Der Hl. Joseph hat nun einmal nicht den ersten Beichtstuhl gezimmert. Es gab viele Jahrhunderte ohne Andachtsbeichte. Ein Augustinus hat nie gebeichtet. Es gab Jahrhunderte, wo die Bischöfe Galliens predigten, Busse zu tun, aber erst auf dem Sterbebett zu beichten. Es gab Konzilien, die davor warnten, einem jungen Mann in Todesgefahr das Sakrament zu spenden, weil er wieder gesund werden könnte, und ihm dann die lebenslangen Bussverpflichtungen viel zu schwer werden könnten... Während man in der Väterzeit nur einmal im ganzen Leben, und da nur im Notfall das Sakrament empfangen konnte, gab es in der Karolingerzeit Partikularsynoden, die jeden zur dreimaligen Beichte im Jahr verpflichteten... Bis ins hohe Mittelalter herrscht die Ansicht, dass man im Notfall auch vor dem Laien beichten müsse (noch Ignatius von Loyola (+ 1556) hat sich daran gehalten...
Karl Rahner (1904-1984) in seinen "Schriften zur Theologie III" unter der Überschrift "Beichtprobleme".
Mittwoch, 14. Januar 2009
Die Bahn und der Winter
Lügen die Pressesprecher der Deutschen Bahn? Oder warum sonst hört man von Verlautbarungsseite nur, dass die Bahn in der derzeitigen Kältewelle die Dinge voll im Griff habe und alles prima laufe? Die forsche Behauptung, die Fahrpläne entsprächen der Wirklichkeit, erschien zahllosen Bahnbenutzern in der vergangenen Woche als unternehmensgroßsprecherische Dreistigkeit, nachdem sie etwa 50 Minuten auf einen Zug gewartet hatten, der dann aus Versehen auf einem anderen Gleis einfuhr und dort noch ein halbe Stunde auf Anschlussreisende wartete. Unterwegs, in den bequemen, angenehm temperierten und so gut wie nie überfüllten Zügen, hatten sie dann wieder etwas, um sich aufzuregen:Lügen, Lügen, nichts als Lügen! So dass das Image der Bahn während dieser Kälteperiode wieder etwas schlechter geworden ist.
Musste das sein? Keineswegs. Alles, was nötig wäre, um diesen chronischen PR-Missstand zu vermeiden, wäre eine brauchbare Theorie der winterlichen Verspätung. Hier ist sie.
Einstein wies nach, dass Zeit geschwindigkeitsabhängig vergeht, was für Bahnreisende, die weitgehend unbeweglich am Bahnsteig warten, evident ist. Was sie nicht wissen, während sie auf die Gleise starren, die sich weit da draußen im Unendlichen treffen: Das Vergehen der Zeit ist auch temperaturabhängig. Weil sich bekanntlich bei Kälte alles zusammenzieht, vergeht die Zeit, je kälter es ist, umso schneller. Drinnen aber, im etwas wärmeren Bahnhof, erscheinen dem unbeweglich Wartenden die doppelt unterschiedlichen Vergehensweisen der Zeit als Zugverspätung.
Die Bahn sieht das anders, weshalb ihre Repräsentanten aus Sicht des Reisenden, dem niemand die Sache erklären kann, lügen. In seinem Zorn braut er sich eine wilde Erklärungs-Mischung aus betriebswirtschaftlichen, physikalischen und psychologischen Versatzstücken zusammen. Und kaum ist er damit fertig, schon kommt die Bahn pünktlich, tagelang nun schon. Verspätungstheorien geraten in Erklärungsnot, weil sie die Nicht-Verspätung nicht erklären können. Dabei ist es ganz einfach: Die Lokführer fahren etwas schneller, um die Komprimierung der Zeit in der Kälte auszugleichen. Ein erhöhtes Risiko, aber meistens geht es gut.
Hans-Jürgen Linke: Über Kälte, Frankfurter Rundschau
Es gab einmal eine Zeit, da warb die Deutsche Bundesbahn (so hieß sie damals noch) mit einem Zug in verschneiter Landschaft und dem Satz: "Alle sprechen vom Wetter, wir nicht." Aber das ist Jahrzehnte her.
Musste das sein? Keineswegs. Alles, was nötig wäre, um diesen chronischen PR-Missstand zu vermeiden, wäre eine brauchbare Theorie der winterlichen Verspätung. Hier ist sie.
Einstein wies nach, dass Zeit geschwindigkeitsabhängig vergeht, was für Bahnreisende, die weitgehend unbeweglich am Bahnsteig warten, evident ist. Was sie nicht wissen, während sie auf die Gleise starren, die sich weit da draußen im Unendlichen treffen: Das Vergehen der Zeit ist auch temperaturabhängig. Weil sich bekanntlich bei Kälte alles zusammenzieht, vergeht die Zeit, je kälter es ist, umso schneller. Drinnen aber, im etwas wärmeren Bahnhof, erscheinen dem unbeweglich Wartenden die doppelt unterschiedlichen Vergehensweisen der Zeit als Zugverspätung.
Die Bahn sieht das anders, weshalb ihre Repräsentanten aus Sicht des Reisenden, dem niemand die Sache erklären kann, lügen. In seinem Zorn braut er sich eine wilde Erklärungs-Mischung aus betriebswirtschaftlichen, physikalischen und psychologischen Versatzstücken zusammen. Und kaum ist er damit fertig, schon kommt die Bahn pünktlich, tagelang nun schon. Verspätungstheorien geraten in Erklärungsnot, weil sie die Nicht-Verspätung nicht erklären können. Dabei ist es ganz einfach: Die Lokführer fahren etwas schneller, um die Komprimierung der Zeit in der Kälte auszugleichen. Ein erhöhtes Risiko, aber meistens geht es gut.
Hans-Jürgen Linke: Über Kälte, Frankfurter Rundschau
Es gab einmal eine Zeit, da warb die Deutsche Bundesbahn (so hieß sie damals noch) mit einem Zug in verschneiter Landschaft und dem Satz: "Alle sprechen vom Wetter, wir nicht." Aber das ist Jahrzehnte her.
Montag, 12. Januar 2009
Ein sehr spezielles Völkchen
Nachtsheim: Wir Hessen haben so eine leicht depressive, fatalistische Grundhaltung. Wir dürfen nicht vergessen: Hessen ist das einzige Bundesland ohne Zugang zum Meer, wie unser leider verstorbener Kollege Matthias Beltz mal so treffend festgestellt hat. Daher kommt das.
SPIEGEL ONLINE: Deshalb wählen die Hessen Roland Koch?
Nachtsheim: Nicht alle Roland-Koch-Wähler sind depressiv. Der hat ja auch sein Stammklientel, da werden schon welche zuversichtlich sagen: Das kann ja doch noch was werden. Aber vor allem verdankt er seinen absehbaren Sieg doch den vier Hanseln in der SPD, die da mit ihrem Nein Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin verhindert haben. Das ist typisch. Der Hesse neigt zum Brudermord.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht auch zur Selbstzerfleischung? Nehmen Sie die Linke, die jetzt so viele enttäuschte SPD-Wähler gewinnen könnte. Aber statt Wahlkampf veranstalten die Genossen interne Grabenkämpfe.
Nachtsheim: Wir sind eben sehr speziell. Hessen ist ja auch das einzige Bundesland, das unter Artikel 21, Absatz 2 noch die Todesstrafe erwähnt. Wir dürfen das zwar nicht mehr ausüben, das steht dann ein paar Artikel weiter drunter. Aber im Grunde bedauert das der Hesse zutiefst.
Der Comedian Hendrik Nachtsheim ("Badesalz") im Spiegel-Interview
SPIEGEL ONLINE: Deshalb wählen die Hessen Roland Koch?
Nachtsheim: Nicht alle Roland-Koch-Wähler sind depressiv. Der hat ja auch sein Stammklientel, da werden schon welche zuversichtlich sagen: Das kann ja doch noch was werden. Aber vor allem verdankt er seinen absehbaren Sieg doch den vier Hanseln in der SPD, die da mit ihrem Nein Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin verhindert haben. Das ist typisch. Der Hesse neigt zum Brudermord.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht auch zur Selbstzerfleischung? Nehmen Sie die Linke, die jetzt so viele enttäuschte SPD-Wähler gewinnen könnte. Aber statt Wahlkampf veranstalten die Genossen interne Grabenkämpfe.
Nachtsheim: Wir sind eben sehr speziell. Hessen ist ja auch das einzige Bundesland, das unter Artikel 21, Absatz 2 noch die Todesstrafe erwähnt. Wir dürfen das zwar nicht mehr ausüben, das steht dann ein paar Artikel weiter drunter. Aber im Grunde bedauert das der Hesse zutiefst.
Der Comedian Hendrik Nachtsheim ("Badesalz") im Spiegel-Interview
Sonntag, 11. Januar 2009
Buchstabensymbolik der islamischen Gebetshaltung
Bei Führungen durch die Berliner Sehitlik-Moschee erklärt Ender Cetin, ein in Deutschland aufgewachsener Türke, die verschiedenen Stationen des muslimischen Ritualgebets:
"Die beugende Haltung symbolisiert Dankbarkeit, dass der Mensch auch seinen Stolz brechen soll, und eben bescheiden sein soll (...), sich bewusst machen soll, dass die Dinge Gnadengaben des Schöpfers sind. Man sagt auch, die beugende Haltung ist ein Symbol, dass man auch im Namen der gesamten Tierwelt, die ja meistens Vierbeiner sind, betet. (...) Und die niederwerfende Haltung, heißt es, ist die absolute Begeisterung und auch die Demut und die absolute Hingabe, wo ich auch eben als Mensch spüren soll, ich bin schwach, ich kann selber nichts erschaffen, das Vertrauen liegt bei Gott (…), und wenn man die (...) Haltungen als Zeichen mit einem Stift auf ein Blatt zeichnen würde, dann sehen die ähnlich aus wie die Buchstaben von A, D und M im Arabischen, (...) das bedeutet Adam, Adam ist der erste Prophet, und der erste Mensch (...), das heißt, der Mensch ist in der Lage, sich zu beugen und zu bücken und demütig auch durch die Welt zu gehen, nicht wie ein A ein Aleph sage ich mal, im Arabischen, sehr (...) hochnäsig oder hochmütig."
Aus einer Sendung des Deutschlandradios zum Thema Gebet in den großen Religionen ("Die Hände zum Himmel") am 3. Jänner 2009, 16.05 Uhr
"Die beugende Haltung symbolisiert Dankbarkeit, dass der Mensch auch seinen Stolz brechen soll, und eben bescheiden sein soll (...), sich bewusst machen soll, dass die Dinge Gnadengaben des Schöpfers sind. Man sagt auch, die beugende Haltung ist ein Symbol, dass man auch im Namen der gesamten Tierwelt, die ja meistens Vierbeiner sind, betet. (...) Und die niederwerfende Haltung, heißt es, ist die absolute Begeisterung und auch die Demut und die absolute Hingabe, wo ich auch eben als Mensch spüren soll, ich bin schwach, ich kann selber nichts erschaffen, das Vertrauen liegt bei Gott (…), und wenn man die (...) Haltungen als Zeichen mit einem Stift auf ein Blatt zeichnen würde, dann sehen die ähnlich aus wie die Buchstaben von A, D und M im Arabischen, (...) das bedeutet Adam, Adam ist der erste Prophet, und der erste Mensch (...), das heißt, der Mensch ist in der Lage, sich zu beugen und zu bücken und demütig auch durch die Welt zu gehen, nicht wie ein A ein Aleph sage ich mal, im Arabischen, sehr (...) hochnäsig oder hochmütig."
Aus einer Sendung des Deutschlandradios zum Thema Gebet in den großen Religionen ("Die Hände zum Himmel") am 3. Jänner 2009, 16.05 Uhr
Parteilich für das Kulturgut Friedhof, ausgerichtet auf das gute Leben
Mit dem Film „Harold and Maude“ hat es nichts zu tun, wenn viele Menschen heute die sehr spezielle Atmosphäre von Friedhöfen wahrnehmen und davon fasziniert sind. Der Friedhof verdient es, wahrgenommen zu werden und dazu will die neue Internetseite www.friedhof-ansichten.de motivieren. Friedhöfe sind in jeder Kultur Begräbnisstätten. Sie sind aber auch historisch interessant, haben eine für jede Stadt große kulturelle Bedeutung, sind ökologisch wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und meist ruhige Orte, fern von Lärm und Hektik des Alltags. Der Besuch eines Friedhofs kann ein inspirierender Ausstieg aus dem geschäftigen Alltag sein. Darüber hinaus ist es ein Spaziergang in die Botanik, in die Kunst, in die Geschichte oder auch zu sich selbst.
Mitmachen erwünscht
Die Seite www.friedhof-ansichten.de ist abhängig von privatem Engagement, frei von geschäftlichem Interesse, parteilich für das Kulturgut Friedhof, ausgerichtet auf das gute Leben und wächst durch das Mitmachen vieler. Ziel ist es, so viele Friedhof-Ansichten wie möglich zu zeigen, deutsche und internationale, aus der Heimatgemeinde oder aus dem Urlaub, aus aller Welt. Mehr über die Idee und auch Details darüber, wie das „Mitmachen“ geht, stehen auf www.friedhof-ansichten.de.
Mitmachen erwünscht
Die Seite www.friedhof-ansichten.de ist abhängig von privatem Engagement, frei von geschäftlichem Interesse, parteilich für das Kulturgut Friedhof, ausgerichtet auf das gute Leben und wächst durch das Mitmachen vieler. Ziel ist es, so viele Friedhof-Ansichten wie möglich zu zeigen, deutsche und internationale, aus der Heimatgemeinde oder aus dem Urlaub, aus aller Welt. Mehr über die Idee und auch Details darüber, wie das „Mitmachen“ geht, stehen auf www.friedhof-ansichten.de.
Ja, es gibt noch mehr Menschen von meiner Art. Wie schön! Als ich noch im Internet auf der Suche nach einer Frau war, löste die Erwähung meiner besonderen Vorliebe (Friedhöfe, Kinderbücher, Industriearchitektur...) aber doch meist Befremden aus.
Irdisches Paradies
"Kunst am Bau" an einer Hauswand in Schwechat. Auch in Wien schmücken die Gemeindebauten aus den 50er und 60er Jahren nicht selten solche optimistischen Darstellungen aus dem Geist des sozialistischem Realismus.
