Montag, 25. Mai 2009

Konfirmation

Konfirmation, nach Gemeindetradition an Christi Himmelfahrt. So wird das Proprium des Festtages überlagert durch den Kasus Konfirmation.  
Die Konfirmationsquote ist in Wien bescheiden, ein Phänomen, das es in deutschen Großstädten wohl auch gibt. Man müsste im Religionsunterricht in der Schule vielleicht mehr Werbung machen, motivieren zur Teilnahme. (Geld-)Geschenke spielen hier im städtischen Kontext nach meiner Einschätzung übrigens eine viel geringere Rolle als in deutschen Dorfgemeinden. Wer sich in unserer Gemeinde konfirmieren lässt, tut es immerhin nicht in erster Linie aus materiellen Gründen. Ein erwachsener Konfirmand war auch dabei, ein sehr an Glaubensfragen interessierter Mann mittleren Alters, der vor einiger Zeit aus der katholischen Kirche übergetreten ist. 

Freitag, 22. Mai 2009

Luther(Hinter-)hof

Worum es eigentlich ginge

Das also wäre das Ziel:
Im anderen das anzunehmen,
was wir in uns selbst verdammen.
Ihn zu lieben mit allen Fehlern, Gebrechen,
Sünden und Verbohrtheiten,
die uns selbst am Werke sind.

Jörg Zink

Donnerstag, 21. Mai 2009

Der Turm der Lutherkirche




Tatsächlich ist der Turm unserer Kirche nun so weit fertig renoviert, dass das Gerüst zu einem guten Teil abgebaut werden konnte. Sehr passend für die heutige Konfirmation...

Protestantischer Rhabarberkuchen

Kennen Sie das, LeserInnenschaft? Die Befriedigung, die sich einstellt, wenn Sie genussvoll ein Schüsserl voll gesüßtem Schlagrahm ausschlecken (vielleicht mit ein bisserl Zimt obendrauf)? Ja? Sie kennen das? Dann ist Ihnen vermutlich auch das schlechte Gewissen danach ein Begriff. Wenn's reuevoll drückt und zwickt, weil Sie sich wieder mal was gegönnt, anstatt - wie's die allgemeinen Vorschriften so verlangen - versagt haben. Aber: Es gibt Lösungen! Sie tun einfach, was immer Ihre sinnlichen Sinne gerade so von Ihnen möchten. Und beichten das dann. Rückwirkend. Reueproblem erledigt. (Kultur-)Katholizismus nennt man das. Praktisch, über Jahrhunderte bewährt und gut. Aber ob damit heute noch Kulturfortschritt zu erzielen ist? Schon Max Weber hat uns wissen lassen, dass unser aktuelles Wirtschaftssystem aus nichts anderem als aus dem Geist des Protestantismus entstehen hat können. Und Protestantismus verlangt ebensosehr nach Disziplin wie nach Selbstbeschränkung. Wirklich schlecht geht es uns nicht damit, oder? Es mögen uns dabei zwar einerseits die wunderschönen Höhen des sinnlichen, genussvollen Schlemmens verlustig gehen. Andererseits gewinnen wir Ausgeglichenheit und Harmonie (laut Konfuzius, um den auch noch zu bemühen, dann hören wir schon auf mit der Philosophie-Stunde, eines der höchsten Güter). Auch nicht schlecht, oder? Unser heutiger Rhabarberkuchen jedenfalls passt in dieses Konzept: Artig, brav, harmonisch, wohlschmeckend, aber: keine Sünde, ob deren Genuss die Welt rings um uns versinkt. (...)

Aus einem Kochblog, wo dann auch das Rezept folgt.

So blau...

Engel, Hemden, Tod und Abwasch

(...) "Tod und Erotik treffen sich im Schwinden der Sinne", erläutert Flörke, der seine Dissertation über den "Tod der Romantik" geschrieben hat. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof, 1877 eröffnet, hat Flörke in der Grabkunst viele Beispiele romantischen Denkens entdeckt. "Im 19. Jahrhundert hat man den Tod überhöht und als größtmögliche Schönheit dargestellt, und das war in der patriarchalischen Welt eine Frau." Und da natürlich keine faltige Alte. Auf den Friedhof gelangten die spärlich bekleideten Schönen, um den Verstorbenen ein Symbol des Lebens zur Seite zu stellen. "Liebe über den Tod hinaus, Erotik in der Paarung mit dem Tod - das ist eine Tradition, die seit der Antike besteht und in der Romantik ihren Höhepunkt findet."

In der Weltliteratur sterben wie Romeo und Julia die Liebenden immer dann, wenn es am schönsten ist. Tragisches Ableben statt ewig der Streit um den Abwasch: Wo Dichter der unsterblichen Liebe mit Worten ein Denkmal setzen, tun die Grabmäler es in Bronze, Marmor und Stein. "Der Ohlsdorfer Friedhof weist eine Fülle von Beispielen für das romantische Todesbild auf", weiß Flörke. Da lockt der Hüftschwung einer Männerphantasie in Marmor, der der Träger des Kleides langsam von der Schulter gleitet. "Auch wenn das Gesicht traditionelle Trauer zeigt, ab dem Ellbogen wird es erotisch." Wenn der Tod als gieriger Alter nach der Hand der Schönen fasst, Rosen im Schoß vom Verlust der Unschuld künden oder aber Mohn als Inbegriff von Rausch und Tod erscheint - unter der Führung des Literaturwissenschaftlers erschließen sich auch jene Motive, die nicht so eindeutig sind wie transparente Hemden. (...)

Aus: Bettina Albrod, Der Tod trifft die Erotik. Der Literaturwissenschaftler Lutz Flörke bietet eine sehr ungewöhnliche Führung auf dem Friedhof Ohlsdorf an, welt.de

Sonntag, 10. Mai 2009

Auf der Wartburg

Kinder?

Kinder absorbieren unser Leben, sie nehmen es auseinander. Kinder bewirken nichts als Katastrophen, das ist ein Naturgesetz. Wenn du Paare siehst, die lachend zum Traualtar schreiten, denkst du, die haben keine Ahnung, die Ärmsten haben keine Ahnung, sie sind glücklich. Vorher verrät einem ja keiner was. Ein Armeefreund von mir, der kriegt jetzt ein Kind mit einer neuen Frau. Ich hab zu ihm gesagt, ein Kind in unserem Alter, das ist doch Irrsinn! Die zehn, fünfzehn guten Jahre, die uns bis zum Krebs oder zum Schlaganfall noch bleiben, die willst du dir mit einem Gör versauen?

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Anti-Islamisierungskongress in Köln