Samstag, 28. Februar 2009
Rätselhaft
Abwrackerei
(...)
Wer Erfolg hat, findet bekanntlich immer Nachahmer. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass nun auch andere Branchen in dem Erfolgsmodell Abwrackprämie den goldenen Weg aus der Krise sehen. Koffer, Schuhe, Möbel, Fernseher, Kameras, Waschmaschinen, Computerteile und sogar Töpfe – fast alles, was irgendwie abgenutzt, schäbig, aus dem Leim gegangen, nicht mehr taufrisch oder nicht mehr ganz dicht ist, kann derzeit mit satten Rabatten gegen Neuware eingetauscht werden. Und wenn man sich dann noch überlegt, wie bereitwillig – ja geradezu euphorisch – Hunderttausende ihre langjährigen Fast-Schon-Familienmitglieder für ein paar Kröten aus dem Konjunkturpaket auf den letzten, traurigen Weg in Richtung Schrottplatz schicken, dann wird einem doch ein bisschen Angst und Bange. Was, wenn sich noch ganz andere Nachahmer für das Prinzip „Tauschen Sie Ihren schäbigen Alten gegen was schickes Neues“ finden? Krankenkassen, Ärzte, Partnervermittlungen – neiiin, wir wollen nicht abgewrackt werden!
GMX Magazin 08/2009 (Per e-mail an alle Mitglieder von gmx.net am 27.02.2009)
Freitag, 27. Februar 2009
Hier setzt jemand Maßstäbe!
"Liebe deutsche Österreicher!"
Hektoliterweise kühles Bier, dazu eine fleischlose Jause mit Heringschmaus und jede Menge Sprüche, von denen mancher tief unter der Gürtellinie landet: Seit 18 Jahren sind die Ingredienzien des politischen Aschermittwochs in Ried im Innkreis weitgehend unverändert. So auch am Mittwoch, als rund 2000 zahlende Gäste der Einladung der FPÖ in die Jahnturnhalle folgten.
Die erste Provokation hatte sich Parteichef Heinz-Christian Strache lange vor der Veranstaltung geleistet: Zu den Funktionären und Sympathisanten, die im selben Ambiente bereits den Partei-Obleuten Haider, Haupt und Haubner gelauscht hatten, lud Strache Filip Dewinter, Fraktionsvorsitzenden des rechtsextremen flämischen "Vlaams Belang". Dewinter begrüßte die Strache-Fans als "liebe deutsche Österreicher . . ."
Immer blau
In Fahrt: StracheBeim anschließenden Auftritt Straches sollte die wahlkämpfende Konkurrenz in Kärnten ihr Fett abbekommen: "Der Fuß zu klein, der Schuh zu groß, dann geht der Schuss nach hinten los", richtete Strache Gerhard Dörfler, dem Spitzenkandidaten des BZÖ, aus. Sowohl Dörfler als auch Kärntens SPÖ-Chef Reinhart Rohr will Strache nicht als Landeshauptmann sehen: "Der Job ist für beide eine Nummer zu groß. Die sollten es besser als Bürgermeister im Minimundus probieren."
Die Bundesregierung kritisierte Strache unter anderem ob ihrer Maßnahmen in staatsnahen Betrieben ("Dank Faymann und Co grüßt man sich bei AUA und ÖBB nicht mit ,Grüß’ Gott‘ sondern mit goldenem Handshake"). Auch Wiens Bürgermeister erfuhr "Würdigung": "Ich versteh’ nicht, was Häupl gegen die FPÖ hat – der ist ja selbst 365 Tage im Jahr blau."
Eva Glawischnig bezeichnete Strache als Mitglied der "Gucci-Handtaschenfraktion" bei den Grünen.
Gewettert wurde beim FP-Aschermittwoch gegen den Islam. Dewinter: "Unser Europa ist ein zivilisiertes Land der Schlösser und Kathedralen, nicht der Moscheen und Minarette." Die FPÖ will die EU-Wahl zu einer brutalen Abrechnung machen. (...)
Ein Ausnahmemensch
Aus einem Artikel von Claus Spahn über den heute 16-jährigen Pianisten Kit Armstrong in der ZEIT vom 26.02.2009
Am Westbahnhof
Donnerstag, 26. Februar 2009
Klare Gedanken und Worte zu einem heiklen Thema
Nicht-Muslimen wird der Islam als "Religion des Friedens" und Bereicherung dargestellt. Aus Gründen der "Political Correctness" wurde diese Behauptung nie infrage gestellt. Von Muslimen wird bestenfalls verbal die Eingliederung ins "europäische" Lebensmodell eingefordert. Auch wurde bis heute nicht überprüft, ob der Islam den Staatsgesetzen entspricht, wie es das Islamgesetz von 1912 verlangt.
Das offizielle Österreich weiß nicht, was islamischer Glaubensinhalt ist. Nicht nur das: Im Einklang mit dem 1983 genehmigten Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht wird an Pflichtschulen die "Islamische Staatsordnung" – also auch die Scharia – gelehrt.
In unzähligen Dialogveranstaltungen – gesponsert aus österreichischen Quellen – werden Gemeinsamkeiten gesucht, ohne Österreichs Gesetze als oberste Richtschnur des Zusammenlebens einzufordern. Meist wird nur die katholische Kirche dem Islam gegenübergestellt. Die säkulare Gesellschaft kommt nicht vor, obzwar deren Gesetze die Richtschnur für das Zusammenleben bilden.
So erhielt der Verein "Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen" den Demokratiepreis 2008 für Beiträge zur "Integration durch Partizipation". Es fiel gar nicht auf, dass dieses Motto das Nebeneinander (wenn nicht Gegeneinander) und nicht das Miteinander etabliert! ORF-Beiträge folgen vorwiegend diesem Schema, ebenso die Mentoring-Programme von Integrationsfonds und WKO. Diese sollten Migranten auf den heimischen Arbeitsmarkt einstimmen und das österreichische Lebensmodell einfordern.
Das Weichspülen hat auch eine internationale Entsprechung. Am Tag der Menschenrechte (10. Dezember) wird uns die UN-Menschenrechtsdeklaration 1948 ins Gedächtnis gerufen. Für Muslime gilt aber die Kairoer Islamische Menschenrechtsdeklaration von 1990, das heißt die Scharia. Nach "westlichen" Vorstellungen von Menschenrechten ist der Einzelne frei, seine religiöse Anschauung zu wählen und zu leben. Nach islamischem Verständnis ist Religionsfreiheit die uneingeschränkte Entwicklungsmöglichkeit des Islam als Kollektiv in jeglichem Umfeld.
Selbst die EU-Agentur für Grundrechte setzt ihren Schwerpunkt auf die Verfolgung von Islamophobie. Christophobie oder Angriffe auf das westliche Lebensmodell – also auf "Ungläubige" – kommen nicht vor.
Wo bleibt die Aufsichtspflicht des Staates? Wann wird endlich die schriftliche Offenlegung des islamischen Glaubensinhalts in einer Art "Konkordat" eingefordert?
Dr. Harald Fiegl war Handelsdelegierter in der Türkei.
Wiener Zeitung Printausgabe vom Mittwoch, 25. Februar 2009