Freitag, 21. November 2008

Arg zerfetzt...




















... sind die Schutznetze am Turmgerüst der Lutherkirche. Nach dem Sturm mit 100 km/h Windgeschwindigkeit muss man schon froh sein, dass das Gerüst sebst standhält. 
Die Bauarbeiten ruhen nun wegen der gesunkenen Temperaturen. Das ist schade. Wir hatten gehofft, bis Weihnachten wenigstens einen Teil des Turms abrüsten zu können. So wird es darüber wohl doch Frühjahr werden.

Wiener Konzertpublikum

Die Wiener Symphoniker unter Eliahu Inbal im großen Saal des Konzerthauses: Das Wiener Publikum ist wesentlich disziplinierter als das deutsche. Gehustet und geschneuzt wird tatsächlich nur zwischen des einzelnen Sätzen. Aber vielleicht ist es im tiefen Winter doch anders, ich weiß es nicht.

Mittwoch, 19. November 2008

Herbst in Grinzing





Passend zur Jahreszeit

Merkzettel

Die schönen Frauen
die ich nicht beschlief.

Das Vaterland
das ich nicht rief

Die Traumgedichte
die ich mir nicht schrieb.

Sankt Brandans Insel
die mir übrigblieb.

Die Druckerei
die mich nicht druckt.

Der feige Tag
da ich nicht aufgemuckt.

Das schöne Leben
das ich nicht geführt.

Das ganze Elend
das mich nicht gerührt.


Peter Maiwald

Montag, 17. November 2008

Alkohol

Am späteren Freitagabend in der U-Bahn habe ich das Gefühl: 80 bis 90 Prozent der Fahrgäste sind mehr oder weniger betrunken. Ein Gang durch die Innere Stadt bestärkt mich in dem Eindruck. Vor allem Jugendliche sind unterwegs, die meisten sind alkoholisiert, viele haben ihre Bierdosen in der Hand. 
Was wäre dieses Land, was wäre Mitteluropa oder die westliche Welt überhaupt ohne Alkohol?
Unter den Weltreligionen nehmen Judentum und Christentum als einzige dem Alkohol gegenüber eine wohlwollende Position ein. Im Christentum steht der Wein sogar im Zentrum des heiligsten Ritus (Eucharistie / Abendmahl). Das Trinken gehört zu unserer westlichen Kultur. Durch Jahrtausende war Europa dank christlicher Ethik insgesamt trotzdem ein erfolgreicher Kontinent. Aber seit die Werte des Maßhaltens, des Fleißes usw. einer Kultur der sofortigen Bedürfnisbefriedigung Platz gemacht haben, sieht die Sache anders aus. Wie viel an Wirtschaftskraft geht uns durch den Alkoholkonsum und seine Folgen verloren, wie viele Krankheiten, wie viele Frühpensionierungen wären vermeidbar? Wie viele Ehen und Familie zerbrechen am Alkoholmissbrauch, wie viele Unfälle sind der Trunkenheit zuzuschreiben?
Die östliche Hemisphäre wird den Westen wirtschaftlich überrunden, die Kulturen der Mäßigung tragen den Sieg davon über Europa und Nordamerika, die versoffene erste Welt.

Lutherkirche: Variation


So viel Gewalt denn doch nicht...

Nach einer umstrittenen Premiere ist am Freitagabend an der Leipziger Oper die überarbeitete Inszenierung des "Fliegenden Holländers" ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen.

Bei der Premiere vor rund fünf Wochen hatte ein in die Aufführung eingebundenes Gewalt-Video für Tumulte gesorgt. Zuschauer quittierten damals die gezeigten Szenen mit Pfiffen und Buh-Rufen und verließen bereits nach kurzer Zeit die Oper. Der Leipziger Wagner-Verband forderte wiederholt die Absetzung des Stücks. Für die Neuinszenierung hatte die Oper das Video entschärft und auf einzelne Szenen verzichtet.

Auf Unmut war bei der Premiere unter anderem die Darstellung einer tödlichen Kampfhund-Attacke gestoßen. Szenen aus einem Schlachthaus waren am Freitag aber weiterhin zu sehen. Dennoch feierte das Publikum nach der rund zweieinhalbstündigen Aufführung das neu besetzte Ensemble. (...)

Berliner Morgenpost (Onlineausgabe), 16.11.2008

Sonntag, 16. November 2008

U6 Gumpendorfer Straße


Neuerdings vielfältig: Der Umgang mit dem Tod

Der Abschied, er dauerte drei Tage, so lange eben wie der Verstorbene in seinem Haus aufgebahrt wurde. Im offenen Sarg. Und wenn der Tote hinausgetragen wurde, zur Beerdigung, dann geschah das mit den Füßen zuerst. Denn wäre sein Gesicht dem Haus zugewandt gewesen, hätte er womöglich dorthin zurückkehren wollen und keine Ruhe im Grab finden können.

„Die Rituale, die früher gepflegt wurden, gaben den Menschen Halt. Heute ist der Tod sehr schnell geworden, aus dem Leben ausgegliedert”, sagt die Münsteraner Volkskundlerin Christiane Cantauw. Die 44-Jährige hat sich intensiv mit dem Tod und dem Umgang mit ihm befasst und stellt fest, dass die Menschen heute mehr denn je auf der Suche sind nach Formen des Abschiedes. Von der klassischen christlichen Bestattung über die Dixieland-Band am Grab bis hin zur Beisetzung der Urne in einem Friedwald. Aber gleichzeitig sei der Tod so weit weg wie nie. „Wer hat heute schon noch einen Toten gesehen!”, sagt Cantauw.

Auf dem Land wurden diese Rituale noch lange gepflegt, länger eben als in den großen Städten, in denen es bereits im 19. Jahrhundert erste Leichenhallen gab. Nachbarn waren es, sogenannte Notnachbarn, die bei wichtigen Familienereignissen Aufgaben übernahmen. Den Haushalt, das Versorgen der Kinder, wenn die Nachbarin nach einer Geburt im Wochenbett lag. Aber sie waren auch die Helfer in der Not, wenn es einen Toten zu betrauern gab. Fütterten das Vieh, brachten den Trauernden Essen, wuschen und kleideten den Toten ein. Noch am selben Tag nämlich kam der Zimmermann ins Haus, nahm Maß und fertigte aus zu diesem Zweck in der Scheune oder auf dem Dachboden gelagerten Brettern den Sarg.

Der Umgang mit dem Tod ist so vielfältig wie nie zuvor

„Tatsächlich lagen zumindest für jeden Erwachsenen die Bretter parat, die einmal für das Begräbnis benötigt wurden. Auch das Leinen für das Totenhemd gehörte zur Aussteuer einer Braut”, erklärt Christiane Cantauw. War der Tod im Haus, hielt man die Uhren an, verdeckte die Spiegel und öffnete die Fenster, damit die Seele des Verstorbenen so schnell wie möglich das Sterbezimmer verlassen konnte. In den drei Tagen nach dem Tod versammelten sich Angehörige und Nachbarn rund um den Aufgebahrten zum Beten.

Aber auch das Begräbnis selbst verlief nach genau festgelegten Bräuchen. War der Weg zum Friedhof nahe, so wurde der Sarg von den Notnachbarn dort hingetragen, war er weiter, folgten die Trauernden einem Wagen über festgelegte Wege. „Liekweg”, Leichenwege, nannte man sie im Niederdeutschen. Die Handschuhe der Sargträger wurden dabei nur dieses eine Mal benutzt, ebenso wie die Nadel, mit der das Totenhemd genäht worden war. Cantauw: „Sie wurden mitbegraben.” Eins blieb, bis heute: der Streuselkuchen zum Beerdigungskaffee.

Heute, in Zeiten, in denen immer mehr Menschen nicht mehr konfessionell gebunden sind, ist der Umgang so vielfältig wie nie zuvor. Alles, fast alles zumindest, ist möglich. Eigentlich auch die Aufbahrung eines Verstorbenen zu Hause. „Aber versuchen sie dafür einmal ein Beerdigungs-Institut zu finden! Das ist sehr schwer”, sagt Christiane Cantauw und erzählt von weitläufig Bekannten, die ihr bei der Geburt gestorbenes Baby aus dem Krankenhaus tatsächlich nach Hause nahmen. „Sie wollten Abschied nehmen und ihrem älteren Kind auch diese Möglichkeit geben”, erklärt die Volkskundlerin.

Die Normalität sei heute jedoch der Tod im Krankenhaus. Sofort setze, so Cantauw, eine ganze Maschinerie ein. Auch wenn ein Mensch zu Hause sterbe, wenn der Notarzt gerufen werde, dauere es doch höchstens eine halbe Stunde bis der Verstorbene ins Leichenhaus abtransportiert werde. Dem Angehörigen, der noch ganz unter Schock steht, müsse dies alles wie ein böser Traum vorkommen.

Dabei übernehmen heute Beerdigungsinstitute längst nicht nur das Nötige, sie verstehen sich mehr und mehr als Trauerbegleiter. Begleiter für eine kurze Zeit. Denn wer trägt heute noch ein Jahr lang Schwarz? Was früher auch ein Zeichen für andere war, Rücksicht zu nehmen, ist längst als Äußerlichkeit abgestreift worden. Vielleicht nimmt man ein, zwei Wochen Urlaub. Aber dann wird wieder gearbeitet, wieder funktioniert.

Gefunden auf derwesten.de