Geplant sei lediglich eine Kurzausbildung von 100 Theoriestunden und 60 Praxisstunden plus einige Praktika. "Die Langzeitarbeitslosen sollen aber auch keine Medikamente verabreichen, sondern beispielsweise vorlesen oder einkaufen", so Eikemeier weiter. Deshalb sei eine relativ kurze Schulung angemessen. Das sieht die Deutsche Alzheimergesellschaft anders. Vergleichbare Lehrgänge hätten in der Vergangenheit etwa 900 Stunden vorgesehen, sagte eine Sprecherin der "Süddeutschen Zeitung".
"Wir sind ja keine Truppe von Verrückten"
Für die Betreuungsjobs bewerben kann sich laut Eikemeier jeder, der von seinem BA-Betreuer für geeignet gehalten werde. Der Vermittler bekomme dazu Richtlinien an die Hand: "Er soll Bewerber auswählen, die besonders mitfühlend sind und eine hohe Sensibilität mitbringen." Und weiter: "Es darf nicht der Schluss gezogen werden: Dieser Kandidat ist nur deshalb geeignet, weil er langzeitarbeitslos ist."
In den Richtlinien stehen laut Eikemeier ausschließlich "weiche Faktoren". Pflegeerfahrung müssen die Bewerber nicht mitbringen. "Aber wir sind ja keine Truppe von Verrückten", so der Behördensprecher weiter. "Uns ist bewusst, wie schwierig die Betreuung Demenzkranker ist und dass das nicht jeder machen kann." Ob in Richtlinien steht, dass beispielsweise das polizeiliche Führungszeugnis der Bewerber einwandfrei sein muss, ist hingegen unklar.
10.000 Altenpfleger gesucht
Viele Alten- und Pflegeheime suchen verzweifelt geeignetes Personal. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren zuletzt mehr als 10.000 Stellen für Altenpfleger und Altenpflegehelfer gemeldet - und das, obwohl rund 30.000 Menschen mit dieser Qualifikation arbeitslos gemeldet waren. Auch zahlreiche Lehrstellen in diesem Bereich sind noch nicht besetzt. Warum also sollten geeignete Langzeitarbeitslose sich nun für eine Hilfstätigkeit in der Betreuung von Demenzkranken bewerben, eine Ausbildung in diesem Bereich jedoch nicht in Erwägung ziehen?
Eikemeier hält diesen Ansatz für zu einfach. Oft sei es so, dass die arbeitslose Altenpflegerin beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern sitze, jedoch ein Pflegeheim in München verzweifelt Arbeitskräfte suche. Außerdem stünden nicht alle arbeitslos gemeldeten Altenpfleger dem Arbeitsmarkt auch tatsächlich zur Verfügung. Das nun geplante Projekt hingegen finde bundesweit statt.
Scharfe Kritik von Pflegevertretern
Pflegevertreter kritisierten die Pläne scharf. Der Umgang mit Demenzkranken, die im Verlauf der Krankheit auch aggressiv werden können, sei alles andere als einfach und erfordere viel Geduld und besondere Kenntnisse. "Demenz gleichzusetzen mit basteln, vorlesen und Spazierengehen, ist eine Unverschämtheit", sagte Helmut Wallrafen-Dreisow, Mitglied des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe, der "Süddeutschen Zeitung". Auch die Alltagsbetreuer müssten eine intensive Schulung absolvieren. "Die Pflegekasse will es immer möglichst billig haben, aber die Heime sollen weiterhin die hohen Qualitätsstandards erfüllen. Das passt nicht zusammen." Der Aktionismus der Behörden sei zynisch.
Hintergrund der BA-Pläne ist das neue Pflegegesetz. Demnach dürfen Heime künftig pro 25 Demenzkranke eine zusätzliche Kraft einstellen. Die Kosten dafür sollen die Pflegekassen übernehmen. Die Bundesregierung schätzt, dass dadurch 10.000 neue Stellen entstehen könnten.
Das ist arbeitsmarktpolitische Planwirtschaft im schlimmsten Sinn. Aber bei Demenzkranken kommt es ja nicht so drauf an - und bei Langzeitarbeitslosen auch nicht... Ob die lieber Alzheimerpatienten betreuen als Hartz IV zu beziehen, dürfte meist fraglich sein. In Zukunft sollten sie also darauf achten, nicht etwa einen Eindruck von Sensibilität zu erwecken...


