... aber gefreut haben wir uns schon sehr.
Sonntag, 15. März 2009
Samstag, 14. März 2009
Hybris der Süßwarenindustrie

Eine Werbeaktion des Süßigkeiten-Herstellers Mars Deutschland (Viersen) stößt unter Christen auf Kritik. Das Unternehmen beteiligt sich auf der Internetplattform MySpace.com als Partner an einer Verlosungsaktion für eine Gastrolle in der Web-TV-Serie „Wir sind größer als Gott“.
In der Comedy-Serie stehen den Angaben zufolge „zwei mäßig talentierte Rocker“, Lemmy und Huhn, im Mittelpunkt, „die als Band ganz groß rauskommen wollen“. Allerdings interessiere sich kein Mensch für ihre Musik. Die zwei Hauptprotagonisten übernehmen daraufhin in Berlin-Neukölln eine Kneipe, die sie „kurzerhand zum In-Club für angesagte Bands“ erklären. Die Web-TV-Serie soll am 7. April starten. In der Werbung von Mars wird ein aus der Kunstgeschichte bekanntes Symbol für Gott präsentiert – ein Dreieck mit dem Auge Gottes, umgeben von einem Strahlenkranz, und dem umstrittenen Slogan „Wir sind größer als Gott“. Erste Proteste dagegen sind inzwischen bei der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) eingegangen. Kritiker halten die Werbung für gotteslästerlich. Ein Internetsurfer vertritt die Ansicht, dass sich die Verantwortlichen des Unternehmens gar nicht bewusst sind, „was sie da machen“. Das Echo auf die bis zum 15. März befristete Werbeaktion ist bisher eher verhalten. Seit dem Start am 27. Februar wurde die Internetseite bislang etwa 25.000 Mal angeklickt, doch der entsprechende Blog hat noch keinen Eintrag.
idea.de
War da nicht vor einiger Zeit auch diese Magnum-Sonderedition "Die 7 Todsünden"? Die Affinitäten der Süßwarenindustrie zur christliche Tradition sind offenbar groß, es ist nur ein kleiner Schritt in die Blasphemie.
Fragen
"Es gibt nach Amokläufen keine Vorfreisprechung, die sich im Internet, in Blogs und Foren so schnell verbreitet wie die Behauptung: Mit gewalttätigen Videospielen hat das natürlich nichts zu tun. Getrieben von der Ahnung, dass sich im Zimmer des Mörders wie bei so vielen anderen eine umfassende Sammlung an Gewaltverherrlichung in Ton, Bild und Waffen findet, wird vorbeugend klargestellt, dass man bei Videospielen wie Counterstrike auf Seiten der guten Polizei anderen aus dem Hinterhalt das Gehirn aus dem Kopf schießt, und dass es zentral um Strategie gehe, keinesfalls aber um das Vergnügen bei der Betrachtung mannigfaltig verstreuten Kadaver. Die Gemeinde der Spielfreunde ist sich da so sicher wie der NPD-Mann, dass die Hetzreden nicht zu Brandanschlägen führen, sie vertreten ihre Überzeugung wie der Spirituosenhersteller, der keinen Zusammenhang seiner Produkte mit Komasaufen erkennen kann. Journalisten, die dergleichen nie nächtelang gezockt haben, kennen sich ohnehin nicht aus.
Das stimmt. Ich habe keine Ahnung, wie das ist, nächtelang mit Freunden vor einem Rechner zu hängen und sich mit Bier und schlechtem Essen die Zeit über das Lösen von Tasks und sich in den Weg stellenden menschlichen Hindernissen - seien es nun bewaffnete Figuren aus dem Rechner oder genervte Eltern - zu vertreiben. Ich gehörte eher zu denen, die gern gelesen haben, und besitze keinen Fernseher und kein Videospiel. Ich pflege eine Bibliothek. Und weil ich so absolut keine Ahnung von all der modernen Lust an Mord und Totschlag habe, habe ich ein paar Fragen:
Tatsächlich also bleibt da diese Frage: Warum metzelt niemand, der gerade Heines anzügliche Gedichte gelesen hat, ein Mädchen nieder, und warum erschießt jemand nach Monaten von Horrorvideos und Ballerspielen ihm vollkommen unbekannte Menschen mit zynischen Sprüchen? Warum greifen Waffennarren zu Waffen und Büchernarren nur zu Büchern? Wieso erscheint es uns so absurd, würde man annehmen, jemand würde nach der erfreulichen Lektüre von Schloss Gripsholm auch nur grundlos jemanden schlagen, und warum ist man so überhaupt nicht überrascht, wenn jemand nach einem Tag zocken sich auch im realen Leben nicht mehr angemessen zu benehmen weiß? Und wieso ist es nicht absurd, den Ballerspielen genau diesen Effekt abzusprechen?
Zeitungswerbung der Casinos
Wie Gott
"Die Suche nach den Motiven ergibt bei den Schulmördern regelmässig dasselbe: Sie hatten sich Verrohung ‚angedeihen' lassen. Schusswaffen hatten sie in Griffnähe, vor allem aber gaben sie sich mit Gewaltvideos und Killerspielen ab. Vereinsamten sie, als Schulversager, Eigenbrötler oder Ausgegrenzte, gerieten sie auf die tödliche Bahn.
Wir brauchen keine Armeepsychologen und weitere Experimente, um zu erkennen, dass eine Flut von Bildern mit Gewalt, visuell aufgenommen und reflexartig mit dem Joystick beantwortet, enthemmend wirkt. Zahllose Spiele belohnen den, der sich den Weg blitzschnell freischiesst - und wenn man selbst unterliegt oder getroffen wird, hat man die nächste Chance. Kein Spiel, das die Gewalt des Schützen auf ihn zurückfallen lässt, würde sich verkaufen. So bauen sich Allmachtsphantasien auf."
Peter Schmid auf jesus.ch
Freitag, 13. März 2009
Junge Männer
Nur ein Fake


Was der baden-württembergische Innenminister präsentierte, war aber nichts als eine plumpe Fälschung. Allein schon der Text hatte mich stutzig gemacht. Auch wenn Baden-Württemberg ein Land mit hohem Schulbildungsniveau ist, - so schreibt kein 17-Jähriger - schon gar nicht im Internet mitten in der Nacht.Alles klar?
Einen Tag nach dem Amoklauf von Winnenden kommen zunehmend Details der Tat ans Licht. Auch gibt es Hinweise auf ein mögliches Motiv des 17-jährigen Tim K. Demnach war der Amokläufer seit dem vergangenen Jahr wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung. Zeitweise wurde er auch stationär behandelt. Die Therapie sollte er in einer Klinik in Winnenden fortsetzen, er brach sie aber selbst ab.
Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) teilte zudem mit, dass Tim K. in der Nacht vor der Tat im Internet einen Hinweis auf sein Verbrechen gegeben habe. Gegen 2.45 Uhr habe es in einem Internetforum geheißen: "Ich meine es ernst, Bernd - ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen. Merkt Euch nur den Namen des Orts: Winnenden".
Tim K. hat nach Angaben der Ermittler viel Zeit vor seinem Computer verbracht. Die Beamten fanden "typische Computerspiele" wie Counterstrike und Pornobilder. Außerdem wurden im Zimmer des 17-Jährigen neben Horrorfilmen auch handschriftliche Aufzeichnungen mit Titeln wie "Tod aus Spaß" entdeckt.
Also ist alles wieder gut. Doch ein typischer Amokläufer: Verschlossen, ein Computerspieler - und Horrorvideos hatte er auch. Und vielleicht sogar Pornos. Da lehnt sich die Seele beruhigt zurück in ihren Lehnstuhl. Aber wie viele Jugendliche kenne ich, auf die das alles ebenso zutrifft? Hoffentlich sind deren Väter nicht im Schützenverein...
Als Theologe fühle ich mich nur bestätigt in der Auffassung: Es gibt nichts, wozu ein Mensch nicht fähig wäre.

