Samstag, 21. März 2009

Mit dem Tod muss man immer rechnen

Durch den Tod ihrer Mitreisenden war der Norwegen-Urlaub einer Frau nicht erheblich beeinträchtigt, und die Fortsetzung der Ferien war ihr rechtlich gesehen zumutbar. So jedenfalls urteilten Richter des Amtsgerichts Bonn – moralisch für Laien womöglich nicht auf Anhieb verständlich.

Im betreffenden Fall war eine Frau durch einen Steinschlag getötet worden. Ihre Begleiterin, die unverletzt geblieben war, wollte nach dem tragischen Geschehen vorzeitig nach Hause zurück – formal war das eine Reise-Kündigung – und erwartete einen kostenfreien Rücktransport. Der Reiseveranstalter organisierte zwar diesen frühzeitigen Rückflug, verlangte aber von der betroffenen Kundin durch eine Klage die Mehrkosten in Höhe von rund 185 Euro zurück.

Zu Recht, so die Bonner Richter. Denn zur Kündigung mit kostenfreiem Rücktransport war die überlebende Urlauberin nach Juristen-Meinung nicht berechtigt, weil die Reise selbst nicht "mit Mängeln behaftet" und somit auch "nicht beeinträchtigt" war. Nüchtern formulieren die Juristen: "Die seelische Beeinträchtigung, die auf Seiten der Beklagten zweifellos vorlag, stellt kein Kriterium der Unzumutbarkeit…dar."

Urteil AG Bonn, Az.: 16 C 53/06  [Rheinische Post]

Kinderlärm oder Behinderte im Frühstücksraum können nach Ansicht deutscher Gerichte einen Reisemangel darstellen, nicht aber der Tod eines Mitreisenden. Gilt das auch für Eltern und Kinder? "Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen..." Diese mittelalterliche Weisheit bestimmt offenbar auch heute noch deutsche Rechtsprechung. Und da sage einer, wir lebten nicht im christlichen Abendland...

Kathedrale der Kunstreligion


Der Wiener Musikverein

Schlagzeile eines Artikels in der Wiener Zeitung (Wirtschaftsteil) vom 21. März 2009

Im Verlauf dieses Artikels ist u.a. folgendes zu lesen: "Nicht gespart wird hingegen bei allem, was den eigenen Körper schmückt." (...) Der Jugendforscher Philipp Ikrath kennt für das jugendliche Konsumverhalten einen simplem Grund: In ungewissen und immer komplexer werdenden Zeiten sei der Körper das einzige Kapital der Teenager (...). 
Parallel zur ökonomischen Krise zeichnen sich bei den Jugendlichen auch Sinnkrisen ab: Viele hätte Angst, dass sie den Lebensstandard ihrer Eltern nicht halten werden können, heißt es. Gefühle würden dann etwa durch Rebellion oder neue Lebensstile - wie etwa als "'Emo' oder 'Krocha' - ausgedrückt."



Grafik aus der "Presse"

Mit meinen Schülern spreche ich oft über die Fragen ihres Freizeitverhaltens, ihre Interessen und auch ihre finanziellen Möglichkeiten. Dabei tritt sehr oft eine nicht die sprichwörtliche "Wohlstandsverwahrlosung" zu Tage: "Meine Eltern kümmern sich nicht um mich. Sie geben mir aber 200 Euro Taschengeld." "Und was musst du davon kaufen?" "Nicht weiter, damit kann ich tun, was ich will. Das ist für Zigaretten und zum Weggehen." Es können auch mehr als 200 Euro sein, das kommt auf die Verhältnisse im Einzelfall an. 
Mein Eindruck ist: Eltern kaufen sich davon frei, sich um ihre Kinder noch kümmern zu müssen. Viel Freiheit und viel Geld - damit vermeidet man alle Konflikte und stiehlt sich aus der Erziehung und der Verantwortung einfach hinaus.

Ja, damals...

Zu fragmentarisch ist Welt und Leben!
Ich will mich zum deutschen Professor begeben,
Der weiß das Leben zusammenzusetzen,
Und er macht ein verständlich System daraus;
Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen
Stopft er die Lücken des Weltenbaus.


Heinrich Heine

Natürlich zielt Heine hier auf Hegel. Lang, lang ist's her... 
Und heute? Globalisierung und Diversifikation aller Perspektiven. Eine einheitliche Welterklärung? Waren wir je weiter davon weg, so etwas auch nur für möglich zu halten? 

Von unten geschaut


Freitag, 20. März 2009

Der Ruf der Freiheit

And if you want to say no, say no
cause theres a million ways to go
You know that there are

And if you want to be me, be me
And if you want to be you, be you
cause theres a million things to do
You know that there are


Cat Stevens

Aus einem seiner Lieder für den ehemals berühmten Film "Harold and Maude", der in meiner Generation geradezu Kultstatus besaß.
Dieser Film ruft heute bei Jugendlichen nichts als Kopfschütteln und Unverständnis, ja Ekel und Abscheu hervor, so dass man ihn in der Schule eigentlich nicht mehr zeigen kann.
So ändern sich die Zeiten.

Neulich im Regen

 
 
 
 
Erstmals gab es heuer einen ökumenischen Jugendkreuzweg von der Votivkirche am Schottentor bis zur Kalvarienbergkirche im 17. Bezirk, und er machte auch im Lutherhof Station. Leider regnete es an diesem Abend, aber das tat dem Engagement der Teilnehmer keinen Abbruch.

Donnerstag, 19. März 2009

Buntes Stückwerk

Das menschliche Leben gleicht einem Gewebe, natürlich. Alles ist Text. Ein Bild, das ich gelegentlich bei Jubiläumstrauungen (und auch bei Beerdigungen) verwendet habe: Das Leben ist wie ein Teppich, bei dem wir nur die Unterseite mit den Knoten und vielen bunten Fäden sehen, erst sehr spät im Leben bekommen wir die Schauseite zu Gesicht, und dann wird das Bild klarer.
Aber neuerdings modifiziert sich mir das Bild noch einmal: Ja, das Leben ist ein Gewebe, aber es ist noch viel bunter und patchworkartiger: So, als ob viele Menschen die Handarbeitstechnik immer wieder einmal über der Arbeit wechseln: Geknüpftes schließt sich an Gewebtes an, Gestricktes an Gehäkeltes, im farbenfrohen Durcheinander. Stückwerk zwar, aber bunt und schön. Ein Gesamtkunstwerk. Manchmal irritierend. Nichts von der Stange, nichts nach Schablone. Ein Einzelstück.

Kinski - Jesus

Dienstag, 17. März 2009

Verschiebung der Perspektive

Es geht nicht mehr um ein Leben nach dem Tod – es geht um ein Leben nach der Rente.

Der deutsche Kabarettist Volker Pispers