Samstag, 30. Januar 2010

Colored?

When I born, I black
When I grow up, I black
When I go in Sun, I black
When I scared, I black
When I sick, I black
And when I die, I still black

And you white fellow
When you born, you pink
When you grow up, you white
When you go in sun, you red
When you cold, you blue
When you scared, you yellow
When you sick, you green
And when you die, you gray

And you calling me colored?

[Anonym]

Streikende Auslage

Gesehen in der Martinstraße in Währing.

Modern, geradezu zukunftsweisend...

Pfarrer Grzegorz Sowa von Greiffenberg in Südpolen hat für seine Kirche ein Lesegerät von Fingerabdrücken besorgt. Das berichtete die Zeitung ‘Gazeta Wyborcza’. Kandidaten für die Firmung können mit dem Scanner ihren Meßbesuch dokumentieren. Jeder Firmling, der in drei Jahren zweihundert Mal in der Kirche war, braucht keine Prüfung mehr abzulegen. Die Anwesenheit gilt für Sonntage, Feiertage, an jedem ersten Freitag im Monat, bei Rosenkranz-Andachten und an allen Adventstagen. Die Eltern haben dem Einsatz des Lesegeräts zugestimmt.

Samstag, 23. Januar 2010

Am AIDS-Hilfe-Haus (Mariahilfer Gürtel)


Safer Abi

Ein Deutschabitur ist kein Zuckerschlecken. Hier rollen die Köpfe gleich reihenweise, so dass als übergeordnetes Lernziel festzuhalten wäre: Das Leben ist eher ein Schlachthaus als ein Ponyhof, und für das Leben, nicht für die Schule lernen wir ja bekanntlich. Büchners Danton – Rübe ab. Fausts Gretchen – wegen Mord ihres unehelichen Kindes zum Schafott verurteilt. Michael Kohlhaas kommt aufs Rad, Josef K. wird am Ende „wie ein Hund“ erstochen, Gregor Samsa stirbt in einem eklatanten Fall von domestic violence an unterlassener Hilfeleistung. Amalia in Schillers „Räubern“ will exklusiv von ihrem geliebten Karl getötet werden, was der dann auch tut; Effi Briest geht an gebrochenem Herzen zugrunde, ihr früherer Liebhaber allerdings zuvor an einer Kugel im Duell.

Und dann die diversen Selbstmörder: Nathanael in E. T. A. Hoffmanns „Sandmann“ stürzt sich im Wahnsinn vom Kirchturm; Georg aus Kafkas „Urteil“ springt auf dringenden Wunsch des Vaters in den Fluss; Schnitzlers Fräulein Else nimmt eine Überdosis Schlafmittel (bei Redaktionsschluss war noch nicht geklärt, ob sie durchkommt). Wie können wir unsere Jugendlichen vor solchen Gewaltexzessen schützen, die man heutzutage in jeder Buchhandlung einfach aus dem Regal herunterziehen und für ein paar Euro mit nach Hause nehmen kann?

Angst vor dem letzten Konsequenz

Rat weiß der Reclam-Verlag, dessen preiswerte Bücher schon viele Schülergenerationen erfreuten. Sein neues Programm verheißt „Rettungs-Tüten“ für das Abitur, die zu jedem der obengenannten Killer-Bücher „zum Sonderpreis“ und in praktischer Folienverpackung auch noch einen „Lektüreschlüssel“ sowie „Erläuterungen und Dokumente“ bieten. Darin werden die fatalen Ereignisse nach gängiger Interpretenart motivgeschichtlich entschärft und allegorisch aufgehoben, so dass am Ende nichts als jugendgerechte Psychoanalyse und Tragödientheorie ohne Altersbeschränkung übrig bleiben.

Zwei Dinge aber irritieren: Da wäre einmal das immerhin für die Zielgruppe Deutsch-LK entworfene Motto „Safer Abi“. Und dazu die grafische Gestaltung des „Dreier-Packs“ mit einem grünen, gelben und blauen Ring, die ebenfalls an Anti-Aids-Kampagnen erinnert. Kondome schützen offenbar nicht nur vor Sturm und Drang, sondern auch vor zu viel Realismus. Vielleicht denkt Reclam an die Praxis von Dantes Leseratten Francesca und Paolo, die irgendwann die Bücher Bücher sein ließen: „An jenem Tage lasen wir nicht weiter“? Doch schreckte die pfiffige Marketingabteilung vor der letzten Konsequenz zurück. Warum nicht gleich den Büchern Kondome – vulgo Lümmeltüten – beilegen? Das mit Gretchen und Faust wäre dann immerhin nicht passiert.

Richard Kämmerlings: Reclams Lümmel, FAZ 23.01.2010

Damals wie heute

George Grosz: Ecce Homo - Ach, knallige Welt, du seliges Anormitätenkabinett (1916)

Genug

Genug, die Worte sind alle.
Hat der Fluss das Meer erreicht?
Oder ist das Meer eine Wüste,
schon gut, zu schlecht, es reicht!

Funny van Dannen

Angst vor dem Tod?

Freitag, 22. Januar 2010

Allein

Ich glaube, daß jeder Mensch allein ist. Sei er nun ein Arbeiter, ein Bourgeois oder ein Intellektueller, was auch die Freundschaften sein mögen, die Kameradschaften oder die Liebe, die ihn umgeben. Ganz allein, unwiderruflich, geht er, beladen mit seiner Vergangenheit, die nur ihm gehört, unveräußerlich, seinem Tod entgegen, dem er allein wird gegenübertreten müssen. Ich habe Leute an Krankheit oder an Alter sterben sehen, in der Mitte derer, die sie liebten und mit denen ihr Leben zu teilen sie geglaubt hatten, ich habe andere gesehen, ihren Todeskampf in den Straßengräben oder auf den Schlachtfeldern, wo sie stundenlang röchelten und niemand war bei ihnen. Ich habe begriffen, daß es in allen Fällen das gleiche war, und daß man, auf welche Art man auch stirbt oder lebt, allein ist. Es gibt nichts Trostloseres als mit anzusehen, wie die Personen, die du liebst, sich gleichgültig von dir lösen, dich fortstoßen und sich in sich selbst versenken in dem Augenblick, wo sie begriffen haben, daß die Stunde ihres Todes gekommen ist und daß alles, was sie bis dahin getan haben, um ihre Einsamkeit vor sich zu verbergen, nichts war als Trug und Lüge.

Claude Simon: Das Seil

Ein Ort der Begegnung?

Kahl und kühl - der Raum im Krematorium, in dem der Pfarrer gegebenenfalls vor der Verabschiedungsfeier das Gespräch mit den Angehörigen führt. Das kommt vor allem dann vor, wenn die Angehörigen nicht in Wien wohnen und erst zur Feier anreisen.