Samstag, 25. Oktober 2008

Fragmentierte Wirklichkeit

"Der diffuse Standort, in dem man mittlerweile mithilfe der Mobiltelefone kommuniziert, ist nicht länger ein privater, sondern ein betont öffentlicher Raum. Man könnte es bezeichnen als ein 'Kontinuum der Monologe mit austauschbaren Folien'" (Mauricio Kagel). Das Handy fragmentiert die Wirklichkeit in viele kleine Gesprächseinheiten.

Kagel setzt eine Auswahl dieser polyphonen Originalton-Einheiten, die unter anderem am Flughafen Rhein-Main aufgenommen wurden, zusammen zu einer Partitur der Wirklichkeit: Es geht um Arbeit, um Liebe, um Tod, um Sport und die Weltpolitik. Es geht um den Seniorenverein und wie wer wann zu wem steht. Aber es geht auch um die Sprache an sich.

Das Mobiltelefon selbst wird zum Instrument, mit und an dem Kagel die Sprache und die Welt der Gegenwart untersucht.

Ankündigung des experimentellen Hörspiels "Erratische Blöcke" von Mauricio Kagel (DLF 28.10.2008, 20.10 Uhr) auf dradio.de.

Ein Feschist

"Allein der Streit darüber, was Jörg Haider politisch wirklich war, füllte in den vergangenen zwölf Tagen viele Zeitungsseiten.

Ein Rechtsextremist - darauf beharrt der angesehene Politologe Anton Pelinka.

Ein Austrofaschist - schreibt der Schriftsteller Robert Menasse.

Ein Rechtspopulist - sagt der publizistische Mainstream.

Der Landeshauptmann der Herzen - sagen seine Anhänger, damit auf die Kitschorgien nach dem Begräbnis von Lady Di anspielend.

Ein Feschist - wäre mein Vorschlag. Nicht ganz ein Faschist, aber mir starken faschistischen Zügen, dem Personen-, ja Führerkult vor allem. Auch der körperbetonten Politik: Fesche Burschen durch und durch, diese Haideristen."

Armin Thurnher: Heiliger Haider, auf spiegel.de

Sonntag, 19. Oktober 2008

Kanonisierung eines Heiligen












"Nach dem Requiem wird Haiders Sarg in den Konduktwagen verladen. Noch einmal fährt der Landeshauptmann vorbei an "seiner" Landesregierung und danach zur Einäscherung ins Krematorium nach Villach. Unter Tränen winkt Claudia Haider dem silbergrauen Wagen nach. 

Ein paar Momente später geht sie, ganz Landesmutter, zu den vielen Menschen, die die Zeremonie hinter den Absperrungen und auf der gigantischen Videowall verfolgt haben: Die Bevölkerung umarmt und küsst die Witwe und spricht ihr Trost und Kraft zu.

(...)

Ab 16 Uhr leert sich der Domplatz allmählich, nur ein paar Schützen trinken noch ein Bier in der untergehenden Nachmittagssonne. Die Menschenmengen haben sich in die umliegenden Wirtshäuser zurückgezogen. Dort trauern sie auf ihre Art weiter."

Aus dem Bericht im Kurier vom 19.10.2008

Mystische Atmosphäre in Alt-Ottakring

Keine Wiederkehr der Religion

Die These von einer Wiederkehr des Religiösen in Deutschland hat einen schweren Dämpfer erlitten. Nur für knapp ein Viertel der Bundesbürger (24 Prozent) ist Religion ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität.

Deutschland liegt damit im Vergleich von neun europäischen Ländern an letzter Stelle. Das geht aus repräsentativen Befragungen der BAT Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg) unter jeweils 1.000 Personen hervor. Die Aussage „Religion ist wichtig im Leben, um glücklich und zufrieden zu sein“ bejaht fast jeder zweite Italiener (48 Prozent). Dahinter folgen Finnen (32 Prozent), Briten und Russen (jeweils 31 Prozent), Ungarn (28 Prozent), Belgier (27 Prozent), Franzosen (26 Prozent) und Schweizer (25 Prozent). Auch bei der Frage, was den Deutschen heilig ist, rangieren Glaube an Gott (18 Prozent), Religion (14 Prozent) sowie Gebete und Kirche (jeweils 10 Prozent) auf den letzten Plätzen. Das Heiligste ist den Deutschen der Umfrage zufolge die Familie (71 Prozent). Dahinter folgen Gesundheit (60 Prozent), Kinder (55 Prozent), Partner (52 Prozent), Freunde (49 Prozent) und Eltern (44 Prozent). Im Bereich „Werte und Moral“ ist den Deutschen vor allem die Achtung der Menschenwürde wichtig.

Familie die neue Glaubensgemeinschaft der Deutschen“
Der wissenschaftliche Leiter der BAT Stiftung, Prof. Horst W. Opaschowski, kommentiert die Ergebnisse so: „Die ‚heilige Familie’ überlebt offensichtlich alle Krisen und Zeitgeistströmungen.“ Statt Wiederkehr der Religion heißt es eher Renaissance der Familie: „Die Familie ist die neue Glaubensgemeinschaft der Deutschen.“ Aus den Gottsuchern seien Sinnsucher geworden. Unterschieden nach Bundesländern ist der Glaube besonders wichtig für Bürger in Baden-Württemberg (29 Prozent), Rheinland-Pfalz (27 Prozent), dem Saarland (26,3 Prozent), Hessen (25,5 Prozent) und Bayern (23,5 Prozent). Die geringste Bedeutung hat der Glauben dagegen für die Menschen in Schleswig-Holstein (4,3 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (4 Prozent) und Sachsen-Anhalt (1,6 Prozent) – die Region, von der einst die Reformation ausging.

Hochreligiöse haben mehr Ehrfurcht vor dem Leben
Nach Opaschowskis Angaben weist die Befragung nach, dass hochreligiöse Menschen besonders geprägt sind von Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur sowie der Achtung vor der Menschenwürde. „Hochreligiös“ seien Menschen, die an Gott glauben, regelmäßig beten, einer Kirche angehören und sich selbst als religiös bezeichnen. Wer hingegen gott- und religionslos lebe, lege deutlich weniger Wert auf Natur und Menschenwürde, Verlässlichkeit und Toleranz. Diese Werte seien aber der soziale Kitt, der die Gesellschaft in Zukunft zusammenhalte. Opaschowski: „Es muss daher ein fundamentales Interesse von Gesellschaft und Politik sein, dass Religion auch im traditionellen Sinne weiter gepflegt und im Alltag gelebt wird, damit die Humanität nicht verkümmert oder stirbt.“ Ohne Religion seien Kultur und sozialer Zusammenhalt einer Gesellschaft auf Dauer gefährdet. Religion stärke das Gemeinschaftsgefühl.

idea.de 17.10.2008
 

Das Gesicht des Hauses

Samstag, 18. Oktober 2008

Der Himmel weiß...

Unfrei

Ganz richtig, diese Welt ist nichtig.
Auch du, der in Person erscheint,
bist ebenfalls nicht gar so wichtig,
wie deine Eitelkeit vermeint.

Was hilft es dir, damit zu prahlen,
daß du ein freies Menschenkind?
Mußt du nicht pünktlich Steuern zahlen,
obwohl sie dir zuwider sind?

Wärst du vielleicht auch, sozusagen,
erhaben über gut und schlecht,
trotzdem behandelt dich dein Magen
als ganz gemeinen Futterknecht.

Lang bleibst du überhaupt nicht munter.
Das Alter kommt und zieht dich krumm
und stößt dich rücksichtslos hinunter
ins dunkle Sammelsurium.

Daselbst umfängt dich das Gewimmel
der Unsichtbaren, wie zuerst,
eh du erschienst, und der Himmel
weiß, ob und wann du wiederkehrst.

Wihelm Busch

Seelenstände und GlaubensgenossInnen







Ständiger Eindruck auf der rückwärtigen Umschlagseite des Amtsblattes der Evangelischen Kirche A. u. H. B. in Österreich

Kecke Erdbeeren

Vor vielen Jahren schon sagte ich manchmal zu meinen Studenten: "Wenn im Winter frische Erdbeeren angeboten werden, muss man sich nicht wundern, dass jedes Empfinden für das Kirchenjahr verloren geht."

Aber inzwischen verlangen die Erdbeeren also schon danach, Weihnachten in der Familie zu feiern - und ihrer Zweckbestimmung nachzukommen, also verzehrt zu werden... 


Samstag, 11. Oktober 2008

Tod eines Politikers

"Aufgrund der großen Anzahl an pietätlosen Postings sieht sich derStandard.at gezwungen, zu diesem Thema ausnahmsweise kein Forum einzurichten."

Reaktion der Internetseite der (eher linksaliberalen) Zeitung "Der Standard" nach dem Unfalltod des BZÖ-Chefs und Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider.