Sonntag, 31. Mai 2009
Sekundärtugenden
Wie haben wir gelacht, höhnisch gelacht, damals, vor 30, 35 Jahren über die sogenannten Sekundärtugenden: Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ordnung, Sauberkeit... Und heute, im sechsten Lebensjahrzehnt, entdecke ich, dass mir all das immer wichtiger wird. Vielleicht sind es eben Tugenden, die man erst in der zweiten Lebenshälfte zu schätzen lernt.
Trends beim Trauern
40, 50 Jahre hat der Trend gedauert, das Sterben aus dem Leben zu verdrängen. Dieser Trend dreht sich um. Mit dazu tragen Hospizgruppen, Bestatter, Kirchen bei. Die Menschen reagierten dankbar auf Angebote, so Bestatterin Ursula Koch.
"Es wird nicht mehr hinter verschlossenen Türen und Mauern gestorben", beschreibt Koch die Veränderungen. Zunehmend beschäftigten sich Menschen mit dem Sterben, Angebote reichen von der Begleitung in die Friedhofshalle bis dahin, von den zuhause gestorbenen Angehöringen noch einige Stunden zuhause Abschied zu nehmen. "Viele berichten, wie schön das war."
Und noch einen Trend gibt es: Trauerfeiern ohne geistlichen Beistand. Dies werde sehr bewusst gewünscht, hat Koch beobachtet, die dann die Trauerreden - seit der Übernahme des Bestattungsinstituts Merkt vor einem Jahr schon 30 an der Zahl - übernimmt. Gründe lägen oft in Enttäuschung, etwa, wenn einst die Kirche einen anderskonfessionellen Partner nicht anerkannt habe. "Das tragen die Leute oft ihr ganzes Leben mit sich herum." Das Sterben "ins Leben zurück zu holen", ist unermüdliches Anliegen Kochs. Sie bietet dazu nicht nur ehrenamtlich Trauerbegleitung an, sondern hat jüngst auch einen ganzen Besuchstag zum Thema "Was passiert, wenn ich gestorben bin?" organisiert. Knapp 30 Interessierte trafen sich, um hinter die Kulissen dieses Ablaufes zu blicken. Jeder habe eine andere Vorstellung darüber, wie er sich sein Begräbnis vorstellt.
Wie sich die Gewohnheiten um die Bestattung in den letzten Jahrzehnten geändert haben, erläutert Hans-Jürgen Jäger, der Tuttlinger Friedhofsverwalter: "Das Verhältnis von Erdbestattungen und Feuerbestattung mit Bestattung einer Asche-Urne ist fast 30 Prozent zu 70 Prozent." Bei der Feuerbestattung braucht es neben einem Sarg auch eine Urne. Auf dem Spaichinger Friedhof sind nur Bio-Urnen erlaubt. Sie verwesen mit. Entweder kommt die Urne in die Urnenwand ins Kolumbarium oder sie wird in einem Erdgrab bestattet. "Kostengünstiger ist das Grab", sagt Hans-Jürgen Jäger. Aber dieses müsse gepflegt werden. Die Friedhofsverwaltung begutachte die Gräber regelmäßig und schreibe die Besitzer bei mangelnder Pflege auch an. "Ein Grab zu pflegen hilft über den Verlust eines Angehörigen hinweg", betont Ursula Koch. "Der Friedhof ist ein Ort für Lebende", kommentiert Hans-Jürgen Jäger.
Trauernde sind sehr sensibel
Es käme schon vor, dass sich die Trauernden an der Urnenwand nicht darüber einig werden könnten, wer nun eine Schale aufstellen könne. Trauernde seien so sensibel und interpretierten das "Wegschieben" der Blumen aus der Nähe ihres angehörigen als persönlichen Angriff. Der oft geäußerte Wunsch, den Hinterbliebenen keine Arbeit zu machen, hätte zum Angebot der Wiesengräber geführt. Der traditionelle Ablauf der Beerdigung mit Aussegnung, Verabschiedung und Sargniederlegung wird bei der Feuerbestattung unterbrochen. Ursula Koch bezeichnet dieses fehlende Teilstück als einen Filmriss. Nur im Ausnahmefall seien Angehörige dabei im Krematorium. (…)
Bestatterin Ursula Koch berichtet von Trends beim Trauern, Schwäbische Zeitung, 30. Mai 2009
"Es wird nicht mehr hinter verschlossenen Türen und Mauern gestorben", beschreibt Koch die Veränderungen. Zunehmend beschäftigten sich Menschen mit dem Sterben, Angebote reichen von der Begleitung in die Friedhofshalle bis dahin, von den zuhause gestorbenen Angehöringen noch einige Stunden zuhause Abschied zu nehmen. "Viele berichten, wie schön das war."
Und noch einen Trend gibt es: Trauerfeiern ohne geistlichen Beistand. Dies werde sehr bewusst gewünscht, hat Koch beobachtet, die dann die Trauerreden - seit der Übernahme des Bestattungsinstituts Merkt vor einem Jahr schon 30 an der Zahl - übernimmt. Gründe lägen oft in Enttäuschung, etwa, wenn einst die Kirche einen anderskonfessionellen Partner nicht anerkannt habe. "Das tragen die Leute oft ihr ganzes Leben mit sich herum." Das Sterben "ins Leben zurück zu holen", ist unermüdliches Anliegen Kochs. Sie bietet dazu nicht nur ehrenamtlich Trauerbegleitung an, sondern hat jüngst auch einen ganzen Besuchstag zum Thema "Was passiert, wenn ich gestorben bin?" organisiert. Knapp 30 Interessierte trafen sich, um hinter die Kulissen dieses Ablaufes zu blicken. Jeder habe eine andere Vorstellung darüber, wie er sich sein Begräbnis vorstellt.
Wie sich die Gewohnheiten um die Bestattung in den letzten Jahrzehnten geändert haben, erläutert Hans-Jürgen Jäger, der Tuttlinger Friedhofsverwalter: "Das Verhältnis von Erdbestattungen und Feuerbestattung mit Bestattung einer Asche-Urne ist fast 30 Prozent zu 70 Prozent." Bei der Feuerbestattung braucht es neben einem Sarg auch eine Urne. Auf dem Spaichinger Friedhof sind nur Bio-Urnen erlaubt. Sie verwesen mit. Entweder kommt die Urne in die Urnenwand ins Kolumbarium oder sie wird in einem Erdgrab bestattet. "Kostengünstiger ist das Grab", sagt Hans-Jürgen Jäger. Aber dieses müsse gepflegt werden. Die Friedhofsverwaltung begutachte die Gräber regelmäßig und schreibe die Besitzer bei mangelnder Pflege auch an. "Ein Grab zu pflegen hilft über den Verlust eines Angehörigen hinweg", betont Ursula Koch. "Der Friedhof ist ein Ort für Lebende", kommentiert Hans-Jürgen Jäger.
Trauernde sind sehr sensibel
Es käme schon vor, dass sich die Trauernden an der Urnenwand nicht darüber einig werden könnten, wer nun eine Schale aufstellen könne. Trauernde seien so sensibel und interpretierten das "Wegschieben" der Blumen aus der Nähe ihres angehörigen als persönlichen Angriff. Der oft geäußerte Wunsch, den Hinterbliebenen keine Arbeit zu machen, hätte zum Angebot der Wiesengräber geführt. Der traditionelle Ablauf der Beerdigung mit Aussegnung, Verabschiedung und Sargniederlegung wird bei der Feuerbestattung unterbrochen. Ursula Koch bezeichnet dieses fehlende Teilstück als einen Filmriss. Nur im Ausnahmefall seien Angehörige dabei im Krematorium. (…)
Bestatterin Ursula Koch berichtet von Trends beim Trauern, Schwäbische Zeitung, 30. Mai 2009
Nur ein Wort
Wenn Sie nur ein einziges Wort zur Verfügung hätten, um auszusagen, was der Inbegriff des Christentums sei, welches würden Sie wählen?
- Liebe
- Glaube
- Frieden
- Kreuz
Und das alles ist wahr, aber es ist gut, dass wir nicht auf ein Wort beschränkt sind...
Erdäpfelwahlkampf
In der westlichen Welt hat sich der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad durch Holocaust-Leugnungen und Unnachgiebigkeit im Atomstreit unbeliebt gemacht. Doch wer dieser Tage, in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes, auf iranische Web-Seiten schaut, der lernt, dass Ahmadinedschads Hauptproblem in der Heimat "Potatogate" heißt: Den Berichten zufolge haben sich in mehreren Dörfer aufgebrachte Menschenmengen versammelt, die "Tod den Kartoffeln" schrien - in Anlehnung an den iranischen Schlachtruf "Tod den Amerikanern". Was war geschehen?
Offenbar hatte die Regierung kostenlos Kartoffeln verteilen lassen, um die Beliebtheit Ahmadinedschads im Vorfeld der Wahl zu steigern. "Werbe-Kartoffeln!", empört sich der Ex-Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi in seinem Blog. "Die Leute vom Land sind klug, solche Aktionen empfinden sie als Beleidigung." Ein Autor mit dem Pseudonym Mmoeeini bemerkt bissig, Ahmadinedschad habe ja versprochen, den Ölreichtum an das Volk weiterzugeben - und löse die Zusage nun in Kartoffeln ein. Und der Polit-Blogger Abbas Abdi kritisiert, die Leute könnten so viele Kartoffeln gar nicht lange genug lagern: "Warum haben sie nicht lieber Zwiebeln verteilt?" (...)
Aus Gabriela M. Keller: "Tod den Kartoffeln"!, auf welt.de
Offenbar hatte die Regierung kostenlos Kartoffeln verteilen lassen, um die Beliebtheit Ahmadinedschads im Vorfeld der Wahl zu steigern. "Werbe-Kartoffeln!", empört sich der Ex-Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi in seinem Blog. "Die Leute vom Land sind klug, solche Aktionen empfinden sie als Beleidigung." Ein Autor mit dem Pseudonym Mmoeeini bemerkt bissig, Ahmadinedschad habe ja versprochen, den Ölreichtum an das Volk weiterzugeben - und löse die Zusage nun in Kartoffeln ein. Und der Polit-Blogger Abbas Abdi kritisiert, die Leute könnten so viele Kartoffeln gar nicht lange genug lagern: "Warum haben sie nicht lieber Zwiebeln verteilt?" (...)
Aus Gabriela M. Keller: "Tod den Kartoffeln"!, auf welt.de
Samstag, 30. Mai 2009
Es leben die Friedhofsgärtner!
"Los geht`s!“ – so lautet die Botschaft der Gartenbau-Landesverbände des „Bundes deutscher Friedhofsgärtner“ (BdF) an die Bundesgeschäftsstelle in Bonn. Teilweise euphorisch wurden von den Verbandsmitgliedern bundesweit die Vorschläge der Bonner Kommunikationsagentur SCHWIND. zur Profilierung von Berufsstand und friedhofsgärtnerischen Produkten aufgenommen. Ziel der im Oktober startenden und mit einem 7-stelligen Budget ausgestatteten Kampagne „Es lebe der Friedhof!“ soll es sein, Menschen zu gewinnen, die den Gedanken an die letzten Dinge zumeist lieber so weit wie möglich aufschieben möchten. SCHWIND. und der BdF wollen die Friedhofsgärtner mit deren Stärken positionieren: Individualität, Kreativität und Zuverlässigkeit.
„Friedhofsgärtner können mehr – wir wissen das und bald werden auch unsere potentiellen Kunden an dieser Botschaft nicht mehr vorbeikommen“, so erfolgssicher kommentiert Lüder Nobbmann, Vorsitzender des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, den eindeutigen Vertrauensbeweis der Verbandsmitglieder. Diese Image-Kampagne komme zum richtigen Zeitpunkt, so Nobbmann: „Ich freue mich, dass die Friedhofsgärtner Deutschlands mehrheitlich erkannt haben, dass diese innovative Imagekampagne heute wichtiger denn je ist, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden!“
Für Agenturinhaber André Schwind war die Konzeption der Kampagne eine echte Herausforderung: „Kaum ein anderes Thema ist in unserer Gesellschaft mit einem solchen Tabu belegt wie der Tod. Die Kampagne will vor diesem Hintergrund deshalb ganz bewusst polarisieren und darauf aufbauend Aufmerksamkeit generieren.“
Die Kampagne wird in einem umfassenden Media-Mix auf allen Ebenen bespielt: lokal, regional und bundesweit. Auf der Lokalebene wird es Anzeigen in Tageszeitungen und Anzeigenblättern sowie die Außenwerbung auf Großflächen geben. Anzeigen erscheinen weiterhin deutschlandweit in großen Publikumszeitschriften. Im ZDF wird der TV-Spot zur Kampagne ausgestrahlt. Die Website www.es-lebe-der-friedhof.de dient dazu begleitend als Informationsportal für Interessenten, die die geeignete Friedhofsgärtnerei in ihrer Nähe und Ideen für die individuelle Grabpflege suchen. Die erste Kampagnenphase soll im Frühjahr 2010 beendet sein.
„Friedhofsgärtner können mehr – wir wissen das und bald werden auch unsere potentiellen Kunden an dieser Botschaft nicht mehr vorbeikommen“, so erfolgssicher kommentiert Lüder Nobbmann, Vorsitzender des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, den eindeutigen Vertrauensbeweis der Verbandsmitglieder. Diese Image-Kampagne komme zum richtigen Zeitpunkt, so Nobbmann: „Ich freue mich, dass die Friedhofsgärtner Deutschlands mehrheitlich erkannt haben, dass diese innovative Imagekampagne heute wichtiger denn je ist, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden!“
Für Agenturinhaber André Schwind war die Konzeption der Kampagne eine echte Herausforderung: „Kaum ein anderes Thema ist in unserer Gesellschaft mit einem solchen Tabu belegt wie der Tod. Die Kampagne will vor diesem Hintergrund deshalb ganz bewusst polarisieren und darauf aufbauend Aufmerksamkeit generieren.“
Die Kampagne wird in einem umfassenden Media-Mix auf allen Ebenen bespielt: lokal, regional und bundesweit. Auf der Lokalebene wird es Anzeigen in Tageszeitungen und Anzeigenblättern sowie die Außenwerbung auf Großflächen geben. Anzeigen erscheinen weiterhin deutschlandweit in großen Publikumszeitschriften. Im ZDF wird der TV-Spot zur Kampagne ausgestrahlt. Die Website www.es-lebe-der-friedhof.de dient dazu begleitend als Informationsportal für Interessenten, die die geeignete Friedhofsgärtnerei in ihrer Nähe und Ideen für die individuelle Grabpflege suchen. Die erste Kampagnenphase soll im Frühjahr 2010 beendet sein.
Pressemitteilung der Agentur Schwind auf openpr.de
In Zeiten, da die anonyme Bestattung oder gar gleich die Naturbestattung in Friedwäldern u.dgl. immer populärer werden, bricht diesem Gewerbe natürlich die Kundschaft weg. Und auch auf Urnengräbern gibt es viel weniger zu bepflanzen...
In Zeiten, da die anonyme Bestattung oder gar gleich die Naturbestattung in Friedwäldern u.dgl. immer populärer werden, bricht diesem Gewerbe natürlich die Kundschaft weg. Und auch auf Urnengräbern gibt es viel weniger zu bepflanzen...
