Sonntag, 21. Oktober 2007

Wittgenstein musikalisch

Ludwig Wittgenstein, wahrscheinlich der bedeutendste Sohn Österreichs unter den Philosophen der Moderne, ist einerseits berüchtigt für die Sprödigkeit seiner Texte und Gedanken, andererseits bemüht man sich auch sehr um ihn, auf vielfältige Weise, hier das neueste Beispiel aus Linz:

"Am Mittwoch war im Brucknerhaus ein einzigartiger, mutiger Versuch zu erleben, scheinbar spröde philosophische Literatur in Musik zu gießen.

Es war gleichzeitig der Auftakt der Residenz von Anna Maria Pammer, die in den nächsten drei Jahren dem Linzer Konzerthaus eng verbunden sein wird.

Es handelte sich aber nicht um irgendeinen philosophischen Text, sondern um einen, der zu den bedeutendsten Denkanstößen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist: Ludwig Wittgensteins 'Tractatus logico-philosophicus'. Und Balduin Sulzer hat dazu Musik erdacht, die auf den ersten Blick nicht spröder sein könnte und doch einen unglaublich spannenden Abend bescherte. Sulzer hat hier eine Ein-Frau-Oper geschrieben, ein Werk für Sopran solo und sonst nichts. Die einzige nicht vokale Zutat waren Schlaginstrumente, die die Sängerin höchst ausdrucksvoll selbst zum Klingen brachte.

Die musikalische Grundidee geht von der Musik der Entstehungszeit des Tractatus, also der Zeit des Ersten Weltkriegs, aus und greift mit den gewagt großen und schwierig zu treffenden Intervallen und dem aberwitzig schnellen und in extremsten Höhen geflüsterten Sprechgesang auf die Wurzeln neuer Gesangskultur der Zweiten Wiener Schule zurück.

Aber nicht nur in der Textrealisation finden sich Bezüge zu Schönberg, sondern auch in der reihenförmigen Struktur der Töne, die dem 75-Minuten-Werk Zusammenhalt gibt. Minutiös deutet Sulzer die Sätze, legt Schwerpunkte auf einzelne Ausdrücke, markiert immer wiederkommende Wörter – so zum Beispiel den Begriff 'Sachverhalt', dessen Sprachrhythmus jedes Mal mit dem Holzblock mitgeklopft wird." (OÖNachrchten)

Herbst in Grinzing

A.B.und H.B.

"Die Evangelische Kirche A.u.H.B. ist die einzige Glaubensgemeinschaft in Österreich und wohl auch weltweit, die keine natürliche Personen als Mitglieder hat. In ihr sind die A.B.- und die H.B.-Kirche zur gemeinsamen Verwaltung zusammengeschlossen.

Die Kirchenleitung und die Vertretung der Kirche nach außen hat der Oberkirchenrat A.u.H.B. mit Sitz in Wien inne. Ihm gehören an: der Bischof, der Landeskurator und die Oberkirchenräte A.B. (für die A.B.-Kirche) sowie der Landessuperintendent und ein weltlicher Oberkirchenrat H.B. (für die H.B.-Kirche). Den Vorsitz führt der Vorsitzende des Oberkirchenrats A.B. Zu den Aufgaben des Oberkirchenrats A.u.H.B. gehören Verordnungen zur Vollziehung der Kirchenverfassung und der kirchlichen Gesetze der beiden Mitgliedskirchen sowie die Regelung des Religionsunterrichts." (Wikipedia)

Eigentlich ganz einfach, oder? Ach ja: "A.B." steht für "Ausgburgischen Bekenntnisses" und "H.B. für "Helvetischen Bekenntnisses", in Deutschland würde man also sagen für "Lutheraner" bzw. "Reformierte" (aber diese Ausdrücke sind in Österreich ganz ungebräuchlich).

"Bist Du A.B. oder H.B.?" Diese Frage, die nur für nicht-österreichische Ohren lustig klingt, kann hier jedes evangelische Kind ohne Zögern beantworten.

Aber trotz dieser klaren Trennung bilden die beiden Kirchen eine Glaubensgeeinschaft mit weitgehend gemeinsamer Verwaltung: eine Leuenberger Kirche par excellence, wo ich mich als Pfarrer aus Kurhessen-Waldeck (einer durch die Geschichte zusammengewachsenen Kirche ohne Konsensunion) ganz richtig fühle.

Der Winter kündigt sich in den Farben des Morgens an


Verkehrte Welt

„Schon oft verblüfften Killifische mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit.“ Eine Art lebt „im Elizabeth River an der Ostküste der USA. Durch Abwässer ist der Fluss so verschmutzt, dass vom Grund Öl aufsteigt. Das Wasser ist so verpestet, das kaum ein Wesen überlebt – außer dem 'Fundulus heteroclitus'. Mutationen machten ihn resistent gegen den Dreck. Dagegen ist sauberes Wasser für den Fisch inzwischen Gift geworden – klare Gewässer sind eine Todesfalle, in denen er stirbt.“ Gefunden auf WELT-online.

Samstag, 20. Oktober 2007

Universal



Wien bietet mir alles, Weinberge und Industriekultur, Schönes und Hässliches liegen oft so nah beieinander. Es gibt Eindrücke, die mich direkt an meine Heimat im Ruhrgebiet erinnern, und andere gemahnen an meine Jugend im schönen Stuttgart. So wird Wien mir zur Stadt der beglückenden coincidentia oppositorum...

Der Tag geht

Wehmütig...

Abschied für immer

Ist's ein Wunder, daß dich alle lieben,
Die nach meinem Scheiden sich dir nahen,
Meine Seufzer sind bei dir geblieben
Und als Luftgeist sehnlich dich umfahren,
Wer zu athmen wagt an deinem Munde
Zieht sie unbewußt zu seinem Herzen,
Diese Seufzer mancher trüben Stunden,
Diese Geister, mir entflohn in Schmerzen.

Zu lebendig war des Herzens Hoffen,
Es vergeht nicht mit den Schmerzenstagen,
Ja es liegt die Welt jetzt vor mir offen,
Meine Liebe fühl' ich drinnen schlagen;
Leb' ich nun in Andern, die dich lieben,
Mag ich wohl der armen Mutter gleichen,
Die ihr Kind von ihrer Brust vertrieben,
Ihre Brust dem fremden Kind zu reichen.

Hoffnungsgeister, die mit schönen Bildern
Mich getäuschet wie die Jugendzeiten,
Meiner Nächte Einsamkeit zu mildern,
Ich entlaß euch in die blauen Weiten,
Einen Händedruck gebt noch zum Scheiden,
Sei's die Jugend, die ich heut entlassen,
Was auch komme, nichts will ich vermeiden,
Was vorbei, das läßt sich nicht mehr fassen.

Achim von Arnim (1781-1831)

Freitag, 19. Oktober 2007

Ein kühler Morgen in Hernals



Immerhin...

Immerhin im "Standard" wird die geplante Online-Observierung auch kritisch bedacht. Auszug aus einem Gespräch mit ARGE Daten-Chef Hans Zeger:

WebStandard: Sie meinen man wird durch den Bundestrojaner keinen Kriminellen erwischen?

Zeger: Kleinkriminelle, Personen, die gewisse Daten auf dem Computer haben oder Wichtigtuer werden sicherlich aufgespürt werden können. Aber im Unterschied zur Telefonüberwachung ist es bei der Computer- und Internetüberwachung sehr einfach sich zu schützen. Wenn man eine geordnete IT hat, und ich gehe davon aus, dass professionelle und organisierte Kriminelle das Geld haben um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, dann sind diese Maßnahmen wirkungslos.

WebStandard: Aber wieso dann der "Bundestrojaner?

Zeger: Es ist ein Signal an die Bevölkerung. Wir tun etwas und kümmern uns um die Probleme. Und wenn ihr was macht, dann erwischen wir euch. Grundsätzlich handelt es sich hier nur um eine Erweiterung bereits bestehender Möglichkeiten und Befugnisse.

WebStandard: Wie soll der Bundestrojaner überhaupt funktionieren?

Zeger: Sie können sich schön jetzt entsprechende Software aus dem Internet laden, diese wird zu Preisen zwischen 100 und 1000 Euro zum Kauf angeboten. Je nach den Möglichkeiten, können dann der E-Mailverkehr oder auch die Tastenanschläge mitgeschnitten und ausspioniert werden."

WebStandard: Das bedeutet eine einfache Firewall würde ausreichen, um das Ausspionieren zu verhindern?

Zeger: Ja. Eine gute konfigurierte Firewall sollte diese Trojaner erkennen.

WebStandard: Denken Sie, dass sich der Innenminister Platter mit dieser Entscheidung und dem Thema Vorratsdatenspeicherung zum heißen Kandidaten für die Big Brother Awards gemacht hat?

Zeger: Ich bin nicht im Komitee für die Big Brothers Awards und kann daher dazu nur sagen, dass die Polizei immer ein heißer Kandidat für eine "Auszeichnung" im Bereich Verletzung der Privatsphäre ist. Wir leben schon heute in einem Stasi-ähnlichen Überwachungssystem. Die Vorratsdatenspeicherung ist dabei jedoch der wesentlich tief gehendere Einschnitt in die Privatsphäre als dies die Online-Überwachung ist. Der Online-Trojaner ist nur ein wesentlich spektakuläreres System. Viel mehr Gefahr ergibt sich aus der allgegenwärtigen Überwachungsmentalität und den Eingriffen durch die Vorratsdatenspeicherung.