Freitag, 29. August 2008
Wirklichkeit
The question of boundaries, of possible shifts or displacements along them, and the question of what is being bounded (or unbounded) are preeminent ones. If we are indeed in a liminal period, then the border is not out there somewhere at the edge of the frame but rather it is here, at zero degree, where the x and y coordinates meet. It is a site of encounter, a point of transition. The marginal is all around.
Lyn Hejinian, The Language of Inquiry
Donnerstag, 28. August 2008
Mittwoch, 27. August 2008
Ein Jahr
Irdische Gerechtigkeit
brauchen
nehmen denen
die nichts
mehr haben
jede chance
etwas haben
zu können
Helmut Seethaler
© Helmut Seethaler Wasnergasse 43/8 A-1200 Wien
Dienstag, 26. August 2008
Wahlkampf turbulent
Repertoire der Unterhaltung
Explodierende Autos, brennende Menschen: das gehört zum Repertoire.
Nein, das ist keine Kolumne gegen Gewalt im Film. Gewalt im Film finde ich eh in Ordnung, das heißt: nicht in Ordnung, aber ich habe mich damit abgefunden. Explodierende Autos, brennende Menschen, in Todesangst kreischende Frauen – all das gehört offenbar einfach zum Repertoire gepflegter Unterhaltung.
Ich muss zugeben, ich war nicht immer so abgeklärt. Nicht vor jenem Abend in der WG meines damaligen Freundes, als im Fernsehen ein Horror-Schocker mit massig Blut und jeder Menge Mordwerkzeug lief. Und was sah ich? Während ich auf dem Sofa herumwepste und hektisch an meinen Haaren kaute, tauchte auf den Gesichtern der WG-Bewohner ein entspanntes Lächeln auf. Entspannt! Lächeln! Ich ging aufs Klo und dachte mir: Das werden doch nicht alles Psychopathen sein?
Nachdem ich am nächsten Morgen lebendig erwachte, habe ich mich beruhigt und mittlerweile erkläre ich mir das so: Gewalt im Film scheint auf manche Leute eine ähnliche Wirkung zu haben wie auf mich möglichst komplikationsreiche Operationen in einschlägigen Fernsehserien. Das finden viele auch abstoßend.
Neulich bin ich ins Kino gegangen, um „The Dark Knight“ anzuschauen, dabei leider dem skeptischen „Presse“-Kritiker weniger Glauben schenkend als jenem Pariser Filmprofessor, der für „Die Zeit“ eine Hymne verfasst hatte: Von vergrübeltem Pessimismus war die Rede, von mephistophelischer Faszination, von der Welt nach dem 11. September und darüber, dass der Film die Frage nach der „Natur der Gewalt an sich“ aufwirft.
Tatsache ist: Es wird eine Menge geprügelt und in die Luft gejagt, da explodiert ein Handy im Bauch eines Häftlings, einem Staatsanwalt wird die Hälfte seines Gesichts verkohlt, und am Ende kommt auch noch ein kleiner Bub (fast) ums Leben: Immer, wenn es besonders grausam sein soll, muss ein Kind dran glauben. Das ist Film-Gesetz.
Wie gesagt: Ich finde Gewalt im Film eh in Ordnung. Aber tut doch nicht so, als gäbe es dahinter eine Botschaft. Als könnte uns das Ausdenken und Bebildern möglichst raffinierter Gemeinheiten etwas über die Abgründe der menschlichen Natur verraten.
Denn das ist Heuchelei.



