Im Zusammenhang mit der umstrittenen Ernennung des Pfarrers von Windischgarsten in Oberösterreich, Gerhard Maria Wagner, zum Linzer Weihbischof hat es Sonntagabend eine unerwartete Wendung gegeben. Wagner hat einen Rückzieher gemacht und um die Rücknahme seiner Ernennung gebeten. Laut Kathpress hat der Heilige Stuhl dieser Bitte entsprochen.
Sonntag, 15. Februar 2009
Erstaunliche Wendung
Gerhard Maria Wagner, hat Papst Benedikt XVI. ersucht, ihn nicht zum Linzer Weihbischof zu ernennen. Der heilige Stuhl hat dieser Bitte entsprochen.
Samstag, 14. Februar 2009
Literatur im Kalten Krieg
Als die CIA Pasternak den Nobelpreis gab Von Kerstin Holm, Moskau
Boris Pasternaks Roman „Doktor Schiwago“ war tatsächlich, wie die sowjetische Propagandapresse schon kurz nach der Nobelpreisverleihung an den Schriftsteller 1958 wetterte, ein Ziehkind des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Zu diesem Befund, der auch bestätigt, dass Pasternak nur dank der von der CIA gesponserten russischen Erstpublikation den prestigeträchtigsten aller Literaturpreise überhaupt erhalten konnte, kommt Iwan Tolstoi.
Zwanzig Jahre lang hat der russische Historiker die Publikationsgeschichte von Pasternaks Bürgerkriegsepos durchforstet, Interviews geführt sowie einschlägige Briefe und Akten gesichtet. Iwan Tolstoi, der als Redakteur für den amerikanisch finanzierten Sender „Radio Liberty“ in Prag tätig ist, brachte seine Forschungsergebnisse soeben als Abenteuergeschichte heraus. „Der gewaschene Roman“ (Otmytyj roman) heißt Tolstois Spionagethriller, der vorführt, wie im Kalten Krieg Werke der literarischen Hochkultur, die die Bolschewiken in ihrer Heimat verboten, von den Amerikanern als Waffe gegen die Sowjetunion eingesetzt wurden.
„Konterrevolutionärer Geist“: Publikation unmöglich
Pasternak arbeitete an seinem, wie er es einschätzte, „entscheidendsten, wichtigsten“ Werk über den Dichter Juri Schiwago, der aus sozialem Verantwortungsgefühl Arzt wurde und sich in brudermörderischer Zeit für seine Nächsten aufopfert, seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Er beendete das Manuskript 1956, im Jahr des 20. Parteikongresses der KPdSU, auf dem Chruschtschow die stalinistischen Exzesse anprangerte und das „Tauwetter“ einläutete. Doch die Redaktion von „Nowyj mir“ teilte dem Autor mit, der konterrevolutionäre Geist des Werks und der darin zum Ausdruck kommende „pathologische Individualismus“ machten eine Publikation unmöglich.
Pasternak, der in seiner Datscha im Moskauer Vorort Peredelkino isoliert hauste wie ein Gefangener im Burgverlies, schickte aber auch fünf Fassungen seines großen Spätwerks in den Westen. Wie ein Schachspieler versuchte er die Fäden in der Hand zu behalten, schreibt Tolstoi, der mit dem Romancier Leo Tolstoi verwandt ist. Im Sommer 1956 bevollmächtigt der Schriftsteller den Mailänder Verleger und bekennenden Kommunisten Giangiacomo Feltrinelli, die italienische sowie andere fremdsprachige Ausgaben herauszubringen. Pasternak händigt Feltrinelli allerdings ein unredigiertes Typoskript aus.
Die korrigierte Fassung, die, wie er schriftlich erklärt, der russischen Publikation zugrunde liegen soll, übergibt er im Januar 1957 der französischen Slawistin Jacqueline Proyart. Pasternak, der im Frühjahr 1956 von Albert Camus für den Nobelpreis nominiert worden war, rechnete mit dem Erfolg des Buches ebenso wie mit einem politischen Skandal - und damit, dass er verfolgt werden würde, versichert Tolstoi.
Was er nicht wissen konnte, war, dass sich das Erscheinen der russischen Originalausgabe zu verzögern drohte. Jacqueline de Proyart arbeitete mit anspruchsvollen Emigrantenverlagen, die schon finanziell nicht in der Lage waren, ein so dickes Buch im Eiltempo zu produzieren. Und Feltrinelli, der die internationalen Rechte besaß, scheute vor der russischen Publikation zurück, um die Sowjets nicht offen zu provozieren.
Flugzeug umgeleitet und geräumt, Manuskript entwendet und kopiert
Da schritten die amerikanischen Dienste ein. Im Spätherbst 1956, irgendwann nach dem 31. Oktober, wird ein Inlandsflug, mit dem Feltrinelli seinen russischen Text des „Doktor Schiwago“ aus Mailand zu seinem Übersetzer nach Rom beförderte, nach Malta umgeleitet. Für zwei Stunden müssen die Passagiere die Maschine verlassen. Das reicht ein paar Agenten, das dicke Manuskript zu entwenden, es in einem Büro heimlich zu kopieren und wieder zurück ins Flugzeug zu legen. Der Chronist Tolstoi spricht von einer „Legende“, die ihm allerdings dreimal berichtet wurde, von Feltrinelli junior, von einem russischen Verleger und von dem Gelehrten Isaiah Berlin, der Pasternak im Sommer 1956 besucht und eines der fünf Typoskripte mitgenommen hatte. Danach tauchen „gewaschene“ Kopien der Feltrinelli-Fassung auf. Eine davon wird Anfang 1958 in München gesetzt und im Sommer heimlich in Den Haag beim Wissenschaftsverlag Mouton gedruckt. Schade sei allein, dass die Ausgabe, die mit dem Nobelpreis belohnt wurde, so fehlerhaft gewesen sei, meint Tolstoi, der darin sechshundert Druckfehler, Auslassungen, Sinnentstellungen gezählt hat.
Paradoxerweise hat die russische Literatur Tolstoi zufolge vom Kalten Krieg profitiert. Westliche Geheimdienste verlegten nicht nur Andrej Sacharow, sondern beispielsweise auch frivole Lyrik von Puschkin oder Lermontow, die in der Sowjetunion nicht oder nur in Kleinstauflagen erscheinen konnte. Pasternak verdankte dem Kalten Krieg die schnelle Publikation seines „Schiwago“, den Nobelpreis und weltweiten Ruhm. Dafür fiel die Sowjetpresse über ihn her, er wurde aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, musste den Preis zurückweisen, Komsomol-Sekretär Semitschastnyj fordert ihn auf, zu den Kapitalisten überzusiedeln.
Seit Tschechow, dem professionellen Mediziner, steht der Arzt in der russischen Literatur für das Bemühen, das unheilbare Unglück der Menschen wenigstens zu lindern. Pasternaks Doktor, der viel härtere Zeiten erlebte als Tschechow, und der dem politischen Tauwetter eine so schlechte Diagnose ausstellte, hat die schlimmsten Geheimnisse seines Lebens nie verraten.
FAZ 12.02.2009
Freitag, 13. Februar 2009
Klösterliche Orgie
Wie ist denn Weihnachten im Kloster?
Pater Karl: Wir sind im Kloster eine Gemeinschaft von Männern, da gibt es keine Exzesse von Romantik. Es ist trotzdem sehr schön. Eine sehr gemütliche Stimmung. Das schönere, höhere Fest ist aber für uns natürlich Ostern. Zu Weihnachten feiern wir nur den Beginn unserer Erlösung, aber Ostern mit Tod und Aufersthung - das ist im Kloster wirklich eine Orgie.
Aus einem Interview der Wiener Zeitung mit Pater Karl Wallner aus dem Stift Heiligenkreuz (6.12.2008, S. 35)
Schwierige Zeiten...
Erkenntnis der US-Geheimdienste
Rezession gefährlicher als al-Kaida
Weltweiter Abschwung
Die Depression hat Konjunktur
Konjunktur - Shopping gegen Depressionen
Historisches Schreckgespenst
Keine Neuauflage der Großen Depression
Schreckgespenst 1929
Die Unterschiede zu heute überwiegen
Artikelüberschriften in der Financial Times Deutschland
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Kunst, wo man sie nicht erwartet

Die einen bekommen eine Statue, die dem stadt- bekannten grauen Federvieh zu dessen Erleichterung oft mehr dient, als etwas anderem. Den anderen wird überhaupt erst posthum die große Anerkennung gezeigt. Wie Thomas Bernhard auf die Idee der Volkshochschule Hietzing reagiert hätte, lässt sich leider nur mutmaßen. Denn am 12. Februar 1989, vor genau 20 Jahren also, starb der großartige Schrift- steller an einer Lungenkrankheit. Und aus genau diesem Anlass zeigte sich die Bildungsanstalt (von A wie Aerobic bis Z wie Zitronen schälen) besonders kreativ.
"Wien ist ein Toilettenskandal"
In einer Toninstallation vor dem Haus in der Hofwiesengasse 48 heißt es: "Wir haben Thomas Bernhard gelesen und ernst genommen". Im Roman "Alte Meister" treffen sich die Gelehrten Atzbacher und Reger und philosophieren unter anderem über den Zustand der Toiletten in Wien: "Die Wiener Toiletten sind insgesamt ein Skandal, selbst auf dem unteren Balkan findet sich nicht eine einzige solche verwahrloste Toilette, sagte Reger. Wien hat keine Toilettenkultur, sagte er. Wien ist ein einziger Toilettenskandal." Im 1. Stock des VHS-Gebäudes findet man das davon inspirierte "Kultur-Häusl". Die Wände wurden mit passenden Bernhard-Zitaten verziert. Im 2. Stock wird übrigens David Irving mit seinem Roman "Wasserlassen" gewürdigt.
Robert Streibel, Direktor der Volkshochschule Hietzing, konnte so aus der Not(durft) eine Tugend machen, des Öfteren bekam er nämlich Beschwerden über die zu kleinen Toilettenkabinen. "Da wir die bauliche Situation nicht verändern konnten, haben wir diesen Ort einfach zum Kunstobjekt erklärt", so Streibel.
Wer das geschmacklos findet, dem sei versichert: Dem Autor ist es höchst-wahrscheinlich mehr als wurscht, ob es nun Tauben oder Menschen sind, die sich auf der Würdigung (sei's aus Stein oder aus Porzellan) erleichtern.
Robert Streibel, Direktor der Volkshochschule Hietzing, konnte so aus der Not(durft) eine Tugend machen, des Öfteren bekam er nämlich Beschwerden über die zu kleinen Toilettenkabinen. "Da wir die bauliche Situation nicht verändern konnten, haben wir diesen Ort einfach zum Kunstobjekt erklärt", so Streibel.
Wer das geschmacklos findet, dem sei versichert: Dem Autor ist es höchst-wahrscheinlich mehr als wurscht, ob es nun Tauben oder Menschen sind, die sich auf der Würdigung (sei's aus Stein oder aus Porzellan) erleichtern.
Wien ist eben eine Stadt der Kultur. Wo sonst käme man auf eine solche Idee?
Poetae Confessio
Das Dichten tut mir gut
Du denkst, ich denke und ich richte.
Ach, nichts von alledem:
Ich denke nicht, ich dichte,
ich mach es mir in mir bequem.
Ich schau ins Seelenland und sichte
die Gräben und die Gräberfelder,
schau in die Dickichte und lichte
die Unterhölzer und die Wälder.
'Die Seele ist ein weites Land.'
Das sagte ein mir lieber Dichter.
Ich bin mir nur zum Teil bekannt,
entdecke immer noch Gesichter,
die mir im Ausdruck fremd. Ich bleibe
nach all den Jahren auf der Hut.
Das Richten halt ich mir vom Leibe,
das Dichten, weißt Du, tut mir gut.
Christoph Katz
Du denkst, ich denke und ich richte.
Ach, nichts von alledem:
Ich denke nicht, ich dichte,
ich mach es mir in mir bequem.
Ich schau ins Seelenland und sichte
die Gräben und die Gräberfelder,
schau in die Dickichte und lichte
die Unterhölzer und die Wälder.
'Die Seele ist ein weites Land.'
Das sagte ein mir lieber Dichter.
Ich bin mir nur zum Teil bekannt,
entdecke immer noch Gesichter,
die mir im Ausdruck fremd. Ich bleibe
nach all den Jahren auf der Hut.
Das Richten halt ich mir vom Leibe,
das Dichten, weißt Du, tut mir gut.
Christoph Katz

