Montag, 15. Dezember 2008

Kleiner Kuturkampf vor dem Kapitol

500 Demonstranten hatten sich laut der Zeitung "The Christian Post" am vergangenen Sonntag vor dem Kapitol in Washington, dem Sitz des Kongresses der USA, versammelt. Grund des Protests: Neben dem traditionellen, acht Meter hohen Weihnachtsbaum und einer Krippenszene hat die atheistische "Freedom from Religion Foundation" in diesem Jahr ein Schild aufgestellt. Es trägt die Aufschrift "Bei der diesjährigen Wintersonnenwende dürfen wir die Vernunft walten lassen. Es gibt keine Götter, keine Teufel, keine Engel, keinen Himmel und keine Hölle. Es gibt nur unsere natürliche Welt. Religion ist nichts als ein Mythos und Aberglaube, der die Herzen verhärtet und den Geist versklavt."

Die Protestierenden sangen Weihnachtslieder, ein Pastor betete. "Jesus ist der Grund für dieses Fest" und "Wir sagen Frohe Weihnacht" hatten Demonstranten auf Schilder geschrieben. Steve Wilson, Organisator des Protests, hält die Atheisten-Botschaft für eine Beleidigung aller Religionen: "Wenn es soweit geht, dass mein Glaube auf öffentlichem Grund beleidigt wird, muss eine Grenze gezogen werden", sagte er der Agentur "Associated Press".


Gefunden auf
jesus.ch 

Mach es wie die Bäume...
























... wachs in den Himmel!

Gerecht ist das ganze Wirtschaftssystem nicht

Ein Sozialarbeiter bekommt in Österreich um die 1400 Euro brutto Einstiegsgehalt, ein Manager bei Hofer deutlich über 3500. Ist das gerecht?

Gerecht ist das gesamte Wirtschaftssystem nicht. Der Sozialarbeiter bekommt absolut zu wenig. Spitzenmanager werden heute belohnt, wenn sie möglichst schnell möglichst viel Gewinn aus dem Betrieb pressen. Und bei vielen Entlassungen bekommen sie auch noch zusätzliche Prämien. Jemand sollte langfristig im Sinne des Unternehmens handeln und nicht kurzfristig Geld für sich und seinesgleichen rausholen. Spitzenmanager sollen zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie dem Unternehmen schaden. Das ist bisher nur bei Siemens passiert.

Sie sprechen in Diskussionen immer wieder davon, dass der Staat kapituliert. Heißt das, die Demokratie hat versagt?

Die so genannte soziale Marktwirtschaft hat versagt. Immer mehr Zauberlehrlinge griffen in ihre Trickkiste, bis sie ihre eigenen Tricks nicht mehr beherrscht haben. Bis ihnen das System entglitt. Und die Politiker waren ihre Handlanger. Die Gewinne wurden privatisiert, jetzt sollen die Verluste sozialisiert werden. Das ist jetzt die Aufgabe des Staates und der Staat ist überfordert.

Nicht die letzten Reserven hinblättern

Nehmen wir die USA als Beispiel: Barack Obama ist endlich einmal ein Hoffnungsträger. Aber: Würde jemand in dieser Situation eine private Erbschaft antreten müssen, er würde sie ablehnen. Die Chancen, dass er bei diesem Horror, den die Bush-Ära angerichtet hat, noch das Ruder herumreißen kann, sind sehr gering. Ich kann nur hoffen, dass er überlebt.

Ist es richtig, dass ein Staat der Autobranche Milliarden aus Steuergeldern zur Verfügung stellt?

Opel war ein Symbol grenzenloser Energieverschleuderung, als klar war, dass eine ökologische Krise ansteht. Der Staat ist nicht gefordert, künstlich am Leben zu erhalten, was nicht mehr in die Zeit passt. Hier sollte er nicht seine letzten Reserven hinblättern und damit ausbluten.

Ausbluten - das klingt schon sehr dramatisch.

Kurz vor dem Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft erklärte unsere Regierung, der Staat steht für alle Ersparnisse gerade. Doch dieses Recht kann nie eingeklagt werden. Wenn alles weiter abrutscht, wird dieseRegierung ihr Versprechen nicht halten können. Sie wird zurücktreten müssen und eine Notregierung wird an ihre Stelle treten. Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt, aber ich befürchte es.

Günter Wallraff im KURIER-Interview

Grinzinger Pfarrkirche

Sonntag, 14. Dezember 2008

Was bleibt, ist Brauchtum

Der religiöse Ursprung von Weihnachten verliert immer mehr an Bedeutung. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS hervor, deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht worden sind. Einer "market"-Erhebung zufolge sind eine weiße Winterpracht, das Backen von Keksen oder Basteln sowie die Dekoration der eigenen vier Wände wichtig für die eigene Weihnachtsstimmung.

Religiöse Bedeutung wird unwichtiger. IMAS hat im November und Dezember Interviews mit 1.235 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen durchgeführt. Dabei erklärten nur mehr 36 Prozent, Weihnachten in erster Linie als religiöses Fest zu empfinden. Zum Vergleich: 1987 waren es noch 50 Prozent. 52 Prozent sehen eher ein Brauchtum, vor 21 Jahren waren es 43 Prozent. 45 Prozent sind der Ansicht, dass der Heilige Abend an Glanz verloren hat. Nur sechs Prozent finden ihn heute schöner als in der Kindheit, 36 Prozent genauso wie damals.

Schnee macht Stimmung. 70 Prozent der Österreicher finden Schneeflocken und eine weiße Decke wichtig für die Weihnachtsstimmung. Das stellte sich bei einer Umfrage des Linzer Instituts market unter 1.000 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen heraus. 56 Prozent setzen auf Backen oder Basteln mit den Kindern, 50 Prozent auf die Dekoration von Wohnung bzw. Haus. Auf den Plätzen folgen der Duft von Weihnachtsgebäck und der Nachwuchs beim Öffnen des Adventkalenders (jeweils 47 Prozent) sowie das Aussuchen des Christbaums (46 Prozent). Die Firmenfeier und das Planen der Weihnachtsreise sorgen nur bei sieben Prozent für Stimmung.

Kleine Zeitung 14.12.2008

Blick aus der U6

"Dann wäre ich ja nicht aktiv."

Neulich in der Schule (Maturaklasse) kamen wir auf das Stillsitzen, sprachen darüber, wie schwierig es für die meisten Menschen ist, einfach mal gar nichts zu tun, nicht zu lesen, nicht fernzusehen, nicht zu telefonieren oder SMS zu verschicken, keine Musik zu hören, nicht vor sich hin zu malen, - sondern einfach nur dazusitzen, ein paar Minuten lang. Eine Schülern bemerkte: "Da käme ich mir komisch vor, hätte ein schlechtes Gewissen." "Warum denn ein schlechtes Gewissen?" "Weil ich dann nicht aktiv wäre."

Was für innere Antreiber sind da am Werk, die uns einflüstern, wir müssten unablässig aktiv sein? Unsere mobilisierte, aktivierte Welt wartet geradezu auf die Botschaft von der Rechtfertigung.

Regnerischer Morgen in Hernals





















Weihnachten - trotzdem noch ein Thema

Das Christkind kommt aus Serbien

35 Prozent aller Schüler haben Migrationshintergrund. Wenige sind katholisch, Weihnachten ist trotzdem Thema.

In der Kooperativen Mittelschule Schopenhauerstraße in Wien sind weniger als zehn Prozent der Schüler römisch-katholisch. Vom Nikolo wären die Schüler bestimmt "befremdet", glaubt Direktorin Erika Tiefenbacher. Doch sie legt Wert darauf, den serbisch-orthodoxen oder muslimischen Kindern katholische Bräuche zu zeigen. Es gibt einen Adventkranz im Stiegenhaus, selbst gebastelte Adventkalender und am Glasfenster zwischen erstem und zweitem Stock prangt ein Christbaum aus Papier.

Aufdrängen will man den Schülern nichts. Sie sollen teilhaben, wenn sie möchten. Die muslimischen Kinder kommen ja auch nach dem Zuckerfest (islamischer Feiertag) und bringen Zuckerln für alle mit.

Zwei Welten

Ist es tatsächlich so unkompliziert, einander an anderen Bräuchen teilhaben zu lassen? Für Ardiana jedenfalls. Die 15-Jährige stammt aus Mazedonien und feiert mit ihrer Familie muslimische Feste, doch einen Christbaum gibt es auch. Auch Durim, 14, feiert doppelt. Gerade hat er zu Bajram, dem islamischen Schlachtfest, Geld bekommen. Das wird in Markenkleidung investiert. "Diesel, Hilfiger". Gekauft in der "Lugner" oder auf der "Mariahilfer". Der Rest geht fürs Fortgehen drauf. Konsumiert wird Red Bull. Viele können sich das leisten: mit täglich bis zu 15 Euro Taschengeld.

Die Lehrer wissen: Wenn einer schwänzt, dann müssen sie ihn in der "Lugner" (Lugner City, Anm.) suchen. Klassenvorstand Andrea Palitsch ist eine resolute Frau. Deutsch und Englisch sind ihre Hauptfächer, aber unterrichten muss sie alles. "Hier steckt viel Erziehungsarbeit drin. Serben und Albaner, die ihre Konflikte in der Klasse austragen, das ist Alltag." Kein Österreicher ist unter den 21. Katholisch ist hier nur Zeljka aus Kroatien.

Doch die 4B ist keine Problemklasse. Die meisten haben schon eine Stelle für eine Schnupperlehre gefunden, die Mädchen Friseurinnen, die Burschen Installateure. Die Zeiten ändern sich, aber nicht sehr schnell. Jugendarbeitslosigkeit ist nur ein Wort.

Wünsche

Für Zeljka ist erst einmal wichtig, dass sie zu Weihnachten Haare färben darf. Was sich Döndü, 15, einziges Mädchen mit Kopftuch, wünscht, übersetzt Bilal: Auch sie will Kleider kaufen vom Geld, dass die zum Bajramfest bekommen hat. Zeljka wird am 24. Dezember in die Kirche gehen, die meisten serbisch-orthodoxen Schüler gehen an ihrem Feiertag, dem 7. Jänner, in die Messe. Da fehlt dann gleich die halbe Klasse am ersten Tag nach den Ferien.

In der 1B von Maria Peresich haben die Zehnjährigen noch andere Sorgen als finstere Berufsaussichten oder ethnische Konflikte. Stephan kommt von den Philippinen. Das traditionelle Weihnachtsessen in seiner römisch-katholischen Familie ist Huhn mit Reis. Er hätte aber lieber Schinken-Pizza. Vor allem aber will er sichergehen, dass er zu Weihnachten ein "Counterstrike" bekommt. Hoffentlich weiß das Christkind nicht, dass das Computerspiel erst ab 16 ist.

Ein paar Reihen davor sitzt Daniel. Serbisch-orthodox, sagt die Lehrerin. Er glaubt trotzdem, dass ihm das Christkind etwas bringt. Einen Wunsch traut er sich nicht zu sagen. Fünf Geschwister sind sie daheim. Hauptsache, das Christkind denkt an ihn.

Barara Mader, kurier.at 

In Wien heißen die Hauptschulen "Kooperative Mittelschulen". Die KMS Schopenhauserstraße iegt auf unserem Gemeindegebiet.

Zum Thema Multikulturalität: Kürzlich wirkte ich an einer ökumenischen Adventkranzsegung in der Integrativen Schule Hernals mit und erzählte da im Zwiegespräch mit der evangelischen Religionslehrerin den Kindern von der Entstehung des Adventkranzes. Die muslimischen Schüler und Schülerinnen waren selbstverständlich auch dabei.