Samstag, 27. März 2010

Blick am Morgen

Beschäftigt

Nein, ich habe heute keine Zeit, ich muss so viel vergessen.

Erwachen zum Leben


Wo hab' ich denn gefristet in all der argen Zeit?

Wo Haß bei Lüge nistet und nah beim Unwert Neid.


Sie haben mich zerschlagen, für Pflicht mir Hohn gezollt,

Weil ich nicht nur beklagen, weil ändern ich gewollt.


Und war' fast schlecht geworden in all der Schlechtigkeit,

Ach, eine zarte Rebe ist die Gerechtigkeit!


Sie braucht auch andrer Güte, auch andrer reinen Sinn,

Sonst schwindet sie wie Blüte im Maienfrost dahin.


Jetzt aber bin ich wieder erwacht aus wüstem Traum

Und werf mich vor dir nieder, Gott Erde, Gras und Baum!


Gott Wind und Stern und Wolke, Gott Sommermittagshauch,

Gott Duft vom Tannenharze und wildem Himbeerstrauch!


Und tauch' die Hand, Gott Quelle, kühn in dein sprudelnd Eis

Und dank' es der Forelle, daß sie um mich nicht weiß.


Und bin zutiefst verschuldet dem Falter, der mir naht,

Daß er mein Wesen duldet, denn Duldung schon ist Tat.


Und preise deinen Namen, Gott Lust und Mutterschoß,

Und sag' erschüttert Amen zu meinem Erdenlos!


Anton Wildgans (1881 – 1932)

Innere Hernalser Hauptstraße

Fragwürdige Deutungsversuche

Das Erdbeben in Haiti und die Esoterik-Szene

Die Erdbebenkatastrophe in Haiti hat in der Esoterik-Szene unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Neben Bestürzung und Trauer über das ungezählte Leid wird zu materieller Hilfe und zu Lichtmeditationen aufgerufen. Vereinzelt finden sich höchst zynische Deutungsversuche für das Erdbeben, bei dem vermutlich 200 000 Menschen ums Leben kamen.

Im Internetforum der Kryonschule, einer in Rosenheim ansässigen Esoterik-Gruppe um das Medium Sabine Sangitar, das mit der Wesenheit Kryon in Kontakt stehen soll, wird empfohlen, auf meditativem Wege „eine Lichtsäule für die Seelen, die ihren Körper verlassen haben“, zu errichten (www.portal.kryonschule.de). Wie eine Anhängerin in einem Beitrag berichtet, habe sie dabei eine tröstliche Erfahrung gemacht: „Ich habe eine riesige Pyramide über Haiti gesehen. Mutter Maria, Jesus Christus und die Heilungsengel waren über dieser Pyramide und haben ihre heilenden Strahlen gesandt.“ Andere wiederum spekulieren über die esoterischen Hintergründe der Katastrophe. So heißt es in der Botschaft einer Wesenheit Kuthumi, die einem US-amerikanischen Medium übermittelt habe: „Jeder hat einen Platz im Herzen des Schöpfers. Jene, die wählten, ihre physische Form durch dieses Erdbeben zu verlassen, wissen, dass sie durch ihre Teilnahme ihren Abdruck, eine Mitteilung von Bedeutung über den Wert des Lebens, hinterlassen haben.“ Eine „Lichtarbeiterin“ der Kryonschule schreibt zu den Ereignissen: „In diesen Regionen gab es schon immer Erschütterungen durch Erdgewalten. Es hat mit der Verschiebung der Erdplatten zu tun. Aber das wißt ihr ja. Die Seele sucht sich aus, in welchem Land sie inkarniert. Wo wir leben – ist in perfekter Abstimmung mit unserem Seelen-Plan abgestimmt.“

Auch im Internetforum www.esoterium.de wird nach „tieferen spirituellen Ursachen“ gesucht. Zitiert wird dort in deutscher Übersetzung „eine planetarische Botschaft der Hathoren durch Tom Kenyon“. Der Amerikaner Kenyon ist seines Zeichens „Klangheiler“ und seit den 1980er Jahren ein „Kanal“ (Channel) für die Botschaften der intergalaktischen Föderation der Hathoren, die im alten Ägypten mit der weiblichen Gottheit Hathor verbunden waren: „Es kann sein, dass eine größere Anzahl von Personen wählt, die Erdenebene zu verlassen. Dieses Verlassen kann durch unerwartete Unfälle, unvorhergesehene Krankheiten und natürlich Erd-Veränderungen und Wetter-Anomalien auftreten.“

Die kleine Auswahl aktueller Reaktionen in der Esoterik-Szene verdeutlicht zweierlei: Zum einen rufen die medialen Kundgaben zu erhöhter spiritueller Aktivität angesichts des für 2012 erwarteten Transformationsprozesses der Erde und der damit verbundenen „Umwälzungsprozesse“ auf. Zum anderen werden die schockierenden Ereignisse und das vielfache menschliche Leid in Haiti durch selbstgestrickte esoterische Karmavorstellungen und Aussagen wie „Der Mensch erschafft sich seine Realität“ bagatellisiert, ignoriert und letztlich für sinnvoll erachtet. Das tiefere Problem solcher zynischen Deutungen liegt in einem auf übersinnlichem Wege vermittelten „Überwissen“. Es vermutet hinter jedem persönlichen Leid jeweils selbstverschuldete Ursachen oder von den Betroffenen frei gewählte Szenarien. Dieses „höhere“ Denken, das aus Opfern Täter werden lässt, ist in der Esoterik-Szene leider kein Einzelfall.


Matthias Pöhlmann im Materialdienst der EZW 3/2010

Stillleben in der Bim

Wort der Woche

"Herr Professor, warum brauchen wir eigentlich noch ein Hirn, wir haben doch Google... ?"

Äußerung eines 13jährigen Gymnasiasten

Notwendige Selbstdistanzierung einer Gemeinde

























In der Pauluskirche im 3. Bezirk.
Die Kirche ist in den 60er Jahren gebaut worden.
Der Künstler, der die Fenster entwarf, war anscheinend noch in der Ikonografie des III. Reiches beheimatet.

Ende der Unvollkommenheit

Im christlichen Glauben sagt man, dass einem Menschen die Todesstunde in die Wiege gelegt wurde - der Tod ist ein Teil des Lebens und darüber können wir nicht unbedingt selbst bestimmen. Der Tod tut auch denen, die gehen, nicht weh. Er schmerzt nur diejenigen, die übrig bleiben und die machen sich meistens bewusst oder unbewusst im Nachhinein irgendwelche Vorwürfe. Solche Vorwürfe sind ein Ausdruck unserer Unvollkommenheit und unseres Wunsches, vollkommen zu sein, Alles richtig zu machen und sich ohne Schuld von einem anderen Menschen zu trennen. Der Tod trennt uns zwar von den anderen Menschen, aber er beseitigt auch die Unvollkommenheit, die sich aus unserem Menschseins ergibt.

Gefunden in einem Forum

Als Antwort auf Selbstvorwürfe eines Hinterbliebenen, ob er nicht hätte mehr tun und so den Tod seines Angehörigen möglicherweise verhindern können, eine ziemlich zynische Überlegung, als Trost wohl kaum geeignet. Aber es ist natürlich nicht zu leugnen, dass der Tod - mit allem anderen, was unser Menschsein, irdisch betrachtet, ausmacht - auch unserer Unvollkommenheit ein Ende macht.