Sonntag, 22. Februar 2009

Heute nur noch ein Symptom

Pseudologie (v. griech.ψεῦδος pseudos „falsch“; λόγος logos „Rede“) ist das krankhafte Verlangen eines Menschen, zu lügen. Motivation ist meist Geltungssucht oder Hysterie.

Pseudologia phantastica bezeichnet in der Psychiatrie seit Anton Delbrück (1891) den Drang zum krankhaften Lügen und Übertreiben. Häufiger wird heute der Begriff „pathologisches Lügen“ verwendet. Eine besondere Form der Pseudologia phantastica stellt das Münchhausen-Syndrom dar, bei dem der Patient körperliche Beschwerden erfindet und durch Lügen untermauert, um Aufmerksamkeit in Krankenhäusern zu bekommen. In der modernen psychiatrischen Klassifikation ist die alte Bezeichnung als Symptom in der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) aufgegangen.

Ais Wikipedia

So ändern sich die Zeiten: Was früher einmal ein eigenständiges Krankheitsbild war, ist heute nur noch ein Symptom.   

Winterbaum

Wie küsst man richtig in Belgien?

Ich küsse gern. Und in Belgien gibt es auch reichlich Gelegenheit dazu. Zur Begrüßung: Küsschen. Zum Abschied: Küsschen. Männer küssen Frauen. Frauen küssen Frauen. Männer küssen auch Männer. Wange an Wange, Bartstoppel an Bartstoppel. Eigentlich also ein reges Betätigungsfeld für mich.

Nur: Wen wann, wie oft - das ist und bleibt rätselhaft. Kein Witz: Für Frankreich gibt es eine Internet-Seite, die Hilfestellung leistet. Da lerne ich, dass in manchen Regionen Frankreichs bis zu fünf Mal geküsst wird.

In Belgien hätte man diesen Wegweiser auch dringend nötig. Denn oft sieht man, dass flächendeckend, aber nur "einmal" geküsst wird. Also mache ich es nach. Und erlebe doch so oft, wie mir dann doch noch die zweite Wange erwartungsvoll hingehalten wird.

Wer zu spät kommt, küsst ins Leere

Also beim nächsten Mal zweimal. Aber gerade will ich zum zweiten Busserl ansetzen, hat sich mein Gegenüber bereits abgewendet. Ich lande mit meinen geschürzten Lippen nicht auf dem Zielobjekt Wange, sondern irgendwo gegenüber zwischen Ohrläppchen und Halsansatz.

"Einmal" geht eben einfach schneller

Ich habe meine belgischen Freunde angerufen oder ihnen eine Mail geschickt: Wie macht Ihr’s? Und siehe da, es gibt Regeln. Aber jeder hat seine eigenen. Mein Freund Pierre, ein Meister des knappen, aber klaren Wortes, sagt: Auf alle Fälle nur "une bise" - also einmal. Alles andere sei Quatsch, den die Franzosen eingeführt hätten. Einmal, beschwören auch Benedicte und Xavier. Und eine andere Bekannte bestätigt das: Weil die belgischen Familien so groß seien, gehe "einmal" eben schneller.

Paquita aus Lüttich aber gibt zu bedenken: "Dreimal" sei dann angesagt, wenn man einen lieben Menschen ewig lange nicht gesehen habe. Wobei: Die Holländer - und davon gibt’s hier auch viele - greifen zupackend und grundsätzlich zu "dreimal". Oft mit buchstäblich ohrenbetäubender Wirkung.

Unter Männern nie mehr als einen!

Zweimal gehe auch, meint Karin aus Brüssel, nämlich dann, wenn man jemanden höflich, aber nicht zu freundschaftlich begrüßen wolle. Paquita aus Lüttich schreibt dagegen: Alles, bloß nicht zwei! Tomas aus Leuven meint, dreimal sei möglich, aber unter Männern bitte nie mehr als einen. Und in Flandern sowieso nicht. (...)

Christopher Plass, hr-Korrespondent in Brüssel, auf tagesschau.de

Belgien ist ein Land voller Wunder. Lebte ich nicht mittlerweile in Österreich, wollte ich gerne in Belgien leben, dem Land meiner Jugendträume, der Heimat von Pieter Breughel und Felix Timmermans.

Das Türmchen...

... auf dem Lutherhof

Lüge und Wahrheit

Die Lüge ist ein sehr trauriger Ersatz für die Wahrheit, aber sie ist der einzige, den man bis heute entdeckt hat.

Elbert Hubbard

Samstag, 21. Februar 2009

Winterruhe

Wider den Sargzwang: Eine Guerillageschichte

Franz R. war sein Leben lang Kapitän des Containerschiffs Augusta. Der Rhein war sein Zuhause. Als echte Wasserratte war es für ihn unvorstellbar, irgendwann an Land begraben zu werden. Franz R. verfügte in seinem Testament: “Übergebt meine Asche Vater Rhein“. Auch über die Trauerfeier hatte sich der Kapitän der Augusta Gedanken gemacht, ihm schwebte eine Abschiedszeremonie vor, die etwas mit seinem Leben und der Art wie er es geführt hatte, zutun haben sollte: „....weiße Nelken im Fahrwasser, ein letzter Gruß aus dem Signalhorn, eine schlichte Ansprache des Pfarrers.....“

Als Franz R. starb, hätte seine Familie ihm seinen letzten Willen gerne erfüllt. Seine Witwe beauftragte einen Bestatter die Trauerfeier im Sinne des Testaments auszurichten. Der Beerdigungsunternehmer wurde bleich und schüttelte entsetzt den Kopf: „Das geht nicht! Der Mann muss in einem ordentlichen Sarg oder zumindest in einer Urne beigesetzt werden“, stammelte B., „und Asche verstreuen geht auch nicht, das ist ein glatter Verstoß gegen alle Regeln unserer Bestattungskultur“.

Dieses Jahr werden in Deutschland voraussichtlich rund 900.000 Menschen sterben. Sicher haben einige von ihnen ganz ähnliche Wünsche für ihre Trauerfeier. Und ganz sicher wird für deren Angehörige der Weg zur ewigen Ruhe ihrer Lieben genauso steinig wie für die Hinterbliebenen von Franz R., denn sie werden über Vorschriften und Dogmen stolpern, die dem letzten Willen im Wege stehen: In Deutschland herrscht Sargzwang! „Und das ist auch gut so“, sagen die Bestatter und schauen griesgrämig drein, denn es weht ein laues Lüftchen der Veränderung durch das Bestattungswesen und wirbelt erstaunlich viel Staub auf.

Dem Landtag von NRW liegt ein Entwurf für ein neues Bestattungsgesetz zur Beratung vor. Dieser Entwurf beinhaltet keinen Sargzwang mehr. Das neue Gesetz würde den Behörden zudem erlauben, eine Genehmigung für das Verstreuen von Asche innerhalb und außerhalb des Friedhofs zu erteilen. Sollte aus dem Entwurf tatsächlich ein Gesetz werden, wird sich einiges ändern. Vor allem werden dann ein paar Särge weniger verkauft. Dagegen laufen einige Bestatter Sturm. Sie rufen dazu auf: „Überzeugen Sie Ihren Landtagsabgeordneten vom Sargzwang. (...)“

Das heißt im Klartext: Überzeugen Sie Ihren Landtagsabgeordneten, Hinterbliebene zum Kauf eines Sarges zu zwingen!

Die Vertreter des Bestattungsgewerbes mahnen, die Würde der Toten zu wahren und ihnen Wertschätzung auszudrücken. Doch wer wertschätzt eigentlich die Hinterbliebenen, die den Wunsch haben, den letzten Willen ihrer Toten zu erfüllen. Den Trauernden wird mit dem Sargzwang vor allem ein Zahlzwang auferlegt. Das Ende des Sargzwangs bedeutet ja kein Sargverbot. Menschen, die sich eine andere Bestattungsweise wünschen, sollten die Möglichkeit zu einer Entscheidung haben, die sich nach ihren Bedürfnissen und Vorstellungen richtet und nicht nach denen der Bestatter und Politiker.

Das Land Nordrhein-Westfahlen geht in eine gute Richtung.

Die Achtung des letzten Willens ihres Mannes war für die Witwe von Franz R. übrigens wichtiger als die Beachtung eines reformbedürftigen Gesetzes. Seine Asche wurde in aller Stille von Bord der Augusta in den Rhein gestreut.


Und es hat doch einen Sinn gehabt...

Warum gehen Menschen ins Konzert? Unter anderem um sich staunend, wenigstens für zwei Stunden, zu vergewissern, dass es sich doch gelohnt hat, dass unsere Vorfahren ihre Höhlen verließen.

Die anderen können es auch


Nach Wochen der Empörung über die Katholische Kirche wegen des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson empört sich nun die katholische Kirche - über Jesus-Witze im israelischen Fernsehen.

Die Bischofskonferenz in Israel verurteilte am Freitag die "widerlichen Angriffe auf Jesus Christus und die Jungfrau Maria", die der Sender Kanal 10 Anfang der Woche in einer Comedy-Sendung ausgestrahlt hatte.

Der Humorist Jair Schlein hatte in seiner Nachtsendung am Dienstag mit Bezug auf Bischof Williamson gesagt: "Wenn die den Holocaust leugnen, dann verleugnen wir eben das Christentum."

In kurzen Video-Sequenzen wurde dann unter anderem ausgeführt, dass Jesus im Alter von 40 Jahren an Übergewicht gestorben sei. Auch die Jungfrau Maria wurde aus Sicht der Kirche geschmäht: In Schleins Quatsch-Clip hieß es, Jesu Mutter sei im Alter von 15 Jahren von einem Klassenkamerad geschwängert worden.

Lutherhof