ein Sportstadion oder ein Theater verlassen.

Viele versammelte Gemeinden achten auch nicht auf die Momente der Stille z.B. nach den Lesungen, nach der Predigt oder nach der Heiligen Kommunion. Manchmal ist es der Priester, der in Eile ist. Ein andermal ist es der Chor, der jeden Moment der Stille mit Gesang füllt. In anderen Fällen haben aber auch die Leute in den Bänken Schwierigkeiten die Stille zu halten, da sie nie das persönliche, stille Gebet gelernt haben.

Die Gefahr der horizontalen Ausrichtung in vielen eucharistischen Feiern ist sehr real. So manche Priester und auch Leute verhalten sich so, als ob es das wichtigste sei, wenn man zur Heiligen Messe kommt, einander zu treffen, sich gegenseitig aufzurichten und manchmal sogar um einander zu unterhalten. NEIN! Für solchen Horizontalismus ist hier der falsche Platz. Wir kommen vorrangig zur Heiligen Messe, um Gott anzubeten, ihm zu danken, um Verzeihung für unsere Sünden zu bitten und unsere Bedürfnisse hinzulegen. Wir sind nicht das Zentrum. Gott ist es!

Francis Kardinal Arinze, der frühere Präfekt die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung in einem Radio-Maria-KathTube-Vortrag

Tatsächlich sind evangelische Gemeinden nicht selten andächtiger, das bestätigen mir sogar katholische Mitchristen. Die Mahnungen haben trotzdem auch für Evangelische ihre Berechtigung.

Die ihr hier eintretet...

... geht mutig hindurch! Für Stauballergiker derzeit wohl nicht geeignet - und eine gewisse Entschlossenheit braucht es sowieso, hier einzutreten: Der Eingang zur Lutherkirche an der Ecke Martinstraße/Schumanngasse führt geradewegs unter dem Gerüst hindurch in die Baustelle. Unter diesem Aspekt ist es eigentlich erstaunlich, dass Menschen sich während unserer Revovierungsarbeiten dazu entschließen, hier ihre Kinder taufen zu lassen oder zu heiraten. Wenn man das Gerüst passiert hat, wird man freilich mit dem schönen (wenngleich auch renovierungsbedürftigen) Innenraum der Kirche entschädigt. Aber wer sich vom Auge leiten lässt, wird kaum darauf kommen, hier mal eben hinein zu spazieren.

Auf den Punkt gebracht

“Wir können uns nicht abfinden mit der Ausweitung des Unglaubens und der Einpflanzung heidnischer Lebensmodelle, als ob dies in einer hochentwickelten und modernen Gesellschaft ein unabänderliches und ganz normales Phänomen wäre.“ Dies sagte Kardinal Antonio Cañizares, der Präfekt der vatikanischen Liturgiekongregation bei seiner Predigt am Dreifaltigkeitssonntag im spanischen Toledo. (kath.net)

Wolken über der Wachau

Theodizeefrage, lebensnah

Aus "heute" vom 12. Juni 2009, S. 1

Ziemlich viel Glück


Ziemlich viel Glück
Gehört dazu,
Daß ein Körper auf der Luft
Zu schweben beginne
Mit Brust, Achsel und Knie,
Und auf dieser Luft
Einem anderen Körper begegne,
Wie er
Unterwegs.
Die Atmosphäre macht
Zwei innige Torsen aus ihnen.
Unbemerkt beschreibt ihr Entzücken
Zärtliche Linien in Baumkronen.
Eine ganze Zeit noch
Ist ihr Flüstern zu vernehmen,
Und wie sie einander
Das schenken,
Was leicht an ihnen ist.

Glücklichsein beginnt immer
Ein wenig über der Erde.

Aber niemand hat es beobachten können.

Karl Krolow

Cumberlandstraße



Wie die Schulen werden auf die Kirchen in Wien (jedenfalls die evangelischen) meist nach ihren Adressen benannt, zumindest umgangssprachlich. Die Kirche der Gemeinde Hietzing (= 13. Bezirk) liegt in Penzing (14. Bezirk), gleich neben der Westbahn, und heißt also einfach "Cumberlandstraße". Es ist eine bemerkenswerte Kirche aus der Zwischenkriegszeit, ziemlich heroisch, wie es dem damaligen Zeitgeschmack auch im Kirchenbau entspricht. Ein bemerkenswertes Detail: Der Kirchenhimmel ist mit dem Tierkreis geschmückt.

Treiben Sie Sport?

Schneller, höher, weiter

Schöner jammern
Besser sterben
Bewusster verzweifeln

Gott, Welt, Ordnung, Liebe

Die Dauerausstellung im Stift Melk will nicht nur Kunstschätze präsentieren und Geschichte dokumentieren, sondern einführen in die Grundideen monastischer Spiritualität.

Jesus und Che



Zwei Ikonen. Alberto Kordas Aufnahme von Che Guevara mit dem Titel "Guerrillero Heroico" ist eine der berühmtesten Portraitfotografien überhaupt. Als Siebdruck auf Postern und als Aufdruck auf T-.Shirts war dieses Bild einer ganzen Generation präsent. Wie man hört, erfreut es sich noch immer einiger Beliebtheit, obwohl die Zeiten (und die Lebensanschauungen junger Menschen) sich sehr geändert haben.

Und dann Jesus mit der Dornenkrone. Fast muss man zweimal hinschauen, das Bild Che Guevaras ist so bekannt, dass es sich dem Betrachter zunächst direkt aufdrängt, aber der nähere Blick zeigt einen anderen: Jesus von Nazareth, vielleicht die am häufigsten künstlerisch dargestellte Person der Weltgeschichte. Zwei Ikonen des Abendlandes zu einer verschmolzen.

Die Irritation ist gewollt. Was haben sie gemeinsam? Haben sie überhaupt etwas gemeinsam? Der Arzt, marxistische Theoretiker, Politiker und Guerillaführer Ernesto Che Guevara und der jüdische Prediger und Wunderheiler?

Gemeinsam haben sie das gewaltsame Ende. Che Guevara wurde nach seiner Gefangennahme durch das bolivianische Militär 1967 ohne Prozess exekutiert. Jesus wurde in einem Schnellverfahren abgeurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Als Aufrührer und gefährliche Gegner galten sie beide. Und vergleichbar ist auch die Verehrung, die sie bei ihren Anhängern genießen.

Jesus mit der Dornenkrone in der Pose Che Guevaras – das provoziert die Frage: War Jesus ein Revolutionär? Auf diese Frage gibt es offenbar keine einfache Antwort. Was von Jesus überliefert ist, zeigt disparate Züge: Da ist der Prediger der Gewaltlosigkeit (eher ein Gandhi als ein Che), aber auf der anderen Seite auch der vehemente Kritiker der bestehenden religiösen Praxis, der sich immer wieder über die Regeln des jüdischen Gesetzes hinwegsetzt, der Grenzen überschreitet, der als Sprachrohr Gottes auftritt. Wenn er die Händler und Wechsler aus dem Tempel hinauswirft, dann ist ausgerechnet der Evangelist Johannes, der ihm eine Geißel in die Hand gibt.

Eine Revolution im politischen Sinne hat Jesus nicht angeführt. Vielleicht haben das einige seiner Jünger erhofft: Ein Jesus, der wirklich zum Schwert greift und sich an die Spitze einer Aufstandsbewegung gegen Rom stellt. Diese Erwartung hat er enttäuscht. Gut möglich, dass er deshalb verraten wurde. Verändert hat er trotzdem viel – bei denen, die ihm Glauben schenkten: Viele der überlieferten Werte und Normen der Tora hat er in Frage gestellt, andere Forderungen des Mosegesetzes hat er verschärft. Vor allem aber hat eine Revolution in den Köpfen bewirkt: Wichtiger als die Einhaltung von Geboten ist das Vertrauen auf den gnädigen Gott, ist die Hoffnung auf sein Reich. Vor dieser Wahrheit trat alles andere in den Hintergrund: Die Tora und der Tempel, die Reinheitsgebote und die Opfervorschriften. Er stellte das Judentum seiner Zeit radikal in Frage. Dass man sich dieses unbequemen Mannes entledigen wollte, ist nur zu begreiflich. Und sein Ruf in die Nachfolge war nicht weniger radikal als derjenige der großen Revolutionsführer späterer Zeiten: Wer Vater oder Mutter mehr liebt las mich, der ist meiner nicht wert. Lass die Toten ihre Toten begraben – du aber folge mir nach!

Jesus - ein Revolutionär? Wir hören das nicht so gern. Aber weit hergeholt ist es nicht.