Samstag, 29. August 2009
Kindliches Nachdenken über Gott
Von Schwester Matthaia Osswald (*1961), die ursprünglich evangelisch war, dann katholisch wurde und schließlich zum Ziel ihres religiösen Suchens als griechisch-orthodoxe Nonne fand.
Quelle: orthodoxi-pisti.blogspot.com
Freitag, 28. August 2009
Eine Pionierin - und was für ein kuscheliges Neuwort!

Denise Simmons, die erste offen lesbische afro-amerikanische Bürgermeisterin der USA, wird heiraten: Wie sie in einer Presseaussendung verlautbarte, wird die Bürgermeisterin von Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts am 30. August 2009 um 14.00 Ortszeit ihre langjährige Partnerin Mattie B. Hayes heiraten - und das kirchlich.
Die Trauung wird in der St. Bartholomew's Episcopal Church stattfinden und von Reverend Irene Monroe durchgeführt werden. Die junge Theologin engagiert sich bereits seit Jahren für lesbischwule Themen innerhalb und außerhalb der Kirche.
Was für ein schönes, neues Wort: "lesbischwul" - das klingt doch viel besser als "lesbisch-schwul", "lesbisch und schwul" oder gar "homosexuell".
"Die erste offen lesbische afro-amerikanische Bürgermeisterin der USA" - so viel Neues auf einmal. Und nun heiratet sie auch noch kirchlich. Enkel wird sie ja wohl nicht haben, sonst würden die von ihrer Oma erzählen können, dass sie eine wirkliche Pionierin war.
Donnerstag, 27. August 2009
Schubs auf der Insel
Der Architekt Pierre Müller, 44, und die Sekretärin Anita Leuenberger, 31, haben im August geheiratet. Fehlerfrei sind beide nicht. Eine Erkenntnis, die Verbindlichkeit schuf.
Von Franziska K. Müller
«Ich traue mich, dich zu heiraten»: Ehepaar Leuenberger und Müller. Bild: Sally Montana
Pierre: Die Liebe ist kein unordentliches Gefühl, sondern eher das Gegenteil: Sie bringt Ruhe ins Leben, Harmonie im besten Fall und Geborgenheit. In einem ersten Schritt muss man das Glück allerdings erkennen. Es nützt nichts, wenn man unrealistischen Vorstellungen nachhängt und immer meint, etwas noch Besseres finden zu können. So bleibt man allein, wie so viele aus meiner Generation: die Prinzen und Prinzessinnen auf den Erbsen.
Anita: Wir hatten beide eine Enttäuschung hinter uns. Von meiner letzten Beziehung musste ich mich richtiggehend erholen. Danach wusste ich, dass ich einen spontanen Mann brauche, der mich nicht einengt und nicht meckert, wenn ich ins Fitnessstudio will oder etwas mit meinen Freundinnen unternehmen möchte. Pierre gefiel mir sofort extrem gut. Er sieht toll aus und hat von Anfang an auf eine coole Art akzeptiert, dass ich etwas Zeit brauche. Die Wochen nach der ersten Nacht waren wunderschön: Wir wussten beide, es könnte etwas Ernsthaftes werden, und trotzdem war der Ausgang der Geschichte noch offen, abenteuerlich und frei.
Pierre: Wir sind unternehmungslustige Bewegungsmenschen. Politisch sind wir nicht, auch keine Weltverbesserer, aber wir teilen ähnliche Werte: Respekt, Treue, Solidarität. In diesem Sinn ist die Heirat für mich ein Commitment, das dem anderen vermittelt: Ich traue mich, dich zu heiraten, weil ich an unsere Liebe glaube. Mehr noch: Ich übernehme Verantwortung. Natürlich ist das manchmal sehr schwierig und auch nicht immer machbar: Aus meiner ersten Ehe stammt mein 18-jähriger Sohn. So jung Vater zu werden, war eine grosse Herausforderung: Man muss auf vieles verzichten. Das merkt man erst im Nachhinein.
Anita: Mit jedem Eheversprechen ist ein winziges Risiko verbunden. Man muss sich einen Schubs geben, sonst wird es nie etwas.
Pierre: Natürlich könnte man auch friedlich und zufrieden im Konkubinat leben. Es gibt heute keine gesellschaftlichen Restriktionen mehr, wenn man ledig bleibt oder geschieden ist. Die Frauen sind wirtschaftlich unabhängig, Männer können kochen und haushalten. Hinkt das Herz befreiten Zuständen hinterher, oder rennt die moderne Gesellschaft den Herzen davon? Wie auch immer: Wir beschlossen, unsere Beziehung zu offizialisieren.
Anita: Wir wählten die Insel Ufenau als Trauungsort. Dort kann man natürlich nicht in Stöckelschuhen und im Sissikleid rumlaufen. Also zog ich das weisse Kleid nur bei der standesamtlichen Trauung an. Zur eigentlichen Hochzeitsfeier mussten die Gäste in historischen römischen Gewändern erscheinen. Ich trug eine weisse Toga mit angenähtem Schleier und eine Hochsteckfrisur, Pierre eine Ritterrüstung im Stil derjenigen von Julius Cäsar. Eine freie Theologin führte durch die Hochzeitszeremonie. Sie ist eine Naturfreundin wie wir und brachte allerlei Sachen mit, die symbolischen Gehalt hatten und uns mit der Insel und dem Tag verbinden sollten: selbstgepflückte Wildbeeren, einen rundgeschliffenen Stein und einen Felsbrocken aus grobem gespaltenem Granit, matte und glänzende Muscheln. Pierres Nichte hatte die Aufgabe, den ganzen Tag Dinge zusammenzutragen, die in eine Schale gelegt wurden: Vogelfedern, Blätter, Blumen. Dort drin lagen schlussendlich unsere Ringe. Das Eheversprechen schrieben wir auf lose Baumrinden und vergruben diese anschliessend im Boden. In wenigen Jahren werden sie von der Natur absorbiert sein.
Pierre: Um Mitternacht – als das Fest auf dem Höhepunkt war – erklärten wir den Abend für beendet. Eine Schifffahrt unter dem Sternenhimmel beschloss den wunderschönen Tag für die Gäste. Und wir verbrachten die Hochzeitsnacht frisch und munter – nicht wie viele Frischverheiratete, die todmüde in die Federn sinken.
Na denn, Prost, Herr Reformator!
Vorgeschmack
Mittwoch, 26. August 2009
Ehre - namus
Was ist Ehre?
Die türkische Ehre, auf die sich ein Mörder beruft, hat nichts mit der deutschen Ehre zu tun, die einem zuteil wird, wenn man das Bundesverdienstkreuz erhält, hohen Besuch empfängt oder ein Versprechen gibt. Das leicht altertümlich klingende deutsche Wort drückt ein besonders positives, vornehmes, erhebendes Gefühl aus. In der Regel wird die Ehre verdient: Man ehrt einen Wissenschaftler für seine Forschung oder eine Politikerin für ihre Bemühungen um den Frieden.
In der türkisch-islamischen Kultur dagegen wird die namus nicht verdient, sondern verteidigt. Auch Seyran Ateş, eine der profiliertesten deutschen Frauenrechtlerinnen aus der Türkei, weist in ihrem Buch Der Multikulti-Irrtum auf die völlig unterschiedliche Bedeutung hin: „Wer in einem türkischen Zusammenhang namus hört, assoziiert damit zum überwiegenden Teil nicht etwas Positives, sondern eine Last, etwas, was es zu behüten gilt und wofür man bereit ist, sein Leben zu geben, etwas, was man ganz schnell verlieren kann und damit dann auch seine Existenzberechtigung.“ Denn wer seine Ehre nicht verteidigt, wird zum namussuz adam, zum ehrlosen Mann. Das ist „das Schlimmste“, was einem Türken passieren kann.
Die türkische Frau dagegen wird – vor allem, wenn sie jung ist – nicht als eigenständiges Wesen gesehen. Ihre Funktion ist, die Ehre der gesamten Familie zu tragen, inklusive Tanten und Onkel. Daher haben sämtliche Clan-Angehörigen das Recht (und die Pflicht), sich im Namen der Ehrverteidigung konstant in das Leben der Frau einzumischen. So wird die Ehre zu einem Instrument der totalen Kontrolle. Sie fördert Überwachung und Denunziation.
Denn die Ehre des Clans, die die Frau trägt, besteht aus ihrer sexuellen Enthaltsamkeit. Sie muss vor der Ehe Jungfrau sein und nach der Hochzeit treu. Das hört sich zunächst einmal lediglich konservativ an. Doch ein einziges Wort, ein einziger Blick kann die Ehre beschmutzen. Das bedeutet: Ein Vater kann seine Tochter einsperren, weil sie ihr Haare offen trägt oder sich nicht an die allgemeinen Regeln der Familie hält. Ein Ehemann kann seine Frau verprügeln, wenn sie ihm Widerworte gibt oder weil sie den Kassierer im Supermarkt seiner Meinung nach zu lange angeschaut hat. Ein Bruder kann seine Schwester erschießen, weil er glaubt, dass sie zu westlich lebt oder schlicht, weil sie kein Kopftuch tragen will.
Das Bundeskriminalamt bewertet Ehre als Motiv für Gewaltverbrechen so: »Der Fokus der Diskussion über die Motive und kulturellen Hintergründe richtete sich teilweise sehr vordergründig auf den Islam und die Türkei als Herkunftsland der Täter (und Opfer). Bei genauerer Analyse der gesicherten polizeilichen Daten ist allerdings erkennbar, dass wohl eher die auch nach der Migration andauernde starre Verwurzelung in vormodernen agrarischen Wirtschafts- und Sozialstrukturen und damit verbunden ein extrem patriarchalisches Familienverständnis die durchgängige Ursache für das Phänomen der sog. Ehrenmorde darstellen. - Das Verständnis von der Rolle der Frau ist in patriarchalischen Familienstrukturen teilweise mit Unterdrückung und extremer Reglementierung verbunden, wobei das männliche Familienoberhaupt und die männlichen Familienangehörigen sich in der Rolle der Garanten der Familienehre sehen.« Einfach ausgedrückt: Ehre ist nicht Teil der Religion, sondern ein Machtinstrument des Mannes gegen die Frau.
Ein solcher Ehrbegriff, der in früheren abendländischen Zeiten Männer zum Duell antreten ließ, wenn die Ehre der Frau oder der eigene gute Ruf beschädigt wurde, ist heute bei uns nur noch eine historische Erinnerung. Die Reste der Ehre (Ruf, Leumund) werden heute unter Mitteleuropäern ggfs. vor Gericht verteidigt, aber ohne Blutvergießen.
