Freitag, 15. August 2008

Islam und Humor

Von wegen Islam und Humor passen nicht zusammen. Der Zentralrat der Muslime hat Kabarettisten jetzt aufgefordert, Witze über den Islam zu machen. Der Grund für die Empfindlichkeit mancher Muslime sei einfach fehlendes Wissen. Als Beweis startet der Zentralrat ein eigenes Comedy-Portal.

Kabarettisten sollen nach Ansicht des Zentralrates der Muslime in Deutschland sehr wohl Witze über den Islam machen. „Es geht darum, dass man den anderen auf negative, vielleicht auch lächerliche Umstände aufmerksam macht, die er tagtäglich lebt, ohne ihn dabei zu verletzen“, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek der „Leipziger Volkszeitung“.

Der Kabarettist Bruno Jonas hatte vor kurzem erklärt, dass er nach den Konflikten um die dänischen Mohammed-Karikaturen Witze über den Islam meide. Mazyek sagte dazu: „Der Witz besteht doch darin, eine kritikwürdige Thematik offenzulegen.“

Er wolle nicht bestreiten, dass es unter Muslimen zu viel Empfindlichkeit und zu wenig Selbstironie gebe, sagte Mazyek weiter. Der Grund hierfür sei fehlendes Wissen über die eigene Humortradition. Deshalb habe der Zentralrat auf seinem Jugendportal „Waymo“ einen „Muslim Comedy Contest“ gestartet.

Gefunden in der WELT

Waymo versteht sich als die deutsch-islamische Alternative zu Youtube und MySpace.

Selbst ist der Mensch - Spiritueller Baukasten

Der Soziologe Ulrich Beck hält einen wachsenden Einfluss von Religion in der Gesellschaft für denkbar. Unter dem Eindruck von Verunsicherung könne Religiosität eine «Weltmachtposition» einnehmen, sagte der Sozialwissenschaftler der «Frankfurter Rundschau» (Freitagsausgabe). «Sie kann Milliarden Menschen bewegen.» Im Verlag der Weltreligionen ist von Beck kürzlich der Band «Der eigene Gott - Von der Friedensfähigkeit und dem Gewaltpotential der Religionen» erschienen.

Widerlegt sind nach Darstellung des Wissenschaftlers Annahmen über die fortschreitende Entchristlichung der Bevölkerung, wie sie lange von Gesellschaftswissenschaftlern vertreten wurden: «Sie gingen davon aus, dass sich das Problem Religion von selbst erledigt.» Als Ergebnis der Individualisierung würden Weltreligionen zu einem spirituellen Baukasten, äußerte Beck als Erwartung und fügte hinzu: «Individuen basteln ihr eigenes Religionsverständnis und ihren eigenen Gott zusammen.» Diese subjektive Religiosität stehe auch im Gegensatz zu der Abgrenzung, auf die Religionsgemeinschaften wie Kirchen bedacht seien.

Gefunden auf jesus.de

Montag, 11. August 2008

... in ein anderes Blau


Gedicht

Zerstörte Landschaft mit
Konservendosen, die Hauseingänge
leer, was ist darin? Hier kam ich

mit dem Zug nachmittags an,
zwei Töpfe an der Reisetasche
festgebunden, Jetzt bin ich aus

den Träumen raus, die über eine
Kreuzung wehn. Und Staub,
zerstückelte Pavane, aus totem

Neon, Zeitungen und Schienen
dieser Tag, was krieg ich jetzt,
einen Tag älter, tiefer und tot?

Wer hat gesagt, daß sowas Leben
ist? Ich gehe in ein
anderes Blau.

Rolf Dieter Brinkmann (Westwärts 1&2. Gedichte, rowohlt, 1975)


Auch in Deutschland: Preissteigerungen

"Die Preise im Großhandel sind im Juli so stark gestiegen wie seit knapp 27 Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, lagen sie um 9,9 Prozent über den Werten des Vorjahresmonats. Es handelt sich dabei um die höchste Teuerungsrate seit November 1981. Preistreiber waren demnach vor allem feste Brennstoffe und Mineralöl-Erzeugnisse, die sich binnen Jahresfrist um fast 31 Prozent verteuerten. Für Getreide, Saaten und Futtermittel stiegen die Preise um 18 Prozent."

DLF-Nachrichten 11.08.2008, 10 Uhr

Freie Phantasie


Glück und Zeitvertreib

… als eine Reihe von guten Tagen

Wir wollen uns wieder mal zanken,
Auf etwas hacken wie Raben,
Daß unsre zufriednen Gedanken
Eine Ablenkung haben.

Wir wollen irgendein harmloses Wort
Entstellen,
Dann uns verleumden und zum Tort
Etwas tun; das schlägt dann Wellen.

Wir wollen dritte aufzuhetzen
Versuchen,
Dann unsere Freundschaft verfluchen,
Einmal sogar ein Messer wetzen,
Dann aber uns – in Blickweite –
Auseinander zusammensetzen,
Um superior jedem weiteren Streite
Auszuweichen;
Mit dem Schwur beiseite:
Uns nimmermehr zu vergleichen.

Dann wollen wir, jeder mit Ungeduld,
Ein paar Nächte schlecht träumen,
Dann heimlich eine gewisse Schuld
Dem anderen einräumen,
Dann lächeln, dann seufzen, dann stöhnen,
Dann plötzlich uns gründlich bezechen,
Dann von dem vergänglichen, wunderschönen
Leben sprechen.

Und dann uns wieder einmal versöhnen.

Joachim Ringelnatz

There are human beings

Sonntag, 10. August 2008

Glaube und Fitness

Fitnessstudios sind sicher eine prima Sache. Aber es erfordert eine ganze Menge Selbstdisziplin, mehrmals in der Woche den inneren Schweinehund zu überwinden - mehr als viele Menschen aufbringen können. Die Amerikaner haben jetzt ein Mittel gegen diese Trägheit gefunden - allerdings braucht es dafür ein gerüttelt Maß an Glauben.

Von Carsten Schmiester, ARD-Hörfunkstudio Washington

Fitness (Archivbild) (Foto: dpa) Beine nach links, Beine nach rechts, Oberschenkel anziehen - und immer wieder die Arme hoch, Richtung Himmel. Ein gutes Dutzend überwiegend weiblicher und nicht wirklich schlanker Fitnessjünger hat sich im Gemeinschaftsraum einer Kirche in der Nähe von Washington zum Gebet getroffen. Zum bewegten Gebet.

Hier wie in hunderten Kirchen überall in den USA huldigen übergewichtige Amerikaner dem neuesten Trend: "Gospel Fitness" ist das Zauberwort. Zu rhythmischer religiöser Musik und zwischendurch vom Trainer oder der Trainerin immer wieder zur Huldigung des Herren aufgefordert, werden hier Glaube und Gewebe gleichzeitig gefestigt.

Beckenschwung trifft Bibelstunde

Beckenschwung und Bibelstunde, hier gehe beides zusammen, erklärt Donna Richardson-Joyner, die von ihren Anhängern als Gospel-Fitness-Guru geradezu verehrt wird: "Wir müssen auf unseren Körper ebenso wie auf unseren Geist hören und beiden Gutes tun. Das hier ist wie eine Party mit einem ganz bestimmten Zweck: Körperliche Fitness und Glaubensstärke."

Genau das macht immer mehr Menschen in den USA so richtig an. Vor allem Damen, die alle möglichen Hungerkuren hinter sich und in normalen Fitnesszentren einfach nicht genug Spaß haben. "Gospel Fitness ist anders", schwärmt eine Frau: "Ohne Gott würde ich das hier nicht durchhalten. Ich glaube wirklich, dass mein Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist. Wenn ich mich nicht um ihn kümmere, dann diene ich Gott nicht so, wie ich es sollte!", ist sie überzeugt.

Auch einer der wenigen Männer im Kurs ist begeistert: "Körper und Geist sind uns von Gott geschenkt", sagt er. "Es liegt in unserer Verantwortung, beide gut zu behandeln. Das gilt für mich ganz besonders." Der rundliche Herr fängt gerade erst an mit "Gospel Fitness", er hat noch viele bewegte Gebete vor sich.

"Christyoga" - dem Himmel so nah

Ganz im Gegensatz zu denen, die dank dieser Glaubens-Gymnastik auch körperlich wieder in gute Form gekommen sind. Sie gehen dann den nächsten ruhigeren Schritt und halten ihre Form mit dem allerletzten Schrei in der Glaube-Dich-Fit-Szene: Mit einer Art "Jesus-Yoga", vorgeführt von Ex-Dallas-Schauspielerin Janine Turner.

Die verbiegt sich in diesem Übungsfilm, Internet-Bestellpreis 19,95 Dollar, anmutig - und wann immer sie genug Luft hat, haucht sie hingebungsvoll Bibelzitate: "Hi, ich bin Janine Turner. Willkommen zu "Christoga", Yoga für Christen. Was für eine tolle Sache, eine halbe oder eine ganze Stunde lang den Körper zu dehnen und dabei mit Jesus zu beten..."

"Schlusslicht" der ARD-Tagesschau vom 9.8.2008

Dass der Glaube den ganzen Menschen meint, wussten wir doch immer schon. Insofern ist das sehr konsequent...

Im morgendlichen Gegenlicht

Samstag, 9. August 2008

Lyrik im Watt

„Heut bin ich über Rungholt gefahren/ die Stadt ging unter vor 600 Jahren. Noch schlagen die Wellen da wild und empört/ wie damals, als sie die Marschen zerstört.“

Wolfgang Gedat deklamiert auswendig Detlev von Liliencrons vielzeiliges Gedicht. Den Anfang des nächsten Verses sucht sein Blick am weiten Horizont in den dunklen Wolken über dem Westturm von Wangerooge oder der Silhouette von Schillig.

Die Unwetterwarnung durchs Radio bestätigt den schriftlichen Wetterbericht am Kassenhäuschen von Schillig-Strand: Regenwahrscheinlichkeit 90 Prozent. Bleigraue und gelbe Wolkenbänder hängen am Westhimmel. Letzte Badegäste betrachten neugierig sechs junge Frauen, die sich gerade zum Strand aufmachen. Warme Windjacken gegen beginnende Abendfrische oben herum – darunter hochgekrempelte Hosenbeine über nackten Beinen. Sonnenbrandrot bei einer Blondine, bei den anderen blass bis knackigbraun, je nach Dauer ihrer Ferien.

Wolfgang Gedats Beine stimmen mit seinem wettergegerbten Gesicht überein. Der Biologielehrer im Ruhestand ist Wattführer. Doch gilt seine täglich sechs Stunden, 14 Minuten dauernde Leidenschaft für Muscheln, Wattwürmer, Krebse und Queller auch dem Atmosphärischen dieser trocken gefallenen friesischen Landschaft. Und wenn sich Wolken und Himmel in winzigen Wasserlachen zwischen Sandwellen, in Tümpeln und Prielen widerspiegeln, drängen sich ihm Theodor Storms Zeilen ein: „Noch einmal schauert leise und schweiget dann der Wind.“

Aus der Wilhelmshavener Zeitung von diesem Wochenende