Freitag, 11. September 2009
Schräg, fromm und frei - Ein Film in der ARD
Henry Purcell

"Die Partitur der 'Fairy Queen', gesetzt vom verstorbenen Mr. Henry Purcell und Eigentum der Anteilseigner des Royal Theatre in Covent Garden, wurde bei seinem Tod verlegt. Wer immer die genannte Partitur oder eine wahrhaftige Kopie davon Mr. Zachary Baggs, dem Geschäftsführer des oben genannten Theaters, überbringt, erhält 20 Guineas Belohnung oder einen Anteil davon pro Akt."
Anzeige in der London Gazette aus dem Oktober 1701
Mit einiger Wahrscheinlichkeit wurde er gestern vor 350 Jahren geboren, der große Komponist Henry Purcell, dessen Musik mir mein Leben lang schon lieb und wert ist.
Donnerstag, 10. September 2009
Ein Mann, an dem sich die Geister scheiden
Stefan Zweig
Dienstag, 8. September 2009
"Faust" am Burgtheater - heftig umstritten
Die Erregung erinnert fast an Peymanns Zeiten, und die Argumentation ist ähnlich konservativ wie damals. Ein offenkundiger Insider aus dem Theatergeschäft, der Hartmann zu kennen scheint – an Feinden mangelt es Erfolgreichen ja meist nicht –, ortet mangelnde literarische Bildung beim Burgchef. Ein anderer schimpft, wie mit diesem neuen „Faust“ die Schüler „sinnlos bespaßt“ werden. Eine Dame wendet schüchtern ein, dass es ihr und dem überwiegenden Teil des Publikums gefallen hat, wie der Applaus bewies, ein anderer kontert: „Was sagt das, wenn die Leute klatschen?“
Wird das Burgtheater wieder ein öffentliches Thema, nunmehr im von Schimpfern reichlich bevölkerten Internet? Nützt das dem Theater? Dem Burgtheater? Wieso beschäftigt ein neuer „Faust“ in der Burg wochenlang die Leute? Ständig wird man auf ihn angesprochen. Natürlich ist das Interesse teilweise gemacht – durch die vielen Interviews und Vorberichte. Keinen Vorschusslorbeer und schon gar keine Schonfrist gewährt das deutsche Feuilleton dem neuen Burgchef: „Man sieht keine Gedankenlüstlinge und Fühlungsnehmer, nur lauter Leerläufer, die ihren schnöde zusammengekürzten Versen verzweifelt hinterherklappern. Sieben Stunden lang“, ächzt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.
„Und alles ist Dressur“
Unter dem Titel „Lang ist die Kunst, seicht das Leben“ schreibt die „Süddeutsche Zeitung“: „Konzeptuell und intellektuell ist ,Faust I‘ ein Armutszeugnis.“ „Faust II“ mache mehr her, dennoch, hier werde kein Kontinent urbar gemacht, sondern lediglich ein Ufer erreicht. „Intellektuelle Dürftigkeit“ verdrießt „Die Welt“: „Wir finden nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.“ Teil I, wie in der „Süddeutschen“ ein „Armutszeugnis“, doch „Die Welt“ macht auch Teil II nieder: „Die läppisch bebilderte Reader's-Digest-Fassung der größten abendländischen Bildungsreise quer durchs mythologische Gebirge ist eine Videoklamotte.“ Tobias Moretti als „Faust“ wird teilweise als Fehlbesetzung qualifiziert, immerhin gibt es Lob für Gert Voss als Mephisto und für Katharina Lorenz als Gretchen.
„Der Burgtheaterdirektor ist der Welttheaterdirektor“, zitiert der deutsche „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe einen Satz aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Vier Seiten widmete das Magazin einem Hartmann-Porträt. Ob sich die Mediatisierung der Burg hält, oder wie viele Blasen öffentlicher Aufmerksamkeit sang- und klanglos platzen und verschwinden? Bei Premieren wie dieser weiß man auch nie, welche Rolle die Claque spielt, falls es eine gibt, was schwer nachzuprüfen ist. „Faust I“ ist jedenfalls bestens verkauft, vielleicht auch dank Morettis TV-Popularität. Gert Voss, der erkrankt war, kann voraussichtlich Freitag wieder spielen.
Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2009, Seite 27
Wie auch immer, ich bin sehr gespannt...
Facebook verliert bei jüngeren Nutzern
Mächtiger als aller Unsinn
"Sie lesen immer, schreiben Sie auch?" Meine Antwort: "Ja, hin und wieder." Der junge Mann "Ich möchte mal ein Buch schreiben, ganz für mich, so wie ich das Leben sehe, was ich fühle, im Innern spüre, auch mit Esoterik und diesen Sachen."
So schreibe ich jetzt für die Leserinnen und Leser des Hamburger Abendblatts kein Buch, sondern nur ein paar Zeilen. Was kann ich über den Sinn meines Lebens sagen? Was steht dahinter? Natürlich kann man nicht immer so fragen, wir sollen leben. Leben macht Freude. Leben stellt vor immer neue Aufgaben. Aber sollen wir ganz ohne Gedanken leben?
Leben ist immer etwas ganz Persönliches, mein eigenes Leben - und dann erst das Leben der anderen. Ich will entdecken, was Sache ist: Freundschaft, Spaß, Verantwortung, Trost, Befreiung, Zukunft. Als Geistlicher lerne ich viele Menschen kennen, sehe, wie sie leben und ihren persönlichen Weg gehen. Ich werde bereichert und oft genug beschämt durch ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und kann immer nur sagen: Jeder soll seinen eigenen Kopf behalten; er bleibt unvertretbar und verdient Respekt. Als Mann der Kirche spreche ich von Gott und will immer selber an ihn glauben: an die Kraft, an die Liebe, an die Person, so unvorstellbar groß, dass das kleinste Menschenkind von ihr nicht vergessen wird. Gott muss mächtiger bleiben als aller Unsinn. Gott kennt gerade mich und gibt mir meine Würde, auch wenn ich kläglich versage. Gott weicht keinem von der Seite. Er bedrängt uns nicht, sondern wartet, bis uns das Herz für ihn aufgeht. Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, hat der polnische Papst einmal gesagt, ein gutes Wort. (...)
Hans-Joachim Jaschke: Der Sinn meines Lebens, Hamburger Abendblatt 5.9.2009