Samstag, 24. Mai 2008

Katholikentagsimpressionen

„Man sollte doch erwarten können, auf einem Katholikentreffen christlichen Inhalten zu begegnen - leider entpuppte sich dies auf dem Katholikentag als ganz schwierig.

Das nenn ich mal einen perfekten Einstieg in meinen Katholikentag: Da zieht doch tatsächlich der Fronleichnamszug genau an der Haltestelle vorbei, an der ich auf meine Bahn warte. „Lobet den Herren…“, schallt es mir entgegen. Ich ertappe mich dabei, wie ich leise mitsumme. Sowas nennt sich Vorfreude.

Keine Frage: Man muss Großveranstaltungen mögen. Muss bereit sein, den Stempel „katholisch“ zu tragen – und sei es nur für einen Tag. Immerhin scheinen sie in Osnabrück ihre katholischen Gäste zu mögen. „Herzlich Willkommen in der Stadt des Katholikentages“, empfängt mich die Durchsage einer freundlichen Bahn-Mitarbeiterinnenstimme, ehe ich den meinen Erkundungsweg durch die Stadt beginne. Den richtigen Weg zu finden, fällt nicht schwer, da an jeder Ecke zig Helferinnen und Helfer stehen, die schnell einen Stadtplan zücken und den Weg zum Schlossgarten, zum Gepäckcontainer oder zu den nächstgelegenen Toiletten erklären.

Ein Blick auf das Programmheft zeigt: Der 97. Katholikentag ist ein politischer. Klimapolitik oder Arbeitsmarktpolitik – hier kommt alles zur Sprache. Übervolle Säle bestätigen, wie relevant die Themen für die Besucher des Katholikentages sind.

Bei der Diskussion über eine gerechte Klimapolitik schlägt sich Bundeskanzlerin Merkel tapfer, obwohl sie sich immer wieder kritisch hinterfragenden Plakaten wie „Frau Merkel, wo bleibt die Kerosinsteuer?“ ausgesetzt sieht. Klimaschutz bedeute, die natürliche Lebensgrundlage zu sichern, erklärt sie unbeirrt. In dem einen sind sich alle einig: Kirche muss sich für die Schöpfung einsetzen und darum auch klimafreundlich werden.

Etwas theologischer wird es in einem Uni-Hörsaal, wo Religionswissenschaftler und Zen-Lehrer sich über die Möglichkeit austauschen, Zen und Yoga christlich zu leben. „Wie viel Gutes und Wahres anderer Religionen verträgt das Christentum“, ist die zentrale Frage der Veranstaltung. Doch zu einer richtigen Debatte unter den Teilnehmern kommt es bei diesem Thema nicht. Man müsse Offenheit zeigen und prüfen, was in der eigenen Tradition richtig ist, so der Grundtenor der Referenten. Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von Bundesbürgern mit Migrationshintergrund müsse die Theologie der Zukunft dialogisch sein. Das klingt erst einmal logisch.

Doch als Dr. Manuela Kalsky, Theologin und Initiatorin einer interreligiösen Website „Vielheit statt Einheit“ vorschlägt, frage ich mich, ob hier nicht schlicht versucht wird, unterschiedliche Religionen zu vermengen. Entweder aus dem Geist der postmodernen Auflösung absoluter Wahrheiten oder als Konfliktvermeidungsstrategie. Im interreligiösen Dialog steht der liebe Frieden schließlich hoch im Kurs. Ein bisschen Kontroverse hätte gerade bei diesem Thema nicht geschadet.

Der Katholikentag versucht, gut anzukommen. Auch wenn dabei das eigene Profil etwas verloren geht. Seien es die zahlreichen Angebote zum Klimaschutz oder das Kulturangebot unter anderem mit Culcha Candela, die mit so mancher Liedzeile eigentlich so gar nicht den Geschmack der Katholiken treffen dürften. Viele Veranstaltungen entpuppen sich zu Publikumsmagneten, doch leider sind es gerade die, die mit Christsein umheimlich wenig gemein haben.

Auf dem Weg zur nächsten Veranstaltung mache ich einen kleinen Abstecher in die Innenstadt zur Kirchenmeile. Hier tummeln sich viele Besucher, genießen das schöne Wetter und die ausgelassene Stimmung. Dass gerade in der Stadt des Katholikentages die Geschäfte an Fronleichnam geöffnet haben, scheint hier kaum einen Katholiken zu stören. Stattdessen begegnen mir teils aufgekratzte, teils schon ein wenig erschöpft wirkende Teilnehmer – ja, die Nacht in Massenquartieren hinterlässt ihre Spuren. Außer bei einem Teilnehmer auf vier Pfoten. Der Berner Sennenhund, ebenfalls stolzer Besitzer einer Dauerkarte, hechelt zufrieden vor sich hin und wartet, wo sein Herrchen als nächstes hingehen will. Der Katholikentag scheint für jeden etwas zu sein, groß oder klein, Mensch oder Tier.

Absolutes Highlight meines Besuchs beim Katholikentag ist Ben Becker mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Die Show „Die Bibel – Eine gesprochene Symphonie“ findet unter freiem Himmel im Schlossgarten statt und ist atmosphärisch eigentlich nicht zu überbieten. Als Ben Becker schließlich mit seiner sonorigen, durchdringenden Stimme die Schöpfungsgeschichte liest, musikalisch mit Geigen und Celli untermalt, lauschen hunderte von Menschen dem Wort Gottes. Ein bisschen erinnert mich Ben Becker an einen Märchenerzähler - nur dass er kein Märchen erzählt. Ob ihm dies selbst auch so klar ist, kann ich nicht sagen, seine Art Auszüge aus der Bibel zu Rezitieren ist jedenfalls fesselnd und eine besonderes Erlebnis. Natürlich ist Ben Becker ein Bühnenmensch. Er steht gerne im Zentrum und ist sich seines Stimmtalents durchaus bewusst. Aber das tut den Worten keinen Abbruch. (…)“

Christine Winkler: Als „Protestant“ auf dem Katholikentag. Gefunden auf jesus.de

Katholikentage und Evangelische Kirchentage sind inzwischen leider reine Showevents. Die Kirchen putzen sich heraus wie eine Frau zum Ball, versprühen Modernität und Weltoffenheit. Mit der Alltagsrealität der Gemeinden hat das nicht viel zu tun. Aber es passt in unsere Welt, in der die Qualität der Inszenierung, die Präsentation längst wichtiger geworden ist als die Sachen selbst. Im deutschen wie im österreichischen Schulwesen spielen "Präsentationen" eine herausragende Rolle, und die offiziellen Bewertungsrichtlinien lassen keinen Zweifel daran, dass die Methodik und mediale Ausgestaltung der Präsentation im Vordergrund des Interesses steht, nicht etwa der Inhalt.

Ach, wie schön kann Ökumene sein...

... wenn man sich menschlich näher kommt: Die geschiedene hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und Erzbischof Robert Zollitsch beim Katholikentag in Osnabrück. Auch hier gilt natürlich: Der Alltag sieht leider ganz anders aus.

Bild: epd

Im Vorbeifahren aufgenommen

... wäre immer noch Wien


"Österreich ohne Wien wäre nicht mehr Österreich, aber Wien ohne Österreich bliebe immer noch Wien." Einer unserer Jugendlichen sagte das dieser Tage zu mir. Es klingt wie ein geflügeltes Wort, ein Zitat, aber ich kann es nicht verifizieren. Jedenfalls ist es sehr zutreffend, glaube ich.

Montag, 19. Mai 2008

Her mit den Chimären!

In Großbritannien können Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren für die Forschung geschaffen werden. Das Parlament in London beschloss dies am späten Montagabend - Kritiker sind schockiert.

Das Unterhaus in London stimmte am Montagabend mit 336 zu 176 Stimmen gegen einen Antrag, generell die Produktion von solchen Chimären zu verbieten. (...)

Britische Forscher hoffen, mit den aus diesen Mischwesen gewonnenen Stammzellen Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson besser behandeln zu können. Nach Angaben der Universität Newcastle von Anfang April wurden bereits Embryonen aus menschlichem Erbgut, das aus Hautzellen gewonnen wurde, und Eizellen von Kühen geschaffen. Ein Argument der Forscher ist, dass tierische Eizellen im Gegensatz zu menschlichen unbegrenzt zur Verfügung stünden. Die Embryonen seien nach drei Tagen wieder zerstört worden, hieß es.

Die katholische Kirche nannte die Erzeugung solcher Embryonen "monströs". In dieser Weise dürfe nicht mit Leben herumgepfuscht werden. Ähnliche Experimente wie in Großbritannien wurden nach Auskunft der jeweiligen Wissenschaftler bereits 1998 in den USA und 2002 in Südkorea vorgenommen. 2003 veröffentlichten chinesische Forscher eine Arbeit über das Herstellen eines Embryonen aus Kaninchen-Eizellen und menschlichem Erbgut im Fachjournal "Cell Research".

FTD.de 19.05.2008, 21.40 Uhr

Der Mensch kennt seine Grenzen nicht, und Wissenschaft wird sich auch durch Verbote nicht abhalten lassen, immer wieder das zu versuchen, was doch möglich ist.
Babel ist überall, die Turmbaumeister warten in jedem Labor. Verantwortung ist ein leeres Wort - jedenfalls wenn ein Blick gefordert wäre, der über den Tellerrand der eigenen Karriere und Konkurrenzfähigkeit hinaus reichen müsste.

Am AKH

Eine kleine Religionskunde

Some thoughts on the world's RELIGIONS:

  • Taoism: Shit happens.
  • Confucianism: Confucius says: "Shit happens".
  • Buddhism: If shit happens, it's not really shit.
  • Islam: If shit happens, it's the will of Allah.
  • Judaism: Why does this shit always happen to us?
  • Hinduism: This shit happened in my last life too.
  • Protestantism: Shit happens because you don't work hard enough.
  • Catholicism: Shit happens because you are bad.
  • Zen: What is the sound of one shit happening?
  • Moonies: Only happy shit happens.
  • Christian Science: Shit is in your mind.
  • Agnosticism: Maybe shit happens, maybe it doesn't.
  • Jehova's Witnesses: Let us in and we'll tell you why shit happens.
  • Rastafarianism: Let's smoke this shit.
  • Hare Krishna: Shit Happens, Shit Happens, Shit Shit Happens Happens, Shit Happens, Rama Rama.
  • Atheism: No shit.
Eine Internetfundsache

Schönheit am Wege

Baustelle U-Bahn-Station Nußdorfer Straße.

Zukunft

"Die Zukunft lag ungewiss in unseren Händen, ungewiss - und verheißungsvoll."

Aus dem Film "Goodbye Lenin"