Freitag, 22. Januar 2010

Allein

Ich glaube, daß jeder Mensch allein ist. Sei er nun ein Arbeiter, ein Bourgeois oder ein Intellektueller, was auch die Freundschaften sein mögen, die Kameradschaften oder die Liebe, die ihn umgeben. Ganz allein, unwiderruflich, geht er, beladen mit seiner Vergangenheit, die nur ihm gehört, unveräußerlich, seinem Tod entgegen, dem er allein wird gegenübertreten müssen. Ich habe Leute an Krankheit oder an Alter sterben sehen, in der Mitte derer, die sie liebten und mit denen ihr Leben zu teilen sie geglaubt hatten, ich habe andere gesehen, ihren Todeskampf in den Straßengräben oder auf den Schlachtfeldern, wo sie stundenlang röchelten und niemand war bei ihnen. Ich habe begriffen, daß es in allen Fällen das gleiche war, und daß man, auf welche Art man auch stirbt oder lebt, allein ist. Es gibt nichts Trostloseres als mit anzusehen, wie die Personen, die du liebst, sich gleichgültig von dir lösen, dich fortstoßen und sich in sich selbst versenken in dem Augenblick, wo sie begriffen haben, daß die Stunde ihres Todes gekommen ist und daß alles, was sie bis dahin getan haben, um ihre Einsamkeit vor sich zu verbergen, nichts war als Trug und Lüge.

Claude Simon: Das Seil

Ein Ort der Begegnung?

Kahl und kühl - der Raum im Krematorium, in dem der Pfarrer gegebenenfalls vor der Verabschiedungsfeier das Gespräch mit den Angehörigen führt. Das kommt vor allem dann vor, wenn die Angehörigen nicht in Wien wohnen und erst zur Feier anreisen.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Der Morgen

Selig,wer vom Schlaf erquickt,
Wer mit frohem Auge blickt
Dankend zu dem Herrn.

Selig, wer mit stillem Sinn
Schaut auf seine Arbeit hin
Und beginnt mit Freuden.

Selig, wer, was er vollbringt,
Wenn es ihm nach Wunsch gelingt,
Dient zum Heil der Menschen.

Caspar David Friedrich

Alte Schönheit in neuem Glanz

Zu mir

Ja, ich weiß, mein Blog leidet zur Zeit an einer gewissen Auszehrung. Das liegt zum einen an meinem "Beziehungsstatus", zum anderen am sich weiter entwickelnden Gemeindeleben.
Nun hat sich mein lieber Kollege entschlossen, doch bei uns zu bleiben. Aber er hat darum angesucht, mir die Amtsführung zu übertragen. So wird die Arbeit sicher zunehmen. Aber das schreckt mich bekanntlich nicht. Und über die Entscheidung des Kollegen bin ich sehr froh. Wäre er wirklich in eine andere Gemeinde gegangen, wäre ich sicher eine längere Zeit alleine für die Gemeinde Währing zuständig gewesen. Erfreulicherweise werden wir aber in nächster Zeit einen weiteren Lektor in sein Amt einführen, so dass die Gemeinde dann vier Lektoren hat. Das ist eine große Entlastung.
Seit langer Zeit habe ich zum ersten Mal ein gutes Gefühl der Entsprechung von Anforderungen und eigenen Möglichkeiten, fühle mich weder unter- noch überfordert. Kurzum: Es geht mir gut.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Feuerhalle Simmering

Wiens Krematorium - gegenüber dem Zentralfriedhof - gleicht einer Kirchenburg des Todes. Immer öfter habe ich dort Verabschiedungsfeiern abzuhalten, die Zunahme der Feuerbestattung schlägt sich in meinem Kalender deutlich nieder.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Zehntelsekunden, die sich zu Minuten summieren können

"Mit Tastaturkürzeln können Sie bei jeder einzelnen Aktion ein paar Zehntelsekunden sparen, was sich in einer Woche auf einige Minuten gesparter Zeit summieren kann. Nachdem Sie Tastaturkürzel in Ihren Einstellungen aktiviert haben, können Sie mit "j" und "k" in Ihrem Posteingang noch oben und unten blättern. Mit "o" öffnen Sie Nachrichten, mit "r" antworten Sie und mit "c" schreiben Sie eine neue Nachricht. Mit "s" fügen Sie eine Markierung hinzu oder entfernen diese und mit "e" archivieren Sie eine Nachricht - und das ist lange noch nicht alles."

Aus den Tipps für Google Mail

Oh, was führe ich doch noch für ein beschauliches Leben!

Montag, 11. Januar 2010

Winter in Württemberg

Bei Hemmingen (nahe Stuttgart, Kreis Ludwigsburg)

Der Mensch - das Sorgentier

Die Abwesenheit konkreter Sorge ist eine höchst beunruhigende Erfahrung. Heidegger hat recht: Die Sorge gehört zum Menschen. "Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche", sagt der Volksmund - und das stimmt auch: Und wenn es nur die Sorge ist, keine Sorgen zu haben.