Donnerstag, 21. Mai 2009
Der Turm der Lutherkirche
Protestantischer Rhabarberkuchen
Engel, Hemden, Tod und Abwasch
(...) "Tod und Erotik treffen sich im Schwinden der Sinne", erläutert Flörke, der seine Dissertation über den "Tod der Romantik" geschrieben hat. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof, 1877 eröffnet, hat Flörke in der Grabkunst viele Beispiele romantischen Denkens entdeckt. "Im 19. Jahrhundert hat man den Tod überhöht und als größtmögliche Schönheit dargestellt, und das war in der patriarchalischen Welt eine Frau." Und da natürlich keine faltige Alte. Auf den Friedhof gelangten die spärlich bekleideten Schönen, um den Verstorbenen ein Symbol des Lebens zur Seite zu stellen. "Liebe über den Tod hinaus, Erotik in der Paarung mit dem Tod - das ist eine Tradition, die seit der Antike besteht und in der Romantik ihren Höhepunkt findet."In der Weltliteratur sterben wie Romeo und Julia die Liebenden immer dann, wenn es am schönsten ist. Tragisches Ableben statt ewig der Streit um den Abwasch: Wo Dichter der unsterblichen Liebe mit Worten ein Denkmal setzen, tun die Grabmäler es in Bronze, Marmor und Stein. "Der Ohlsdorfer Friedhof weist eine Fülle von Beispielen für das romantische Todesbild auf", weiß Flörke. Da lockt der Hüftschwung einer Männerphantasie in Marmor, der der Träger des Kleides langsam von der Schulter gleitet. "Auch wenn das Gesicht traditionelle Trauer zeigt, ab dem Ellbogen wird es erotisch." Wenn der Tod als gieriger Alter nach der Hand der Schönen fasst, Rosen im Schoß vom Verlust der Unschuld künden oder aber Mohn als Inbegriff von Rausch und Tod erscheint - unter der Führung des Literaturwissenschaftlers erschließen sich auch jene Motive, die nicht so eindeutig sind wie transparente Hemden. (...)
Aus: Bettina Albrod, Der Tod trifft die Erotik. Der Literaturwissenschaftler Lutz Flörke bietet eine sehr ungewöhnliche Führung auf dem Friedhof Ohlsdorf an, welt.de
Sonntag, 10. Mai 2009
Kinder?
Kinder absorbieren unser Leben, sie nehmen es auseinander. Kinder bewirken nichts als Katastrophen, das ist ein Naturgesetz. Wenn du Paare siehst, die lachend zum Traualtar schreiten, denkst du, die haben keine Ahnung, die Ärmsten haben keine Ahnung, sie sind glücklich. Vorher verrät einem ja keiner was. Ein Armeefreund von mir, der kriegt jetzt ein Kind mit einer neuen Frau. Ich hab zu ihm gesagt, ein Kind in unserem Alter, das ist doch Irrsinn! Die zehn, fünfzehn guten Jahre, die uns bis zum Krebs oder zum Schlaganfall noch bleiben, die willst du dir mit einem Gör versauen?
Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels
Samstag, 9. Mai 2009
Topografisches
"Einen Tag nach seinem Besuch in Ägypten wird der US-Präsident in Dresden erwartet, wo er die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besichtigen will."
DLF-Nachrichten, 9. Mai 2009, 12 Uhr
So richtig sicher mit der Geografie ist man sich auch in den Nachrichtenredaktionen nicht mehr. Oder ist es die amerikanische Perspektive? Über den Ozean geschaut, mag Weimar ja wie ein Vorort von Dresden erscheinen...