Welt am Sonntag: Ist es schon zu früh für eine Bilanz des von Benedikt ausgerufenen Priesterjahres? Ist die Rolle der Geistlichen gestärkt worden?
Meisner: Die Wichtigkeit des priesterlichen Dienstes ist für die Träger und für das Volk tiefer erkannt worden. Und eben auch: wie wichtig die Gabe des Zölibates ist. Denn darin liegt ja der Stachel für unsere Gesellschaft. Darum wundert es gar nicht, wie sehr sie dagegen anrennt. Bei einem Zölibatär muss man immer sagen: Entweder ist der verrückt, oder es gibt Gott. Eine andere Alternative gibt es nicht. Und wenn die Menschen feststellen, der ist nicht verrückt, dann muss es Gott geben. Überzeugend gelebt ist der Zölibat immer noch der schlagendste Gottesbeweis.
Welt am Sonntag: Braucht die katholische Kirche eine Reformation?
Meisner: Ja! Aber keine Revolution wie 1517. Doch eine Reformation, die braucht sie! Die Kirche versteht sich ja selbst als „ecclesia semper reformanda“, also als Kirche, die immer reformiert werden muss. Diese Umformung brauchen wir immer, als ständige Ausrichtung auf den Ursprung. Wenn Sie das Rheinwasser in Köln trinken, wird Ihnen schlecht. Sie müssen den Strom hinauf. An der Quelle, da schmeckt der Rhein. So auch bei der Kirche: zurück zur Quelle!
Aus einem Interview mit der Welt am Sonntag (veröffentlicht auf welt-online.de schon am 10. Juli 2010)
Um forsche Worte ist Kardinal Meisner nie verlegen. Das ur-evangelische Motto von der Kirche, die immer der Reformation bedarf, nimmt er kühn für die Kirche schlechthin, und das heißt in seiner Sicht doch wohl: für die römisch-katholische Kirche in Anspruch. Und das Problem der Tradition wird gar mit der Rheinverschmutzung (die ja vor allem auf Industrieabwässern beruht) verglichen. Um in diesem Bild zu bleiben: Am Rheinfall von Schaffhausen weiß man noch nichts vom Zölibat, den er unverfroren geradezu als den "schlagendsten Gottesbeweis" bezeichnet. Auch die Gottesbeweise sind ja bekanntlich eine Frucht der Tradition; die Bibel kennt und braucht keine Gottesbeweise.
Sonntag, 11. Juli 2010
Freitag, 9. Juli 2010
Das Verschwinden des Christentums
"Kommt man als Priester ins Klassenzimmer und sagt zu den siebenjährigen Kindern freundlich lächelnd 'Grüß Gott', kann man damit rechnen, daß – wie geschehen – der Gruß zurückkommt: 'Fick dich ins Knie, Du Arsch!'.
Die zur Rede gestellten Eltern verbünden sich dann mit der Klassenlehrerin, die den siebenjährigen Flegeln bescheinigt, die bravsten Kinder der Welt zu sein.
Der betreffende Bursche sei eben schon ein 'kleiner gestandener Mann'.
Folglich muß der Fehler bei Hochwürden liegen.
Dahinter steckt System – nämlich das seit 1968 einsetzende Großexperiment der Verdummung und Verrohung der Völker – nicht nur – des deutschen Sprachgebietes."
So beschreibt ein katholischer Religionslehrer seine Arbeit in Deutschland auf kreuz.net Weiterhin ist da zu lesen:
"Meine Aufgabe besteht darin, sogenannten Erstkommunion-Kindern, die sich im angeblichen Unterricht gegenseitig fast totschlagen und beschimpfen, 'Unterricht' zu erteilen, der nur zum allerkleinsten Teil Deckung durch praktizierende katholische Eltern erfährt.
Am Ende dieser Tragödie steht die sakramentale Zwangsbeglückung namens 'Erstkommunion'.
Manche der Achtjährigen weigern sich ausdrücklich, die Heilige Messe zu besuchen.
Fragt man sie, warum sie überhaupt die Erstkommunion wünschen, dann geht es ihnen um teure Rolex-Uhren (sic!) oder sonstige irdische Kostbarkeiten."
Schon vor zwanzig Jahren waren die Geschenke in meinen nordhessischen Gemeinden die wichtigste Motivation für die Konfirmation. Ich erinnere mich, wie mir ein Konfirmand vorrechnete, was er bei den zu erwartenden Geldgeschenken (er kalkulierte, wahrscheinlich ganz realistisch, mit einer vierstelligen Summe) für einen "Stundenlohn" pro Konfirmandenstunde habe.
"Wenn man aber nach der Heiligen Schrift oder nach einem Gebet- oder Gesangbuch fragt, bekommt man oftmals keine Antwort.
Solche Dinge besitzen in der Regel nicht einmal mehr die Eltern, die ihrerseits meist schon Opfer der liberalen antiautoritären Erziehung sind.
Die Kirche wird das in dieser Form nicht mehr lange praktizieren können."
Natürlich ein zugespitzter, drastischer Bericht, aber sehr ehrlich. Und es geht evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen in der Schule sowie Pfarrern und Pfarrerinnen im Konfirmandenunterricht kaum besser, in Deutschland wie in Österreich.
Die zur Rede gestellten Eltern verbünden sich dann mit der Klassenlehrerin, die den siebenjährigen Flegeln bescheinigt, die bravsten Kinder der Welt zu sein.
Der betreffende Bursche sei eben schon ein 'kleiner gestandener Mann'.
Folglich muß der Fehler bei Hochwürden liegen.
Dahinter steckt System – nämlich das seit 1968 einsetzende Großexperiment der Verdummung und Verrohung der Völker – nicht nur – des deutschen Sprachgebietes."
So beschreibt ein katholischer Religionslehrer seine Arbeit in Deutschland auf kreuz.net Weiterhin ist da zu lesen:
"Meine Aufgabe besteht darin, sogenannten Erstkommunion-Kindern, die sich im angeblichen Unterricht gegenseitig fast totschlagen und beschimpfen, 'Unterricht' zu erteilen, der nur zum allerkleinsten Teil Deckung durch praktizierende katholische Eltern erfährt.
Am Ende dieser Tragödie steht die sakramentale Zwangsbeglückung namens 'Erstkommunion'.
Manche der Achtjährigen weigern sich ausdrücklich, die Heilige Messe zu besuchen.
Fragt man sie, warum sie überhaupt die Erstkommunion wünschen, dann geht es ihnen um teure Rolex-Uhren (sic!) oder sonstige irdische Kostbarkeiten."
Schon vor zwanzig Jahren waren die Geschenke in meinen nordhessischen Gemeinden die wichtigste Motivation für die Konfirmation. Ich erinnere mich, wie mir ein Konfirmand vorrechnete, was er bei den zu erwartenden Geldgeschenken (er kalkulierte, wahrscheinlich ganz realistisch, mit einer vierstelligen Summe) für einen "Stundenlohn" pro Konfirmandenstunde habe.
"Wenn man aber nach der Heiligen Schrift oder nach einem Gebet- oder Gesangbuch fragt, bekommt man oftmals keine Antwort.
Solche Dinge besitzen in der Regel nicht einmal mehr die Eltern, die ihrerseits meist schon Opfer der liberalen antiautoritären Erziehung sind.
Die Kirche wird das in dieser Form nicht mehr lange praktizieren können."
Natürlich ein zugespitzter, drastischer Bericht, aber sehr ehrlich. Und es geht evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen in der Schule sowie Pfarrern und Pfarrerinnen im Konfirmandenunterricht kaum besser, in Deutschland wie in Österreich.
Beim Aufräumen wiedergefunden...
Diesen Prospekt finde ich jetzt wieder, als ich während meines Urlaubs das Arbeitszimmer in Ordnung bringe und viel räume (und wegwerfe). Das Motiv mit dem ostdeutschen Ampelmännchen ist einfach gut. Leider konnte ich nicht hinfahren. Ach ja: Österreich ist natürlich auch ein Missionsgebiet, vielleicht noch in viel höherem Maße als Deutschland ist dieses Land säkularisiert. Wenigstens in Wien kommt mir das so vor. In den Bundesländern spielt der traditionelle Katholizismus natürlich noch immer eine größere Rolle; in Wien aber ist Religion eine Privatangelegenheit, über die man am liebsten nicht spricht.
Urlaubsblässe
"Du schaust blass aus." - "Sicher, ich habe Urlaub."
Ferien daheim, da erwacht der Grottenolm in mir. Und draußen ist es eh viel zu heiß, wenigstens untertags.
Ferien daheim, da erwacht der Grottenolm in mir. Und draußen ist es eh viel zu heiß, wenigstens untertags.
So einfach, so kompliziert
"Lisa ist 15, lebt in Berlin, geht zur Schule und verbringt Zeit mit ihren Altersgenossen. Zum Geburtstag bekommt sie ein formschönes Apple Keyboard aus eloxiertem Aluminium von ihrem Elternteil, weil das ein echter Blickfang ist und kinderfreundlicher als Wohnaccessoires und Sexspielzeuge. 'Ich prophezeie. Ich spreche Kindermund, man merkt sich die Aussprüche, man wiederholt sie vor mir. Diese Aussprüche sind Gedichte, das Rezept ist einfach:
Man muss sich auf den Teufel verlassen, auf den Zufall, auf das Vakuum.' Kompromisslos durchläuft sie den komplizierten Weg des Erwachsenwerdens und der ersten Liebe. 'Ich bin Ariel, die kleine Meerjungfrau aus dem gleichnamigen Zeichentrickklassiker von Walt Disney und du bist irgendwie tot'."
Hörspielankündigung im phonostar-Newsletter ("Der komplizierte Weg des Erwachsenwerdens", Deutschlandradio Kultur 12.07.2010, 00.05 - 01.00 Uhr)
Man muss sich auf den Teufel verlassen, auf den Zufall, auf das Vakuum.' Kompromisslos durchläuft sie den komplizierten Weg des Erwachsenwerdens und der ersten Liebe. 'Ich bin Ariel, die kleine Meerjungfrau aus dem gleichnamigen Zeichentrickklassiker von Walt Disney und du bist irgendwie tot'."
Hörspielankündigung im phonostar-Newsletter ("Der komplizierte Weg des Erwachsenwerdens", Deutschlandradio Kultur 12.07.2010, 00.05 - 01.00 Uhr)
Talente
Ein Schülergottesdienst vor Schuljahrsende. Thema: Unsere Talente. Vorbereitete Schüleräußerungen zu der Frage: "Was kann ich besonders gut?" Zunächst Erwartbares: "Ich kann gut Fußball spielen." - Ich kann gut zuhören." Dann aber Überraschendes: "Ich kann ohne Ende essen." Und: "Ich kann immer und überall schlafen."



