Donnerstag, 7. August 2008

Aus der Schnellbahn

Ein Schwein wie du und ich - aber was für ein Niveau!

Ulrich Weinzierl greift die angeblichen Enthüllungen des britischen Autors James Hawes über Kafkas Pornos auf und kommentiert zunächst einmal nicht ohne Sarkasmus: "Wo Hawes recht hat, hat er recht. Wir sind erschüttert und empört. Doch zugleich froh: Endlich ist der literarische Säulenheilige vom Sockel gestürzt. Franz Kafka heißt die Sexual-Kanaille, wir dürfen ihn als unseresgleichen begrüßen - ein Schwein wie du und ich. Nun zeigt sich gottlob alles - sein Leben und Sterben und sein Schaffen - in neuem, sehr verdächtigem Licht." Um dann zu präzisieren, dass es sich bei den angeblichen Pornos um hochkulturelle Ware handelt: Die Texte stammen von Casanova und Rimbaud, die Illustrationen von Beardsley oder Rops. "Im Sinne viktorianischer Moral plädieren wir dafür, auch ihnen allesamt den postumen Prozess zu machen."

perlentaucher.de über einen Artikel in der WELT.

Hochkulturelle Ware - na, das ist natürlich etwas anderes. Färbige Hochglanzpornos gab es damals ja auch nicht.

Besonders feinsinnige Interpreten haben es auch schon früher geahnt:

"Eine besondere Trouvaille präsentiert Tina-Karen Pusse in ihrer luziden Analyse von Kafkas Rezeption pornographischer Literatur (sadomasochistischer Ausrichtung), die zeigt, dass diese Referenz weniger über sadomasochistische Sexual- als über sadomasochistische Lektürepraktiken verrät. Kafkas Texten werden als "Meta-Pornos" gelesen: "Sie funktionieren gegenläufig zur Pornographie und legen dadurch ihre Funktionsweise offen. Nicht die 'Geschichte' ist der Vorwand, sondern umgekehrt: die Kopulation bringt notwendig die Geschichten hervor". Vor allem im "Proceß" und in der "Strafkolonie" werden Lesen und Schreiben als sadomasochistische Akte präsentiert, indem beide Texte dieses Phänomen in einer Weise inszenieren und re-inszenieren, dass die Lesenden zu Komplizen dieses Schriftspiels werden."

(Aus einer Rezension des Sammelbandes Textverkehr. Kafka und die Tradition, hg. von Claudia Liebrand und Franziska Schößler, Würzburg 2004 [Axel Schmitt: Literarische und außerliterarische Negotiationen. Ein Sammelband widmet sich Kafkas "Textverkehr"])

Mittwoch, 6. August 2008

Auch das noch...

Auch Geistesgrößen sind den fleischlichen Genüssen mitunter nicht abgeneigt. Diese Erkenntnis scheint dem renommierten britischen Kafka-Forscher James Hawes den Schock seines Lebens bereitet zu haben. "Es ist ziemlich unschön", zitiert die britische "Times" den Buchautor. "Unschön" findet er eine Reihe pornografischer Zeitschriften, die Franz Kafka im Haus seiner Eltern versteckt haben soll. "Das sind keine neckischen Postkarten vom Strand. Das ist richtiger Porno, ganz einfach", sagte Hawes. "Einiges davon ist recht finster, mit Fellatio durch Tiere und lesbischen Szenen."Hawes stieß nach eigener Aussage zufällig in Bibliotheken in London und Oxford auf die Zeitschriften mit dem Titel "Der Amethyst". Deren Herausgeber war Franz Blei, der im Jahr 1908 erstmals Werke von Kafka veröffentlichte.

Nach der anfänglichen moralischen Empörung scheint nun bei Hawes ein dringendes Mitteilungsbedürfnis der Öffentlichkeit gegenüber gesiegt zu haben, und so wird er laut "Times" als erster Forscher in seinem Buch "Excavating Kafka" Beispielmotive aus diesen Zeitschriften zeigen. Für ihn geschieht das mit der löblichen Absicht, die Kafka-Forschung aus ihrer selbstverschuldeten Verlogenheit zu führen.

"Forscher haben so getan, als würde dies nicht existieren. Die ganze Kafka-Industrie will solche Dinge über ihr Idol nicht wissen", sagte Hawes. Der in Prag geborene Schriftsteller habe bislang das Image eines "Heiligen". "Alles was Kafka geschrieben hat, jede Postkarte, die er verschickt hat, jede Seite seines Tagebuchs wird als potentieller Fund der Bundeslade angesehen - doch niemand hat jemals den Lesern Kafkas Pornos gezeigt."

Wie gut, dass endlich jemand diese Zivilcourage aufbringt, werden nun manche denken und mit roten Ohren zum Buchladen eilen. Kritischere Köpfe dagegen könnten fragen, ob des Literaten Interesse an Pornografie irgendwelche neuen Erkenntnisse über Leben und Werk zulässt. Über Kafka, zu dessen Hauptwerken "Die Verwandlung" und "Der Prozess" zählen, wurden bereits Hunderttausende Seiten an Forschungsarbeiten geschrieben. Doch Hawes will in seinem Buch mit zahlreichen Mythen aufräumen: etwa dass Kafka ein verschrobener Einzelgänger gewesen sein soll, dass er unter seinen extrem dominanten, verständnislosen Vater gelitten habe, und dass sein Genie vor seinem Tod im Jahr 1924 unentdeckt geblieben sei.

Hawes unterrichtet kreatives Schreiben an der Universität Oxford. Schon in seinem Buch "Why you should read Kafka before you waste your life" versuchte er, die menschlichen Seiten des Literaten zu beleuchten. "Excavating Kafka" erscheint am morgigen Donnerstag bei Quercus Publishing in England.

spiegel.de

Ach, es gibt doch keine reinen Männerseelen, nicht einmal bei den ganz Großen des Geistes. Wir sind allzumal Sünder, das wussten schon andere...

Manchmal...
























Manchmal können Kinder eine Last sein...

Ein wenig viel verlangt...
























Stuttgarter Zeitung, Samstag, 26. Juli 2008, S. 5

Das ist ja schließlich auch alles so lange her. Wer mal ein paar Stunden mit Jugendlichen verbracht hat, versteht, wie sehr sie in der Gegenwart leben. Zukunft ist für sie in aller Regel eine ungewisse Chimäre - und Geschichte ungefähr so abstrakt wie höhere Mathematik.

Abends in der Tram


Putzfrau - oder selber machen?

Sich eine Putzfrau "halten"?

Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Putzen zu vergeuden - Oder: Die eigene Bequemlichkeit darf keine Ausrede für Ausbeutung sein

Pro+++

Das Leben ist kurz. Viel zu kurz, um all das unterzubringen, was Vergnügen bereitet. Freuden, Befriedigung, Glück halt. Das sollte ja kein Luxus sein, so ein Glück. Sondern täglich stattfinden. Aber rein mathematisch, bietet so ein Tag ja nur begrenzte Möglichkeiten. Alleine der nötige Schlaf raubt rund sieben wertvolle Stunden, die Fulltime-Hacke verschlingt an die neun, bleiben zwar noch acht, aber.

Jetzt kommen erst die anderen Basics: den Körper hegen, pflegen, bewegen. Dazu gehört auch Essen. Und das wiederum bedingt - erfolgt es nicht immer in Lokalen - einen langen Schwanz an aufwändigen Tätigkeiten wie einkaufen, kochen, abwaschen. Der Geschirrspüler räumt sich ja genauso wenig von selbst ein und aus wie die Waschmaschine. Ganz zu schweigen von all den anderen tausend kleinen Handgriffen, die in Summe enorm viel Zeit fressen.

Und da ich nur phasenweise autistisch lebe, stehen FreundInnen, Familie, Haustiere und diverse Veranstaltungen auf dem Plan. Zeitnot also, in höchster Form! Da soll ich auch noch selbst putzen? Na, sicher net! (dabu)

---Contra

Erstaunlich, wie das Putzfrau-Phänomen in fast alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen ist. Wer 30 Euro auf der hohen Kante hat, leistet sich inzwischen eine Reinigungskraft "fürs Grobe" - staubsaugen, Boden wischen, Fenster putzen.

Der Luxus ist verlockend, vertretbar ist er trotzdem nicht. Zum einen, weil die Arbeitsbedingungen von Hausangestellten schlichtweg ungerecht sind: Sie arbeiten meist auf Stundenbasis und illegal, d.h. aus ihrer Arbeit entsteht kaum der Anspruch auf soziale Absicherung. Der von Arbeitsminister Bartenstein eingeführte "Dienstleistungsscheck" war die falsche Antwort auf das Problem, das zeigen die Anmeldezahlen für diese "flexicurity"-Maßnahme.

Zweitens: Ihren "weiblichen Touch" wird die anstrengende und nervenaufreibende Tätigkeit der Hausarbeit durch das Auslagern auf prekarisierte Arbeitskräfte auch nicht los. Stattdessen erhält sie noch zusätzlich den ethnischen Stempel aufgedrückt - feministische Ökonominnen stellen sich die Zukunft der Hausarbeit anders vor!

Die eigene Bequemlichkeit darf keine Ausrede für das Teilnehmen an struktureller Ausbeutung sein. Nichts führt daran vorbei, dass Männer ihre Begabungen zur Hausarbeit endlich freilegen - mit allen Konsequenzen für altmodische Männliche-Ernährer-Modelle, auf denen unser Sozialsystem aufbaut. "Ich räume meinen Dreck selber weg" lautet die - eigentlich selbstverständliche - Devise. (freu)

Gefunden auf standard.at

Sorgen haben die Leute, könnte man sagen. Aber es ist schon wahr, dass das Phänome "Putzfrau" da in Wien auch im Privatbereich erstaunlich verbreitet ist. Politisch korrekt ist das sicher nicht...

Im Sechser

Bettler

Auch das ist Wien: Bettler - nicht nur auf der Mariahilfer Straße, sondern auch an vielen U-Bahn-Stationen. Das Betteln mit Kindern ist seit Juni untersagt, zu einem generellen Bettelverbot hat sich die Stadt Wien bislang nicht durchringen können. Früher oder später wird es wohl kommen.

Für alle Lesenslagen

Die Leselotte ist eine Lesehilfe für alle, die es beim Lesen gerne bequem haben, egal ob im Bett, auf dem Sofa, am Tisch oder im Sessel. Die Leselotte ist eine Erfindung zweier Schwestern, die sich schon immer darüber geärgert haben, dass beim Lesen im Bett die Arme einschlafen, die Finger kalt werden oder beim Frühstück die Milchtüte umfällt, weil man ein Buch dagegen lehnt. Die Leselotte besteht aus zwei mit Klettband verbundenen Teilen. Dieser Umschlag mit den Maßen 21 x 15 cm ist für alle gängigen Buchgrößen geeignet. Das dazu gehörige, mit Polystyrol gefüllte Kissen hat einen Durchmesser von ca. 20 cm und passt sich allen Lesenslagen an. Der Bezug ist aus 100% Baumwolle. Nach Entnahme der Kartoneinlage kann die Leselotte mit der Hand gewaschen werden. Das Buch wird mit den Buchdeckeln in den Stoffumschlag unter die Gummibänder geschoben und kann dann nicht mehr verrutschen. Mit dem Klettband wird der Umschlag an das Kissen geheftet. Man kann ihn aber auch separat als Schutzumschlag benutzen. Jetzt bleibt das Buch in der gewünschten Position liegen. Nur die Seiten müssen mit einer Hand niedergehalten werden. Die Leselotte ist ein sympathisches Geschenk. Es gibt sie in rot und schwarz.

Gefunden im Online-Shop der ZEIT