
Mittwoch, 12. August 2009
Ein fest vergessener Dichter

Geschlechterrollen in der muslimischen Welt des 19. Jahrhunderts
Huma Yusuf hat an der medizinischen Hochschule in Karachi einen Vortrag über Islam und Homosexualität gehört. Bis zum 19. Jahrhundert war die muslimische Welt relativ tolerant im Umgang mit Homosexuellen, referiert sie. Das lag unter anderem daran, dass in den islamischen Kulturen "die selben Auffassungen von Schönheit für Männer und Frauen galten. Der Vortragende zeigte mehrere Miniaturmalereien aus der Ära Abbasid, in der Männer und Frauen ununterscheidbar waren (betrachten Sie die berühmten Illustrationen von Sha Abbas mit einem Wein-Jungen). Männer trugen Make-Up und hüllten sich in Kleider und Juwelen, während Frauen mit flaumigen Schnurrbärten als besonders attraktiv galten (offenbar malten sich Frauen sogar Schnurrbärte auf, um hübscher zu erscheinen)." Erst die Kolonialmächte, mit ihrer strikten Vorstellung davon, was männlich und was weiblich ist, bereiteten dieser Laxheit ein Ende.
Deine Welt ist unser Kreuz
Die Fragen
Opera 2.0
Gemeinsam können die Nutzer der Internetplattform, auf der normalerweise per Kurznachricht abgefasste Blogs erscheinen, mit Beiträgen von je maximal 140 Zeichen ein Libretto schreiben. Jeder, der Twitter-Mitglied ist, kann mitmachen. Laut Covent-Garden-Sprecherin Alison Duthie soll so eine "Volksoper" entstehen. Es sei "die perfekte Art", alle an Oper "als ultimative Form des Geschichtenerzählens teilhaben zu lassen". So sollen laut Duthie neue Hörerschichten für die Form erschlossen werden. Das Ergebnis wird mit eigens komponierter Musik von Helen Porter sowie bekannten Arien-Melodien unterlegt.
Am ersten Akt haben sich rund 40 Teilnehmer beteiligt. Bisher entwickelt sich die Story des noch titellosen Werkes ziemlich märchenhaft: Der Held, Hans, ist von einer Gruppe von Vögeln in ein Turmverlies entführt worden, nachdem er einen von ihnen getötet hat. Eine Frau, die ihm helfen will, sucht derweil nach einem Serum, das helfen soll, die Sprache der Vögel zu verstehen. Weitere Rollen spielen eine singende Katze und ein "Fisch-Schwert". Eine erste literarische Klimax erreicht das Libretto mit dem Vogelchor, der, twittergerecht, "tweet tweet tweet" singt.
Uraufgeführt werden soll die Twitter-Oper am 5. und 6. September am Royal Opera House, allerdings nicht vollständig. Zwei Sänger werden diverse Rollen übernehmen und Auszüge vortragen.
Alexander Menden: Oper-Gezwitscher. Royal Opera House lässt auf Twitter Libretto schreiben, sueddeutsche.de 12.08.2009