Dienstag, 21. Juli 2009

Summer in the City

Uns besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens

Wie oft lassen wir uns (…) auf die Heilsversprechungen der Welt ein. Wir suchen Rat in Horoskopen und Hilfe und Heil in der Esoterik. Wir öffnen uns fragwürdigen und gefährlichen Praktiken, wie Reiki u. ä. Selbst Kirchgänger fallen in den heidnischen Aberglauben zurück und glauben an fernöstliche Lehren wie die Reinkarnation. (…)

Statt in fernöstlicher Manier in die Leere zu starren sollten wir uns wieder in der Betrachtung der christlichen Heilsgeheimnisse üben und uns der Liebe Christi und der Heiligen, wie sie uns etwa in der Ikone entgegenstrahlt, öffnen. Wir müssen uns bewusst sein, dass es einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen der Lehre des alten und neuen Heidentums und der christlichen Botschaft gibt.

Während das Heidentum keinen Erlöser kennt und die Erlösung, die meist in der Auflösung des Ichs besteht, durch magische Praktiken und esoterische Lehren verspricht, so ist die wahre Erlösung nur in und durch Christus möglich, niemand kommt zum Vater außer durch ihn! Entscheiden wir uns also wieder für ein Leben aus dem christlichen Glauben und lassen ab von fragwürdigen und oft teuren neuheidnischen Praktiken. (…) Und denken wir immer daran: Gottesfurcht schützt vor Heidenangst!

(…) Der Mensch ist keine Maschine, die ununterbrochen tätig sein kann und wenn selbst der gottmenschliche Erlöser immer wieder Zeiten benötigte, in denen er sich zur Ruhe und zum Gebet zurückzog, wieviel mehr brauchen dann wir schwachen, einfachen Menschen diese Zeiten. Unser Zeitalter ist vielleicht wie kein anderes vor ihm durch eine extreme Betriebsamkeit und Hektik bestimmt. Die Menschen erfinden Maschinen, die ihnen viele schwere und zeitaufwendige Arbeit abnehmen und scheinen doch zugleich weniger Zeit als je zuvor zu haben.

Selbst wenn wir mehr Freizeit haben als je eine Generation vor uns, füllen wir auch diese mit Aktivitäten in Überfülle und hetzen von einer Attraktion zur nächsten. Nach einem völlig ausgebuchten Wochenende erscheinen wir dann montags kaputter auf der Arbeit als wir sie Freitags verlassen haben.

Lassen Sie mich eine Erklärung versuchen zu diesem Phänomen der ständigen Zeitknappheit, der Hektik und des Getriebenseins. Es ist meine feste Überzeugung, dass auch dieses Phänomen unserer Zeit mit dem Verlust des christlichen Glaubens, mit der Gottvergessenheit unserer Zeit zusammenhängt. Wer gemäß dem Kirchenlied, das in Zeiten schwerster Not entstand, „nur den lieben Gott lässt walten“, der ist sich darüber bewusst, dass wir zwar das Unsere tun sollen, dass aber letztlich alles in Gottes Hand liegt und wir uns zuversichtlich seiner Vorsehung anvertrauen dürfen. Er weiß am Besten, was wir benötigen, und er wird es uns, wenn wir uns in rechter Weise an ihn wenden, auch zuteil werden lassen.

Dieses Vertrauen in die väterliche Vorsehung schenkt eine tiefe und innere Gelassenheit. Der Gläubige weiß zugleich, dass das irdische Leben immer auch ein „Tal der Tränen“ ist, dass das vollkommene Glück hier nie zu erreichen ist und dass wir immer nur eine Vorverkostung der künftigen Herrlichkeit erlangen können. Der Gläubige weiß, dass er hier seinem göttlichen Meister folgen muss, der Verrat, Verhöhnung, Abneigung, Folter und Tod auf sich genommen hat, um uns von der Sünde Adams zu erlösen und uns ein Zeugnis seiner Liebe zu geben.

Wer dagegen jene Vorsehung vergisst und wer auch das ewige Ziel, den Himmel, aus den Augen verliert und sein gesamtes Glück auf Erden finden will, der wird ein Getriebener, ein Rastloser, auf ihm wird der Fluch liegen, dass er ewig nach Ruhe sucht, doch diese im Getriebe der Welt nie finden wird. Er verliert in dieser Rastlosigkeit sich selbst ebenso aus den Augen, wie er seinen Nächsten und Gott aus den Augen verliert. Weshalb sollte er sich aufopferungsvoll um einen Mitmenschen kümmern, wenn er doch damit die kostbarste Zeit seines kurzen Lebens auf Erden vergeudet. Wenn es keinen Himmel gibt, dann gibt es auch keine Verantwortung dem anderen gegenüber und dann bin ich nur mir selbst der Nächste. Dann muss ich über Leichen gehen, um mein höchstes Glück auf Erden zu erlangen. Doch ich verspreche Ihnen, wer so denkt, der wird sein Glück nie finden! Auch die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, der Nationalsozialismus und der Kommunismus versprachen den Himmel auf Erden, doch sie schufen die Hölle auf Erden.

Wir wissen aber, dass wir uns der göttlichen Vorsehung, dem Vater im Himmel, anvertrauen können, wir wissen, dass wir dem Beispiel des Gottmenschen folgen dürfen und uns Zeiten der Rast und Ruhe gönnen dürfen, in denen wir uns im Gebet unserem Gott zuwenden, uns wieder besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens. Wir dürfen uns eine Zeit gönnen, in der wir nur die Schönheit der Schöpfung betrachten und dem Schöpfer für dieses große Geschenk danken. Dann erfahren wir plötzlich die Verlangsamung der Zeit, wir erfahren, wie der Geist aufatmet und der Körper Ruhe findet.

Peter H. Görg

Blick in die Martinstraße hinunter

Liebe

Ihr fragt, wie lange sind sie schon zusammen?
Seit kurzem. - Und wann werden sie sich trennen? -
Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

Bertolt Brecht, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Tot steht er wieder auf...

Was noch geschehen wird, das kann ja niemand wissen.
Wie mancher legt sich auf sein Kissen
Gesund am Abend hin und steht am andern Morgen
Tot wieder auf. Ich habe Sonnenschein
Und Regen oft zugleich gesehn.
Kann nicht das Glück
Den Niedrigen gar bald erhöhn?

Rezitativ des Don Quichotte aus Georg Philipp Telemanns köstlicher kleiner Oper "Don Quichotte auf der Hochzeit des Camacho" (1761). Das Libretto stammt von Daniel Schiebeler (1741 - 1771), der Librettist war also ein Jüngling, als er diesen höheren Blödsinn zu Papier brachte.

Fast ein Sinnbild...

... unseres Zeitalters: Spricht viel - mit dem Handy! Und natürlich ohne Bindung.

Liturgischer Spiegel auf Augenhöhe

Die Frage „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ kennt Mann nur allzu gut aus dem profanen Umfeld, wenn es gilt, sich auf ein besonderes Ereignis kleidermäßig vorzubereiten. Das Schwierige an dieser heikel zu beantwortenden Frage ist, dass sie vom Partner in den seltensten Fällen richtig beantwortet werden kann. Hilfreicher ist da als Gegenüber meistens die beste Freundin, da sie die Problematik aus eigener, leidvoller Erfahrung kennt. Doch diese Frage ist kein frauenspezifisches Problem. Sie beschäftigt auch den ein oder anderen Mann, gerade wenn es um Anlässe geht, die man nicht regelmäßig besucht. Dann ist man eben doch unsicher, welches die angebrachteste Kleidung ist und möglicherweise dankbar über einen Dresscode. Wird dieser Frage im profanen Bereich ein nicht außer acht zu lassender Stellenwert eingeräumt, darf sie erst recht im sakralen Kontext nicht zu kurz kommen. Hierbei eröffnet uns die allegorische Auslegung des Canticum Canticorum als Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk durchaus die Möglichkeit, selbst die Frage zu stellen: „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ Und tatsächlich taucht die Thematik der Kleidung in der Bibel häufiger auf, als man zunächst denken könnte. Vom Alten Testament angefangen, wo die Menschen erkannten, dass sie nackt waren (Gen 3,7) bis zum Ende des Neuen Testamentes, wo den Menschen in der Offenbarung das weiße Gewand versprochen wird (Apk 6,11), welches sie im Blut des geschlachteten Lammes rein waschen sollen (Apk 22,14). Seit knapp 200 Jahren gibt es zumindest im protestantischen Bereich eine Art anerkannten Dresscode – den schwarzen Talar. Doch fängt man einmal an, sich im liturgischen Spiegel zu drehen und schaut dabei kritisch an sich herunter, können einen leicht Zweifel beschleichen, ob dies tatsächlich eine so geschickte Wahl war, ob das Kleid heute, und sei es auch noch so schön, wirklich dem Anlass angemessen ist. In dieser Arbeit möchte ich den liturgischen Spiegel gerne zur Hand nehmen und neu auf Augenhöhe bringen. Nicht weil das Kleid vielleicht aufgeschlissen sei, sondern weil es immer wieder gut tut, den akkuraten Sitz der Kleidung und des Stils neu zu überdenken. Leider hat man im späteren Berufsleben selten Zeit, och mal einen solchen kontrollierenden Blick in den Spiegel zu werfen. Deswegen möchte ich die Chance nutzen und mir bereits im Studium Gedanken über die liturgische Kleidung machen. In meiner Arbeit werde ich mich zunächst der Entwicklung seit dem Urchristentum widmen und in einem Überblick über Zeit und Raum auch den Schritt in die Weiten der globalen Kirche wagen, quasi nicht nur den Partner, sondern auch die gute Freundin fragen. Danach werde ich anhand einer Auswahl liturgischer Kleidungsstücke aufzeigen, welche vielseitigen Formen es bei den Gewändern gab und immer noch gibt. Bereits hier sei schon darauf hingewiesen, dass sich seit dem 2. Vatikanum auch in der römisch-katholischen Kirche vieles simplifiziert hat. Im dritten und letzten Teil stelle ich meine eigene Meinung noch einmal detailliert dar und weise auf, in meinen Augen sinnvolle, Verwendungsmöglichkeiten von Gewändern als Paramente im lutherischen Gottesdienst hin.

Abstract einer im Internet käuflich zu erwerbenden Kieler praktisch-theologischen Hauptseminararbeit aus dem Jahr 2007 (Jens D. Haverland: "Schatz, was soll ich bloß anziehen?" Liturgische Gewänder im protestantischen Gottesdienst)

Im Dickicht der Stadt

Petendo iustitiam terrenem

Ich hab noch nie im Lotto gewonnen
Hab auch noch nie eine Sternschnuppe gesehn
Ne Flaschenpost die hab ich auch noch nicht bekommen
Und kein Wunder ist mir je geschehn.

Ich war noch nie irgendwo der hundertmillionste Besucher
Hab nie nen Luftballon entdeckt mit einer Postkarte dran
Und ein vierblättriges Kleeblatt hab ich auch noch nicht gefunden
Doch man weiß ja nie was noch alles passieren kann.

Und nun steh ich hier
Und bitte dich mich so sehr zu lieben
Dass es für ein Leben reicht.
Das mag ein bisschen gewagt sein, vielleicht
Aber irgendwann
Bin doch auch ich mal dran
Mit Glück.

Christiane Weber - Timm Beckmann: Noch nie

Es wird gebaut