Um auch nachwachsende Generationen wieder für sich zu gewinnen, empfahl der Religionssoziologe den Grosskirchen drei Reformprojekte: Christinnen und Christen sollten sich im Sinne von Pilgerwegen oder Wallfahrten auf eine spirituelle Reise machen, die Kirchen bräuchten Leitfiguren wie den populären Benediktinermönch Anselm Grün, an denen man sich orientieren und von denen man lernen könne, und sie sollten das Abendmahl wieder in die Mitte des christlichen Lebens stellen.
Dem anwesenden Böblinger Freikirchenpastor Christoph Schrodt hielt Zulehner entgegen, die Freikirchen sahnten im Becken der religiös Motivierten ab und liessen den Grosskirchen nur die „Magermilch" übrig: „Wir brauchen aber die Grosskirchen, weil sie freiheitlicher sind und für jeden einen Platz haben."
Wie in jeder lebendigen Gemeinde gibt es auch in Währing natürlich einige Fromme. Und vermutlich ist mir das gar nicht bei allen bewusst, die es betrifft, denn in Wien ist Religion eigentlich Privatsache, über die man nicht spricht. Das Spektrum ist weit, Charismatiker, Bibeltreue, Menschen, die freikirchliche Wärme suchen. Im Winter feierten wir eine Reihe von Sonntagen den Gottesdienst im Gemeindesaal, da kam man sich atürlich näher als in der großen Kirche. Die meisten mochten diese Nähe, es gab aber auch Gegenstimmen der Vorfreude auf die Kirche (und den größeren Abstand zum Banknachbarn). Man wird es nie allen recht machen können. Aber die landeskirchliche Weite, die Luft zum Atmen und zum eigenen Denken lässt, ist mir allemal lieber als die Enge einer freikichlichen Gemeinde - mag es da auch noch so warm sein.