Freitag, 12. Februar 2010

Blicke auf Gersthof


Aus dem Schulzimmer im Marianum hinausgeschaut.

Vom Beten

Die Worte, die wir zu Gott sagen, sie können leise und arm und schüchtern sein. Wenn sie nur von Herzen kommen. Und wenn sie nur der Geist Gottes mitbetet. Dann hört sie Gott. Dann wird er keines der Worte vergessen. Dann wird er die Worte in seinem Herzen aufbewahren, weil man die Worte der Liebe nicht vergessen kann.

Karl Rahner

Provozierend und zum Nachdenken anregend

Blickfang auf der Startseite von evang.at, der Homepage der Evangelischen Kirche in Österreich.

Martinstraße

Andersherum

Das Leben ist ja schön und gut
als Mensch aus Fleisch und Blut,
nur eins stört mich so sehr daran,
daß ich den Rest kaum noch genießen kann.
Am Ende sterben ist so dumm,
ich wollt es wäre andersrum,
das Leben sollte mit dem Tod beginnen.
Es würd dabei gewinnen.

Du wachst auf in einem Altersheim
auf Früchtetee und Haferschleim,
die Enkel kommen dich besuchen
und bringn dir Wein und Kuchen,
du liegst nur, mußt dich kaum bewegen,
läßt dich von hübschen Schwestern pflegen,
irgendwann ist das leider aus,
wenn du zu jung wirst fliegst du raus.

Doch dank der Rente reicht das Geld,
du spielst Golf, fliegst um die Welt,
und ab und zu gehst du in Kur.
Dann kriegst du deine goldne Uhr
und steigst als Abteilungsleiter
ein auf der Karriereleiter.
Dickes Auto, eignes Haus,
und hängst den großen Macker raus.

Das machst du ein paar Jahre,
davon wachsen deine Haare.
Wenn das dann leider nicht mehr geht,
gehst du zur Universität,
machst einen auf Freak
und hörst rebellische Musik,
nimmst Drogen, vögelst rum,
halt ein normales Studium.

Dann Dienst, dann Urlaub, party pur,
dann machst du dein Abitur.
Die Schule, die dich amüsiert,
weil alles immer leichter wird.
Dann erwachen deine Triebe,
dann die erste große Liebe,
dann wird Fußball plötzlich wichtig,
dann wirst du süßigkeitensüchtig.

Auf Früchtetee und Haferschleim
in Mamas Armen ganz daheim
Verschwindest dann in ihrem Schoß
und läßt dann ganz allmählich los.
schmerzloses geistiges Verdumpfen
im Bewußtsein stets zu schrumpfen.
Ein Leben das als Orgasmus endet
war auf keinen Fall verschwendet.

Götz Widmann: Das Leben sollte mit dem Tod beginnen

Donnerstag, 11. Februar 2010

Skurriles aus der deutschen Provinz


Blaue Unterhose ist Schrecken der Kanalarbeiter

Bereits zum 40. Mal hat ein unbekannter Scherzbold das Kanalsystem der Kleinstadt Ladbergen im Münsterland mit einer bunten Unterhose lahmgelegt. "Sobald es heißt "Das Pumpwerk ist verstopft", wissen die Kollegen, worum es geht", sagte Klärwärter Gerold Thiemann. Jedes Mal fischen die Beamten eine anderes Paar billiger blauer XXL-Boxershorts aus der Pumpe, die das Klo heruntergespült wurden. Nur einmal war es ein rotes Modell. Seit neun Jahren treibt der Unterhosen-Unhold in Ladbergen sein Unwesen und bringt die Beamten zur Weißglut. Denn jedes Mal muss die Pumpe ausgebaut und die Hose herausgepult werden, oft auch in der Nacht. Der Unterhosen-Mann hat die Stadt schon 7200 Euro gekostet. Zuletzt mussten die Klärwärter in nur einer Woche ganze dreimal losziehen, um die Verstopfung zu lösen. Die stinkende Spur führt in ein Wohngebiet mit gut 150 Haushalten. Die Behörden rechnen aber nicht damit, dass der Mann sich outet. Deshalb schalteten sie jetzt eine Anzeige in der Lokalzeitung: "Wir wollten die Leute aufwecken - Sagen, was gehört ins Klo und was nicht - besonders dem Übeltäter." Seither läuft die Pumpe einwandfrei. Thiemann hofft auf freie Rohre.

faz.net


Frühling! Sommer! Bitte!

Kurz und knapp

Der war halt gegen Weihrauch und Knoblauch.

Kurzcharakterisierung Hitlers durch einen oberösterreichischen Altnazi, belauscht in einem Lokal in Linz.

U-Bahn-Seitenblick

Dienstag, 9. Februar 2010

Zukunft des Kinos

(...) Man darf sich nichts vormachen: Zweifel an der Zukunft des Kinos sind so alt wie das Kino selbst. Es war 1912, als Walter Rathenau bei einer Umfrage sagte: „Die Kinos werden wie Leierkasten, Karussell, Menagerie, Schaubude, Phonograph bestehen, Glück und Abstieg erleben, neue Reizungen vorbereiten und in Afrika enden.“ Das ist einer der schönsten, traurigsten und sicher hellsichtigsten Sätze, die zu dem Thema geäußert wurden. Er bedenkt die Schaustellerherkunft und den Jahrmarktsaspekt des Kinos, er erahnt „neue Reizungen“, von denen Rathenau noch gar nichts wissen konnte, wie Ton- und Farbfilm, Scope und 3-D, und er weiß schon, dass die ganzen Gerätschaften als technologisches Gerümpel in der Dritten Welt ihrem Ende entgegendämmern werden, weil sie für die Anforderungen einer digitalen und drahtlosen Zukunft zu sperrig, zu analog sind.

Wie das im Einzelnen aussehen wird, ahnte Rathenau 1912 natürlich noch nicht, aber es ehrt ihn, dass er vor dem Abstieg ein Glück imaginierte, das in der Tat Generationen verzückt hat und an dessen Fortbestand sie selten so stark zweifeln mussten wie heute. Und was dieses Glück und die Berlinale angeht, so wäre man zum Beispiel gerne im Juni 1960 dabei gewesen, als Godards „Außer Atem“ im Wettbewerb lief - allein schon um zu denken, dass es tatsächlich die unmittelbare Gegenwart gewesen ist, durch die das amerikanische Mädchen mit dem „Herald Tribune“-Hemdchen über die Champs-Elysées lief.

Das Kino als Ort

Glück und Abstieg, warum schien das immer schon so eng verbunden, von Anfang an? Rathenau wusste ja nicht, dass sein Satz sich nur auf die Präsentationsform dieser Kunst beziehen würde, weil ihre Bilder sich irgendwann emanzipieren würden von dem, was Alfred Döblin 1909 als „mannshohes Leinwandviereck über einem Monstrum von Publikum“ bezeichnete, „welches dieses weiße Auge mit seinem stieren Blick zusammenbannt“. In der Tat brauchten die bewegten Bilder irgendwann dieses Monstrum nicht mehr so, wie Rathenau und Döblin das kannten. Die Masse ja, aber nicht zur selben Zeit im selben Raum. Ob das nun mit dem Aufkommen des Fernsehens begann und durch VHS, DVD und Download nur beflügelt wurde, ist eine müßige Frage, solange das Kino auch als Ort offenbar noch profitabel genug ist, um es in dieser Form weiter zu betreiben. Die Frage ist eher, inwiefern das Kino als Kunstform tatsächlich auf das Kino als Ort angewiesen ist - oder ob es nicht auf anderen Kanälen auch überleben und sich vielleicht sogar weiterentwickeln kann.(...)

Aus Michael Althen: Wie lange wird der Film das Kino noch brauchen?, FAZ 8.2.2010