Montag, 30. März 2009

Sich selbst nicht vergeben können

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde!

Psalm 51, 3f.

Nicht wenige Menschen glauben, dass Gott ihnen ihre Sünde vergeben hat, aber sie können sich selbst nicht vergeben. So wollen sie päpstlicher als der Papst oder göttlicher als Gott sein. Ein schweres Problem in der Seelsorge, mit dem ich immer wieder zu tun habe.

Sonntag, 29. März 2009

Die Kaaba der Kunstreligion

Wie ein Meteorit, eingeschlagen aus fremden Welten: Das Museum der Sammlung Ludwig im Wiener Museumsquartier.

Traut sich noch jemand vom Bösen zu sprechen?

Wer sich fragte, ob in dem Amoklauf von Winnenden auch Grundsätzlicheres zum Vorschein gekommen sein könnte als eine laxe Handhabung der Waffengesetze oder eine Überforderung des Täters durch seine Eltern – etwa das, was Theologen das Böse oder die Sünde nennen – sah sich weitgehend alleingelassen.

Das stellte Thomas Jansen am 20. März in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ fest.

Der Journalist weist darauf hin, daß der protestantische baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau als erster Politiker in einer größeren Öffentlichkeit den Amoklauf als Manifestation des Bösen bezeichnete.

Jansen versteht, daß der Politiker unter seinen Berufskollegen keine Nachahmer fand: Das Eingeständnis der eigenen Ohnmacht sei bei Politikern mit einem Risiko behaftet.

Dagegen wundert sich Jansen, daß auch Kirchen und Theologen in ihren Äußerungen den Begriff des Bösen meist übergingen oder allenfalls am Rande erwähnten.


Kirchenfunktionäre reden um den heißen Brei

In kirchliche Stellungnahmen auf die tragischen Ereignisse finde sich kein Hinweis darauf, „daß es in beiden Kirchen durchaus so etwas wie eine Lehre vom Bösen gibt.“

Jansen zitiert einige Beispiel:

• Der Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche Deutschlands’, Wolfgang Huber, rhapsodierte, daß man Schmerz und Fassungslosigkeit „Raum geben“ wolle.

• Die Tragödie übersteige die „menschliche Vorstellungskraft“ – suchte der Präsident der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Zuflucht im Hyperbolischen.

• Der Württembergische Landesbischof Otfried July erinnerte an die Vaterunser-Bitter von Schuld und Vergebung. Er ließ aber – wie Jansen bemerkt – die Erlösung von dem Bösen unerwähnt.

• In dem ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Opfer in Winnenden entdeckte Jansen den Begriff des Bösen nur einmal kurz, die Sünde gar nicht.

• Auch im „Wort zum Sonntag“ kam eine evangelische Pfarrerin beim Thema Winnenden ohne das Böse und die Sünde aus.

• Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann forderte mehr schulische Sozialpädagogen und eine Verringerung der Klassenstärken.

Die Frage nach dem Warum

Diese Wortmeldungen lassen Jansen ratlos: „Warum machten Vertreter beider Kirchen nach dem Amoklauf von Winnenden einen solch großen Bogen um den Begriff des Bösen?“

Seine Antworten kleidet er in Frageform: „Weil er für die christliche Botschaft eben doch nicht entscheidend ist? Weil sie den richtigen Zeitpunkt noch nicht für gekommen hielten oder weil sie fürchteten, das Vokabular könne die Menschen abschrecken?“

Der fehlende Anlaß kann es jedenfalls nicht gewesen sein – so Jansen.

kreuz.net

Die Beobachtung ist richtig. Das Böse steht noch im Vaterunser. Und damit scheint es gut zu sein. Und der Böse? Von dem wagt sowieso niemand mehr zu reden.

Samstag, 28. März 2009

Schule: das große Durcheinander

Wandbild im Stiegenhaus der AHS Maroltingergasse.

Das Mysterium der zwei Naturen

Wir begegnen so menschlichen Zügen in Christus, dass sie sich in nichts von denen unterscheiden, die der menschlichen Schwachheit von uns Sterblichen zu eigen sind; gleichzeitig aber begegnen wir so göttlichen Zügen, dass sie nur der übergroßen und unfassbaren göttlichen Natur zustehen. Vor einem solchen Geheimnis wird das menschliche Verstehen, da es zu gering ist, von solcher Bewunderung ergriffen, dass es nicht weiß, an was es sich halten soll und wohin es sich zu wenden hat. Fühlt es doch, dass Christus Gott ist, sieht ihn aber doch sterben. Und nimmt sie ihn für einen Menschen, so ersteht er doch von den Toten mit siegreicher Beute, nachdem er die Herrschaft des Todes zerstört hat. Deshalb muss unsere Kontemplation sich üben in großer Ehrfurcht und Zurückhaltung, dass sie im selben Jesus die Wahrheit der zwei Naturen betrachtet und sich davor hütet, dem unfassbaren göttlichen Wesen Dinge zuzuschreiben, die seiner unwürdig sind oder sich nicht geziemen. Aber sie muss auch vermeiden, in geschichtlichen Ereignissen nur illusorische Trugbilder zu sehen.

Origenes, princ. 2,6,2

Gastspiel des Frühlings

Neben den Gleisen des Fortschritts

Vieles haben wir Menschen zu zähmen gelernt,
Rinde und Pferde und Hunde,
Wasser und Wind,
sogar Elektrizität und Magnetismus,
eine erstaunliche species sind wir.

Doch unsere eigene Seele
kam leider nicht nach mit dem Fortschritt,
blieb auf der Strecke,
irrt neben den Gleisen dahin,
wild, suchend und durchaus ungezähmt.

Lutherhof

Vom lebensnotwendigen Müssen

Jeder Teilnehmer unserer Kultur arbeitet sich doch unentwegt an seiner To-do-Liste ab: Ich muss ein Waschmittel kaufen, ich muss meine vernachlässigten Freunde wiedertreffen, ich muss geistig rege bleiben. (...) In dem Moment, in dem ich glaube, alles auf Erden erledigt zu haben, ob Triviales oder Philosophisches, ereignet sich eine gewisse Restlosgkeit. Der Traum vom stressfreien Leben wäre identisch mit dem Tod - und den können wir doch nicht ernsthaft herbeisehnen wollen.

Joachim Lux, der scheidende Chefdramaturg des Burgtheaters, nach einem Artikel des Standard (Ronald Pohl: Der Theaterkistenstemmer), 27. März 2009, S. 25.

Der Osterhase trägt sein Kreuz

Werbung für den katholischen Schülergottesdienst der AHS Maroltingergasse.